Monaco


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Côte d'Azur - der südfranzösische Küstenstreifen am Mittelmeer ist zweifellos die Traumküste der westlichen Welt. St. Tropez, Monte Carlo, Nizza, Cannes - diese Namen wecken in uns die Vorstellung von einer einzigartigen Mischung aus goldenen Sandbändern, die sich im glitzernden Meer verlieren, und rosaroten Palästen aus der «Belle Epoque», aus exzentrischen Millionären und sonnengebräunten Strandnixen, aus schroffen Felsformationen mit bizarren Pinien und wohlgepflegten Promenaden mit subtropischen Palmen, aus spielsüchtigen Playboys und opernhaft uniformierten Hotelpagen. Und tatsächlich existiert diese unverwechselbare Mischung nicht nur in unserer Phantasie. Der Zauber, den die Cote d'Azur seit Urgrossvaters Zeiten ausstrahlt, ist Realität.

Angefangen hatte es vor ungefähr 150 Jahren, als die ersten Reisenden, vorwiegend nebelgeplagte Engländer, in den Fischerdörfchen der Cote d'Azur auftauchten, um dort im milden Klima den Winter zu verbringen. Ihre Ansprüche bezüglich Lebensstil und ihre prallgefüllten Geldbeutel lösten schon bald einen Bauboom aus, dessen üppige, phantasievolle Architektur das Gesicht der «Himmelblauen Küste» vielerorts noch heute prägt. Wer es sich irgendwie leisten konnte, baute sich an der Cote d'Azur eine Villa. Gebadet wurde im 19. Jahrhundert zwar noch kaum. Aber «man» fuhr im Winterhalbjahr einfach an die «Cote», wenn man etwas auf sich hielt. So wurde die Cote d'Azur im Winter zum Tummelplatz der «Creme de la Creme». Im Sommer blieb sie wegen der «unerträglichen» Hitze hingegen leer.

Nach der Jahrhundertwende kamen dann die Filmstars, besonders aus Hollywood, an die Cote d'Azur, und plötzlich war es nun auch üblich, den Sommer hier zu vertändeln. Denn Sonnenbräune galt neuerdings in der westlichen Welt als «chic» - selbst für die Reichen, die bisher befürchten mussten, mit ein bisschen Farbe im Gesicht für Strassenarbeiter gehalten zu werden...

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in den fünfziger und sechziger Jahren unseres Jahrhunderts, setzte dann allmählich jene Entwicklung ein, die letztlich zum eigentlichen Massentourismus und zur heutigen hochsommerlichen Überfüllung der Orte und Strände an der Cote d'Azur mit «Normalbürgern» führte. Zwar mögen sich dadurch Atmosphäre und Lebensstil in den letzten fünfzig Jahren massiv gewandelt haben. Aber noch immer gibt es wohl nur wenige andere Orte, wo die Reichen, Mächtigen und Schönen der Welt so dicht gedrängt wohnen. Und in der Nebensaison oder gar im Winter strahlt die Cote d'Azur hier und dort durchaus noch jenen einzigartigen, zauberhaften Glanz aus, der den Ruf dieser Küstenregion einst begründete.

 

Im Zwergstaat herrscht Raumnot

In der östlichen Ecke der Cote d'Azur, nahe der italienischen Grenze, befindet sich auf einem Küstenstreifen von 3200 Metern Länge und 135 bis 900 Metern Breite eines der kleinsten unabhängigen Staatsgebilde der Welt: das Fürstentum Monaco. Nur 195 Hektaren gross ist die Landfläche dieser Kleinnation, die auf drei Seiten von Frankreich umrahmt wird. Aber sie verfügt über unermessliche Reichtümer, und die Staatseinnahmen liegen alljährlich weit über den Ausgaben. Monaco vermag deshalb unbekümmert auf Steuern von Privatpersonen zu verzichten. Zumindest auf solche von den rund 4500 «echten» Monegassen, welche einen Fünftel der monegassischen Wohnbevölkerung ausmachen. (Die restlichen vier Fünftel der Bevölkerung, rund 24 500 Personen, sind Ausländer, die zwar ihren Wohnsitz in Monaco haben, nicht aber die begehrte monegassische Staatszugehörigkeit besitzen. Um diese zu erlangen, braucht es nämlich neben genügend Geld auch einen monegassischen Vorfahren, und der ist im allgemeinen nicht so einfach zu «beschaffen».)

Monaco besteht im Grunde genommen aus einem einzigen Stadtgebiet, das aus vier miteinander verschmolzenen «Siedlungskernen» hervorgegangen ist: der alten Stadt Monaco, dem Geschäfts- und Hafenviertel La Condamine, dem Ferienort Monte Carlo und dem Industrie- und Wohnviertel Fontvieille.

Auf einer felsigen Halbinsel, die sich im Westen des kleinen Fürstentums ins Meer schiebt, befindet sich der historische Teil Monacos, die alte Stadt Monaco. Diese Felsenhalbinsel, oft schlicht «Le Rocher» («Der Felsen») genannt, bildet sozusagen das Herzstück des Fürstentums mit dem Sitz der Regierung sowie der Residenz des Fürsten. In den engen, den Fussgängern vorbehaltenen Gassen mit ihren vielen Souvenirläden und Restaurants herrscht eine angenehm ruhige Atmosphäre, und die Hauswände hallen vom «Monegascu» wider, dem von den gebürtigen Monegassen gesprochenen und für Fremde kaum verständlichen provenzialisch-italienischen Mischdialekt.

Le Rocher schützt auf seiner östlichen Seite einen natürlichen Hafen, der durch zwei künstliche Molen bis auf eine schmale Fahrrinne umschlossen ist und eine Fläche von etwa zwanzig Hektaren umfasst. Hier liegen zu jeder Jahreszeit einige der spektakulärsten Jachten des Mittelmeers vor Anker, die aufgrund ihrer Grösse und luxuriösen Ausstattung eher an Kreuzfahrtschiffe erinnern denn an private Motorboote.

Hinter dem Hafen, zu Füssen der Altstadt, erstreckt sich in einer kleinen Schwemmebene das moderne Geschäftsviertel La Condamine, das im späten 19. Jahrhundert entstanden ist.

Jenseits des Hafens erhebt sich die Felskuppe von Monte Carlo, dem «Ferienort» Monacos, wo ebenfalls um 1850 noch Schafe weideten und die Bauern Oliven ernteten. Im Gegensatz zu Le Rocher, wo sich die Gebäude auf dem oberen Plateau eng zusammendrängen, «klettern» hier die Hotels, Appartementhäuser und anderen Gebäude förmlich die steilen Hänge des Hügels hinauf. Extravagante Bauten aus der Zeit um die Jahrhundertwende bestimmen das Bild auf der Kuppe. Auch das berühmte Spielkasino, das neben den Spielsälen noch Opern- und Musiksäle beherbergt, liegt hier oben, umgeben von noblen Luxushotels, dem historischen Cafe de Paris und einigen der elegantesten Boutiquen Europas.

Moderne Gebäude aller Art lassen heute Le Rocher, La Condamine und Monte Carlo fliessend ineinander übergehen. Beim verzweifelten Versuch, auch das kleinste Stück Boden im Zwergstaat zu nutzen, um Lebensraum für die 29 000 Einwohner zu schaffen, baut man immer mehr in die Höhe. Um zusätzliches Land zu gewinnen, hat man sogar zwischen 1965 und 1972 westlich von Le Rocher durch Aufschüttung eine Halbinsel von 22 Hektaren dem Meer abgerungen. Auf diesem künstlich geschaffenen Boden befindet sich nun das dichtbebaute Industriezentrum und Wohnviertel Fontvieille. Ebenfalls durch Aufschüttung ist im Osten des Landes der luxuriöse Badestrand «Plage du Larvotto» entstanden.

Im übrigen ist Monaco so klein, dass Teile des städtischen Ballungszentrums, die sich die Hügel hinaufziehen und zum Kleinstaat zu gehören scheinen, in Wirklichkeit auf französischem Staatsgebiet liegen. Da zwischen Monaco und Frankreich eine Zoll- und Währungsunion besteht, behindern jedoch keinerlei Zollschranken und lästigen Grenzkontrollen den Zusammenhalt zwischen den französischen «Vororten» und dem monegassischen Zentrum.

 

Fürstenpalast, Ozeanografisches Museum und Spielkasino

Trotz des beschränkten Platzes gibt es in Monaco eine ganze Reihe einzigartiger Sehenswürdigkeiten. Zu nennen wäre sicherlich der Fürstliche Palast («Palais du Prince»), der das landseitige Ende von Le Rocher beherrscht. Seine ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert; im 15. und 16. Jahrhundert wurde er dann stark erweitert und mit seiner typischen italienischen Renaissance-Fassade versehen. Bei Abwesenheit der fürstlichen Familie, gewöhnlich von Juli bis September, ist ein Teil des Schlosses zur Besichtigung frei. Prächtige Säle mit kostbaren Stilmöbeln, Teppichen und Gemälden lassen sich dann ebenso bewundern wie der grossartige, aus dem 17. Jahrhundert stammende Innenhof mit seiner Doppeltreppe aus weissem Marmor. Ein echtes Schauspiel ist im übrigen die täglich um 11.55 Uhr stattfindende Wachablösung, bei der die Palastwache nach einem festen Zeremoniell vor Kanonen und Kugelpyramiden auf und ab schreitet.

Nicht weit vom Fürstlichen Palast befindet sich die zwischen 1875 und 1884 in neuromanischem Stil erbaute Saint Nicolas-Kathedrale. In der linken Krypta finden die monegassischen Fürsten ihre letzte Ruhestätte. (Zuletzt wurde 1982 Prinzessin Gracia Patricia hier beigesetzt.) In der rechten Krypta liegen die Bischöfe von Monaco.

Am meerseitigen Ende von Le Rocher ragt das imposante Ozeanografische Museum auf, das 1910 von Prinz Albert I. gegründet wurde, nachdem er den grössten Teil seines Lebens forschend auf See verbracht hatte. Im Untergeschoss des Museums sind in 64 Aquarien zum Teil äusserst seltene Exemplare der Flora und Fauna des Mittelmeers, aber auch viele Lebewesen der tropischen Gewässer und der Tiefsee untergebracht. Im Erdgeschoss sind eindrucksvolle Walskelette, Gerätschaften für das Tiefseetauchen und viele interessante Objekte der modernen Meeresforschung ausgestellt. Und im ersten Stock zeugt die umfangreiche Prinz Albert-Sammlung vom enormen Wissensdurst des Museumsgründers.

Ein lohnendes Ziel für Pflanzenliebhaber ist sodann der Exotische Garten, der sich gegenüber von Le Rocher an den Hang schmiegt und dessen Besuch schon wegen des guten Rundblicks auf das Fürstentum lohnt. Dank der geschützten Lage des Gartens gedeihen seltene Kakteen, Sukkulenten und allerlei andere exotische Gewächse aufs beste. Eine mehrkammerige Tropfsteinhöhle («Grottes de l'Observatoire»), welche in prähistorischer Zeit bewohnt war, befindet sich gleich nebenan. Der Abstieg über 250 Stufen zu den Grotten wird mit einem kühlen Spaziergang zwischen effektvoll beleuchteten Stalagmiten und Stalagtiten belohnt.

Mit Abstand die bekannteste Sehenswürdigkeit Monacos ist schliesslich das grosse Spielkasino auf der Hügelkuppe von Monte Carlo. Mit dem Bau wurde 1878 nach Plänen von Charles Garnier, dem damals hoch angesehenen Architekten des Pariser Opernhauses, begonnen, und tatsächlich sind im «Casino Monte Carlo» neben den Spielsälen auch Theater- und Ballsäle untergebracht. Im Stil der Belle Epoque mit viel goldenem Prunk, grossen Fresken und bunten Glasfenstern ausgestattete Räume prägen das Innere des herrlichen Baus. In den Spielsälen, wo traditionellen europäischen Glücksspielen wie Roulette und Bakkarat gefrönt wird, herrscht eine einzigartige Atmosphäre mit gedämpften Stimmen, raschelndem Chiffon und knisternder Spannung. Dominierten in früheren Zeiten Engländer und Russen die Szene, so sind heutzutage die meisten Spieler Italiener, während den Monegassen das Glücksspiel im eigenen Land verboten ist...

 

Seit 1297 sind die Grimaldi an der Macht

Die Cote d'Azur scheint schon sehr früh ihre Anziehungskraft auf den Menschen ausgeübt zu haben. Jedenfalls lassen die in Grotten bei Nizza und Monaco gemachten prähistorischen Funde darauf schliessen, dass dieser Abschnitt der südfranzösischen Mittelmeerküste bereits in der Steinzeit von «Höhlenmenschen» bewohnt gewesen war.

Die eigentliche Geschichte der Cote beginnt um 1000 v. Chr., als sich die aus dem östlichen Mittelmeer stammenden Phönizier an der südfranzösischen Küste niederliessen und verschiedene kleine Kolonien, darunter auch eine auf Le Rocher, gründeten. Die Phönizier wurden vermutlich um 500 v. Chr. durch die Griechen vertrieben, welche die bestehende Hafensiedlung weiter ausbauten und einen Tempel für Herakles Monoikus errichteten. Auf die Griechen folgten später die Römer, die das Hafenstädtchen Portus Herculis Monoecus nannten, woraus sich verkürzt der heutige Name Monaco ableitet.

Im Jahr 1162 erhielten die damals sehr wohlhabenden und einflussreichen Genueser Kaufleute vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich I., genannt «Barbarossa», die Niederlassungsrechte auf Le Rocher, und 1191 brachten sie dessen ältesten Sohn, Kaiser Heinrich VI., sogar dazu, dass er ihnen Monaco mit allen Hoheitsrechten abtrat.

In der Folge entbrannten heftige Streitereien zwischen den verschiedenen genuesischen Kaufmannsfamilien um den Besitz des kleinen Landes. Ruhe kehrte erst wieder ein, nachdem es Francesco Grimaldi genannt «der Boshafte», im Jahr 1297 gelungen war, mit zwei als Mönchen verkleideten Soldaten die Tore der Stadt zu passieren und sich im Handstreich der Felsenhalbinsel zu bemächtigen. (Deshalb zieren zwei Mönche mit Schwertern das Wappen Monacos.) Die Familie der Grimaldi vermochte sich nämlich fortan mit grosser Zähigkeit und ebensolchem Geschick an der Macht zu halten und sogar durch weitere Ankäufe ihren Besitz noch auszudehnen. Durch Schutzverträge mit jeweils den richtigen Nachbarn bewahrten sie die politische Unabhängigkeit ihres kleinen Fürstentums durch die Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag.

Zweimal war die männliche Linie der Grimaldi allerdings erloschen, doch legten die Adeligen, welche in die Familie einheirateten, beide Male ihren Namen ab und führten den Namen Grimaldi weiter. Das erste Mal geschah dies 1731; Thronfolger wurde damals Baron de Guyon-Matignon, dessen Frau eine geborene Grimaldi war. Die Grimaldi aus dem Hause Guyon-Matignon starben ihrerseits 1949 in der männlichen Linie aus. Erbe des Fürstentums wurde nunmehr ein Sohn des Grafen Pierre de Polignac und seiner Gattin, Charlotte Louise geb. Grimaldi - der heutige Prinz Rainier III.

Prinz Rainier gab dem Fürstentum 1962 eine neue Verfassung, mit der er auf die Begründung der fürstlichen Herrschaft «durch Gottesgnadentum» verzichtete. Das Land ist seither eine konstitutionelle Erbmonarchie, doch ist das parlamentarische System weit weniger ausgeprägt als in anderen europäischen Monarchien. Weiterhin hat der monegassische Fürst sehr weitreichende Machtbefugnisse: So ist er der Inhaber der Exekutivgewalt; er ernennt den vierköpfigen Regierungsrat. Und auch die Legislative wird vom Fürsten zusammen mit dem Nationalrat ausgeübt: Dieser hat 18 Mitglieder, die von den monegassischen Staatsbürgern jeweils auf fünf Jahre gewählt werden. Aussenpolitisch wird Monaco durch Frankreich vertreten.

 

Prinz Carlos' unkonventionelle Idee

Noch vor 150 Jahren hatte das Fürstentum Monaco friedlich, still und von der übrigen Welt kaum beachtet vor sich hin geschlummert. Zu Ruhm und Reichtum kam es erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dafür aber umso rasanter. Der «Aufstieg» Monacos begann eigentlich mit dem Gegenteil: 1848 verlor das Fürstentum seine beiden alten Lehen Roquebrune und Menton, die etwas weiter östlich an der Cote d'Azur lagen und für ihre einträglichen Oliven- und Zitronenhaine bekannt waren, an Frankreich. Als Folge dieses Verlusts stand Monaco plötzlich vor dem finanziellen Ruin. In dieser Situation hatte der damalige Fürst, Prinz Carlo III., die zwar reichlich unkonventionelle, jedoch umso segensreichere Idee, Glücksspiele im Fürstentum zuzulassen, welche zu dieser Zeit in Frankreich verboten waren. Die Verkehrsverbindungen zu Land und zu Wasser wie auch die Unterkunftsmöglichkeiten im Fürstentum waren jedoch mässig, weshalb das Geschäft einen ziemlich unbefriedigenden Start nahm - bis Prinz Carlo den Franzosen Fransois Blanc, ein Unternehmergenie mit etwas zweifelhaftem Vorleben, nach Monaco holte und ihn mit dem Spielbetrieb in Monaco betraute.

Auf seinen Rat hin liess der Fürst das prächtige Spielkasino und Opernhaus bauen, und zwar auf dem Hügel, der heute ihm zu Ehren Monte Carlo heisst. Erste Luxushotels entstanden im Bereich des Kasinos, und die Eisenbahnlinie wurde rasch von Nizza der Cote entlang bis nach Monaco geführt. Nun brachten die Züge jene wohlhabenden und adeligen Besucher nach Monaco, welche schon Nizza und Cannes zu Reichtum verholfen hatten. Und sie kamen in überraschender Menge: Bereits in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts empfing das zuvor kaum bekannte Monaco etwa 150 000 Personen im Jahr!

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Monaco allerdings mangels Besucher wieder ziemlich verarmt da. Hinzu kam, dass Glücksspiele nun in Frankreich erlaubt waren und bald viele andere Kasinos an der Cote d'Azur mit Monte Carlo konkurrierten. Da trat 1949 Prinz Rainier III. im Alter von 25 Jahren die Thronfolge an, und dank seiner überaus geschickten und umsichtigen Führung des Fürstentums steht Monaco heute wieder in seinem früheren Glanz da.

Wichtigste Einnahmequelle ist wiederum der Fremdenverkehr. Etwa drei Millionen Besucher kann der Zwergstaat jährlich verbuchen. Die meisten von ihnen sind allerdings Tagesausflügler, welche dem Fürstentum während der Ferienmonate im Sommer einen schnellen Besuch abstatten. Denn Monaco ist im Gegensatz zu den meisten anderen Orten an der Cote d'Azur nach wie vor auf wohlhabende Besucher eingestellt: Achtzig Prozent der Hotels gehören der Vier-Sterne-Kategorie an, die meisten Restaurants sind gediegen und teuer, und sogar die Eintrittsgelder für Museen und andere Sehenswürdigkeiten liegen beträchtlich über dem Durchschnitt. Die eingeschworenen Gäste greifen hingegen gerne etwas tiefer in die Tasche, um hier zumindest die Abende, wenn die Touristenbusse mit ihrer staunenden Fracht wieder abgefahren sind, stilvoll zu verbringen und dabei die unvergleichliche Atmosphäre von Luxus und Eleganz zu geniessen.

Zur Finanzstärke Monacos tragen heute wesentlich auch die vielen hier ansässigen Banken und Versicherungsunternehmen bei. Hohe Einnahmen bringen ferner kommerzielle Rundfunk- und Fernsehsendungen, welche über ganz Europa ausgestrahlt werden. Und nicht zuletzt ist das Fürstentum bei Sammlern wegen seiner interessanten Briefmarken beliebt. Stolz weist das Fürstentum darauf hin, dass nur noch etwa fünf Prozent der Staatseinnahmen aus dem Glücksspiel stammen.

Für den erstaunlichen Bekanntheitsgrad des kleinen Fürstentums an der Cote d'Azur ist im übrigen verantwortlich, dass Monaco Austragungsort des berühmten «Rallye Monte Carlo» sowie des «Grossen Preises von Monaco» ist, bei dem die Spitzenfahrer der Formel 1 durch die Strassen des Fürstentums brausen. Dann verfügt Monaco über ein Orchester, eine Oper und Musikfestspiele von europäischem Rang, welche viele Kulturfreunde anlocken. Und zudem gilt Monaco dank seines neugeschaffenen Konferenzzentrums als idealer Platz für internationale Kongresse und Tagungen.

Nicht zuletzt hat aber auch die Heirat Prinz Rainiers mit der amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly im Jahr 1956 ihren Teil zur Ausstrahlung und damit zum Wiederaufstieg Monacos beigetragen. Gemeinsam führte das Fürstenpaar sein kleines Land in ein neues Zeitalter des Wohlstands. Prinzessin Gracias tragischer Unfalltod auf einer steilen Bergstrasse im Jahr 1982 wirft darum noch heute seinen Schatten über das emsige, erfolgreiche und energiegeladene kleine Fürstentum.

 

 

 

Bildlegenden

DasFürstentum Monaco ist mit einer Landfläche von nur 195 Hektaren nach dem Vatikanstaat das zweitkleinste Staatsgebilde Europas. Viele luxuriöse Villen und prächtige Parkanlagen aus der Zeit der Jahrhundertwende mussten leider in jüngerer Zeit modernen Hochhausbauten weichen, denn im «Steuerparadies» herrscht Raumnot.

Auf der 800 Meter ins Meer hinausragenden und bis 60 Meter hohen Felsenhalbinsel «Le Rocher» befindet sich das Herzstück Monacos: die alte Stadt Monaca Besonders markante Bauten sind der mit Zinnen versehene Fürstliche Palast (vorne), die Saint Nicolas-Kathedrale (rechts) und das Ozeanologische Museum (hinten).

Zwar längst nicht die einzige, aber bestimmt die grösste Attraktion Monacos ist das prächtige «Casino» auf der Hügelkuppe von Monte Carlo. Die Ähnlichkeit mit der Pariser Oper ist alles andere als zufällig, denn beide Gebäude wurden seinerzeit vom französischen Stararchitekten Charles Garnier entworfen.

Eine einzigartige Mischung aus Grossstadt und Operette bestimmt die Atmosphäre Monacos. Besonders krass kommt dies während der alljährlichen Austragung des «Grand Prix automobile de Monaco» zum Ausdruck: Vor «Kulissen» aus der Belle Epoque - da, wo einst russische Fürsten die Hände amerikanischer Millionärswitwen und französischer Kurtisanen küssten - brausen dann die Formel-1-Piloten in ihren schweren Boliden vorbei.

Zur Aura des Märchenhaften, die das Fürstentum Monaco umgibt, trug die Heirat von Prinz Rainier III. mit der amerikanischen Filmschauspielerin Grace Kelly im Jahr 1956 wesentlich bei. Prinzessin Gracia Patricia, so ihr monegassischer Name, starb leider 1982 bei einem Autounfall. (Das Bild entstand 1981.)




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