Feuersalamander - Salamandra salamandra

Europäischer Laubfrosch - Hyla arborea

Zauneidechse - Lacerta agilis

Kreuzotter - Vipera berus


© 1999 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Mit einer Bevölkerung von über zehn Millionen Menschen und einer Landesfläche von nur 30 528 Quadratkilometern (Schweiz: 41 285 km2) ist Belgien nach den Niederlanden das am zweitdichtesten besiedelte Land Europas. Die hohe Bevölkerungsdichte hat in Belgien zwangsläufig zu einer sehr intensiven Nutzung des zur Verfügung stehenden Raums geführt - und dementsprechend zu einer massiven Verdrängung der wildlebenden Tiere und Pflanzen aus ihren angestammten Lebensräumen.

Viele Tierarten, insbesondere grössere Säugetiere und Vögel, sind im Verlauf der letzten Jahrhunderte in Belgien ausgestorben. Erfreulicherweise hat es andererseits eine ganze Reihe kleinerer Tierarten geschafft, auch in dem vom Menschen nach seinen Wünschen umgestalteten Umfeld ein Auskommen zu finden. Dazu zählen immerhin fünfzehn Arten von Lurchen und acht Arten von Kriechtieren. Je zwei Vertreter aus diesen beiden Tiergruppen sollen auf diesen Seiten vorgestellt werden: der Feuersalamander (Salamandra salamandra), der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea), die Zauneidechse (Lacerta agilis) und die Kreuzotter (Vipera berus).

 

Der Feuersalamander

Der Feuersalamander gehört innerhalb der Klasse der Lurche (Amphibia) zur Ordnung der Schwanzlurche (Urodela) und da zur Familie der Echten Salamander und Molche (Salamandridae), welche insgesamt 55 Arten umfasst. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ausgedehnte Bereiche Europas - von West- und Südeuropa nordwärts bis nach Norddeutschland und ostwärts bis zum Schwarzen Meer. Ferner kommt er in Nordwestafrika vor. In Belgien ist der Feuersalamander im Süden und Osten des Lands weit verbreitet, kommt jedoch im Westen (Provinz Flandern) nur an vereinzelten Stellen vor.

Der Feuersalamander erreicht in Mitteleuropa eine Gesamtlänge von bis zu 19 Zentimeter, während er im Südosten seines Artverbreitungsgebiets in Ausnahmefällen bis zu 32 Zentimeter lang wird. Als erwachsenes Tier ist der Feuersalamander ein Landbewohner. Aufgrund seiner weichen, nicht verhornten Haut ist er allerdings an Land ständig von der Austrocknung bedroht. Er hält sich deshalb stets in schattigen, feuchten Lebensräumen auf, insbesondere in Laubwäldern, wo eine dichte Laubstreu die Feuchtigkeit des Bodens schützt.

Den Tag verbringt der Feuersalamander gewöhnlich in einem Versteck unter Felsen oder zwischen Wurzeln. Abends, bei Einbruch der Dunkelheit, an Regentagen aber manchmal auch bei Tageslicht, kriecht er aus seinem Unterschlupf hervor und begibt sich auf die Suche nach wirbellosen Kleintieren, darunter Erdwürmern, Schnecken, Käferlarven und anderen weichleibigen Bodenlebewesen. Er erweist sich dabei als recht schwerfälliger, langsamer «Jäger», der sich selten mehr als ein paar Meter von seinem Versteck entfernt.

Die Fortpflanzung fällt beim Feuersalamander in die Frühlingsmonate. Männchen und Weibchen paaren sich an Land. Im darauf folgenden Frühjahr - nach einer fast einjährigen Tragzeit - begibt sich das Weibchen zu einem kühlen Waldbach, einem Quelltümpel oder manchmal auch einem klaren stehenden Gewässer, um seine im allgemeinen 15 bis 25 Larven abzusetzen. Letztere sind zu diesem Zeitpunkt schon so weit entwickelt, dass sie gleich bei der Geburt aus den Eihüllen schlüpfen. In Mitteleuropa weisen sie eine Länge von etwa 2,5 Zentimeter auf, tragen verästelte Kiemen und gehen sofort nach der Geburt im Wasser auf Nahrungssuche. Zwei bis drei Monate lang fristen sie ein Leben als Wasserbewohner, dann bilden sich ihre Kiemen zurück und sie steigen ans Land, um fortan wie ihre Eltern ein Wohngebiet auf dem Land zu beziehen.

 

Der Europäische Laubfrosch

Der Europäische Laubfrosch gehört innerhalb der Klasse der Lurche (Amphibia) zur Ordnung der Froschlurche (Anura) und da zur Familie der Laubfrösche (Hylidae), welche sich aus rund 700 Mitgliedern zusammensetzt. Er kommt in den meisten Bereichen West- und Südeuropas vor und von da nordwärts bis Südschweden und ostwärts bis zum Kaspischen Meer. Auf der Iberischen Halbinsel, im südlichen Frankreich sowie in Nordwestitalien fehlt er allerdings. Dort wird sein Platz von einem nah verwandten Vetter, dem Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis), eingenommen. In Belgien erstreckte sich das Verbreitungsgebiet des Europäischen Laubfroschs einst über das ganze Land, doch ist er inzwischen aus manchen Gebieten, so besonders in Nordbelgien, verschwunden.

Der Europäische Laubfrosch ist mir einer Kopfrumpflänge von bis zu 5 Zentimetern ein recht kleiner Frosch. Als natürlichen Standort wählt er sich mittelgrosse Weiher, Grundwassertümpel in Kiesgruben und andere stehende Gewässer, welche gut besonnt sind von Schilf und/oder Gebüsch umsäumt sind. Tagsüber hält er sich oft mehrere Meter über dem Boden im Pflanzenwuchs auf und ruht. Nachts geht er dann auf die Jagd vor allem nach fliegenden und krabbelnden Insekten und steigt dazu surchaus auch auf den Boden hinunter.

Wie alle Amphibien und Reptilien Belgiens verbringt der Europaeische Laubfrosch den durch Kälte und Nahrungsarmut geprägten Winter im Tiefschlaf in einem günstigen Versteck unter Steinen oder im Boden. Zumeist im Mai erscheint er aus seinem Winterquartier. Die Männchen versammeln sich dann jeden Abend am Ufer ihres Gewässers, setzen sich am Rand ins seichte Wasser und beginnen lauthals im Chor zu rufen. Ihre Stimme, die wie ein ratterndes «Kä-kä-kä-kä-kä» tönt, gilt als die lauteste unter den europäischen Froschlurchen.

Erst bei völliger Dunkelheit erscheinen die laichbereiten Weibchen am Gewässerrand und lassen sich je von einem der wartenden Männchen umklammern. Etwa um Mitternacht beginnen sie, ihre Eier ins Wasser abzugeben, während die Männchen gleichzeitig ihren Samen für die Befruchtung derselben ablassen. Die Eier sind winzig und werden in kleinen Laichklümpchen von mehreren hundert Stück an Pflanzenteilen befestigt. Zwei bis drei Wochen später schlüpfen daraus die Kaulquappen und verteilen sich in ihrem Geburtsgewässer. Im Juli oder August, nach der Metamorphose, verlassen die kleinen Laubfrösche das Wasser und werden wie ihre Eltern zu Landbewohnern.

 

Die Zauneidechse

Die Zauneidechse gehört innerhalb der Klasse der Kriechtiere (Reptilia) zur Ordnung der Eigentlichen Schuppenkriechtiere (Squamata) und da zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae), welche ungefähr 180 Arten umfasst. Die meisten Echten Eidechsen weisen eine Kopfrumpflänge von weniger als 8 Zentimeter auf. Mit einer Kopfrumpflänge von bis über 9 Zentimeter und einer Schwanzlänge von bis zu 15 Zentimeter gehört die Zauneidechse somit zu den grösseren Mitgliedern der Familie.

Das Verbreitungsgebiet der Zauneidechse erstreckt sich über grosse Teile Europas und des angrenzend Westasiens - von England im Westen bis zum Baikalsee im Osten, und von den Kaukasusländern im Süden bis zum zentralen Skandinavien im Norden. Sie fehlt jedoch auf der Iberischen Halbinsel sowie in den meisten Bereichen Italiens und des Balkans. In Belgien gibt es vereinzelte Nachweise der Zauneidechse aus dem belgisch-niederländischen Grenzgebiet im Norden. Davon abgesehen ist ihr Vorkommen aber auf das Gebiet südlich des Flusses Semois, ganz im Südosten des Landes, beschränkt.

Die Zauneidechse erweist sich hinsichtlich ihrer Lebensraumansprüche als ziemlich anpassungsfähig: Zwar meidet sie geschlossene Waldungen, doch bewohnt sie Waldränder, Hecken und Feldraine im Kulturland ebenso wie naturnahe Heidegebiete, bewachsenes Dünengelände, Hochweiden und Buschsteppen. Jedes Individuum verfügt über ein klar begrenztes Wohngebiet von ein paar Dutzend Quadratmetern, dem es im allgemeinen sein Leben lang treu bleibt. Die Zauneidechse ernährt sich zur Hauptsache von Insekten und anderen wirbellosen Kleintieren, nimmt aber, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, auch neugeborene Mäuse, kleine Jungfrösche und die kleinen Jungtiere anderer Eidechsen.

In Mitteleuropa verweilt die Zauneidechse im allgemeinen von Ende September bis Mitte März schlafend in ihrem sicheren Winterquartier. Die Balz der Männchen, welche schliesslich zur Paarung mit den Weibchen führt, findet gewöhnlich im Mai statt. Zumeist im Juni legt dann das Weibchen drei bis vierzehn kleine Eier mit pergamentartiger Hülle in eine selbst gegrabene Erdhöhle. Nach acht bis zehn Wochen, je nach der lokalen Bodentemperatur, schlüpfen die Jungen. Sie sind dann 4,5 bis 6 Zentimeter lang, gleichen den erwachsenen Tieren vollkommen und beginnen sofort ein selbständiges Leben.

 

Die Kreuzotter

Wie die Zauneidechse gehört die Kreuzotter innerhalb der Klasse der Kriechtiere (Reptilia) zur Ordnung der Eigentlichen Schuppenkriechtiere (Squamata), da jedoch zur Familie der Vipern (Viperidae), welche aus rund 60 Arten besteht. Das Verbreitungsgebiet der Kreuzotter ist riesig: Es erstreckt sich von Grossbritannien im Westen quer durch Europa und durch ganz Russland bis zur Pazifikküste im Osten. Sie gilt im Übrigen als die am weitesten nördlich vorkommende aller Schlangen: In Skandinavien kann man ihr regelmässig nördlich des Polarkreises begegnen. Andererseits fehlt sie in den meisten Bereichen des Mittelmeerraums. In Belgien ist das Vorkommen der Kreuzotter auf die Region der Maas-Zuflüsse in den Provinzen Hainaut, Namur und Luxembourg beschränkt.

Die Kreuzotter erreicht eine Länge von gewöhnlich 50 bis 60 Zentimeter, in Ausnahmefällen aber bis 90 Zentimeter, wobei die Weibchen im Durchschnitt deutlich grösser sind als die Männchen. Sie bewohnt sehr unterschiedliche Lebensräume, darunter Moore, Heiden, Dünen, Waldlichtungen, Hecken, Feldränder und Sumpfwiesen. Sie ist vielfach tagsüber rege und hält sich im allgemeinen am Boden auf, klettert mitunter aber auch in niedrigwüchsigen Büschen umher. Sie schwimmt ausserdem gut und häufig. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Kleinsäugern, vor allem Mäusen aller Art, ferner stellt sie Eidechsen nach und erbeutet gelegentlich auch Frösche.

Die Kreuzotter ist eine von rund einem Dutzend europäischer Giftschlangen. Sie jagt gewöhnlich lauernd, als «Ansitzjägerin», gibt sich also mit denjenigen Beutetieren zufrieden, welche in ihrer Reichweite vorbeikommen, während sie bewegungslos daliegt. Mitunter kundschaftet sie aber auch aktiv Nagetierhöhlen aus. Läuft ihr ein Beutetier über den Weg, so hebt sie ihren Vorderkörper s-förmig an, verfolgt ihre Beute mit den Augen und schlägt schliesslich blitzartig zu, sobald das Opfer nahe genug ist. Das von den aufklappbaren Giftzähnen getroffene Beutetier vermag zumeist noch ein kurzes Stück zu flüchten, bevor es aufgrund der blut- und gefässschädigenden Wirkung des eingespritzten Gifts den Herztod erleidet und zusammenbricht. Eine oder zwei Minuten lang wartet die Kreuzotter ab. Dann folgt sie langsam und häufig züngelnd der Spur des gebissenen Tiers. Hat sie es eingeholt, so ergreift sie es mit ihren Kiefern und beginnt es zu verschlingen.

Ihren Winterschlaf hält die Kreuzotter in einer Tiefe von zwanzig bis fünfzig Zentimeter an einem feuchten Ort, zum Beispiel in einer Felsspalte, einer Nagerhöhle oder unter einem hohlen Baumstumpf, und zwar oft in Gruppen von ein bis zwei Dutzend Tieren. Im Frühling erscheinen die Männchen als erste, in Mitteleuropa oft schon im Februar. Eine oder zwei Wochen später finden sich auch die Weibchen ein, und kurz darauf beginnt die Paarungszeit, die ungefähr einen Monat lang dauert.

In Mitteleuropa gewöhnlich im August oder September, im hohen Norden hingegen oft erst im folgenden Frühling, bringt das Weibchen drei bis zwanzig Junge zur Welt. Sie sind bei der Geburt ungefähr siebzehn Zentimeter lang und machen sich sogleich selbständig. Wie die meisten Reptilien sind die Kreuzottern ziemlich langlebig und können über fünfundzwanzig Jahre alt werden.

 

Artenvielfalt: kein Luxus!

Keine der vier vorgestellten Tierarten ist gegenwärtig von der Ausrottung bedroht. Allerdings sind ihre Bestände im Verlauf des 20. Jahrhunderts vielerorts in Europa beträchtlich zurückgegangen. Der Verlust geeigneter Lebensräume durch den vom Menschen grossflächig vollzogenen Landschaftswandel hat dabei die Hauptrolle gespielt. Die beiden Amphibien wurden ausserdem durch die vom Menschen verursachte Verschmutzung ihrer Gewässer geschädigt, während die Eidechse unter den überall herumstreunenden Hauskatzen und die Schlange unter der direkten Verfolgung durch den Menschen gelitten haben.

Gerade im dicht bevölkerten Belgien sieht die Situation der beiden Lurche und der beiden Kriechtiere keineswegs rosig aus. Belgische Wissenschaftler und Naturschützer haben deshalb zuhanden der Regierung konkrete Schutzmassnahmen für jede einzelne der vier Arten erarbeitet und vorgeschlagen. Einige dieser Vorschläge, darunter das Ausweisen von Schutzgebieten zwecks Erhaltung wertvoller Lebensräume, sind verhältnismässig einfach zu verwirklichen, sofern der politische Wille vorhanden ist. Bei anderen, darunter ökologisch ausgerichteten Reformen des Agrarwesens, handelt es sich um ausgesprochen komplexe Angelegenheiten, welche zudem auf erheblichen Widerstand seitens diverser Interessenverbände stossen dürften.

Wenn wir - in Belgien wie anderswo in Europa - einer weiteren Verarmung der heimischen Fauna und Flora wirklich gegensteuern wollen, sind aber gerade letztere Massnahmen wenn auch einschneidend, so doch höchst bedeutsam. Und dass wir dazu verpflichtet sind, steht ausser Zweifel: Die Bewahrung der natürlichen Artenvielfalt ist nämlich keineswegs ein von Idealisten geforderter Luxus, sondern kommt der Erhaltung der Lebensgrundlage kommender Generationen von Menschen gleich.




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