Mittelmeer-Mönchsrobbe
Monachus monachus
© 1992 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
© 1994 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Drei Gruppen von Säugetieren haben im Laufe ihrer
Stammesgeschichte das Land verlassen und sich erfolgreich an
ein Leben im Meer angepasst: die Seekühe, die Waltiere und
die Robben. Zu letzteren zählt auch die Mittelmeer-Mönchsrobbe
(Monachus monachus), bei der die erwachsenen Tiere eine
Länge von etwa 260 Zentimetern und ein Gewicht um 280 Kilogramm
aufweisen, wobei die Männchen im Mittel etwas kleiner und
schlanker sind als die Weibchen.
Zwar kannte schon der griechische Philosoph und Naturforscher
Aristoteles die Mittelmeer-Mönchsrobbe und gab auch eine
recht treffende Beschreibung von ihr. Dennoch wissen wir bis
heute nur wenig über ihre Lebensgewohnheiten. Sicher ist,
dass die Mönchsrobbe ein schnelles und wendiges Wasserraubtier
ist, das sich hauptsächlich von (teils recht grossen) Fischen
und Tintenfischen ernährt. Und es ist bekannt, dass sie
eine ziemlich «sesshafte» Robbe ist, die sich ganzjährig
entlang der ihr vertrauten Küstenabschnitte aufhält.
Dort geht sie in Tiefen von lediglich zehn bis dreissig Metern
auf Jagd. Sie unterscheidet sich hierin deutlich von ihren Verwandten
in den Polarmeeren, welche vielfach in bemerkenswerte Tiefen
hinabtauchen.
Die Mittelmeer-Mönchsrobbe scheint im übrigen
ein ziemlich geselliges Tier zu sein, denn man trifft sie gewöhnlich
in Gruppen an, und es gibt Hinweise darauf, dass jeweils während
der sommerlichen Fortpflanzungszeit die kräftigsten Männchen
eine Weibchenherde, einen sogenannten «Harem», um
sich versammeln.
Nach einer Tragzeit von ungefähr elf Monaten
bringen die Weibchen zumeist im September oder Oktober ein einzelnes,
schwarzfelliges Junges zur Welt, das sie während der folgenden
sechs bis sieben Wochen mit nahrhafter Muttermilch säugen.
Als Geburtsort und Kinderstube wählen die Mönchsrobben-Weibchen
meistens versteckt liegende Felsgrotten und -höhlen, welche
nur vom Wasser her zugänglich sind. Oft liegen die Eingänge
zu diesen Wurfplätzen sogar unter Wasser.
Das Verbreitungsgebiet der Mittelmeer-Mönchsrobbe
umfasste einst - wie der Artname andeutet - fast sämtliche
Insel- und Festlandküsten des Mittelmeers, ferner die südlichen
Küsten des Schwarzen Meers, die nordwestliche Atlantikküste
Afrikas sowie die Küsten der Kanarischen Inseln und Madeiras.
Zwar ist die mittelgrosse Robbe noch immer über weite Bereiche
dieses riesigen Gebiets verbreitet. Ihre Zahl ist aber drastisch
zurückgegangen, und ihr Vorkommen ist äusserst fleckenhaft.
Der Gesamtbestand wird auf nurmehr 500 bis 700 Individuen geschätzt.
Nur in einer Region des Mittelmeers kommt die Mönchsrobbe
noch in etwas grösserer Dichte vor: in der östlichen
Ägäis, besonders im Bereich der Südlichen Sporaden
und der benachbarten türkischen Küste. In diesem stark
militarisiertem Gebiet lebt rund die Hälfte der Gesamtpopulation.
Drei Hauptfaktoren haben die Mittelmeer-Mönchsrobbe
an den Rand des Aussterbens getrieben: Erstens ist das Mittelmeer
heute wohl das meistverschmutzte Meer der Welt. Dessen enorme
Belastung mit industriellen, landwirtschaftlichen und anderen
Abwässern bedroht grosse Raubtiere wie die Mönchsrobbe
in ganz speziellem Mass: Als Endglieder mancher Nahrungsketten
sammeln sich in ihrem Körper Schadstoffe aller Art vieltausendfach
an und können fatale Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben.
Zweitens wird die Mittelmeer-Mönchsrobbe durch
die ansässigen Fischer direkt bejagt. Diese sehen in dem
Meeressäuger einen unwillkommenen Konkurrenten, der ihnen
nicht nur die Fische wegisst, sondern mitunter auch noch die
Netze beschädigt. Obschon die Mönchsrobbe überall
gesetzlich geschützt ist, wird sie vielerorts beschossen,
wann immer sie sich zeigt, und manchmal werden sogar ihre Aufzuchtgrotten
mit Sprengsätzen zerstört.
Drittens scheint die Mönchsrobbe sehr anfällig
auf Störungen aller Art während der Jungenaufzucht
zu sein. Schon zufällige Begegnungen mit Schwimmern, Surfern
oder Tauchern in der Nähe ihrer Wurfplätze führen
schnell dazu, dass sie ihre hilflosen Jungen im Stich lässt.
Die zunehmende Verbauung der Mittelmeerküsten mit Hotelanlagen
und der immense, ständig anwachsende Strom sonnenhungriger
Touristen lassen der Mönchsrobbe leider von Jahr zu Jahr
weniger Raum für die ungestörte Nahrungssuche und Jungenaufzucht.
Seit über zwanzig Jahren führen die verschiedenen
Regierungen im Verbreitungsgebiet der Mittelmeer-Moenchsrobbe
zusammen mit diversen international tätigen Umweltorganisationen
ein breitgefächertes Programm zur Rettung der bedrängten
Robben durch. Das Hauptziel ist die Schaffung einer Reihe strikter
Reservate, in denen die Tiere ohne jegliche menschliche Störung
ihre Jungen grosszuziehen vermögen.
Daneben soll eine Informationskampagne bei den Fischern
wie auch bei den Touristen mehr Verständnis für die
friedfertigen Meeressäuger wecken. Es ist zu hoffen, dass
mit vereinten Kräften das Aussterben der Mittelmeer-Mönchsrobbe,
der inzwischen seltensten aller Robbenarten, doch noch verhindert
werden kann.
Mittelmeer-Mönchsrobbe
Monachus monachus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hundsrobben & Seehunde
Körpermasse
Kopfschwanzlänge: um 260 cm
Gewicht: um 280 kg
Geburtsgewicht: um 20 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 je Geburt
Tragdauer: 11 Monate
Höchstalter: nicht bekannt
Bestandssituation
Bestand: 500-700 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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