Königspinguin
Aptenodytes patagonicus
© 1991 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Der Königspinguin (Aptenodytes patagonicus)
ist das zweitgrösste Mitglied der Familie der Pinguine (Spheniscidae).
Er weist eine Körperlänge um 90 Zentimeter und ein
Gewicht um 16 Kilogramm auf. In der Grösse übertroffen
wird er nur noch von seinem nächsten Verwandten, dem Kaiserpinguin
(Aptenodytes forsteri), der eine Körperlänge
um llO Zentimeter und ein Gewicht um 30 Kilogramm erreicht. Beide
Arten kommen auf der südlichen Erdhalbkugel vor, der Kaiserpinguin
im Küstenbereich des antarktischen Festlands, der Königspinguin
auf den subantarktischen Inseln, und beide sind sie hochspezialisierte
Meeresvögel, welche unter Wasser Jagd auf kleine Fische
und Tintenfische machen.
Mannsgrosse Vorfahren
Die Stammesgeschichte der Pinguine ist nicht genau
bekannt, da das vorhandene Fossilmaterial ziemlich spärlich
ist. Soviel wir aber wissen, haben sich die Pinguine vor ungefähr
45 Millionen Jahren entwickelt. Jene frühen Vorfahren waren
zumeist von ähnlicher Grösse wie die «modernen»
Pinguine. Es gab allerdings unter den «Urpinguinen»
auch ein paar Riesen. So lebten vor 11 bis 25 Millionen Jahren
zwei Pinguine, von denen der grössere eine Standhöhe
von 1,5 bis 1,7 Metern und ein Gewicht um 120 Kilogramm aufwies.
Das Verschwinden dieser mannsgrossen Pinguine fällt interessanterweise
mit der Zeit zusammen, da sich die Delphine entwickelten. Möglicherweise
unterlagen die Riesenpinguine im Konkurrenzkampf mit diesen Meeressäugetieren;
vielleicht wurden sie auch das Opfer ihrer Verfolgung.
Die Pinguine sind seinerzeit wahrscheinlich aus Meeresvögeln
entstanden, welche den heutigen Tauchsturmvögeln (Familie
Pelecanoididae) ähnlich sahen. Diese etwa starengrossen
Vögel sind verhältnismässig schlechte Flieger,
dafür aber gute Schwimmer und geschickte Taucher. Sie mausern
sich sogar auf hoher See, verlieren dabei sämtliche Schwungfedern
gleichzeitig und büssen so vorübergehend ihre Flugtüchtigkeit
ein. Während dieser Phase ähneln sie in ihrer Lebensweise
stark den Pinguinen und lassen ahnen, auf welchem Weg es einst
zur Herausbildung dieser vollständig fluglosen Meeresvögel
kam.
Perfekt ausgerüsteter Unterwasserjäger
Der Königspinguin ist wie alle seine Vettern
hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Als körperliche
Eigenschaften wären etwa zu nennen: die spindelförmige
Gestalt, welche besonders strömungsgünstig ist, die
weit hinten liegenden Beine mit den Schwimmfüssen, welche
wirkungsvolle Steuerorgane abgeben, und die flossenartigen Flügel,
deren abgeflachte Knochen mit Bändern straff verbunden sind
und dadurch feste Ruderschaufeln bilden.
Dicke Unterhaut-Fettpolster bewahren den Körper
in den frostigen subantarktischen Gewässern vor Auskühlung.
Und auch das dichte, wasserundurchlässige Gefieder schützt
die warmblütigen Pinguine sehr wirkungsvoll vor Wärmeverlust.
Alle Federn haben eine sehr einheitliche Form und tragen am Grund
einen umfangreichen Dunenteil. Die Federspitzen überlagern
einander wie Dachziegel und bilden eine wasserdichte äussere
«Schale», während der Dunenteil eine luftgefüllte
Isolationshülle abgibt.
Auch das grösste Problem der menschlichen Taucher,
der Sauerstoff-Nachschub unter Wasser, wurde von den Pinguinen
im Laufe ihrer Stammesgeschichte perfekt gelöst: Sie verfügen
über grosse Mengen an Myoglobin, einem dem Hämoglobin
verwandten Muskelfarbstoff, welcher der Speicherung von Sauerstoff
im Muskelgewebe dient. Das Myoglobin versorgt die Muskeln der
Pinguine unter Wasser gleichmässig mit dem benötigten
Sauerstoff und ermöglicht den Vögeln lange Tauchzeiten
von wahrscheinlich bis zu hundert Minuten.
Auf subantarktischen Inseln zu Hause
Der Königspinguin ist wie bereits erwähnt
nicht auf dem antarktischen Festland selbst zu Hause, sondern
ist ein Vogel der subantarktischen Zone. Er legt seine Brutkolonien
auf einer Reihe subantarktischer Inseln rund um den Erdball herum
an.
Die für die vorliegende Briefmarkenausgabe verantwortlich
zeichnenden, der britischen Krone gehörenden Falklandinseln
befinden sich am nördlichen Rand des Verbreitungsgebiets
der Art. Deshalb war die örtliche Brutpopulation wahrscheinlich
nie besonders gross und dürfte zu keiner Zeit mehr als etwa
1000 Paare umfasst haben. Zu Beginn unseres Jahrhunderts galt
der Königspinguin auf den Falklandinseln allerdings aufgrund
der übermässigen Bejagung durch den Menschen als ausgestorben.
Er vermochte sich erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts wieder
anzusiedeln, und in der Folge ist sein Bestand stetig angewachsen.
Es existiert heute eine Hauptkolonie mit 250 bis 300 Paaren,
und es sieht so aus, als würden sich nun kleinere Gruppen
auch in anderen Teilen der Inselgruppe bilden.
Diese erfreuliche Entwicklung der Königspinguin-Population
auf den Falklandinseln widerspiegelt die Entwicklung des Gesamtbestands
der Art. Überall ist ein Anwachsen der Brutpopulationen
zu verzeichnen, besonders ausgeprägt auf dem ebenfalls britischen
Südgeorgien: Dort lebten noch in den dreissiger Jahren unseres
Jahrhunderts «nur» etwa 2000 bis 3000 Königspinguin-Paare.
In den siebziger Jahren waren es dann schätzungsweise 30
000 bis 40 000, und Ende der achtziger Jahre bereits um 100 000.
(Sehr umfangreiche Populationen finden sich im übrigen auf
der australischen Macquarie-Insel und den französischen
Crozetinseln.) Einiges deutet darauf hin, dass die neuzeitliche
Schlächterei der Bartenwale, welche in einem gewissem Ausmass
Nahrungswettbewerber der Pinguine sind, den Vögeln Vorteile
gebracht hat und ein wichtiger Grund für das schnelle Anwachsen
ihrer Populationen ist.
Während sich die Brutkolonien der Königspinguine
auf Südgeorgien im Bereich vegetationsloser Endmoränen
befinden, liegt die Hauptkolonie auf den Falklandinseln auf einem
flachen Küstenplateau, welches mit einem dichten, kurzen
Rasen bewachsen ist. Diesen Brutplatz teilen die Königspinguine
mit den kleineren Eselspinguinen (Pygoscelis papua) und
den Magellanpinguinen (Spheniscus magellanicus) sowie
mit Mähnenrobben und vereinzelten See-Elefanten.
Zwei Bruten in drei Jahren
Königspinguine sind sehr gesellige Vögel.
Sie gehen scharenweise ins Wasser, suchen in grösseren Schwärmen
ihre Nahrungsgründe auf und brüten in grossen, lärmenden
Kolonien. Ein vollständiger Brutzyklus dauert bei den Königspinguinen
fast vierzehn Monate, und deshalb ist es ihnen nicht möglich,
alljährlich eine Brut durchzuführen, wie dies sonst
bei Vögeln üblich ist. Königspinguine brüten
in drei Jahren zweimal. Der erste Brutzyklus beginnt im November,
also im südlichen Frühsommer, mit der Balz und der
Paarung. Im Dezember legt das Weibchen ein einzelnes Ei. Männchen
und Weibchen bebrüten das Ei in der Folge abwechslungsweise
während durchschnittlich 54 Tagen. Nach dem Schlüpfen
bedarf der Jungvogel weitere neun Monate lang der elterlichen
Fürsorge. Dann erst erfolgt der Wechsel vom jugendlichen
Dunenkleid zum Erwachsenengefieder und, kurz darauf, die Loslösung
des Jungvogels von seinen Eltern.
Nun müssen sich die Altvögel vorübergehend
intensiv dem Nahrungserwerb widmen, um sich von der anstrengenden
Zeit der Jungenaufzucht zu erholen und das Gefieder zu erneuern.
Dann erst sind sie für die nächste Brut bereit. Der
zweite Brutzyklus beginnt daher in der Regel erst nach Ablauf
von vierzehn Monaten, mit der Balz und Paarung im Januar, der
Eiablage im Februar und dem Schlüpfen der Jungen im April.
Den Jungtieren bleibt nun nur noch sehr wenig Zeit, um vor Beginn
des südlichen Winters so weit heranzuwachsen, dass sie diese
nahrungsarme und klimatisch besonders harte Jahreszeit zu überstehen
vermögen. Sie machen sich gewöhnlich erst im nächsten
Februar selbständig. Damit ist jedoch die verbleibende Zeit
vor dem nächsten Winter für die Altvögel zu knapp,
um sich von den Strapazen zu erholen, das Gefieder zu wechseln
und nochmals mit einer Brut zu beginnen. Sie setzen darum mit
der Bruttätigkeit vorübergehend aus, nehmen gewissermassen
den Winter über «frei», und widmen sich erst
ab dem folgenden November wieder der Fortpflanzung.
Die erwachsenen Königspinguine vollbringen bei
der Aufzucht ihrer Jungen enorme Leistungen. In den Sommermonaten,
wenn das Futterangebot reichlich ist, tragen sie ihrem Nachwuchs
bis zu einem Kilogramm Nahrung je Stunde zu. Im Durchschnitt
unternehmen sie etwa 150 Tauchgänge pro Tag, von denen mehr
als die Hälfte in Tiefen von über 50 Metern, einige
sogar in Tiefen von über 240 Metern führen.
Während der Wintermonate ist das Nahrungsangebot
stark reduziert, und die Altvögel benötigen bedeutend
mehr Zeit für die Nahrungsbeschaffung. Oft dauern ihre Nahrungssuchausflüge
dann mehrere Tage. Die Jungvögel zehren während dieser
Mangelperiode von ihren Fettreserven, die sie sich vor dem Winter
angemästet haben. Und sie gehen möglichst sparsam mit
der gespeicherten Energie um, indem sie mit ihren Altersgenossen
eng zusammenrücken und so die Angriffsfläche für
Wind und Wetter in ihrem ungemütlichen subantarktischen
Zuhause auf ein Minimum reduzieren.
An Land haben die erwachsenen Königspinguine
auf ihren abgeschiedenen subantarktischen Inseln keine natürlichen
Fressfeinde zu fürchten. Sie müssen einzig ihre Eier
und kleinen Jungen vor den gelegentlichen Angriffen von Riesensturmvögeln
(Macronectes giganteus und halli) schützen.
Im Meer lauern die grösseren Gefahren, und zwar in Form
von Schwertwalen und besonders von Seeleoparden aus der Verwandtschaft
der Robben.
Touristen verursachen Aufregung
Die Entdeckung der subantarktischen Inseln durch den
Menschen vor rund 200 Jahren brachte den Königspinguinen
nichts Gutes. Ihr «Nährwert» war rasch erkannt,
und viele der frühen Seefahrer, welche in die südlichen
Meere vordrangen, ergänzten ihre mageren Essensrationen
gerne mit frischem Pinguinfleisch. Ungezählte Königspinguine
mussten sodann ihr Leben lassen, nachdem der Mensch entdeckt
hatte, dass sich aus ihrem Unterhautfett ein erstklassiges Öl
(«Pinguintran») für die verschiedensten Verwendungszwecke
herstellen liess. Mancherorts wurden die Vögel aus diesem
Grund vollständig ausgerottet. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts
preiswerte petrochemische Produkte die natürlich gewonnenen
Öle allmählich vom Markt verdrängten, hörte
die Bejagung der Königspinguine glücklicherweise wieder
auf, und die Bestände vermochten sich in der Folge vielerorts
wieder zu erholen.
Auf den Falklandinseln erwuchsen den Königspinguinen
allerdings in jüngerer Zeit neue Gefahren. Zwar richteten
die Kampfhandlungen während des argentinisch-britischen
Falklandkriegs im Jahr 1982 unter den Wildtieren wenig direkten
Schaden an. Er machte die südatlantische Inselgruppe jedoch
allgemein bekannt und bewirkte einen ungeahnten Besucherstrom
zu diesem Aussenposten der Zivilisation. Die meisten Besucher
wollten natürlich auch etwas von der einzigartigen Tierwelt
der Falklandinseln sehen, und nicht zuletzt zog der Königspinguin
als besonders attraktiver Meeresvogel die Aufmerksamkeit vieler
Inselbesucher auf sich. Das brachte den örtlichen Meeresvogel-Brutkolonien
viel Unruhe und Aufregung. Die Regierung der Falklandinseln erliess
hierauf verschiedene Schutzmassnahmen. Der Zutritt zu den Kolonien
durch Touristen wie auch durch Naturwissenschaftler wird nun
streng überwacht. Probleme gibt es mitunter höchstens
noch mit militärischen Besuchern, welche über eine
grössere Bewegungsfreiheit und bessere Transportmittel (Helikopter)
verfügen.
Eine weitere Gefahr jüngeren Datums für
die lokalen Meeresvogelpopulationen stellen die Fischereiaktivitäten
in der näheren Umgebung der Falklandinseln dar. Die Gewässer
im Bereich der Falklandinseln, so weiss man seit noch nicht allzu
langer Zeit, beherbergen schier unbegrenzte Bestände an
Tintenfischen, und dies hat Fangschiffe aller Nationen angelockt.
Anfänglich existierten keinerlei gesetzlichen Bestimmungen,
welche die Fischerei im Bereich der Falklandinseln regelten,
und es musste befürchtet werden, dass die Bestände
über kurz oder lang völlig leergefischt würden.
Die Regierung der Falklandinseln sah sich deshalb dazu veranlasst,
die Überwachung der Fischereiaktivitäten im Umfeld
des Archipels an die Hand zu nehmen. Das bringt der kleinen britischen
Aussenbesitzung nicht nur willkommene zusätzliche Einnahmen
durch die Vergabe von Fischfang-Lizenzen, sondern ermöglicht
auch die nachhaltige Bewirtschaftung der lokalen marinen Ressourcen
durch die Festlegung von Fangquoten. So wurde die Gefahr, dass
den lokalen Meeresvögeln wie auch den Robben nach und nach
die Nahrungsgrundlage entzogen wird, wesentlich vermindert.
Die Anstrengungen zum Schutz der auf den Falklandinseln
heimischen Wildtiere umfassen derzeit auch diverse wissenschaftliche
Studien. So werden besonders die Ernährungsgewohnheiten
einzelner Meeresvogelarten genauer untersucht, um das erforderliche
Wissen für gezielte Schutzmassnahmen zu erhalten. Ausserdem
werden sowohl auf den beiden Hauptinseln als auch auf den etwa
200 Nebeninseln des Archipels alle wichtigen Lebensräume
der heimischen Tierwelt identifiziert und kartiert, um die Entscheidungsgrundlagen
für die Ausweisung weiterer Schutzgebiete zu haben.
Die Schaffung von Naturschutzgebieten wird durch eine
Verordnung aus dem Jahr 1964 ermöglicht. Mehrere Schutzgebiete
existieren bereits. Die meisten davon gehören der britischen
Krone, andere sind in Privatbesitz oder werden von privaten Naturschutzorganisationen
verwaltet. Weitere Verordnungen sind jetzt dringend erforderlich,
welche die Erhaltung besonders der in privater Hand befindlichen
Schutzgebiete auf lange Sicht gewährleisten und Richtlinien
für ihr Management angesichts des anschwellenden Besucherstroms
festlegen.
Die Ausgangslage für den Schutz der Wildtiere
auf den Falklandinseln ist nicht schlecht. Die Schutzbemühungen
dürfen aber keinesfalls nachlassen, damit die ökologischen
Erfordernisse auch in Zukunft nicht in den Schatten der massiven
kommerziellen Interessen im Südatlantik geraten.
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