Krauskopfpelikan - Pelecanus crispus
© 1984 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Die Familie der Pelikane (Pelecanidae) besteht aus
sieben Arten, welche alle derselben Gattung, Pelecanus,
angehören. Zusammen mit den Tropikvögeln, Kormoranen,
Schlangenhalsvögeln, Tölpeln und Fregattvögeln
bilden die Pelikane die Ordnung der Ruderfüsser (Pelecaniformes).
Dieser Sippenname nimmt Bezug auf den charakteristischen «Ruderfuss»,
den alle Angehörigen der Ordnung aufweisen: Die Schwimmhaut,
welche die Zehen verbindet, schliesst auch die nach vorn innen
gerichtete «Hinterzehe» mit ein.
Der Schnabel - eine Schöpfkelle
Pelikane gehören zu den grössten flugfähigen
Vögeln der Welt, und der Krauskopfpelikan (Pelecanus
crispus) ist der grösste Vertreter seiner Familie. Er
wird bis zu 13 Kilogramm schwer und kann eine Körperlänge
von 1,8 Metern und eine Flügelspannweite von 3,45 Metern
erreichen. Im ganzen Vogelreich weisen nur der Königsalbatros
(Diomedea epomophora) und der Wanderalbatros (Diomedea
exulans) noch grössere Spannweiten auf. Der Name des
Krauskopfpelikans ist auf die gekräuselten und verlängerten
Federn an seinem Kopf und Hals zurückzuführen.
Pelikane sind - trotz ihres grossen Gewichts - vollendete
Segelflieger. Während Stunden vermögen sie auf warmen
Aufwinden in wunderbar leichtem Flug dahinzugleiten und sich
so - ohne Flügelschlag - zum gewünschten Ziel tragen
zu lassen. Weniger elegant sehen sie hingegen auf dem Land aus,
wenn sie sich auf ihren kurzen, kräftigen Beinen watschelnd
fortbewegen.
Das auffälligste Körpermerkmal der Pelikane
ist gewiss ihr mächtiger Schnabel. Der Unterschnabel besteht
aus zwei verhältnismässig dünnen Unterkieferästen,
die sich an der Spitze vereinigen, und aus einem weiten, stark
dehnbaren Hautsack. Der Oberschnabel bildet sozusagen den flachen
Deckel dieses Kehlsacks. Der eigentümliche Schnabel der
Pelikane ist ein hochentwickeltes, an die Ernährungsweise
der Vögel bestens angepasstes Werkzeug: Mit ihm schöpfen
sie Fische aus dem Wasser.
Bei starker Sonneneinstrahlung dient der Kehlsack
dem Pelikan auch zur Regulierung der Körpertemperatur: Durch
Kehlsackflattern kann der mächtige Vogel Wärme über
das dichte Blutgefässnetz der Kehlsackhaut abgeben.
Fischfang mit System
Krauskopfpelikane essen fast ausschliesslich Fische.
Erwachsene Vögel fangen Fische von 4 bis 40 Zentimetern
Länge und benötigen etwa ein Kilogramm pro Tag. Die
Vögel sind aber keine Taucher, die den Fischen unter Wasser
nachjagen, sondern sie fischen von der Wasseroberfläche
aus. Schwimmend stossen sie von Zeit zu Zeit unvermittelt mit
ihrem Kopf ins Wasser und fangen die Fische in ihrem beutelähnlichen
Unterschnabel.
Pelikane sind besonders bekannt geworden durch ihre
Gruppenjagd, die sie mit fast menschlich anmutender Planmässigkeit
ausführen: Oft gehen die grossen Vögel nicht einzeln
auf Fischfang, sondern in Gruppen von etwa 25 Tieren. Diese Gruppen
bilden eine schwimmende, im Halbkreis angeordnete «Treiberkette».
In dieser Formation rücken die Tiere langsam von tieferem
zu seichterem Wasser vor und drängen die Fische gegen das
Ufer. Gelegentliches heftiges Flügelschlagen scheint ihr
Bestreben noch zu unterstützen. Plötzlich tauchen -
wie auf ein gemeinsames Zeichen hin - sämtliche Vögel
Schnabel, Kopf und Hals ins Wasser und schöpfen mit einem
Schlag die in die Enge getriebenen Fische aus dem Wasser.
Beim Fischen im tiefen Wasser schliessen sich Krauskopfpelikane
oft kleineren Gruppen von Kormoranen (Phalacrocorax spp.)
an. Taucht einer der Kormorane nach Fischen, so erheben sich
die Pelikane unverzüglich mit ein paar kraftvollen Flügelschlägen
aus dem Wasser und lassen sich nach zehn bis zwanzig Metern wieder
auf das Wasser nieder. Auf diese Weise vermögen sie Fische
zu erbeuten, die vor dem tauchenden Kormoran an die Wasseroberfläche
geflüchtet sind.
Lange Nestlingszeit
Der Krauskopfpelikan brütet normalerweise auf
kahlen, geschützt liegenden Inselchen in ruhigen Gewässerbereichen.
Manchmal legt er sein Nest auch auf frei treibenden Ansammlungen
von toten Pflanzen an. Hier ist er vor Fressfeinden weitgehend
sicher.
Das Nest ist eine einfach, meistens aus wenigen Zweigen
zusammengesetzte Konstruktion, die mit Schilf und Schlamm verstärkt
wird. In der Regel stehen mehrere Nester dicht nebeneinander
und bilden mit ihren flachen Mulden zusammenhängende Plattformen.
Erwachsene Krauskopfpelikane benutzen Jahr für
Jahr dieselbe Brutkolonie. Und auch die Jungtiere kehren nach
Erreichen der Geschlechtsreife an die Stelle zurück, an
der sie zur Welt kamen. Die Brutkolonien werden daher über
Jahrzehnte, mitunter sogar über Jahrhunderte hinweg benutzt.
Die Brutsaison dauert von März bis Juli. Das
Krauskopfpelikan-Weibchen legt zwei - selten drei - weissliche
Eier, welche von beiden Altvögeln während etwa 30 Tagen
bebrütet werden. Die Jungen bleiben nach dem Schlüpfen
etwa einen Monat lang im Nest. Mit drei bis vier Wochen können
sie sich bereits vom Nest ins Schilf oder aufs Wasser flüchten.
In der Folge schliessen sich die Pelikanjungen zu lärmenden
Gruppen zusammen, die an Kindergärten erinnern und darum
auch «Krippen» genannt werden. Nach etwa drei bis
vier Monaten verlassen die Jungen schliesslich ihre Krippe, fangen
an zu fischen, werden flügge und sind bald selbständig.
Geschlechtsreif werden sie erst im dritten oder vierten Lebensjahr.
Krauskopfpelikane können in freier Wildbahn ein Alter von
mehr als zwanzig Jahren erreichen.
Die Nestlinge werden nur ein- bis zweimal täglich
gefüttert. Die Pelikaneltern ernähren ihre Jungen mit
vorverdautem Fisch, den sich diese aus dem Kehlsack oder dem
Schlund der Alten herausholen.
Selten wird mehr als ein Junges je Nest gross. Pelikane
sind sehr empfindlich gegenüber Störungen und lassen
sehr rasch ihr Nest im Stich. Auch Überschwemmungen und
kaltes, regnerisches Wetter verursachen hohe Verluste unter Eiern
und Jungvögeln. Und nicht selten verhungert ein schwächliches
Junges oder wird von seinem grösseren Geschwister getötet.
Krauskopfpelikane ziehen nicht weit
Rosapelikane (Pelecanus onocrotalus) sind Langstrecken-Zugvögel,
die in Europa brüten und in Afrika überwintern. Krauskopfpelikane
hingegen fliegen, wenn sie im Herbst ihre Brutgebiete verlassen,
lediglich bis zur Meeresküste und bleiben dort bis zum nächsten
Frühjahr. Am Meer finden sie nicht nur ein milderes Klima
als an Binnengewässern. Der Salzgehalt des Meerwassers garantiert
überdies, dass die Nahrungsgründe nicht zufrieren und
somit keine Engpässe in der Ernährung eintreten. Wichtige
Überwinterungsgebiete des Krauskopfpelikans befinden sich
in Griechenland, in der Türkei, im Euphrat-Delta am Persischen
Golf und im südlichen China.
Zahlreich sind die Sagen und Legenden, die sich im
Volksglauben mit dem Pelikan befassen. Die Mohammedaner hatten
den grossen Vogel heilig gesprochen als angeblichen Helfer beim
Bau der Kaaba in Mekka. Im Frühchristentum galt der Pelikan
als Sinnbild aufopfernder Mutterliebe, weil er angeblich seine
hungernden Jungen mit dem eigenen Blut am Leben erhält.
Diese Legende geht wohl auf die Beobachtung zurück, dass
die Jungtiere bei der Fütterung ihren Kopf gänzlich
in den Schlund der Altvögel strecken. Noch im Mittelalter
erscheint die Gestalt des Pelikans als Märtyrer und Urbild
der Barmherzigkeit in unzähligen Bildwerken und Wappen.
Einst über ganz Europa verbreitet
Das Verbreitungsgebiet des Krauskopfpelikans war einstmals
wesentlich grösser als heute. Fossilfunde aus Dänemark,
England und Rumänien zeigen, dass die Art während der
Jungsteinzeit - etwa 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung - über
ganz Europa verbreitet gewesen war. Und aufgrund von Ausgrabungen
in Deutschland wissen wir, dass Krauskopfpelikane noch zur Römerzeit
am Niederrhein brüteten.
Heute wird der Gesamtbestand der Art auf nurmehr zwischen
500 und 1400 Brutpaare geschätzt. Etwa die Hälfte der
Tiere lebt in der Sowjetunion. Die übrigen brüten auf
der Balkanhalbinsel (in Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien
und Rumänien), in der Türkei, im Iran, in der Mongolei
und in China. Viele frühere Brutvorkommen in Ungarn, Albanien,
Jugoslawien, Griechenland und in der Sowjetunion sind seit dem
Ende des letzten Jahrhunderts erloschen.
Auch in Rumänien, dem Ausgabeland der vorliegenden
Briefmarken, war das Brutvorkommen des Krauskopfpelikans im 19.
Jahrhundert viel ausgedehnter als heute. Von «mehreren
Millionen Krauskopfpelikanen» wurde um die Jahrhundertwende
berichtet. Im Jahr 1950 wurden aber nur noch 1300 Brutpaare in
Rumänien gezählt. Und seit 1964 brüten die Vögel
lediglich noch im Donaudelta, zum Teil in gemischten Kolonien
mit dem Rosapelikan. Gegenwärtig mögen noch 100 Brutpaare
- auf ein oder zwei Kolonien verteilt - in Rumänien vorkommen.
Ein Hauptgrund für diese fatale Entwicklung ist
der Umstand, dass der silbergraue Vogel seit jeher von den Fischern
als Konkurrent betrachtet wird. Sie schiessen den Pelikan ab,
wann immer sie ihm begegnen, und zerstören seine Brutkolonien.
Am Skandarsko-See in Jugoslawien und am Mikri-Prespa-See in Griechenland
durchgeführte Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass
die Abneigung der Fischer dem Pelikan gegenüber nicht gerechtfertigt
ist. Die meiste Zeit über erbeutet der Vogel Fischsorten,
welche für den Fischhandel wertlos sind. Er konkurrenziert
die Fischer somit in keiner Weise.
In der Sowjetunion und in der Türkei werden Pelikannestlinge
auch ihres Fettes wegen getötet. Und ausgewachsene Tiere
müssen wegen ihres Kehlsacks, aus welchem Tabakbeutel hergestellt
werden, ihr Leben lassen. Des weiteren führen die stark
zunehmenden Störungen der Brutkolonien durch Vogelliebhaber
und Tierfotografen vermehrt zu Eiverlusten und zum Verlassen
der Nester. Und nicht zuletzt hat auch die immer weiter vorangetriebene
Kultivierung von zuvor abgelegenen Gegenden sowie die Trockenlegung
und Verbauung unzähliger kleinerer Gewässer wesentlich
zum Rückgang des Krauskopfpelikans in Europa beigetragen.
5 von 19 Brutgebieten geschützt
Im Jahr 1978 hat das Internationale Büro für
Wasservogelforschung (IWRB) eine Pelikan-Studiengruppe ins Leben
gerufen, der sich später auch Experten des Internationalen
Rats für Vogelschutz (ICBP) anschlossen. Diese Gruppe hat
kurz nach ihrer Gründung die internationalen Naturschutzorganisationen
auf die katastrophale Situation des Krauskopfpelikans hingewiesen
und zur Unterstützung für die Erhaltung des mächtigen
Vogels aufgerufen. Gleichzeitig wurde erwirkt, dass der Krauskopfpelikan
vom Europarat auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Vogelarten
Europas gesetzt wurde.
Der Krauskopfpelikan ist heute in den meisten Ländern
gesetzlich geschützt. Leider sind aber erst 5 von insgesamt
19 verbleibenden Brutgebieten - mit rund dreissig Prozent des
Weltbestands - unter Schutz gestellt.
Auch in Rumänien ist der Krauskopfpelikan eine
geschützte Vogelart. Ein Teil seines Lebensraums im Donaudelta
ist als Naturreservat ausgeschieden. Es scheint aber, dass eine
wirksame Kontrolle der Schutzbestimmungen fehlt. Laut glaubhaften
Berichten werden noch immer zahlreiche Pelikane im Donaudelta
abgeschossen.
Die vorhandenen Kenntnisse über die Lebensweise
des Krauskopfpelikans genügen nicht als Grundlage für
wirkungsvolle Schutzmassnahmen. 1984 ist darum in Griechenland
eine wissenschaftliche Studie zur Abklärung von Brutverhalten
und Ernährungsweise der Art begonnen worden. Gleichzeitig
soll ein langfristiges Beringungsprogramm in den Brutkolonien
dreier verschiedener Länder Aufschluss geben über die
Beziehungen zwischen den Kolonien. Es ist zu hoffen, dass die
Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen noch rechtzeitig zur Anwendung
gelangen können.
Die Situation der anderen sechs Pelikanarten
Der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) ist
in zwei geografisch getrennte Populationen aufgeteilt: die eine
lebt in Osteuropa und Asien, die andere in Afrika. Der Gesamtbestand
der afrikanischen Population wird auf 75.000 Paare geschätzt
und scheint nicht gefährdet zu sein. Die europäisch-asiatische
Population hingegen hat seit der Jahrhundertwende stark abgenommen
und zählt heute nur noch 15.000 bis 20.000 Paare. Der Schutz
dieser Population muss verbessert werden.
Der Braune Pelikan (Pelecanus occidentalis)
ist der einzige ausschliesslich meeresbewohnende Vertreter dieser
Vogelfamilie. Er kommt entlang der Küsten Nord-, Mittel-
und Südamerikas vor und hat auch die Galapagosinseln besiedelt.
In den sechziger Jahren sind die nordamerikanischen Bestände
des Braunen Pelikans infolge von Pestizid-Vergiftungen stark
zurückgegangen. Dank dem Verbot der Anwendung von DDT in
den USA im Jahr 1972 und dank der Einführung wirksamer Schutzmassnahmen
hat sich die Population des Braunen Pelikans aber erholt und
erreicht heute wieder die früheren Bestandszahlen.
Der Nashornpelikan (Pelecanus erythrorhynchos)
ist in Nordamerika beheimatet. Sein Gesamtbestand wird auf gegenwärtig
52.000 Paare geschätzt, von denen rund zwei Drittel in Kanada
leben. Die Art ist dank der frühzeitigen Einführung
wirksamer Schutzmassnahmen nicht gefährdet.
Der Brillenpelikan (Pelecanus conspicillatus)
ist in Australien und Tasmanien weit verbreitet und steht unter
gesetzlichem Schutz. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass
das Überleben dieser Art gefährdet ist.
Der Rötelpelikan (Pelecanus rufescens)
ist über ganz Afrika südlich der Sahara verbreitet.
Selbst auf Madagaskar und in Saudiarabien sind schon Rötelpelikane
angetroffen worden. Über die Grösse der Bestände
ist aber nichts bekannt.
Der Graupelikan (Pelecanus philippensis) war
einst über ganz Süd- und Südostasien verbreitet.
Heute kommt er nur noch in Indien und auf Sri Lanka vor. In Burma
und in China mögen sich noch einige Restpopulationen halten.
Der Gesamtbestand der Art wird auf unter 1200 Paare geschätzt.
Pestizide dürften die Hauptursache für den starken
Rückgang dieser Art sein. Sie steht heute vor dem Aussterben.
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