Papageitaucher -Fratercula arctica

Dreizehenmöwe - Rissa tridactyla

Gryllteiste - Cepphus grylle

Kormoran - Phalacrocorax carbo


© 1989 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Unter dem Begriff «Meeresvögel» werden vier Vogelordnungen zusammengefasst, deren Vertreter sich ausschliesslich oder doch hauptsächlich im Bereich der Ozeane aufhalten und ihren Nahrungsbedarf aus der Fülle des dortigen Angebots decken. Es handelt sich um 1. die Pinguine (Sphenisciformes), 2. die Röhrennasen (Procellariiformes), zu denen die Albatrosse, Sturmvögel und Sturmschwalben gehören, 3. die Ruderfüsser (Pelecaniformes), welche sich aus den Tropikvögeln, Pelikanen, Tölpeln, Fregattvögeln, Kormoranen und Schlangenhalsvögeln zusammensetzen, und 4. die Möwenvögel (Charadriiformes), zu welchen die Möwen, Seeschwalben, Alken und Scherenschnäbel zählen.

Sicherlich gehören die Meeresvögel zu den beeindruckendsten «Flugtieren» unseres Planeten, und jeder von uns kennt zumindest die Möwen aus eigener Erfahrung. Erstaunlicherweise gibt es aber nur gerade 280 verschiedene Meeresvögel, das sind lediglich drei Prozent aller Vogelarten, obschon doch die Meere rund zwei Drittel der Erdoberfläche einnehmen.

 

Von Meistertauchern, Tänzern und Langstreckenläufern

Im Laufe ihrer mindestens 60 Millionen Jahre währenden Stammesgeschichte haben sich die Meeresvögel in viele verschiedene Arten aufgespalten, von denen jede auf die Nutzung einer ganz bestimmten ökologischen Nische spezialisiert ist: Während einige Meeresvögel in seichten Küstengewässern auf der Wasseroberfläche treibend nach allerlei Kleingetier greifen, fangen andere ihre Beutetiere stosstauchend auf hoher See, und nochmals andere haben sich zu meisterhaften Tauchern entwickelt, welche ihren Beutetieren unter Wasser nachjagen.

Hinsichtlich ihrer Grösse bewegen sich die Meeresvögel zwischen den winzigen Sturmschwalben (Familie Hydrobatidae), deren kleinste Vertreter nur 20 Gramm schwer sind und eine Spannweite von 30 Zentimetern aufweisen, und den majestätischen Albatrossen (Familie Diomedeidae), deren Spannweite bei einigen Arten bis 350 Zentimeter misst.

Interessanterweise stellen die Meeresvögel mit den Albatrossen und den Fregattvögeln nicht nur einige der vorzüglichsten Flieger der gesamten Vogelwelt. Auch am anderen Ende der Skala, bei den flugunfähigen Vögeln, findet man eine ganze Anzahl Meeresvögel: So haben neben dem Stummelkormoran (Phalacrocorax harrisi) auch sämtliche Pinguine ihre Flugfähigkeit zugunsten eines optimalen Tauchvermögens «geopfert». Den Rekord unter diesen «Tauchvögeln» hält unangefochten der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri) mit einer nachgewiesenen Tauchtiefe von sage und schreibe 265 Metern!

Auch das Gehvermögen ist innerhalb der Sippe der Meeresvögel sehr unterschiedlich ausgebildet: Während einige der hochspezialisierten Flugkünstler kaum zwei Schritte gehen können, wandern viele Pinguine regelmässig zu Fuss mehrere Kilometer weit übers Eis zwischen ihren Nahrungsgründen und den Brutplätzen hin und her. Ein paar Vertreter dieser vielgestaltigen Vogelsippe, so besonders der Blaufusstölpel (Sula nebouxii) und der Wellenalbatros (Diomedea irrorata), führen bei der Balz gar elegante Tänzchen vor, um dem anderen Geschlecht zu gefallen...

Kein Meeresvogel ist - wie der Name vielleicht vortäuschen mag - ein reiner Meeresbewohner. Ausnahmslos sind sie darauf angewiesen, zumindest für das Bebrüten ihrer Gelege und die Aufzucht ihrer Jungen festen Boden unter die Füsse zu bekommen. Die meisten von ihnen bilden dabei mit arteigenen und manchmal auch mit artfremden Meeresvögeln zusammen Brutkolonien, die von ein paar wenigen bis zu vielen Millionen Paaren umfassen können. Solch lebhafte und lärmige Riesenversammlungen gehören sicherlich mit zu den spektakulärsten Erscheinungen im Tierreich.

 

Die Meeresverschmutzung schädigt auch die Meeresvögel

Seit vielen Jahrtausenden ist das Leben der Meeresvögel eng mit dem des Menschen verknüpft. So benützen einfach ausgerüstete Fischer überall auf der Welt nahrungssuchende Meeresvogelschwärme als «Wegweiser» zu oberflächennahen Fischvorkommen. An unzähligen Küsten gehören die Meeresvögel und ihre Eier zu den Grundnahrungsmitteln der lokalen Bevölkerung. Und bei manchen ausgedehnten Brutkolonien wird der sich massenhaft ansammelnde Kot («Guano») abgetragen und als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt.

Einigen Meeresvogelarten ist die masslose Verfolgung von seiten des Menschen leider zum Verhängnis geworden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Riesenalk (Pinguinus impennis), der eine Länge von 78 Zentimetern hatte und bis zu 5 Kilogramm schwer wurde. Er konnte ausgezeichnet schwimmen und tauchen, hatte aber die Flugtüchtigkeit gänzlich eingebüsst. Er war darum dem Menschen hilflos ausgeliefert, nachdem dieser seine Brutkolonien entdeckt hatte und ihn seines schmackhaften Fleisches wegen eifrig bejagte. 1844 wurden die beiden letzten Riesenalken bei Island gefunden und umgebracht.

Glücklicherweise hat sich die Haltung des Menschen den Meeresvögeln gegenüber in den letzten Jahrzehnten entscheidend gewandelt: Die einst rücksichtslose, unkontrollierte Nutzung der Vögel ihres Fleisches und ihrer Federn willen hat der Sorge um ihren Fortbestand Platz gemacht. Im Nordatlantik sind die Meeresvogelbestände mittlerweile erfreulich angewachsen, und zwar so stark, dass sich die Klagen der Fischer über die unerwünschte Konkurrenz deutlich mehren. Dabei ist es nachweislich der Mensch, welcher durch die Übernutzung der Fischbestände den Vögeln gebietsweise die Nahrungsgrundlage entzieht, und nicht umgekehrt.

Eine neue Gefahr erwächst den Meeresvögeln heute in Gestalt der zunehmenden Verschmutzung der Meere durch Öl, Schwermetalle und viele andere chemische Stoffe, die der Mensch in die Meere entlässt. Viele dieser Schadstoffe gelangen über die Nahrung in den Körper der Meeresvögel und können unter anderem verheerende Auswirkungen auf deren Fortpflanzungserfolg haben. Mit wachsender Besorgnis beobachten die Biologen heute vielerorts die rückläufige Entwicklung der Meeresvogelbestände, denn daraus lassen sich zweifellos keine ermutigenden Schlüsse über den Gesundheitszustand der Meere ziehen.

 

Der Papageitaucher

Der Papageitaucher (Fratercula arctica) ist kleiner, als man gemeinhin annimmt: Ausgewachsene Tiere weisen eine Höhe von lediglich 18 Zentimetern auf. Im nördlichen Atlantik ist der hübsche Vogel aus der Familie der Alken (Alcidae) weit verbreitet. Das Zentrum seiner Welt ist Island, wo schätzungsweise acht bis zehn Millionen Paare brüten.

Ausserhalb der Brutsaison leben die Papageitaucher als Nomaden und vagabundieren dann weit umher. Im Frühjahr kehren die Vögel aber regelmässig zu ihrer angestammten Brutkolonie zurück und beziehen dort möglichst ihre alte Bruthöhle. Papageitaucher brüten nämlich - im Gegensatz zu den meisten anderen Meeresvögeln - in Erdröhren, die sie mit ihren kräftigen, krallenbewehrten Füssen selbst graben.

Papageitaucher sind keine begnadeten Flieger: Ihr Flug ist schnell und ungestüm, aber wenig wendig. Dafür vermögen sie meisterhaft zu tauchen und stossen dabei in Tiefen von bis zu 60 Metern hinab. Unter Wasser «fliegen» sie mit kräftigen Schlägen ihrer Flügel; die Beine werden mit gespreizter Schwimmhaut nach hinten gestreckt und übernehmen die Rolle des Steuerruders.

Wie die meisten Alken ernähren sich die Papageitaucher vorzugsweise von kleinen Schwarmfischen, die sie auf offener See, manchmal viele Kilometer vom Brutplatz entfernt, fangen. Ihre Beute tragen sie den Jungen im Schnabel zu, wobei sie erstaunlicherweise mehrere Fische aufs Mal sammeln und quer im Schnabel aufreihen können. Der Volksmund behauptet, die Fische würden dabei so angeordnet, dass schön abwechslungsweise ein Fisch nach rechts, einer nach links schaut. Das ist aber Unsinn.

Jeden Herbst legen die erwachsenen Papageitaucher ihr Brutkleid ab und zeigen ein schlichtes Winterkleid, das dem Federkleid der Jungvögel sehr ähnlich sieht. Bemerkenswerterweise ist der während der Brutsaison hübsch gefärbte Schnabel - dem die Papageitaucher ja ihren Namen verdanken - im Winterkleid deutlich kleiner und wie die Beine dunkelgrau gefärbt. Früher wurden die «Winter-Papageitaucher» darum als eigene Art angesehen.

Die Bestände der Papageitaucher haben im Verlauf der letzten hundert Jahre im ganzen Verbreitungsgebiet stark abgenommen. Teils scheinen dafür natürliche meeresbiologische Veränderungen verantwortlich zu sein. In einigen Regionen haben aber zweifellos Ölkatastrophen, die Übernutzung der Fischbestände durch den Menschen und die Invasion von Ratten in die Brutkolonien der kleinen Alken die Situation beträchtlich verschlimmert.

 

Die Dreizehenmöwe

Die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) ist eine verhältnismässig zierlich gebaute Meeresmöwe mit einer Körperlänge von 40 Zentimetern und einer Flügelspannweite von einem knappen Meter. Irgendwann im Laufe ihrer Stammesgeschichte hat sie ihre Hinterzehe «verloren» - daher ihr Name.

Die Heimat der Dreizehenmöwe ist das gesamte Nordpolarmeer sowie die nördlichen Bereiche des Atlantischen und des Pazifischen Ozeans. In der Regel nistet die Dreizehenmöwe an steilen Klippen. Für den Nestbau sucht sie sich schmalste Felsbänder und kleinste Felsvorsprünge aus. Auf diese kleistert sie zuerst ein festes Fundament aus Tang, verfestigt durch ihre Ausscheidungen. Darauf wird dann aus Gräsern und anderem Pflanzenmaterial ein tiefer Nestnapf geformt, in dem das Gelege und die später schlüpfenden Nestlinge sicher aufgehoben sind.

Die Dreizehenmöwe ernährt sich hauptsächlich von Kleinfischen, nimmt aber auch Garnelen und allerlei andere wirbellose Meerestiere. Alle diese Beutetiere erwischt sie an der Wasseroberfläche, und zwar entweder im wendigen Vorbeiflug oder auf dem Wasser treibend, manchmal auch stosstauchend. Gerne folgt sie im übrigen Schiffen und nimmt bei Fischkuttern die Abfälle, bei Fähren und Linienschiffen die von den Passagieren zugeworfenen Brotstückchen.

Die Bestände der Dreizehenmöwe sind in unserem Jahrhundert deutlich angewachsen, und die Art hat sogar ihr Verbreitungsgebiet ausdehnen können. So findet man sie neuerdings als Brutvogel auch an den Küsten Dänemarks, Schwedens, Deutschlands und der Iberischen Halbinsel.

 

Die Gryllteiste

Wie der Papageitaucher zählt die Gryllteiste (Cepphus grylle) zur Familie der Alken und ist nur wenig grösser als jener. Ihre Heimat sind die hochnordischen Küstengewässer rund um den Erdball.

Die Gryllteiste bildet keine umfangreichen Brutkolonien wie die meisten anderen Meeresvögel, sondern lebt zumeist in kleinen, weit verstreuten Gruppen überall entlang der Meeresküste. Dieses Verteilungsmuster ist kennzeichnend für Vögel, die sich von Beutetieren ernähren, welche nicht in grossen Ansammlungen auftreten, sondern spärlich über grosse Flächen verteilt sind. In der Tat ernährt sich die Gryllteiste nicht von Schwarmfischen auf hoher See wie der Grossteil ihrer Verwandten, sondern bejagt als Tauchvogel bodenbewohnende Fischarten im flachen, küstennahen Wasser. Sie ist ein aussergewöhnlich standorttreuer Meeresvogel, der sich nie weiter von seinen Brutplätzen entfernt als unbedingt nötig.

Ihr Nest legt die Gryllteiste gut versteckt unter Steinen oder in tiefen Spalten und Rissen von Felsen an. Zumeist liegen die Brutplätze unmittelbar im Brandungsgürtel.

Die Gryllteiste ist die seltenste Alkenart des Nordatlantiks. Aufgrund ihrer sehr lockeren Brutkolonien sowie der versteckten Nistplätze erweisen sich Bestandsschätzungen allerdings als sehr schwierig. Aus diesem Grund ist auch kaum etwas bekannt über die Bestandsentwicklung der Art in unserem Jahrhundert.

 

Der Kormoran

Der etwa gänsegrosse Kormoran (Phalacrocorax carbo) gehört zu den weitestverbreiteten Meeresvögeln der Erde: Brutkolonien finden sich in Europa, Afrika, Asien, Australien und im östlichen Nordamerika.

Seine Beute fängt der Kormoran wie Papageitaucher und Gryllteiste, indem er ihr unter Wasser nachjagt. Im Gegensatz zu den beiden Alkenvögeln treibt er sich aber nicht mit den Flügeln vorwärts, sondern setzt dazu seine kräftigen, grossen Schwimmfüsse ein. Auch taucht er gewöhnlich nur in einer Wassertiefe von ein bis drei Metern.

Der Kormoran geht sowohl an der Meeresküste als auch an Süsswasserseen und Flussläufen auf Jagd. Im Bereich der Binnengewässer wird der tüchtige gefiederte Fischjäger von den änsassigen menschlichen Fischern allerdings nicht gerne gesehen, da er eine (wohl kaum belegbare) Vorliebe für Edelfische haben soll. Als «Fischereischädling» wird der Kormoran daher vielerorts gnadenlos bejagt und ist heute gebietsweise sehr selten oder gar ausgerottet.

Hinsichtlich seines Brutplatzes ist der Kormoran wenig wählerisch. Felspartien auf Inseln und an Festlandküsten sind ihm ebenso recht wie Bäume an See und Flussufern oder das Röhricht von Sumpfgebieten. Die wenig kunstvollen Nester bestehen aus Zweigen und werden mit Seegras und anderem Pflanzenmaterial ausgepolstert.




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