Madeira


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



«Blumentopf» im Atlantik

Strände? Gibt es nicht. Madeira hat andere Trümpfe in der Hand als Strandleben und Wassersport. Nebst garantiert angenehmer Temperatur während des ganzen Jahres, faszinierender Landschaft und malerischen Dörfern sowie kulinarischen Genüssen aller Art sind es vor allem die Blumen, denen Madeira seine Anziehungskraft verdankt. Aussergewöhnlich ist vor allem das üppige Vorkommen der erstaunlichsten Blumenarten auf der ganzen Insel. Über Kilometer hinweg säumen blaue Hortensien und gelbe Mimosen, malvenfarbige Bougainvillien und grünrote Poinsettien («Weihnachtssterne»), orange Strelitzien und scharlachrote Cannas die Strassen. Jeder Park und jeder Garten quillt förmlich über von Kamelien, Gladiolen, Chrysanthemen und Clivien.

Begünstigt durch das milde Klima und den fruchtbaren Boden gedeihen auf Madeira botanische Attraktionen noch und noch. Zwölf Monate im Jahr blüht und grünt es allüberall. Jeder Augenaufschlag liefert paradiesische Visionen: Gelb verdrängt Lila, Lila vermischt sich mit Rot, Rot geht über in Blau, Blau wechselt zu Orange. Madeira scheint nur darauf zu warten, aus dem eher gleichmütigen Urlauber einen botanischen Schwärmer zu machen. Dass sich selbst die oft nüchternen Reisejournalisten von Madeiras Zauber anstecken lassen, zeigen all die «blumigen» Bezeichnungen, die sie der Insel verpassen: «Exotische Blumeninsel», «Schwimmender Garten», «Blumentopf im Atlantik» usw.

Überraschend ist, dass kaum eine der ungezählten Blumenarten ursprünglich auf Madeira wuchs. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wurden sie im Laufe der Jahrhunderte von den Portugiesen, welche eine grosse Vorliebe für jegliche Art von Pflanzenschmuck haben, aus aller Herren Länder hergebracht. So erst wurde Madeira zu dem, was es heute ist: ein inselgrosser botanischer Garten mit einer einzigartigen Palette tropischer und subtropischer Blütenpflanzen.

 

Tiefe Furchen im verwitterten Antlitz

Die Madeira-lnselgruppe liegt im östlichen Atlantik, etwa 650 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt, ungefähr auf der Höhe der marokkanischen Stadt Casablanca. Politisch gehört der Archipel als «Regiao Autonoma» (Autonome Region) zu Portugal, dessen Hauptstadt Lissabon rund 1000 Kilometer weiter nördlich liegt.

Von der Gesamtfläche von 797km2 entfallen 741 km2 (93%) auf Madeira, die Hauptinsel des Archipels, 41 km2 (5%) auf Porto Santo und die restlichen 15 km2 (2%) auf die kleinen, unbewohnten Ilhas Desertas («Verlassene Inseln») und Ilhas Selvagens («Öde Inseln»). Letztere befinden sich rund 250 Kilometer südlich der Hauptgruppe.

Madeira hat seine Entstehung dramatischen geologischen Prozessen zu verdanken. In einer Laune der Natur hat hier vor etwa 10 bis 12 Millionen Jahren ein untermeerischer Vulkan mit ungeheurer Kraft mehrere tausend Meter Lavagestein aus dem Meeresboden in die Höhe gedrückt: Gegen 4000 Meter unter dem Meeresspiegel liegt der Sockel, auf dem Madeira fusst, und 1862 Meter Höhe ü.M. erreicht die Insel beim Pico Ruivo, dem höchsten Gipfel Madeiras. Ohne Wasser betrachtet ist Madeira also ein stolzer Sechstausender.

Viel Kraft blieb allerdings nicht übrig, die Insel auch noch in die Breite wachsen zu lassen. Knapp 60 Kilometer trennen die West- von der Ostküste, und von Norden nach Süden sind es sogar nur 20 Kilometer. 20 Kilometer Luftlinie, wohlgemerkt. Zu Land ist die Entfernung weit grösser, denn die Insel ist alles andere als sanft. Für Sandstrände ist, wie eingangs erwähnt, nirgendwo Platz. Unmittelbar vom Meer weg erheben sich die Felsklippen und Steilhänge der bergigen Insel. Auch die Täler sind nicht lieblich, sondern gleichen tiefen Furchen im verwitterten Antlitz eines alten Bauern. Kein Katzensprung ist es deshalb für den Erdenbürger, wenn er von Süden nach Norden will, selbst wenn er motorisiert ist. Ungezählte Serpentinen klammern sich an die Hügel - schmal, steil, geknickt. Auf Stunden verliert sich der Reisende in einem Labyrinth aus Schluchten und Bergkämmen. Einige Strassenabschnitte waren von Arbeitern gebaut worden, die in Körben an den Felswänden baumelten, und an Sturmtagen kann es passieren, dass das eine oder andere Auto über die Basaltklippen in den Atlantik geweht wird. So erzählen die einheimischen Taxifahrer genüsslich; ob's stimmt, sei dahingestellt. Auf jeden Fall aber macht sich das Herzklopfen an den Abgründen bezahlt, denn hinter jeder Biegung wartet die madeirensische Landschaft mit neuen spektakulären Szenerien. Dutzende von «Miradouros», prächtig gelegenen Aussichtsterrassen, laden zum optischen Schwelgen.

Welten trennen denn auch die quirlige Hauptstadt Funchal
an Madeiras Südküste, wo sich rund fünfzig Prozent der Inselbevölkerung und der Grossteil der Inselbesucher drängen, vom ruhigen Norden, der vom Fortschritt der letzten hundert Jahre kaum berührt ist. Wer hier den Bauern beim Tagwerk zusieht, glaubt sich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Männer und Frauen steigen, schlicht gekleidet, die Hügel hinauf und tragen auf Kopf und Rücken ihrer gebückten Gestalten Weidenkörbe mit schwerer Last. Tiefbraun sind ihre Gesichter, gegerbt wie Leder, zerfurcht wie ihre Insel. In ihren Dörfern bewegt sich das Leben im Schneckentempo. Dazu die immer gleiche, monotone Geräuschkulisse: hell läutende Kirchenglocken, lachende Kinder, meckernde Ziegen, kläffende Hunde, und hie und da ein Auto in der Ferne.

 

1419 wiederentdeckt

Nach offizieller Geschichtsschreibung wurde Madeira im Juli 1419 vom portugiesischen Seefahrer Joao Gonçalves Zarco entdeckt. Das stimmt aber nicht ganz. Vielleicht hat Zarco als erster Mensch den Fuss auf das damals unbewohnte Eiland gesetzt. Aber Entdecker Madeiras muss jemand anders gewesen sein, denn auf einem Florentiner Kartenwerk von 1351 ist fast genau an der richtigen Stelle eine «Isola di Legname», zu deutsch «Insel des Holzes», eingezeichnet. Wann und von wem die Entdeckung gemacht worden war, ist leider nicht mehr eruierbar.

Dom Henrique o Navegador (Prinz Heinrich der Seefahrer), der wissensdurstige und entdeckungsfreudige jüngste Sohn des portugiesischen Königs Joao I., hatte zwar nie selber eine längere Schiffsreise unternommen, aber er war ein fast besessener Förderer der Entdeckungsseefahrt seiner Zeit gewesen. Er scheint Kapitän Zarco beauftragt zu haben, den Archipel vor Afrikas Nordwestküste zu finden und für das portugiesische Königreich in Besitz zu nehmen. Dass die Inselgruppe in der Folge den Namen «Arquipelago de Madeira», zu deutsch wiederum «Archipel des Holzes», erhielt, kann als Eingeständnis dafür verstanden werden, dass es sich bei der «Entdeckung» Madeiras lediglich um eine Wiederentdeckung oder, treffender, um eine Annexion gehandelt hatte.

Zu jener Zeit war die Insel beinahe vollständig mit Lorbeerwald bewachsen gewesen, einer üppigen, immergrünen Pflanzengesellschaft, die ihren Namen dem «Loureiro» (Lorbeerbaum) verdankt und die auch auf den Kanarischen Inseln und den Azoren einst weit verbreitet war. So dicht und undurchdringlich soll der Lorbeerwald Madeiras damals gewesen sein, dass die frühen Siedler befürchteten, es könnten gefährliche wilde Tiere oder auch wilde Menschen, ähnlich den wehrhaften Guanchen auf den Kanarischen Inseln, darin hausen. Sie setzten ihn daher in Brand, worauf er sieben Jahre lang gebrannt haben soll - was mit Sicherheit übertrieben ist. Tatsache ist, dass der Lorbeerwald Madeiras von dem Moment an, da der Mensch die Insel zu besiedeln begann, schweren Schaden erlitt. Zum einen wurde die natürliche Pflanzendecke zerstört, um Platz für Kultur- und Bauland zu schaffen. Zum anderen musste der Lorbeerwald weichen, weil das Holz der Bäume im lokalen Bauhandwerk verwendet und teils exportiert wurde. Bekanntes Exportholz war vor allem das als «Madeira-Mahagoni» bezeichnete Holz des Vinhatico-Baums.

Nach und nach rodeten die frühen portugiesischen Siedler die felsigen Hänge. Der gewonnene Boden liess sich allerdings erst nutzen, als sie daran gingen, die Hänge zu terrassieren. Noch heute prägt dieser Flickenteppich von Terrassen längs der Küste und in den Tälern das Bild der Insel und lässt die Berge Madeiras vielfach hängenden Gärten gleichen.

Von den ursprünglichen Lorbeerwäldern, denen Madeira seinen Namen verdankt, sind dagegen nur noch einige Restbestände mit einer Gesamtfläche von etwa 10 000 Hektar übriggeblieben. Sie befinden sich - von wenigen Ausnahmen abgesehen - an den nördlichen Hängen der Insel und stehen grossenteils unter Naturschutz. Für die hübsche Silberhalstaube und verschiedene andere tierliche Inselbewohner, welche weltweit nur auf Madeira vorkommen, spielt dieser natürliche Lebensraum eine überlebenswichtige Rolle.

 

Zuckerrohr, Weinrebe, Fremdenverkehr

Der erste Wohlstand Madeiras kam mit dem Zuckerrohr. Schon kurz nach Beginn der Kolonisierung der Insel wurde Zuckerrohr aus Sizilien eingeführt und angepflanzt, und binnen kurzem erzielten die Madeirenser mit der Zuckerproduktion so grosse Erfolge, dass sie die übrigen Zuckerhersteller im Mittelmeerraum bei weitem überflügelten. Etwa ab 1480 war Madeira der wichtigste Zuckerlieferant Europas. Fünf stilisierte Zuckerhüte im Wappen Funchals erinnern noch heute an die einstige Weltmarktstellung der Stadt und der Insel.

Bald nach der Entdeckung der Karibikinseln im auslaufenden 15. Jahrhundert erhielt Madeira jedoch einen wirtschaftlichen Dämpfer, denn dort liess sich Zuckerrohr grossflächiger, ohne Terrassierung und künstliche Bewässerung, anbauen und dementsprechend günstiger anbieten. Der Niedergang der madeirensischen Zuckerproduktion war in der Folge nicht mehr aufzuhalten. So machten halt die Madeirenser aus der Not eine Tugend, wandten sich verstärkt dem Weinbau zu - und kamen schon im 16. Jahrhundert zu einem zweiten Wohlstand. Das Geschäft mit dem Madeira-Wein florierte - bis im 19. Jahrhundert der Mehltaupilz und die Reblaus einen Strich durch die Rechnung machten. Sie liessen innerhalb kürzester Zeit die produktive Rebfläche von 2500 Hektar auf 500 Hektar schrumpfen.

Glücklicherweise zeigten sich da - sozusagen termingerecht - die ersten zaghaften Anfänge des Tourismus, der Madeira zu einem dritten Wohlstand verhelfen sollte. Pionierarbeit leisteten in dieser Hinsicht die nebelgeplagten Engländer, denen das milde Seeklima mit selbst im Winter frühlingshaften Temperaturen sehr behagte. Die touristische Entwicklung Madeiras schritt stetig voran und spielt nun schon seit geraumer Zeit die weitaus wichtigste Rolle für Madeiras Wirtschaft. Heute hat Madeira ohne Pause vom 1. Januar bis zum 31. Dezember Saison. Es offeriert rund 12 500 Gästebetten, und seine jährlich 350 000 übernachtenden Gäste buchen insgesamt drei Millionen Übernachtungen, was durchschnittlich etwas über 8000 Urlauber pro Nacht ergibt. Damit stimmt das Mischungsverhältnis von Einheimischen (275 000) und Feriengästen auf Madeira durchaus noch. Obschon die Hauptstadt Funchal als Zentrum des Fremdenverkehrs da und dort zur Lebhaftigkeit neigt, ist doch von Touristenrummel nichts zu spüren.

Das Fernbleiben des Massentourismus ist wohl nicht allein mit der berüchtigt kurzen Landebahn des Inselflughafens zu erklären, die auf Stelzen ins Meer hinaus gebaut ist und nur von Piloten mit einer Sonderausbildung angesteuert werden darf. Ausschlaggebend dürfte zum einen der Mangel an Stränden sein. Auf der 35 Kilometer entfernten Nachbarinsel Porto Santo gibt es sie zwar, doch sind sie nur umständlich zu erreichen. Zum anderen dürfte manch einen die Ursache für das üppige Grün und die paradiesische Blütenpracht Madeiras abschrecken: der viele Regen. Tatsächlich verhüllen häufig Wolken die eindrucksvolle landschaftliche Kulisse, und ausser für Juli und August kann niemand eine Sonnengarantie abgeben. Dem unverzagten Inselbesucher kann das aber nur recht sein: Klasse statt Masse heisst das Tourismuskonzept auf Madeira. Die Blumeninsel ist - und was noch wichtiger ist: sie bleibt vorderhand - ein ideales Ziel für erholsame Ferien.

 

Die fünf Muss des Madeira-Urlaubs

Inmitten der einzigartigen Mixtur aus strenger Gebirgsszenerie und bunt leuchtender Pflanzendecke kommt der Madeira-Urlauber nicht umhin, sich früher oder später auf «Inspektionstour» zu begeben. Fünf Sachen gelten als absolutes Muss, wenn der Madeira-Aufenthalt vollkommen sein soll:

1. Korbschlittenfahrt. Zuallererst lässt sich der Urlauber vom Taxi die sechs Kilometer von Funchal nach Monte hinauf fahren. Dort angelangt konsumiert er zuerst das sagenhafte Panorama zu seinen Füssen: die wunderschöne Naturbucht von Funchal, um die sich wie in einem Amphitheater die Stadt legt. Danach setzt er sich in einen der bereitstehenden Korbschlitten - und ab geht's. Von zwei kräftigen Madeirensern gesteuert rumpelt das Gefährt durch die schmalen und steilen Gassen auf dem glatten Pflaster talwärts. Die Schlitten erinnern daran, dass man auf Madeira lange Zeit von Räderfuhrwerken nichts wusste. Um Weinfässer und andere schwere Waren fortzuschaffen, bediente man sich noch bis in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts einer Art Schlitten, vor den man Ochsen spannte. Leider hat der motorisierte Verkehr die Ochsengespanne mittlerweile vollständig verdrängt. Nur als Touristenattraktion hat dieses traditionelle madeirensische Verkehrsmittel zu überleben vermocht.

2. Levadawanderung: Kräftig durch geschüttelt begibt sich der Urlauber anschliessend auf eine ausgiebige Wanderung entlang dem weitverzweigten System von «Levadas» (Bewässerungsrinnen), welche das Nass des regenreichen Nordens zu den Äckern des fruchtbaren Südens leiten. Die Anfänge dieses Kanalnetzes gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Mittlerweile ziehen sich die lebenswichtigen Adern über insgesamt rund 5000 Kilometer durchs bergige Land und finden ihren Weg bis zum letzten Granatapfelbaum. Neben dem friedlich dahin strömenden Wasser lassen sich einzigartige Spaziergänge unternehmen. An etlichen Stellen verwandelt sich die sanfte Tour allerdings in ein unerwartet riskantes Unternehmen. Der arglose Wanderer steht dann plötzlich vor einem stockdunklen Tunnel, balanciert über eine geländerlose Brücke oder erprobt seine Trittfestigkeit auf einem Geröllfeld. Nichtsdestotrotz stellen die Levadas herrliche Wanderwege dar, welche höchstens noch mit den Waalwegen im Südtirol vergleichbar sind.

3. Hotel «Reid's»: Hat sich der Urlauber keinen Knöchel verknackst, so geht's am späteren Nachmittag frisch geduscht zum obligaten Five o'clock-Tea ins altehrwürdige «Reid's», Madeiras berühmtestes Hotel aus der Frühzeit des Frem denverkehrs, mitten in Funchal auf einem Felsvorsprung über dem Atlantik gelegen. Sir Winston Churchill und George Bernhard Shaw waren seinerzeit - nebst anderen gutbetuchten britischen Persönlichkeiten - Stammgäste des Reid's. Auch heute noch kommt die Mehrzahl der Gäste aus der englischen Upperclass. Man sitzt unter Stuckdecken aus dem Gründungsjahr 1889, knappert an einem trockenen Sandkuchen, lauscht den diskreten Improvisationen des Pianisten vom Dienst, schaut durchs Fenster auf den bestgepflegten Terrassengarten der Welt, vermeidet jedes laute Wort, und bezahlt zum Schluss den Gegenwert von fünfzehn US-Dollar für die Kanne Tee.

4. Madeira-Wein: Danach folgt der Aperitiv in einer der Altstadtkneipen Funchals - und damit die Auseinandersetzung mit der wohl bekanntesten Inselspezialität, dem Madeira-Wein. Sein ausgeprägter Geschmack resultiert aus einem besonderen Verfahren: Nach der Gärung wird der Wein zwei Monate lang zwecks Reifung in grossen Tanks auf 45°C erwärmt, anschliessend «gespritet», das heisst mit Branntwein versetzt, und dann in Eichenfässern mindestens 18 Monate lang gelagert. Erst dann wird er in Flaschen abgefüllt. Die Produktion der Nobelmarken erfordert noch manch anderen raffinierten Trick; im Vergleich dazu sind die Vorgänge in einer Champagnerkellerei geradezu simpel. Gemäss den verwendeten Rebsorten werden im allgemeinen vier Typen von Madeira-Wein unterschieden: Der trockene bis herbe, bernsteinfarbene «Sercial» eignet sich vorzüglich als Aperitif. Halbtrocken bis mild und kupferfarben ist der «Verdelho» und passt ebenfalls als Aperitif, ist aber auch sehr gut zu Käse und Nüssen. Der rötlich-braune «Bual» ist halbsüss und aromatisch und wird gewöhnlich als Dessertwein serviert. Der «Malvasia» schliesslich, der König unter den Madeira-Weinen, ist schwer und süss und sollte stets den Abschluss eines Abendessens bilden. Doch soweit ist der Urlauber noch nicht; er ordert zeitgemäss einen Sercial oder einen Verdelho.

5. Madeiras Fischküche: Nach Einbruch der Dunkelheit landet der Urlauber schliesslich im «Adega da Queimada» oder einem anderen der vielgepriesenen madeirensischen Speiserestaurants - und dort fast unweigerlich vor einer Portion Fisch. Ist der Malvasia der König unter Madeiras Weinen, so ist der «Espada preto» (Schwarzer Degenfisch) der König unter den lokalen Speisefischen. Es handelt sich um einen pechschwarz gefärbten Tiefseefisch, der im Bereich Madeiras in über tausend Metern Tiefe vorkommt. Er sieht so aus wie eine Kreuzung aus Hai und Aal, wird über einen Meter lang und hat ein grimmiges Gebiss, denn er betätigt sich als Unterwasserjäger. Um ihn an die Angel zu kriegen, bedarf es eines ziemlich ungewöhnlichen Fanggeräts: Am Ende einer etwa 1500 Meter langen Leine sind in Abständen von zwei Metern insgesamt über 150 Haken mit Ködern angebracht, nach denen der dunkle Räuber dann schnappt. Wenn es gilt, den grätenlosen Espada abwechslungsreich und schmackhaft zuzubereiten, sind Madeiras Küchenchefs um Einfälle nicht verlegen und scheuen weder Mühen noch Gewürze. Nach dem opulenten Essen empfiehlt sich dann - na, Sie wissen schon...

 

 

 

Bildlegenden

Als Alltagskleidung treten Trachten auf Madeira kaum mehr in Erscheinung, sie sind fast nur noch bei Volkstanzgruppen anzutreffen. Eine Ausnahme bildet die hübsche Tracht der Blumenverkäuferinnen, welche aus weisser Bluse, rotem Mieder, knöchellangem, buntgestreiftem Rock und einem Käppchen aus dunkelblauem Filz besteht.

Von oben ist der Blick immer am schönsten. Hier fällt er auf Funchal, das pulsierende «Herz» Madeiras. Ausser Hafenstadt, Handelszentrum und Regierungssitz ist Funchal auch der bedeutendste Fremdenverkehrsort der Insel.

Wie hier beim Encumeada-Pass im Zentrum Madeiras präsentiert sich der Grossteil der Insel: schroff, zerfurcht, unwegsam. Die Bauern arbeiteten viele Generationen lang, um den Felshängen die benötigten Landwirtschaftsböden durch Terrassierung abzuringen, und die Strassenbauer mussten wahre Meisterleistungen erbringen. 3300 Kurven soll gemäss Angabe eines leidgeprüften Taxifahrers allein die 200 Kilometer lange Küstenstrasse von und bis Funchal aufweisen!

Madeira exportiert nicht nur berauschende Weine, sondern auch feinste Stickereiarbeiten. Bei jedem Spaziergang übers Land trifft man auf stickende Frauen vor der Haustür oder am Wegrand, denn schätzungsweise 50 000 Madeirenserinnen besticken Taschentücher, Kissenbezüge, Servietten, Tischdecken, Blusen usw. und tragen mit dem Erlös aus diesem Kunsthandwerk zum Unterhalt ihrer Familien bei.

Welten trennen die quirlige Hauptstadt Funchal an Madeiras Südküste vom ruhigen Inselnorden, wo sich das Leben während der letzten hundert Jahre kaum verändert zu haben scheint. Wer hier den Bauern beim Tagwerk zuschaut, glaubt sich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt.

Angstverzerrte Touristengesichter gibt es täglich unterhalb der Kirche Nossa Senhora do Monte zu sehen. Von dort starten nämlich die zweisitzigen Korbschlitten, welche von zwei Männern mit runden Strohhüten durch enge Gassen mit glattem Kopfsteinpflaster von Monte nach Funchal hinabgesteuert werden.




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