Sind die Meere noch zu retten?


© 1985 Markus Kappeler
(erschienen in zwei Teilen im St. Galler Tagblatt, 2.8.1985 und 8.8.1985)



Die Erde ist ein Wasserplanet. Seine Meere sind Wiege und Grundlage allen irdischen Lebens. Nachhaltig genutzt könnten sie eine unerschöpfliche Nahrungsquelle auch für uns Menschen sein. Doch mit unseren Giften aufgefüllt und schonungslos von uns ausgebeutet laufen die Ozeane heute Gefahr, allmählich zu öden Wasserwüsten zu verkommen.



Teil 1

Ausbeutungsobjekt Meer:

Unerschöpfliche Ernten aus dem Ozean?

 

Das Meer hat den Menschen seit jeher wie magisch angezogen. Es offenbarte sich ihm als überquellende, nie versiegende Schatzkammer. Jahrtausendelang nutzte er die Rohstoffe, die das Meer ihm bot, ohne je - auch nur andeutungsweise - an die Grenzen ihrer Verfügbarkeit zu stossen.

Das änderte sich, als er mit stets raffinierteren technischen Methoden immer rücksichtsloser herausholte, nach was ihm der Sinn stand. Da gingen plötzlich - Schritt für Schritt, Jahr für Jahr - die Erträge zurück. Es zeigte sich unmissverständlich: Das scheinbar endlose Meer ist endlich. Es lässt sich nicht unbeschränkt ausquetschen.

 

Hering, Kabeljau und Thunfisch

Berechnungen auf biologischer Basis haben es längst stichhaltig vor Augen geführt: Es gibt ganz konkrete Fischfang-Quoten, durch deren Beachtung sich die Fischbestände als langfristige Nahrungsgrundlage erhalten liessen. Doch wen kümmern solche Berechnungen schon, wenn es um's Geld und um's Geschäft geht?

So werden denn dauernd neue - noch rationellere, noch effizientere - Verfahren für die Fischernte aus dem weiten Meer entwickelt. Längst überlässt man das Auffinden der Fischschwärme nicht mehr dem Zufall, sondern der Zuverlässigkeit von Suchhelikoptern und Echolotgeräten, die gleich auch Grösse und Tiefe der beschuppten Meerestiere angeben. Der vorläufig letzte Schrei zur Hebung der Fangerträge sind Elektroschocks und Absaugvorrichtungen unter Wasser. Netze sind dabei unnötig. Keine Jungfische also mehr, die durch Maschen schlüpfen.

Nun brechen einzelne Fischgründe plötzlich zusammen. Herkömmliche Fischarten unserer Breiten - Hering, Kabeljau, Dorsch, Sardine und Goldbarsch etwa - sind mit einem Mal massiv gefährdet. So sahen sich schon 1976 die Nordsee-Anliegerstaaten dazu gezwungen, vorläufig von jeglicher Befischung der Heringe abzusehen. Grund: Der Gesamtbestand dieses Allerweltsfischs wurde auf nurmehr 15 000 Tonnen geschätzt, während man früher jährlich über 150 000 Tonnen davon herausgeholt hatte. Island, dessen Exporteinnahmen zu über fünfzig Prozent vom Fisch stammen, sieht sich heute angesichts des spürbar dezimierten Dorschbestands zu drastischen Fangbegrenzungen gezwungen, da sonst seine Fangflotten bald stillliegen würden. Und auch das alljährlich im April stattfindende Stelldichein der Thunfische vor der Meerenge von Gibraltar ist schon seit langem nicht mehr das grosse Geschäft für die südeuropäische Küstenfischer-Armada. Während sie noch vor wenigen Jahren gemeinsam 50 000 Tonnen Thunfisch in jeder Saison an Bord zogen, ist es heute nicht einmal mehr die Hälfte. Wen wundert's angesichts des ungeheuerlichen Raubbaus der letzten Jahre?

Wie dieses Kapitel in der bewegten Geschichte der menschlichen Unvernunft und Habgier möglicherweise enden wird, lässt sich am Zusammenbruch der Walfangindustrie als Folge der Ausrottung ihrer eigenen Grundlage beispielhaft ersehen.

 

Die Waltragödie

Zweifellos hat der Mensch schon vor langer Zeit begonnen, Wale zu fangen. Vorgeschichtliche Wandmalereien skandinavischer Völker etwa legen Zeugnis davon ab. Nie hat aber die Fangquote dieser Küstenvölker die natürliche Vermehrungsrate der Wale auch nur annähernd erreicht. Dazu waren die Fangmethoden zu «primitiv».

Mit der Erfindung der Harpunenkanone im Jahr 1868 und dem Aufkommen motorgetriebener Fabrikschiffe änderte sich die Situation jedoch grundlegend. Und völlig hoffnungslos wurde es für die friedlichen Meeresgiganten schliesslich, als Echolot, Suchflugzeuge und Sprengharpunen zur Ausrüstung der Walfänger hinzukamen, und überdies immer mehr Länder am einträglichen Gemetzel teilhaben wollten.

Allein im Verlauf der letzten sechzig Jahre wurden weltweit über zwei Millionen Wale erlegt - das sind Stunde für Stunde, rund um die Uhr, 4 der intelligenten Meeressäuger. So wurde eine Walart nach der andern dermassen in ihrem Bestand reduziert, dass sich ihr Fang bald nicht mehr lohnte. Auf stetes Drängen von WWF, Greenpeace und anderen Umweltorganisationen hin haben nun endlich alle Walfangnationen bis auf Norwegen und Japan (welches krampfhaft sein Gesicht zu wahren versucht) einem vollständigen, weltweit gültigen Walfangstopp ab 1986 und für die Dauer von vorläufig vier Jahren zugestimmt. Allerdings wohl kaum «aus ökologischen Gründen», wie das eine oder andere Land verlauten liess, sondern weil halt bei dermassen ausgedünnten Beständen beim besten Willen kein Geschäft mehr zu machen ist. Die Walfangindustrie hat eindrücklich demonstriert, wie man verbissen und zielstrebig den Ast absägt, auf dem man sitzt.

 

Krill

Nachdem der antarktische Walbestand beinahe ausgerottet war, vermehrten sich die crevettenähnlichen Krillkrebschen - Hauptnahrung der Wale im südlichen Eismeer - in enormem Mass. Ehemalige Walfänger sind nun - auf ihrer verzweifelten Suche nach Ersatz-Jagdobjekten - auf die Idee gekommen, es quasi den Walen gleichzutun und nun ihrerseits diese ungenutzte Eiweissquelle zu nutzen. Sie wollen sie zu einer essbaren Paste mit hohem Nährwert verarbeiten. Eine solche Produktion, so haben sie errechnet, könnte der jährlichen Welt-Fischernte von 60 Millionen Tonnen gleichkommen. Ob sie ihre Berechnungen wiederum mit der Säge in der Hand gemacht haben, ist schwer zu sagen. Zu befürchten ist jedenfalls, dass die Krillausbeutung genauso unvernünftig betrieben wird wie zuvor die Walschlächterei.

 

Korallenfische, Meeresschildkröten und Seehunde

Nicht allein zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion beutet der Mensch die Meere schonungslos aus. Auch Mode und Luxus fordern ihren unheilvollen Tribut. Da wird etwa die farbenfrohe Lebensvielfalt ganzer tropischer Korallenriffe unwiderruflich zerstört - damit der naturliebende Aquarianer in Westeuropa seinen staunenden Gästen Bizarres vorzeigen kann. Da werden sämtliche Meeresschildkröten-Arten an den Rand der Ausrottung getrieben - nur damit der Schlemmer im Dreisternrestaurant seine Delikatess-Suppe oder während seiner Karibikferien ein exotisches Frühstücksei löffeln kann. Da werden ganze Kolonien der Sattelrobbe mit Knüppeln totgeschlagen - damit Damen der gehobenen Mittelklasse adrett gekleidet durch den Winter flanieren können. Und, und, und. Die Aufzählung liesse sich beliebig verlängern.

 

«Wenn das Leben im Meer zu Ende ginge...»

So beginnt die wissenschaftlich fundierte Horror-Vision des bekannten französischen Marinbiologen Jacques-Yves Cousteau. Von faulenden Meeren, Hungersnöten und Sauerstoffmangel handelt die beklemmende Geschichte. Und endet schliesslich mit dem simplen Satz: «Nach dreissig oder spätestens fünfzig Jahren wäre das organische Leben der Erde auf Bakterien und aasfressende Insekten reduziert.» Ob Cousteau's düstere Vision den Nagel auf den Kopf trifft, lässt sich nur sehr schwer abschätzen. In Fachkreisen ist man sich aber einig, dass das Absterben der Meere ohne jeden Zweifel die grösste Katastrophe in der jahrtausendelangen, ereignisreichen Menschheitsgeschichte bedeuten würde.

Höchste Zeit also, dass wir uns Rechenschaft geben über unser Tun. Denn wie lange die Meere die masslose Verschmutzung und sträfliche Übernutzung durch uns moderne Menschen noch ertragen, weiss niemand. Sicher ist nur, dass das «Umkippen» ziemlich plötzlich erfolgen wird...

Lesen Sie nächste Woche an dieser Stelle, wie wir Schweizer sehr direkt zur Zerstörung des Lebens in den Ozeanen beitragen.

 

 

Teil 2

Abfalldeponie Meer:

Die Verschmutzung der Meere beginnt an der Quelle ihrer Zuflüsse

 

Mittelmeer und Nordsee gelten als die gefährdetsten Meere der Welt. Mit Unrat übersäte Strände, schlammig trübe Wogen im Bereich der Flussmündungen, kranke Fischbestände zeugen von der Unvernunft unserer modernen Wohlstandsgesellschaft.

Auch wir Schweizer sind an der Verschmutzung der beiden europäischen Meere nicht unbeteiligt. Denn was wir via Rhein und Rhone in die Nordsee und ins Mittelmeer leiten, ist - trotz aller Anstrengungen zur Klärung unserer Abwässer - mitnichten klares Wasser.

 

Mittelmeer - verseuchter «Miniaturozean»

Viele europäische Binnenlandbewohner machen sich nur während ihrer Badeferien am Mittelmeer Sorgen um den Zustand der Ozeane. Wenn sie statt im kristallklaren Blau in trüben Fluten schwimmen, sich am verschmutzten Sandstrand die Ölklumpen von den Füssen reiben und nach dem Genuss von Meerfrüchten von Durchfall heimgesucht werden - dann spüren sie hautnah, dass das europäische «Binnenmeer» krank ist. In aller Regel trifft dann aber ihr Zorn die Falschen: Das Mittelmeer wird nicht in erster Linie durch Öltanker und Küstenbewohner verunreinigt, sondern von Binnenländern wie ihnen.

«Der Löwenanteil der Giftstoffe stammt aus Regionen, die mehrere hundert Kilometer von der Küste des Mittelmeers entfernt sind.» Der dies sagt, muss es wissen: Aldo Manos ist der Leiter des UNO-Umweltschutzprogramms für den Mittelmeerraum, welches vor knapp zehn Jahren gestartet worden ist und von 17 der 18 Mittelmeer-Anrainerstaaten getragen wird. (Albanien macht nicht mit.) Die Befunde der über 200 involvierten Forschergruppen zeigen, dass mit einem finanziellen Aufwand von 35 Milliarden Franken und einer Zeitspanne von 15 Jahren zu rechnen ist, bis die Mittelmeergestade wieder leidlich sauber, die Fluten wieder leidlich klar sind. Dieses Ziel streben die Mittelmeerstaaten entschlossen an.

Bis es soweit ist, müssen sie allerdings, wohl oder übel, mit der gegenwärtigen, recht prekären Lage leben. Notfalls unter Verwendung von «Kunstgriffen», wie Italien derzeit anschaulich demonstriert: Es erhält seine nördlichen Adriastrände dadurch «badetauglich», dass es die gesetzlichen Richtwerte über den Reinheitsgrad von Wasser an Badestränden vorübergehend etwas «mildert». Die sonst fällige Schliessung weiter Strandpartien (z.B. zwischen Ravenna unld Cattolica) hätte katastrophale Auswirkungen auf das Fremdenverkehrsgewerbe. Zudem lassen sich solche «Notstands-Massnahmen» allemal damit rechtfertigen, dass die sonnenhungrigen Touristen ja nicht ganz unschuldig sind an der misslichen Situation.

 

Flüsse - giftige Kloaken

Die Schadstoffe, welche für die Verseuchung des Mittelmeers verantwortlich sind, werden hauptsächlich von den Strömen Rhone, Po und Ebro herbeigeschwemmt. Längst haben sich diese drei Zuflüsse, die früher einmal frisches, sauerstoffreiches Wasser mit sich führten, in Kloaken sondergleichen verwandelt. Ununterbrochen transportieren sie gewaltige Schadstofffrachten aus Industrie, Verkehr, Haushalten und Landwirtschaft meerwärts.

Dieser Wohlstandsmüll stammt somit nicht von den 44 Millionen Bewohnern der Mittelmeerküsten, sondern in erster Linie von den über 60 Millionen Binnenländern, die im weiteren Einzugsgebiet des Mittelmeers leben - in den Industriezentren Lyon und Mailand etwa, oder auch in Sion und Genf.

Beträchtliche Beiträge zur Verseuchung des Mittelmeers leisten daneben die Industrien entlang der Mittelmeerküsten. Deren 50 000 stehen allein zwischen Barcelona und Genua. Die meisten von ihnen pumpen ihre Abwässer unbekannter Giftigkeit wenig oder gar nicht geklärt in die Fluten.

Und schliesslich leiten auch noch immer rund 80 Prozent der 120 grösseren Küstenstädte ihre Abwässer ohne jegliche Säuberung direkt ins Meer. Wohinzu in den Hauptferienmonaten noch die Abwässer der etwa l00 Millionen Touristen kommen...

Detaillierte Angaben über Art und Menge der Schadstoffe mit denen das Mittelmeer auf den verschiedenen Wegen befrachtet wird, gibt es nicht. Bekannt ist nur, was gesamthaft pro Jahr ins Mitelmeer eingeleitet wird: rund 450 Millionen Tonnen Abfall nämlich - darunter 400 000 Tonnen synthetische Industriechemikalien und Pestizide sowie etwa 340 000 Tonnen nicht abbaubarer Schwermetalle.

Die allgemein vorherrschende Meinung, die Schadstoffe würden sich über kurz oder lang bis weit unter die Gefahrengrenze verdünnen, erweist sich im Falle des Mittelmeers leider als gefährlicher Irrglaube. Infolge der geringen Durchspülung dieses «Miniaturozeans» konzentrieren sich die Schadstoffe viel rascher als in der offenen See.

So kommt es, dass heute ein Viertel aller Badestrände des Mittelmeers grundsätzlich als verseucht gelten. Kunstgriffe hin oder her. Am ärgsten betroffen sind dabei die nordwestlichen Küstenstreifen - zwischen der Mündung des Ebro im Westen und derjenigen des Po im Osten. Hier münden die Giftfrachten halb Westeuropas geballt ins Meer.

 

Von Quallen, Schwertfischen und Mönchsrobben

Die Verseuchung des Mittelmeers trifft selbstverständlich nicht nur den Touristen, der an den Mittelmeergestaden dem ganzen Spektrum krankheitserregender Mikroorganismen begegnet, und dessen Badeferien daher zum Gesundheitsrisiko werden.

Schwer zu schaffen machen die Schadstoffe auch den vielen Meeresbewohnern: So haben Untersuchungen des ozeanischen Forschungsinstituts in Nizza ergeben, dass von 31 Mittelmeerfischen deren 17 die für Speisefische maximal zulässige Quecksilbermenge bereits enthalten. Bei 9 Fischarten, zu denen Thunfisch, Barbe und Schwertfisch gehören, ist der Wert gar um das Doppelte überschritten. «Der hohe Quecksilbergehalt der Fischereiprodukte übersteigt die legal zugelassenen Grenzen in vielen Mittelmeerländern. Eine strikte Einhaltung dieser Gesetze würde die Vernichtung eines grossen Teils der Fischfänge bedingen», heisst es in einem Rapport des UNO-Umweltschutzprogramms lakonisch. Einmal mehr siegt das Geschäft über die Vernunft und das Verantwortungsgefühl. Denn bei immerhin rund 1 Mio Tonnen Fischen, die jährlich aus dem Mittelmeer gezogen werden, ist diese Duldung der Grenzwertmissachtung «auf Zusehen hin» ein äusserst gefährliches Spiel. Welche Auswirkungen diese hohen Quecksilber-Konzentrationen im übrigen auf die Biologie der betroffenen Fische hat, ist gänzlich ungeklärt.

Von den Schadstoffen im Wasser werden auch die im Mittelmeer heimischen Mönchsrobben in Mitleidenschaft gezogen. Ihre Zahl wird auf höchstens noch 500 Tiere geschätzt und geht - trotz grosser Anstrengungen zu ihrem Schutz - weiter zurück. Als Raubtiere stehen sie - wie der Mensch - am Ende von Nahrungsketten, wo sich Umweltgifte oft vieltausendfach anreichern und zu schweren Funktionsstörungen lebenswichtiger Organe führen.

Nicht zuletzt wird auch das in jüngerer Zeit immer häufigere pestartige Auftreten von Quallen in Küstennähe von vielen Marinbiologen mit Besorgnis registriert, denn die nesselnden Gallerttiere zeigen unmissverständlich an, dass das Ökosystem des Mittelmeers aus dem Gleichgewicht geraten ist.

 

Auch die Nordsee ist in Not

In jeder Hinsicht vergleichbar mit der Situation des Mittelmeers ist diejenige des anderen europäischen «Binnenmeers»: der Nordsee. Auch hier bedrohen die giftigen Abfälle aus dem dichtbesiedelten und hochindustrialisierten Westeuropa das marine Ökosystem. Auch hier stammen die mannigfaltigen Schadstoffe zum grössten Teil aus dem «Hinterland» und gelangen über die grossen Flüsse ins Meer. Und auch hier sind die Meeresbewohner in ihrem Fortbestand durch den menschgemachten Dreck stark gefährdet.

So sind 22 von 31 Fischarten der Nordsee von seltsamen Krankheiten befallen. In der Deutschen Bucht zum Beispiel weisen über fünfzig Prozent der Plattfische blumenkohlartige Hautgeschwüre auf, so dass sie von den Fischern ins Meer zurückgeworfen werden müssen. Bei vielen weiblichen Seehunden, die im deutschen Wattenmeer leben, haben hohe Konzentrationen von Quecksilber und polychlorierten Kohlenwasserstoffen zu Unfruchtbarkeit geführt. Für den drastischen Rückgang der Gemeinen Delphine und Grossen Tümmler machen Forscher ebenfalls die schleichende Vergiftung durch Chemikalien verantwortlich. Und schliesslich weisen auch in der Nordsee viele zwar weniger spektakuläre, für den Marinbiologen aber deutliche Zeichen darauf hin, dass das gesamte Meeres-Ökosystem stark geschädigt ist. Dazu gehören zum Beispiel die dicken gelblichen Schaumteppiche am Strand von Nordseeinseln - Zersetzungsprodukte von Algen, die sich im Übermass vermehrt haben.

Ein gewichtiger Unterschied besteht allerdings doch zwischen Mittelmeer und Nordsee: Während die Mittelmeer-Anrainerstaaten sich seit bald zehn Jahren intensiv um die Verbesserung der misslichen Lage bemühen, haben sich die acht Anliegerstaaten der Nordsee anlässlich der 1. Nordseeschutz-Konferenz im Oktober 1984 nur gerade dazu entschliessen können, «möglichst schon 1985» zu entscheiden, um welche Werte die aus den Flüssen kommende Verschmutzung dereinst gesenkt werden soll. Und die Folgekonferenz ist vorläufig auf 1986 anberaumt. Als ständen die Zeichen nicht längst auf Sturm.




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