Lavareiher

Butorides sundevalli


© 1984 Markus Kappeler
(erschienen im WWF-Kalender 1985)



Im Stillen Ozean, etwa tausend Kilometer westlich des südamerikanischen Kontinents, liegt der Galapagos-Archipel. Er besteht aus dreizehn grösseren und etwa fünfzig kleineren Inseln. Sie alle sind vulkanischen Ursprungs und waren nie mit irgendeinem Festland verbunden. Im Laufe der Jahrtausende sind von Zeit zu Zeit widerstandsfähige Lebewesen durch Wind und Meeresströmungen an die rauhen Küsten der Galapagosinseln verschlagen worden und haben sich hier ansiedeln können. So hat sich in der vom Pazifik umbrausten Einsamkeit allmählich eine höchst eigentümliche Tier- und Pflanzenwelt entwickelt.

Von diesen vulkanischen Eilanden ging vor rund hundert Jahren eine geistige Weltrevolution aus: Der junge Naturforscher Charles Darwin gelangte aufgrund seiner Beobachtungen auf Galapagos zur Erkenntnis, dass das Leben auf der Erde nicht eines Tages in seiner ganzen Vielfalt erschaffen worden war, sondern dass alle Tier- und Pflanzenarten aus primitiven Formen hervorgegangen sein mussten. Hier, in diesem - wie er sich ausdrückte - «Laboratorium der Natur», erkannte er die Wandelbarkeit der Arten. Die Evolutionstheorie war geboren.

Der Galapagos-Archipel ist die Heimat des Lavareihers (Butorides sundevalli). Der dunkelgraue Reiher mit dem schillernd grünen Rücken ist nur knapp so gross wie eine Taube und damit einer der keinsten seiner Verwandtschaft.

In geduckter Haltung schleicht der zierliche Vogel mit dem dunklen Tarnkleid zwischen den Lavablöcken umher und macht Jagd auf Klippenkrabben. Meist erbeutet er kleinere Individuen, die er ganz verschlucken kann. Sein Schnabel ist nicht kräftig genug, den Panzer älterer Krabben zu zertrümmern. Bisweilen späht der kleine Reiher auch von einem erhöhten Standort aus nach Fischen und stürzt sich dann kopfüber ins Wasser, um einen zu erbeuten. Er kann erstaunlich gut schwimmen und tauchen.

Auch im Mangrovenwald hält sich der Lavareiher gern auf. Im düsteren Wurzelgewirr leben zahllose amphibische Meerestiere wie Schnecken, Muscheln und Krabben, denen der dunkle Reiher nachstellt. Hier baut er auch sein Nest und zieht im Schutze des Dickichts seine ein bis zwei Jungen auf.

Der paradiesische Friede auf Galapagos wurde schon früh durch den Menschen gestört. Nachdem die Inselgruppe 1535 entdeckt worden war, machten während Jahrhunderten alle möglichen Seefahrer hier Zwischenhalt, um sich mit Frischfleisch einzudecken. Im 19. Jahrhundert kamen dann die ersten Siedler, und in ihrem Gefolge allerlei Haustiere, die zum Teil verwilderten und das biologische Gleichgewicht der kargen Inseln empfindlich störten. Und in unserem Jahrhundert ist es die wachsende Zahl von Touristen, die leicht genau das vernichten könnten, weswegen sie gekommen sind.

Seit vielen Jahren trägt der WWF wesentlich zum Schutz und zur Erforschung der Galapagos-Inseln bei. In Zusammenarbeit mit der Charles-Darwin-Gesellschaft und der Naturschutzbehörde Ecuadors unterstützt er unter anderem die folgenden Projekte: WWF-Projekt 1158: Fachliche und finanzielle Unterstützung der Nationalparkbehörde bei der Zucht von Riesenschildkröten, der Ausrottung eingeschleppter Pflanzen, dem Anlegen von Pfaden und der Betreuung der Touristen. WWF-Projekt 1316: Finanzieller Beitrag an Betriebskosten und Unterhalt der Charles-Darwin-Forschungsstation. WWF-Projekt 1337: Ausrottung eingeschleppter Säuger. WWF-Projekt 1544: Erhaltung und Zucht der Landleguane.




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