Löwenäffchen
Leontopithecus rosalia
© 1994 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Von den etwa zwanzig Arten süd- und mittelamerikanischer
Krallenäffchen ist das Löwenäffchen (Leontopithecus
rosalia) mit einer Länge von etwa 27 Zentimetern und
einem Gewicht um 500 Gramm nicht nur das grösste. Mit seinem
seidenglänzenden, goldfarbenen Fell und seiner prachtvollen,
namengebenden «Löwenmähne», die es bei
Erregung sträubt, gilt es auch als das hübscheste Mitglied
dieser Kleinaffenfamilie.
Die südostbrasilianischen Küstenregenwälder
sind die Heimat des Löwenäffchens. Dort hält es
sich zeitlebens hoch oben im engmaschigen, mit Kletter-, Schling-
und Aufsitzerpflanzen dicht «verfilzten» Geäst
des Kronendachs auf, denn dort findet er das ganze Jahr über
eine Fülle von Nahrungsdingen, wie es sich ein Allesesser
abwechslungsreicher nicht wünschen könnte: von Früchten,
Blüten und Baumsäften über Heuschrecken, Käfer
und Spinnen bis hin zu Baumfröschen, Kleinechsen und Vogeleiern.
Die Nacht verbringt das Löwenäffchen zusammengerollt
in einer Baumhöhle, deren Einschlupfloch so schmal ist,
dass keine Raubtiere eindringen können. Bei Tagesanbruch
kommt es dann hervor und unternimmt im Verlauf des Tages mehrere,
jeweils durch längere Pausen unterbrochene «Fress-Streifzüge»
durch das Regenwalddach. Mit unglaublicher Geschwindigkeit und
traumwandlerischer Sicherheit rennt, hüpft, klettert und
springt der Kleinaffe dabei in seinem «luftigen»
Lebensraum von Ast zu Ast. Dank seiner kräftigen Beine,
welche deutlich länger sind als die Arme, bewältigt
er mühelos Lücken im Geäst von bis zu drei Metern,
bei leichtem Gefälle sogar bis zu fünf Metern. Und
dank seiner überaus langen, schmalen Hände, welche
genauso lang sind wie seine Unterarme, findet er stets und überall
festen Griff.
Löwenäffchen leben in Familiengruppen von
vier bis elf Tieren, bestehend aus zwei oder mehr Erwachsenen
und ein paar Jungtieren unterschiedlichen Alters. Ganzjährig
streifen diese Trupps je in einem 30 bis 50 Hektar grossen Waldstück
umher. Dabei bleiben die einzelnen Mitglieder stets in Sicht-
und Rufweite voneinander.
In jeder Gruppe pflanzt sich nur das «Alphaweibchen»
fort. Nach einer Tragzeit von viereinhalb Monaten bringt es zumeist
Zwillinge zur Welt. Interessanterweise werden die Jungtiere in
der Folge hauptsächlich vom Vater herumgetragen; lediglich
zum Stillen kehren sie jeweils kurzfristig zur Mutter zurück.
Schon ab der dritten Lebenswoche unternehmen die jungen
Löwenäffchen kleinere Ausflüge vom Vater weg,
üben sich im Klettern und essen erste Futterstückchen.
Bei der geringsten Störung flüchten sie jedoch - alarmiert
durch die Warnrufe ihrer Eltern - wieder in die Geborgenheit
des väterlichen Fells. Erst mit etwa drei Monaten sind sie
völlig selbständig.
Das Überleben des Löwenäffchens in
freier Wildbahn ist leider hochgradig gefährdet. Schuld
an dieser Situation ist in erster Linie der vom Menschen verursachte
Lebensraumverlust: Einhergegangen mit der unaufhaltsam voranschreitenden
Erschliessung Südostbrasiliens, dem kulturellen und wirtschaftlichen
Zentrum der 150-Millionen-Nation, ist die grossflächige
Rodung der örtlichen Regenwälder. Deren Fläche
beträgt mittlerweile keine zwei Prozent ihrer einstigen
Ausdehnung mehr. Schonungslos wurde dadurch das Löwenäffchen
seiner Heimat beraubt, so dass heute alle seine vier Unterarten
in ihrem Vorkommen auf wenige isolierte Regenwaldreste in Brasiliens
Ostküstenstaaten Rio de Janeiro (Unterart rosalia),
Bahia (chrysomelas), São Paulo (chrysopygus)
und auf der Insel Superagui (caissara) beschränkt
sind.
Glücklicherweise finden sich in weltweit über
hundert Tiergärten grössere und kleinere Gruppen von
Loewenaeffchen. Ihr Gesamtbestand beträgt rund 500 Individuen
- womit heute wahrscheinlich mehr Löwenäffchen in Menschenobhut
leben als in freier Wildbahn.
Seit den siebziger Jahren werden diese Zootiere in
einem Erhaltungszuchtprogramm «eingesetzt», an dem
neben dem Primatenforschungszentrum in Rio de Janeiro viele namhafte
Zoos auf der ganzen Welt mitwirken. Ziel des Programms ist zunächst
die Vermehrung der Löwenäffchen in Gefangenschaft,
dann ihre Ausbürgerung in gut geschützten Waldstücken
Südostbrasiliens. Tatsächlich konnten inzwischen -
dank sehr guter Zuchterfolge - mehrere Dutzend zoogeborener Tiere
der Unterart rosalia («Goldlöwenäffchen»)
freigelassen werden, und zwar im neugeschaffenen, 55 Quadratkilometer
grossen Poco-das-Antas-Schutzgebiet unweit von Rio de Janeiro.
Es dauerte nicht lange, bis sie sich ebenso geschickt in den
Bäumen bewegten wie ihre «wilden» Brüder.
Und bereits wurden auch die ersten Kinder geboren. Die Überlebenschancen
der goldfarbenen Kleinaffen haben sich dank dieses internationalen
«Rettungsprogramms» erheblich verbessert.
Löwenäffchen
Leontopithecus rosalia
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Herrentiere
Familie: Krallenaffen
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 20-34 cm
Schwanzlänge: 32-40 cm
Gewicht: 380-670 g
Fortpflanzung
Jungenzahl: meist 2 je Geburt
Tragdauer: 132-145 Tage
Höchstalter: über 10 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 500-1000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
Zur Hauptseite
|