Marderhund

Nyctereutes procyonoides


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)



Kopfrumpflänge: 65 - 80 cm
Schulterhöhe: 20 - 25 cm
Gewicht: 4 - 10 kg

Mit seinen kurzen «Dackelbeinen», dem dichten, langen Haarkleid und der schwarz-weissen Gesichtsmaske hat der Marderhund viel Ähnlichkeit mit dem Waschbären. Er wird darum auch «Waschbärhund» genannt.

Der langhaarige Geselle stammt ursprünglich aus Ostsibirien, Ostchina, Korea und Japan. Heute kann man ihm aber auch in Europa in freier Wildbahn begegnen. 1928 begannen sowjetische Fachleute nämlich, den Marderhund planmässig für die Jagd im europäischen Russland anzusiedeln. Sein warmes und widerstandsfähiges Fell, das als «Ussurischer Waschbär» und «Japanischer Fuchs» gehandelt wurde, war damals sehr begehrt. In seiner neuen Heimat konnte er überraschend gut Fuss fassen. Ja, es gefiel ihm hier so gut, dass er sich stark vermehrte und sich allmählich nach Westen auszubreiten begann. 1935 tauchte er in Finnland auf, 1943 in der Tschechoslowakei, 1951 in Rumänien, 1962 in Deutschland. Und über kurz oder lang rechnet man auch mit seinem «Einmarsch» in die Schweiz. Dummerweise (nur für die Jäger, wohlverstanden!) ist der Pelz des Marderhunds im milden Klima Europas lange nicht so wertvoll wie im kalten Nordostasien.

Der Marderhund bewohnt vorzugsweise unterholzreiche Waldgebiete in der Nähe von Gewässern. Dort führt er ein sehr unauffälliges Leben. Tagsüber verbirgt er sich in verlassenen Fuchs- oder Dachsbauen, zwischen Felsen oder an anderen günstigen Schlupfwinkeln. In der Dämmerung und nachts geht er dann auf Futtersuche und stöbert gemächlich im Unterholz herum. Sein Speiseplan reicht von Schnecken und Insekten über alle möglichen kleinen Wirbeltiere bis hin zu Früchten, Wurzeln und Aas. Da er keineswegs wasserscheu ist, fallen ihm auch häufig Fische und Lurche zum Opfer.

Als einziges Mitglied der Hundefamilie hält der Marderhund eine Winterruhe. Im Herbst, wenn das Nahrungsangebot in seinem Lebensraum reichlich ist, futtert er sich eine dicke Speckschicht an, so dass er schliesslich fast das Doppelte wiegt als im Frühjahr. Mit diesem «Vorrat» zieht er sich dann im November in sein Versteck zurück, legt sich dort aufs Ohr und zehrt die kalten Wintermonate über von seinen Reserven. Zwar hält er keinen richtigen Winterschlaf, wie es zum Beispiel die Murmeltiere tun. Er ist aber äusserst träge und kommt höchstens an wärmeren Tagen einmal für einen kleinen Rundgang hervor.




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