Kurzkammleguan
Brachylophus fasciatus
© 1995 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Der Kurzkammleguan (Brachylophus fasciatus)
ist ein geografischer «Aussenseiter» der rund 700
Arten umfassenden Leguanfamilie: Während die meisten seiner
Vettern im zentralen und südlichen Amerika zu Hause sind,
ist er auf den Fidschi- und Tongainseln im südwestlichen
Pazifik heimisch.
Man nimmt an, dass die Vorfahren des Kurzkammleguans
in grauer Vorzeit auf Treibgut - etwa auf einem ins Wasser gestürzten
mächtigen Baum - von Amerikas Westküste aus über
den Stillen Ozean reisten und so nach Tonga und Fidschi gelangten.
Dass eine solche passive Reise durchführbar ist, zeigte
1947 der norwegische Völkerkundler Thor Heyerdahl, als er
sich mit seinem Floss «Kon-Tiki» unter Ausnützung
des Südäquatorialstroms von Peru bis zu den Tuamotu-Inseln
(Französisch-Polynesien) treiben liess.
Bleibt die Frage, wie es wohl möglich war, dass
die frühen Kurzkammleguane diese über mehr als 10 000
Kilometer führende Ozeanfahrt heil überstanden. Denkbar
wäre, dass ein trächtiges Weibchen die lange Reise
begann, dann, nach seinem Tod, die von ihm unterwegs abgelegten
Eier einen Grossteil der Strecke zurücklegten und schliesslich
die daraus geschlüpften Jungtiere die Inselbesiedlung vornahmen.
Ihren Namen verdanken die Kurzkammleguane der Tatsache,
dass der Rückenkamm bei den Männchen ebenso kurzstachelig
ist wie bei den Weibchen, was für Leguane sehr unüblich
ist. Die Weibchen sind - mit einer Gesamtlänge von bis zu
70 Zentimetern - auch ebenso gross die Männchen. Deutliche
Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen jedoch hinsichtlich
der Färbung: Den Weibchen fehlen die markanten blaugrauen
Querbänder der Männchen; lediglich im Schulterbereich
weisen sie ein paar helle Flecken auf.
Männchen wie Weibchen werden im übrigen
manchmal «ganz schwarz» vor Erregung: Sie vermögen
nämlich bei Begegnungen mit Rivalen oder mit Geschlechtspartnern
ihre grüne Grundfärbung stark abzudunkeln und auf diese
Weise ihrer inneren Stimmung Ausdruck zu verleihen.
Als Lebensraum bevorzugt der Kurzkammleguan in seiner
südwestpazifischen Inselheimat mässig feuchte Wälder.
Echten Regenwald und Trockenbuschgebiete meidet er hingegen nach
Möglichkeit. Wie alle «echten» Leguane ernährt
er sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost, so besonders
von Früchten und Blättern. Gewissermassen als «Zwischenverpflegung»
nimmt er aber mitunter auch wirbellose Kleintiere zu sich nimmt.
Die Fortpflanzungszeit der Kurzkammleguane fällt
auf den südlichen Frühsommer. Die Weibchen legen ihre
ungefähr drei Zentimeter langen Eier in eine selbstgegrabene
Erdmulde und decken sie mit der ausgehobenen Erde sorgfältig
wieder zu. Die Gelegegrösse ist mit drei bis sechs Eiern
eher klein. Manche Weibchen scheinen aber im selben Jahr zweimal
Eier abzulegen.
Einen guten Monat später befreien sich die Jungleguane
aus den pergamentartig umhüllten Eiern und bahnen sich ihren
Weg an die Erdoberfläche. Wie die meisten Echsenjungen sind
sie sofort selbständig und benötigen keine elterliche
Fürsorge.
Von der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird der Kurzkammleguan
heute als «gefährdet» eingestuft. Das ist teilweise
auf Lebensraumverlust, das heisst die Abholzung der von ihm bewohnten
Wälder, zurückzuführen. Hauptgrund für die
unerfreuliche Situation ist aber die direkte Verfolgung durch
den Menschen. Auf Fidschi wie auf Tonga scheint der Kurzkammleguan
seines schmackhaften Fleischs wegen lange Zeit von den polynesischen
Inselbewohnern eifrig bejagt worden zu sein, wodurch einige seiner
Inselpopulationen argen Schaden erlitten.
Mit der - hauptsächlich auf den Fremdenverkehr
zurückzuführenden - Anhebung des Lebensstandards der
Insulaner hat sich das in jüngerer Zeit zwar gebessert:
Sie versorgen sich inzwischen mehrheitlich mit Nahrungsmitteln
aus dem Supermarkt. Doch leider steht der Kurzkammleguan in seiner
südpazifischen Inselheimat noch immer nicht unter Jagdschutz.
Und er scheint überdies in keinem der vorhandenen Naturreservate
vorzukommen. Gezielte Schutzvorkehrungen sind darum dringend
erforderlich.
Immerhin wird der Kurzkammleguan in Anhang I der «Konvention
über den internationalen Handel mit Tier- und Pflanzenarten»
(CITES) geführt. Dies bedeutet, dass der kommerzielle Handel
mit den Tieren zwischen den rund 120 Unterzeichnerstaaten des
Abkommens strikt untersagt ist. Damit fällt zumindest die
Gefährdung durch skrupellose «Liebhaber» von
Echsenraritäten weg.
Kurzkammleguan
Brachylophus fasciatus
Systematik
Klasse: Reptilien
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Leguane
Körpermasse
Gesamtlänge: 60-70 cm
Schwanzlänge: 40-45 cm
Gewicht: nicht bekannt
Fortpflanzung
Gelegegrösse: 3-6 Eier
Eientwicklung: 5-6 Wochen
Höchstalter: nicht bekannt
Bestandssituation
Bestand: nicht bekannt
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I
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