Föderierte Staaten von Mikronesien


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Mehr als ein Drittel der Erdoberfläche, ungefähr 180 Millionen Quadratkilometer, werden vom Pazifischen Ozean bedeckt. Flächenmässig ist dieses Wasserareal gewaltiger als die Landmassen aller Kontinente zusammen. Entlang des Äquators reicht der Pazifische Ozean fast halb um die Erde herum!

Zählt man die grossen Inseln Neuguinea und Neuseeland mit, so liegen in dieser ungeheuren Wassermasse nur 1,3 Millionen Quadratkilometer festes Land, verteilt auf mehrere tausend Inseln aller Grössen und Formen. Grob gesehen wird diese pazifische Inselwelt in drei Grossregionen gegliedert: Mikronesien («Kleininselgebiet») im nordwestlichen Bereich des Pazifiks, Melanesien («Schwarzinselgebiet») im südwestlichen Bereich und Polynesien («Vielinselgebiet») im ganzen östlichen Bereich des Pazifiks, vom Hawaii-Archipel bis zur Osterinsel und nach Neuseeland.

Massgebend für diese Einteilung waren nicht etwa geografische oder geologische Gesichtspunkte; von der Zahl der Inseln her könnte man Mikronesien genausogut als Polynesien bezeichnen. Entscheidend waren vielmehr anthropologische, ethnologische und linguistische Gründe: Die Menschen in den drei Teil bereichen unterscheiden sich rassisch, kulturell und sprachlich voneinander. Während die Melanesier negroide Züge aufweisen, haben die Mikronesier einen mongoliden und die Polynesier einen europäiden-mongoliden Einschlag. Die drei Menschenrassen sind seit dem Ende der letzten Eiszeit zu verschiedenen Zeiten und in mehreren Wellen vom südostasiatischen Festland her über die indomalaiischen Inseln in den pazifischen Raum eingewandert.

Mikronesien setzt sich aus vier Archipelen zusammen: den Karolinen, den Marianen, den Marshall-Inseln und den Gilbert-Inseln. Der grösste dieser Archipele sind die Karolinen mit über 2000 Inseln. Sie ordnen sich nördlich des Äquators über eine ostwestliche Achse von 3200 Kilometern Länge, weisen aber eine Gesamtfläche von lediglich 1195 Quadratkilometern auf, denn die meisten von ihnen sind palmengesäumte flache Koralleneilande und Riffe, die nicht selten an die Witzzeichnungen über Schiffbrüchige erinnern.

Nur 96 Karolineninseln sind permanent bewohnt, und lediglich 5 davon weisen eine Fläche von 100 und mehr Quadratkilometern auf und ragen mehr als 100 Meter über den Meeresspiegel auf. Es sind dies von West nach Ost: Babeldaop (Fläche: 396 km2; Höhe: 242 m), Yap (100 km2; 147 m) Truk (100 km2; 443 m), Pohnpei (334 km2; 772 m) und Kosrae (110 km2; 629 m). Jede dieser fünf Hauptinseln bildet zusammen mit einer Anzahl umliegender kleinerer Inseln einen eigenen Staat. Babeldaop, in der Südwestecke des Archipels gelegen, ist als «Republik Belau» eigenständig. Die vier anderen haben sich zu den «Föderierten Staaten von Mikronesien» zusammengeschlossen.

 

Vier Kolonialmächte folgten einander innerhalb kurzer Zeit

Die Kolonialgeschichte der Karolinen setzt mit dem 16. Jahrhundert ein: 1527 wurde der Archipel vom portugiesischen Seefahrer Diego da Rocha entdeckt und erhielt zunächst den Namen «Neue Philippinen». 1686 erklärten die Spanier den Archipel zum spanischen Hoheitsgebiet und gaben ihm, zu Ehren des damaligen spanischen Königs Karl II., den Namen Karolinen. Spanien kümmerte sich aber kaum um seinen Besitz.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat Deutschland im westpazifischen Raum auf. Am 25. August 1885 landete das deutsche Kanonenboot «Iltis» auf dem Archipel und hisste die deutsche Flagge. Die spanische Regierung protestierte schärfstens gegen die deutsche Besitzergreifung, worauf der deutsche Reichskanzler, Otto von Bismarck, die Streitfrage dem Schiedsgericht des Papstes unterbreitete. Papst Leo XIII. sprach im Oktober 1885 die Karolinen den Spaniern zu, gestand jedoch Deutschland Sonderrechte in der Seefahrt und im Handel mit den Karolinen zu.

Die Spanier stiessen in der Folge allerdings auf grosse Schwierigkeiten bei der Verwaltung der Karolinen. 1887 wurde der spanische Gouverneur infolge seiner Gewaltakte gegenüber den Einheimischen zusammen mit einem Grossteil seiner Offiziere von den erbitterten Insulanern erschlagen. 1899 verkaufte Spanien die Karolinen kurzerhand an Deutschland...

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs bemächtigte sich Japan des Archipels und entwickelte die Inseln nicht nur zu militärischen Stützpunkten, sondern auch zu einem Siedlungsgebiet für japanische Pflanzer. Grossflächige Kokospalmen- und Zuckerrohrplantagen wurden angelegt.

Während des Zweiten Weltkriegs gelang es den USA nach heftigen Kämpfen, die von Februar bis April 1944 dauerten, die Japaner von den Karolinen zu verdrängen. Nach Kriegsende, im Jahr 1947, erhielten die USA von den Vereinten Nationen die Karolinen zusammen mit den Marianen und den Marshall-Inseln zur treuhänderischen Verwaltung zugesprochen. So hatten also die Karolinen in nur rund 50 Jahren vier Kolonialmächte (Spanien, Deutschland, Japan, USA) unterschiedlichster Prägung erlebt, die natürlich allesamt ihre Spuren in Religion, Sprache und Kultur der Insulaner hinterliessen.

Bis Ende der siebziger Jahre wurden die Karolinen, die Marianen und die Marshall-Inseln von den USA als «Trust Territory of the Pacific Islands» verwaltet. Die legislative und exekutive Gewalt lagen bei einem Hochkommissar, der seinen Sitz in Saipan auf den Marianen hatte und vom Präsidenten der USA direkt ernannt wurde.

Nach der Ausgliederung der Marianen (1977) und der Marshall-Inseln (1978) aus dem Treuhandgebiet wurden Anfang 1979 auch die Karolinen politisch neu gegliedert: Während der Distrikt Palau unter der Bezeichnung «Republik Belau» Eigenständigkeit erwarb, vereinigten sich die Distrikte Yap, Truk, Ponape (heutiges Pohnpei) und Kusaie (heutiges Kosrae) zu den «Föderierten Staaten von Mikronesien».

Am 10. Mai 1979 trat die Verfassung der Föderierten Staaten von Mikronesien in Kraft. Sie besagt, dass jeder der vier Staaten einen eigenen Gouverneur und ein Parlament wählt, und dass die Zentralregierung ihren Sitz auf Pohnpei hat. Per Vertrag, den Repräsentanten der USA und der Föderation am 1. Oktober 1982 unterzeichneten, bleiben die Föderierten Staaten von Mikronesien aber vorerst in freier Assoziierung mit den USA verbunden. Mit ihrer Unterschrift sicherte sich die Föderation ein Nettoeinkommen von jährlich 50 Millionen US-Dollars. Dafür erhielten die USA die Genehmigung zur Errichtung und Benutzung militärischer Einrichtungen im Gebiet der Föderation. Zugestanden wurde namentlich auch die Stationierung von Atomwaffen. Ferner verzichtete die Föderation zugunsten der USA auf alle Rechte, die sie für die Nutzung der umliegenden Gewässer besitzt. So konnten sich die Amerikaner auch die ungehinderte Zufahrt ihrer Thunfisch-Fangflotten sichern.

 

Neun Sprachen

Die Einwohner der Föderierten Staaten von Mikronesien sind keineswegs «aus einem Guss», wie man vielleicht annimmt, sondern unterscheiden sich je nach Region in ihrer physischen Erscheinung, ihren Bräuchen und ihrer Sprache recht erheblich. Auf den zu den Philippinen hin gelegenen Inseln ähneln sie den Menschen jenes Archipels, nach Osten hin eher den Polynesiern. Es werden neun verschiedene Sprachen gesprochen, die den malaiischen, mikronesischen und polynesischen Sprachfamilien angehören. Englisch ist aber weitverbreitete Umgangssprache.

Die vier grossen Inseln der Föderation sind heute gut erschlossen, und das soziale Leben in den Hauptstädten ist deutlich von der westlichen Zivilisation geprägt. Auf manchen äusseren Inseln haben die Bewohner jedoch ihre traditionelle Lebensweise - allen kolonialistischen Machenschaften zum Trotz - fast unverändert bewahren können. Dort gibt es weder arm noch reich, sondern ein Auskommen für jedermann, das allein auf Fischfang und extensiver Landwirtschaft beruht.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Föderation steckt noch in den allerersten Anfängen. Es wird etwas Kopra für die Kokosölindustrie hergestellt. Einige Kleinbetriebe erzeugen Baumaterial und handwerkliche Produkte für den lokalen Markt. Und der Tourismus gewinnt allmählich etwas an Bedeutung. Noch immer aber ist die Zahl der Inseln grösser als die Zahl der auf ihnen weilenden Touristen. Die Föderierten Staaten von Mikronesien leben in erster Linie von den Millionenbeträgen, die sie aus ihrer Assoziierung mit den USA erhalten.

 

Von Steingeld, Liebesstöcken, Königspalästen und mehrstimmigen Chorälen

Steckbriefhaft sollen im folgenden die vier Staaten der mikronesischen Föderation vorgestellt und ihre Eigenheiten kurz beleuchtet werden:


Yap
Der Staat Yap umfasst 19 Atolle mit einer Gesamtfläche von 118 Quadratkilometern, wovon allein 100 Quadratkilometer auf die Hauptinsel Yap entfallen. Auf der gesamten Inselgruppe leben rund 16 000 Einwohner. Hauptstadt ist Colonia auf der Insel Yap (nicht zu verwechseln mit Kolonia auf Pohnpei).

Von den anderen Hauptinseln des Staatenbundes unterscheidet sich die Insel Yap dadurch, dass es keine Vulkaninsel ist, sondern die Spitze eines Unterwassergebirges, das sich zwischen Japan und Neuguinea erhebt - eine kontinentale Insel also aus Sedimentgestein. Im nördlichen Teil ist Yap hügelig und von Buschgegenden, Grasländern und Bambushainen geprägt. Die Dörfer sind durch alte Steinpfade verbunden, die durch Tarofelder und andere landwirtschaftliche Kulturen führen.

Yap ist eines der am stärksten der Tradition verhafteten Gebiete des Pazifiks. Die Frauen gehen noch heute vielfach barbusig und bekleiden sich in traditioneller Weise mit ihren Grasröcken. Die Männer tragen lediglich einen Lendenschurz. Die Häuser sind grossenteils aus heimischen Materialien gebaut, ohne Nägel, und mit Palmblättern bedeckt. Die Auslegerboote sind nicht motorisiert, und in den Küstengewässern werden, etwa für den Transport von Gemüse, noch häufig Bambusflösse benützt.

Einmalig auf Yap ist das Steingeld - runde Scheiben aus Aragonit (eine Kalkspat-Art) mit einem Durchmesser von bis zu vier Metern. Wie Mühlsteine weisen diese «Riesenmünzen» in der Mitte ein Loch auf, durch das man für den Transport einen Stock schieben kann.

Früher wurde das Steingeld - ähnlich wie Goldmünzen bei uns - bei grösseren Geschäften als Zahlungsmittel verwendet. Heute gewinnt zwar der bare Dollar immer mehr an Boden, doch haben die rund 6000 existierenden Steinmünzen noch immer einen beträchtlichen Wert. Dabei spielt nicht allein ihre Grösse eine Rolle; auch kleine Stücke können aufgrund ihres Alters und ihrer Geschichte einen hohen Wert haben. So ist das Steingeld heute wie damals ein Symbol des Wohlstands und wird darum gerne vor dem Haus zur Schau gestellt. Diebstahlgefahr besteht schliesslich wegen des Gewichts keine...

Truk
15 Atolle mit einer Gesamtfläche von 127 Quadratkilometern und gegen 40 000 Einwohnern bilden den Bundesstaat Truk. Das Truk-Atoll selbst besteht aus 11 grösseren und 87 kleineren Inseln mit einer Gesamtfläche von 100 Quadratkilometern. Hauptinsel der Truk-Gruppe ist das 18 Quadratkilometer grosse Moen mit gut 12 000 Einwohnern. Der Hauptort heisst Nantaku.

Die Truk-Gruppe stellt eine langsam versinkende vulkanische Insel dar. Die elf grösseren basaltischen Gipfel des Vulkans ragen «noch gerade eben» aus dem Wasser heraus. Ein weit aussen liegendes Barrierenriff umgibt diese Inseln und umschliesst eine der grössten Lagunen im Pazifik mit einem Durchmesser von bis zu 65 Kilometern und einer Fläche von 2130 Quadratkilometern.

Typisch für Truk waren noch in jüngster Vergangenheit die «Liebesstöcke» - reich beschnitzte, bis vier Meter lange Stäbe, mit denen die jungen Männer nachts auf Brautschau gingen. Vorsichtig schoben sie sie durch die geflochtenen Hüttenwände und weckten vorsichtig das Mädchen ihrer Wahl. Da jeder junge Mann seine eigenen Zeichen auf dem Liebesstock hatte, konnte das Mädchen jeweils leicht ertasten, wem der Stock gehörte. Zog es dann den Stock nach innen, bedeutete dies, dass es dem Verehrer Zutritt gewährte. Rüttelte es nur daran, wusste er, dass es nach draussen kommen würde. Stiess es ihn aber zurück, war es ein untrügliches Zeichen dafür, dass er bei dieser Dame keine Chance hatte. Noch existieren hier und dort diese hilfreichen Liebesstöcke; verwendet werden sie allerdings kaum mehr.

In der bis zu 70 Meter tiefen Lagune des Truk-Atolls liegt der grösste Schiffsfriedhof der Erde, denn hier spielte sich im Februar 1944 einer der heftigsten und einschneidendsten Luftangriffe in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs ab. Zwei Tage und eine Nacht lang unternahmen amerikanische Flugzeuge von neun Flugzeugträgern aus Angriffe auf die Inseln, auf der die Japaner ihre grösste Militärbasis ausserhalb Japans eingerichtet hatten. Japan verlor bei diesem Kampf 250 Flugzeuge, etwa 60 Schiffe und Tausende von Menschen. Dem stand der Verlust von nur 26 Flugzeugen auf seiten der Amerikaner gegenüber.

Auf dem Grund der Lagune bilden die Schiffswracks heute für den Taucher ein höchst eindrucksvolles Unterwassermuseum; tatsächlich gilt die Truk-Lagune als eines der schönsten Tauchreviere der Welt. Bekannt ist beispielsweise die «Fujikawa Maru», ein 133 Meter langer Flugzeugträger, auf dem noch immer Maschinen zu sehen sind. Der in 15 Metern Tiefe ruhende Schiffskörper ist über und über mit Meerespflanzen und -tieren überwuchert und bietet einen einzigartig bizarren Anblick.


Pohnpei
Die Insel Pohnpei und acht weitere Atolle bilden den Staat Pohnpei. Von den 345 Quadratkilometern und 30 000 Einwohnern, die der Staat insgesamt umfasst, entfallen allein auf die Hauptinsel Pohnpei 334 Quadratkilometer und 25 000 Menschen. Kolonia, im Norden der Insel gelegen und von rund 7000 Menschen bewohnt, ist der Hauptort des Bundesstaats und zugleich Sitz der Zentralregierung der Föderation.

Die Hauptinsel Pohnpei ist landschaftlich überaus reizvoll und wird wegen ihrer Schönheit auch «die Garteninsel» genannt. Die zerklüfteten, von üppigem Regenwald bedeckten Berge des Inselinnern erheben sich beim Berg Nahnalaud bis auf 772 Meter. An mehreren Stellen stürzen die Bäche in hohen Kaskaden herab und bilden an ihrem Fuss grosse Wasserbecken.

Die spanische, deutsche, japanische und schliesslich amerikanische Herrschaft hat erfreulicherweise auch hier das Leben der Insulaner wenig verändert. Sie sind ruhige, freundliche, naturverbundene Menschen geblieben, die hauptsächlich als Eigenversorger ihre kleinen Mischkulturen pflegen. Angepflanzt werden vor allem Süsskartoffeln, Taro, Jams, allerlei Gemüse sowie Bananen, Kokosnüsse und Brotfrüchte.

Die grösste und zugleich geheimnisvollste Sehenswürdigkeit Pohnpeis ist Nan Madol - die Ruinen einer auf 80 künstlichen Inselchen errichteten Königsstadt eines verschwundenen und bis heute unbekannten Volks. Auf den einzelnen Inselchen findet man neben Königspalästen Tempelanlagen, Trommelzentren, Wohnorte der Untertanen, Beisetzungsorte und andere Gebäude, und zwischen den einzelnen «Stadtteilen» verlaufen schiffbare Kanäle.

Der Legende nach soll Nan Madol, das sich im Osten Pohnpeis zwischen dem Riff und der Küste befindet, durch zwei Zauberer erbaut worden sein, welche die Steine einfliegen und die Gebäude sich von allein bilden liessen. In Wirklichkeit wurden die riesigen Basaltblöcke, die zum Bau benötigt wurden, aber wahrscheinlich auf Bambusflössen herbeigeschafft. Neuere Untersuchungen der unteren Gebäudeschichten haben ergeben, dass die Anlage bereits im 13. Jahrhundert entstanden ist. Damals muss eine hochentwickelte Kultur auf Pohnpei geblüht haben. Wer diese Leute genau waren, wird aber weiterhin ein Geheimnis bleiben, denn die letzten Bewohner scheinen Nan Madol schon vor etwa 350 Jahren ziemlich abrupt verlassen zu haben.

Kosrae
Der kleinste Staat der Föderation ist mit einer Landfläche von 110 Quadratkilometern und rund 9000 Ein wohnern das ganz im Osten der Karolinen gelegene Kosrae. Es besteht aus der grossen Insel Walang (109 km2), der kleinen Insel Lelu, die durch einen 700 Meter langen Damm mit Walang verbunden ist, und acht Riffinselchen. Verwaltungszentrum des Bundesstaats Kosrae ist die Ortschaft Lela auf der gleichnamigen Insel. 2000 Einwohner zählt diese «Hauptstadt», die aus nicht viel mehr als ein paar armseligen Wellblechhütten und Ladenfronten im Wild-West-Stil besteht.

Höchster Berg Kosraes ist mit 629 Metern der steil aus dem Meer ragende, wild zerklüftete und von dichtem Dschungel überwucherte Finkol auf Walang. Der fruchtbare Boden dieser Vulkaninsel eignet sich zum Anbau vieler tropischer Früchte und Gemüse; bekannt sind vor allem die verschiedenartigen, besonders schmackhaften Zitrusfrüchte.

Während der Hochblüte des Walfangs im vergangenen Jahrhundert war Kosrae ein beliebter Treffpunkt der Walfänger, die mit der einheimischen Bevölkerung wilde Orgien feierten. Ab 1850 versuchten Missionare aus dem weit entfernten Boston (USA) ihren Einfluss geltend zu machen - mit grossem Erfolg: 98 Prozent der Bevölkerung bekennen sich heute zur englisch-nordamerikanischen Kongregationskirche, und an Sonntagen sind die Kirchen übervoll. Das Chorsingen ist dann ein gemeinschaftliches Erlebnis von hohem Stellenwert.


 

Legenden

Mit einer Fläche von 334 Quadratkilometern ist Pohnpei die grösste Insel der Föderierten Staaten von Mikronesien. Begünstigt durch die häufigen Regenfälle - messbare Niederschläge sind an 300 Tagen des Jahres zu verzeichnen - überzieht üppige tropische Vegetation die ganze Vulkaninsel. Sie wird darum auch «Garteninsel» genannt.

Im Hauptort Colonia auf der Insel Yap ist in einem traditionellen Versammlungshaus ein Volkskunde-Museum untergebracht. Es enthält eine kleine, aber erlesene Sammlung künstlerischer und kunsthandwerklicher Objekte, die einen guten Überblick über die Kultur dieses Inselstaats geben.

Yap ist die Insel des Steingelds. Die unförmigen, schwergewichtigen «Münzen» wurden früher als Zahlungsmittel verwendet; heute sind sie ein Zeichen des Wohlstands. Das Rohmaterial (Aragonit) für das Steingeld wurde einst auf dem 350 Kilometer entfernten Belau aus dem Felsen gehauen und auf Kanus nach Yap geschafft - ein gefährliches Unterfangen, das dem Geld erst seinen hohen Wert gab.

Auf Yap erschliesst sich die Bevölkerung nur zögernd den «Segnungen» der westlichen Zivilisation. Noch bekleiden sich viele Männer in traditioneller Weise mit dem Lendenschurz und die Frauen mit dem Bastrock. Das kann für unser Auge mitunter - wie hier beim Einkauf im Supermarkt - zu krassen Kontrasten führen.

Tätowierungen, wie sie dieser Mann trägt, der auf dem Woleai-Atoll im Bundesstaat Yap Kokosfasern zu Seilen dreht, waren in Mikronesien einst weitverbreitet. Einzelne Muster waren bestimmten gesellschaftlichen Schichten vorbehalten, so dass sich aus der Art der Tätowierung die soziale Stellung einer Person erkennen liess.

Die Mikronesier sind unbeschwerte, leichtlebige Menschen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit werden Feste gefeiert, und dabei spielen Tänze eine wichtige Rolle. Männer wie Frauen, Knaben wie Mädchen führen jeweils, festlich geschmückt, die traditionellen Tänze ihrer Insel vor (oben: Ulithi-Atoll, Bundesstaat Yap; unten: Insel Yap).




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