Komodo-Waran

Varanus komodoensis


© 2001 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Der Komodo-Waran (Varanus komodoensis) ist weltweit von allen Echsen die kräftigste: Gross gewachsene Individuen können eine Länge von drei Metern erreichen und «hungrig» gegen 100, «satt» sogar über 150 Kilogramm auf die Waage bringen.

Das Verbreitungsgebiet des Komodo-Warans ist eng begrenzt: Es erstreckt sich über nur sechs Inselchen im Bereich der zu Indonesien gehörenden Kleinen Sundainseln. Der Grossteil der Population - die auf rund 5000 grössere (erwachsene und halbwüchsige) Individuen geschätzt wird - lebt auf der etwa 400 Quadratkilometer grossen Insel Komodo. Deren Pflanzendecke besteht vorwiegend aus Trockensavanne und lichten Trockenwäldern.

Sowohl das Aussehen als auch die Lebensweise verändern sich im Laufe des Lebens eines Komodo-Warans erheblich. Tatsächlich sind die grazilen Jungtiere kaum als Nachkommen ihrer schwerfälligen Eltern zu erkennen. Ihr Schwanz ist im Verhältnis zum Leib deutlich länger als bei den erwachsenen Tieren, ihr Leib erheblich schlanker. Sie weisen überdies eine hübsche gelbe Zeichnung auf mit Längsstreifen an Hinterkopf und Nacken, Flecken auf Leib und Gliedmassen und Querringen am Schwanz. Kommt hinzu, dass sie sich - im Gegensatz zu den bodenlebenden Erwachsenen - die meiste Zeit im Geäst von Bäumen aufhalten, wo sie sich sehr geschickt umherbewegen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Käfern, Heuschrecken und anderen Insekten sowie von Geckos und weiteren kleinen baumlebenden Echsen. Wie ihre Eltern sind sie ausschliesslich tagsüber rege. Nachts verkriechen sie sich unter abblätternder Rinde oder in Höhlungen von Ästen und Stämmen.

Mit zunehmendem Alter und anwachsender Körpergrösse verblasst die hübsche Zeichnung der Jungtiere nach und nach. Auch nimmt ihre Gewandtheit beim Umherklettern in den Baumkronen mehr und mehr ab. Haben sie eine Länge von etwa 1,5 Metern erreicht, sind sie schliesslich beim Klettern so unsicher, dass sie kaum mehr auf einen Baum steigen. Sie führen in der Folge ein Leben als Bodenbewohner und ziehen sich nachts in Erdhöhlen zurück, die sie meistens selbst gegraben haben.

Je stämmiger die Komodo-Warane im Verlauf ihres Lebens werden, desto grösseren Beutetieren wenden sie sich zu. Das breite Nahrungsspektrum der erwachsenen Individuen umfasst diverse Reptilien, Vögel und Säuger. Bei den Säugetieren reicht die Palette von Ratten über Affen und Schleichkatzen bis hin zu Wildschweinen (Sus scrofa) und Mähnenhirschen (Cervus timorensis). Der grösste Teil der Komodo-Warankost scheint aus den beiden letztgenannten Säugetierarten zu bestehen. Das Verspeisen einer Beute ist zumeist eine Sache von wenigen Minuten, denn vom Zerkleinern oder gar Kauen hält der Komodo-Waran nicht viel. Es wurde schon beobachtet, wie ein grosser Komodo-Waran ein fünfzehn Kilogramm schweres Wildschwein als Ganzes verschlang.

Die Fortpflanzung erfolgt bei den Komodo-Waranen jahreszeitlich gebunden: Die meisten Weibchen legen ihre Eier im Juli oder August, mitten in der Trockenzeit, ab. Die Gelegegrösse schwankt gewöhnlich zwischen zwanzig und dreissig Eiern. Jedes Weibchen legt seine Eier in eine etwa vierzig Zentimeter tiefe Grube, die es zuvor an einem geeigneten Ort ausgehoben hat und die es danach wieder sorgfältig zuscharrt. Die Entwicklungszeit der Keimlinge dauert etwa acht bis neun Monate. Die Jungtiere schlüpfen somit im April oder Mai aus ihren Eiern - also genau dann, wenn die Regenzeit zu Ende geht und das Angebot an geeigneten Beutetieren für die Schlüpflinge besonders reichhaltig ist.

Die jungen Komodo-Warane, die beim Schlüpfen nur etwa 40 Zentimeter lang sind, wachsen verhältnismässig langsam heran. Sie pflanzen sich erst im Alter von fünf bis sieben Jahren, wenn sie eine Länge von ungefähr 1,5 Metern aufweisen, selbst fort. Man schätzt, dass ihre Lebenserwartung vierzig bis fünfzig Jahre beträgt.

Der Komodo-Waran steht seit 1915 unter Schutz, die Insel Komodo seit 1928. Die Grösse der Echsenpopulation ist dank dieser Massnahmen im Verlauf des 20. Jahrhunderts ziemlich stabil geblieben. Dass sich daran - hoffentlich - so rasch nichts ändern wird, dafür sorgen nicht zuletzt die rund 20 000 ausländischen Touristen, welche alljährlich den Komodo-Nationalpark besuchen. Sie verhelfen Indonesien zu dringend benötigten Devisen - und damit zu einem handfesten Argument, dem Wohlergehen des Komodo-Warans weiterhin die nötige Beachtung zu schenken.




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