Montserrat


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Als «Smaragdinsel der Karibik» wird Montserrat in den Werbeprospekten gepriesen. Die Umgebung des Flugplatzes, auf dem man nach kurzem Flug vom benachbarten Antigua oder Guadeloupe her kommend landet, wird diesem Ruf allerdings kaum gerecht: Trockengebüsch prägt die karge Gegend, und magere Kühe knabbern scheinbar missmutig an dürrem Gras. Erst wenn man das Flughafen-Gelände, das sich auf der Ostseite Montserrats befindet, verlässt und auf kurvenreicher Strasse zur Hauptstadt Plymouth auf der Westseite hinüberfährt, versteht man den Slogan: Das bergige Inselinnere trägt ein dichtes, wunderbar grünes Kleid aus tropischen Pflanzen aller Art. Tiefgrüne Hibiskussträuchetragen prächtige zitronengelbe Blüten, leuchtend rote Flamboyantbäume machen ihrem Namen alle Ehre, und an den Brotfruchtbäumen hängen fussballgrosse Früchte. Montserrat ist tatsächlich eine überaus grüne, saftige, fruchtbare Tropeninsel.

Die natürliche Vegetation Montserrats ist heute weitgehend auf die höhergelegenen Bereiche des bergigen Inselinnern beschränkt: Es handelt sich um jene zauberhafte montane Form des tropischen Regenwalds, die man «Elfenwald» nennt: Von den Ästen der schmalen niedrigwüchsigen Bäumen hängen lange Bartflechten herunter, saftige Moospolster bedecken Felsblöcke und Baumstämme, zarte Farnwedel bilden einen grünen Teppich, und meistens erzeugen Nebelschwaden ein diffuses Dämmerlicht. Der Besucher fühlt sich hier oben in eine Märchenwelt versetzt.

An den tiefergelegenen, flacheren Hängen der Inselberge hat der Mensch die ursprüngliche Vegetation grösstenteils gerodet, Gemüse- und Obstpflanzungen angelegt, Weideflächen für sein Vieh abgesteckt und Hütten und Häuser gebaut. Dank des fruchtbaren Bodens kann sich die Bevölkerung von Montserrat mit pflanzlichen und tierlichen Nahrungsmitteln weitgehend selbst versorgen. Überall begegnet man Einheimischen, die auf ihren Eseln die steilen Wege zu ihren Pflanzungen hinauf- oder hinunterreiten, um Tomaten, Kürbisse, Avocados, Guaven und all die anderen, das ganze Jahr über prächtig reifenden Gemüse- und Obstsorten zu ernten und dann am Samstagmorgen auf dem lokalen Markt feilzubieten.

Montserrat tauchte vor ungefähr vier Millionen Jahren anlässlich einer Reihe untermeerischer Eruptionen aus den Fluten der Karibik auf, und noch heute ist der Vulkanismus auf der kleinen Antilleninsel allgegenwärtig: Zum einen wird Montserrat von drei nicht zu übersehenden Vulkanbergen überragt: die Silver Hills mit dem 403 Meter hohen Silver Hill im Norden, die Centre Hills mit dem 741 Meter hohen Katy Hill in der Inselmitte und die Soufriere Hills mit dem 914 Meter hohen Chances Peak im Süden. Dann erkennt der Inselbesucher die vulkanische Beschaffenheit der Insel unweigerlich daran, dass die meisten Badestrände dunkelsandig sind. Und nicht zuletzt lässt sich der Vulkanismus im Bereich der Soufriere Hills, dem von vielen Wasserläufen zerfurchten, erdgeschichtlich jüngsten der drei Inselvulkane, hautnah erleben. Unterhalb des Chances Peak gibt es nämlich noch immer aktive Schwefelschlote, heisse Schlammteiche und warme Thermalquellen. Sehenswert ist besonders Galway's Soufriere (franz. «soufriere» = Schwefelgrube) südöstlich des Chances Peak, die man in einem etwa halbstündigen Aufstieg von der Strasse her erreicht. Aus dem Schlot entweichen schwere, schweflig riechende Dämpfe. Die schroffen Felswände sind mit schwefelgelben und rostroten mineralischen Krusten dick überzogen. Die sandige Erde zwischen den Felsen ist pechschwarz. Und überall rinnt heisses Wasser über das Gestein in die Tiefe.

Einen Besuch wert ist aber auch der Hot Water Pond, ein Becken mit klarem, angenehm warmem Mineralwasser an der westlichen Flanke der Soufriere Hills. Wer darin badet, wird zuverlässig von Rheuma und allerlei anderen Gebrechen kuriert. Seine starken Heilkräfte entfaltet das Thermalbad allerdings erst, nachdem der Badende als Opfer für den dort wohnenden und das Becken bewachenden Geist eine Münze ins Wasser geworfen hat. Was der Geist mit den vielen Münzen anfängt, die von Zeit zu Zeit spurlos verschwinden, ist und bleibt wohl für alle Zeiten sein Geheimnis...

 

Irisch-katholische Wurzeln

Bei seiner zweiten Fahrt in die Neue Welt traf Christoph Kolumbus nach der Atlantiküberquerung erstmals am 3. November 1493 auf Land. Es handelte sich um eine Insel aus der Gruppe der Kleinen Antillen, und da er sie an einem Sonntag entdeckt hatte, gab er ihr den Namen Dominica (den sie noch heute trägt). Dann segelte er nach Norden weiter. Eine Insel nach der anderen erhob sich aus dem Meer, und für alle hatte Kolumbus einen Namen bereit. So auch für jenes kleine Eiland, das am 11. November vor dem Bug der «Santa Barbara» auftauchte. Dessen zerklüftete Berge erinnerten ihn sehr an einen verwitterten Gebirgsstock, der sich ungefähr fünfzig Kilometer nordwestlich von Barcelona in Spanien befindet und auf einer Terrasse in 700 Meter Höhe eine bekannte Benediktinerabtei beherbergt: Montserrat. Und genau so heisst die 18 Kilometer lange und 11 Kilometer breite Insel bis zum heutigen Tag.

Montserrat war damals unbewohnt, denn die kriegerischen Indianer vom Volke der Kariben hatten die früher dort sesshaften Ureinwohner der karibischen Inselwelt, die Arawaken, vollständig ausgerottet, sich ihrerseits aber auf «Alliouagana» («Land des Dornbuschs»), wie sie die Insel nannten, nicht niedergelassen.

Auch die Spanier verzichteten auf eine Besiedlung der Insel. Zwar machten sie als deren Entdecker Besitzansprüche geltend, doch kam es nicht zu einer Kolonisation. Ihr Sinn stand einzig nach Gold, das sie im sagenhaften «El Dorado», irgendwo in Süd- oder Mittelamerika, zu finden hofften.

1632 wurde Montserrat dann überraschend von den Briten in Besitz genommen. Die ersten Siedler waren eine Handvoll irischer Katholiken, denen das Leben auf der britisch-protestantischen Antilleninsel St. Kitts, rund 80 Kilometer weiter nordwestlich gelegen, schwer gemacht worden war. Auf Geheiss von Sir Thomas Warner begannen sie, das kleine Eiland für die britische Krone zu kolonisieren. Die Kunde von diesem sicheren «Hafen» für verfolgte Katholiken breitete sich in den britischen Kolonien der Neuen Welt rasch aus, und so wuchs die irisch-katholische Gemeinde weiter an. Ferner deportierte der englische Befehlshaber Oliver Cromwell nach seinem Sieg bei Drogheda (Irland) im Jahr 1649 eine ganze Anzahl irischer Kriegsgefangener nach Montserrat, was wiederum die irische Komponente in der Bevölkerung verstärkte.

Noch heute unterscheidet sich Montserrat von den übrigen karibischen Inseln dadurch, dass der grösste europäische Einfluss Irisch ist, nicht Britisch, Holländisch, Spanisch oder Französisch. So ist das Telefonbuch angefüllt mit (schwarzen wie weissen) Ryans, Sweeneys und O'Garros. Typische Dorfnamen sind Cork Hill und St. Patrick's. Und der Inseldialekt, auf den die Inselbewohner sehr stolz sind, ist wohl das breiteste Irisch, das ausserhalb Irlands gesprochen wird. Hierzu kursiert auch eine hübsche Anekdote aus dem frühen 19. Jahrhundert: Als sich damals ein irischer Geschäftsmann auf Montserrat niederlassen wollte und mit dem Schiff im Hafen von Plymouth vor Anker ging, wurde er zu seinem grossen Erstaunen von einem Mann mit gänzlich schwarzer Hautfarbe, der im Boot herbeigerudert kam, in stilechtem irischem Dialekt begrüsst. «Donner und Doria!» soll der Ire daraufhin ausgerufen haben, «Wie lange leben Sie denn schon auf der Insel?»
«Sechs Monate, Sir!» war die Antwort. Worauf der Ire entsetzt rief: «Was, und schon so schwarz! Nein, hier bleibe ich nie und nimmer!» Und schon anderentags fuhr er wieder nach Irland zurück.

 

Sklavenaufstand am St. Patrick's Day

Bereits im 17. Jahrhundert hatte sich Montserrat zu einer typischen «Zucker- und Sklaven-Kolonie» entwickelt. Ab 1649 wurden Zuckerrohrplantagen angelegt, 1651 gelangten die ersten Negersklaven auf die Insel, und schon 1655 hatte sich die für alle europäischen Überseekolonien so charakteristische Gesellschaftsstruktur herausgebildet: Eine vermögende weisse Minderheit herrschte über eine rasch anwachsende Zahl schwarzer Sklaven. 1671 gab es auf Montserrat 523 Sklaven, 1678 waren es 992, und 1780 schon über 10 000, während die weisse Bevölkerung in derselben Zeitspanne von 2700 Personen auf 1300 abgenommen hatte.

Ein paar weisse Tropfen in einem Meer von schwarzen - diese Situation erschien den weissen Kolonialisten offensichtlich etwas ungemütlich. Um die Sklaven unter Kontrolle zu halten, führten sie strenge Gesetze ein, welche deren Freiheiten arg beschnitten. Gerade dies dürfte letztlich dazu geführt haben, dass sich die Schwarzen wiederholt gegen ihre Unterdrücker auflehnten.

Am besten dokumentiert ist die Rebellion vom 17. März 1768, dem Namenstag von St. Patrick, seines Zeichens Apostel Irlands. Das Datum war von den Aufständischen bewusst gewählt worden, da sich dann alle «Herrschaften» zu einer Gedenkfeier im Government House versammeln würden. Dort wollten sie mit bereitgelegten Brandbomben und anderen Wurfgeschossen zum vernichtenden Schlag gegen ihre Unterdrücker ausholen. Der Plan wurde den Weissen jedoch in letzter Minute von einem Verräter zugetragen, worauf sämtliche Sklaven, die in den Aufstand verwickelt gewesen waren, auf grausame Art hingerichtet wurden. Heute werden die Aufständischen von 1768 auf Montserrat als Freiheitskämpfer verehrt, und der Jahrestag des versuchten Umsturzes wird mit diversen Festlichkeiten gebührend gefeiert.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Montserrat zum Zankapfel zwischen den Briten und den Franzosen geworden. Beide Mächte kämpften damals um den Besitz der diversen «Zuckerinseln» im karibischen Raum. Und tatsächlich gelang es Frankreich mehrfach, Montserrat vorübergehend in Besitz zu nehmen. Erst im Vertrag von Versailles (1783) erkannten Frankreich und Spanien den Besitzanspruch der Briten auf die Insel an.

Bis heute ist Montserrat eine britische Kronkolonie geblieben. Seit 1960 verfügt sie über innere Selbstverwaltung, während ein Gouverneur mit Amtssitz in der Hauptstadt Plymouth das Staatsoberhaupt, derzeit Königin Elisabeth II., repräsentiert und für die Aussenpolitik, die Verteidigung und das Polizeiwesen zu ständig ist.

 

Zucker, Limonen, Baumwolle und Rentner

Die Zuckerproduktion hatte auf Montserrat im Jahr 1735 ihren Höhepunkt erreicht, als die Zuckerrohrplantagen eine Ausdehnung von 24 Quadratkilometern hatten und einen Ertrag von 3150 Tonnen Zucker abwarfen. Erdbeben, Dürrejahre, Hurrikane, Überfälle der Franzosen, kurzsichtige Anbaumethoden - sie alle führten dann aber gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Niedergang dieses einträglichen Wirtschaftszweigs. Und mit dem Verbot der Sklavenhaltung im August 1834 erhielt das Zuckergeschäft sozusagen den Todesstoss.

Viele Plantagenbesitzer waren in der Folge gezwungen, ihr Land zu verkaufen oder zu verpachten. In kleinen Parzellen ging es an die nunmehr freien Schwarzen, welche ihre Hütten darauf errichteten und landwirtschaftliche Mischkulturen für die Eigenversorgung anlegten. Mancherorts wurden die Zuckerplantagen aber auch durch Baumwollfelder und Limonengärten ersetzt. Besonders die Limonenproduktion gedieh überraschend gut und «Montserrat Lime Juice» wurde vorübergehend zu einem begehrten Markenartikel in Neuseeland, Australien und Grossbritannien. Nachdem aber ein verheerender Hurrikan im Jahr 1899 viele der Limonengärten dem Erdboden gleich gemacht hatte, wurde als landwirtschaftlicher Exportartikel lediglich noch Baumwolle angepflanzt. 1941 erreichte dieser Produktionszweig seinen Höhepunkt, als auf einer Fläche von 21,5 Quadratkilometern 530 Tonnen Baumwolle geerntet wurden.

Bis in die sechziger Jahre beruhte die Inselökonomie weitgehend auf dieser Produktion, und auch heute noch ist die staatliche Kleiderfabrik, in der die hochwertige inseleigene Baumwolle («Sea Island Cotton») verarbeitet wird, ein wichtiger Arbeitgeber für die einheimische Bevölkerung. Vor etwa 25 Jahren begann aber auf Montserrat ein neues Geschäft zu blühen: Vermögende Amerikaner, Kanadier, Briten und Iren kauften sich ein Stück Land auf der Insel und bauten darauf ihr Häuschen, um hier jeweils den Winter, vielfach aber auch den ganzen Lebensabend zu verbringen. Zu diesen sogenannten «Resident Tourists» («Ansässigen Besuchern») kamen schon bald auch die «normalen» Touristen. Den Einheimischen boten sich dadurch vielfältige Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten im Bau- und Fremdenverkehrsgewerbe. Inselinfrastruktur und Lebensstandard erfuhren eine stete Aufwertung. So kommt es, dass die Wohnverhältnisse, die Ausbildungsmöglichkeiten und das Gesundheitswesen auf Montserrat heute überraschend gut sind.

 

«Jumbie-Namen» und «Jumbie-Tische»

Die Bevölkerung Montserrats zählt ungefähr 12 000 Personen. Mehr als neunzig Prozent von ihnen sind direkte Nachfahren der afrikanischen Negersklaven, die einst als Zwangsarbeiter auf die Karibikinsel verschleppt worden waren, und haben eine schwarze Hautfarbe. Unter den restlichen zehn Prozent der Bevölkerung findet man hauptsächlich Mulatten aller Schattierungen, dann aber auch einige Weisse, deren Zahl besonders wegen den bereits erwähnten nordamerikanischen und europäischen Pensionären in letzter Zeit etwas angestiegen ist.

12 000 Menschen, verteilt über die ganze Insel - das bedeutet, dass man praktisch täglich, oft sogar mehrfach, denselben Gesichtern begegnet. Tatsächlich kennt und grüsst auf Montserrat jeder jeden. Die Autofahrer hupen und die Fahrradfahrer klingeln praktisch wegen jedem, der ihnen auf oder neben der Strasse begegnet. Und die meisten Einheimischen sagen, dass sie ihre Haustür noch nie in ihrem Leben verschlossen hätten. Auf Montserrat herrscht eine angenehme Vertrautheit zwischen den Bewohnern. So klein ist die Insel, dass die Leute auf den Strassen Chefminister John Osborne, wenn er in seinem Wagen vorbeirollt, freundlich zuwinken und «Hi, Chief!» rufen.

Wie in manchen anderen Gemeinschaften von Schwarzen ausserhalb Afrikas besitzt auf Montserrat praktisch jedermann zwei Namen - den Taufnamen für den offiziellen und den Rufnamen für den privaten Gebrauch, wobei sich die beiden im allgemeinen überhaupt nicht ähneln.

Rufnamen sind oft sogenannte «Jumbie-Namen». Jumbies sind die Seelen der Verstorbenen, die als Geister immer und überall präsent sind, manchmal - mit wohlwollenden oder mit bösartigen Absichten - sichtbare Form annehmen oder auch Besitz von einer lebenden Person ergreifen. Jumbie-Namen dienen dazu, die bösen Geister irrezuführen. Wenn beispielsweise ein Kind schwer erkrankt ist, so steckt möglicherweise ein böser Geist dahinter, und folgerichtig erhält es einen neuen Namen, einen Jumbie-Namen, damit es vom betreffenden Geist nicht mehr gefunden und belästigt werden kann.

Rufnamen sind aber oft auch einfach Spitznamen, verdanken also ihre Entstehung einem besonderen Ereignis oder einem bestimmten Merkmal der jeweiligen Person. «Rain Drop» («Regentropfen») heisst beispielsweise so, weil sie während eines schweren Gewitterregens zur Welt kam. «Rope Neck» («Seilhals») verdankt seinen Rufnamen seinem ungewöhnlich langen, hageren Hals. Und «Rat Poison» («Rattengift») versuchte sich einst aus Liebeskummer mit Rattengift das Leben zu nehmen...

Das Telefonbuch listet jeweils beide Namen auf, den Tauf- wie den Rufnamen. Wie wichtig das ist, weiss man spätestens dann, wenn man längere Zeit vergeblich versucht hat, sich nach James Firth durchzufragen, weil ihn eben alle seine Bekannten nur als «Mango» kennen.

Jumbies leben im übrigen auch heute noch ständig mit und unter der Bevölkerung Montserrats. Wird der Name eines Verstorbenen in einem Gespräch genannt, so ist jedermann bestrebt, die betreffende Seele sogleich mit einer Phrase zu besänftigen, etwa: «Arme Seele!», oder «Bitte entschuldige, dass ich dich gerufen habe!» Die ersten Tropfen einer frisch geöffneten Flasche Whisky werden jeweils auf den Boden geleert, damit sich auch die anwesenden Geister am Getränk erfreuen können. Und an Heiligabend wird (zumindest in den stilleren Winkeln der Insel) ein «Jumbie-Tisch» mit allerlei Esswaren, Gebäck und Getränken hübsch gedeckt, um so auch die verstorbenen Familienangehörigen zum Weihnachtsfest einzuladen.

 

 

 

Legenden

Montserrat liegt in der östlichen Karibik und gehört zur Inselgruppe der Kleinen Antillen. Drei stattliche, grünbewachsene Vulkanberge prägen die Gestalt der 18 Kilometer langen und 11 Kilometer breiten Insel: Die Silver Hills im Norden, die Centre Hills in der Inselmitte und die Soufriere Hills mit dem 914 Meter hohen Chances Peak im Süden.

An der leeseitigen Westküste Montserrats liegt die Inselhauptstadt Plymouth. Mit 3500 Einwohnern leben in Plymouth rund 30 Prozent der überwiegend dunkelhäutigen Inselbevölkerung, und hier befindet sich auch der einzige sichere Hafen der Insel.

Im Herzen von Plymouth befindet sich der Markt, auf dem man sich jeden Samstag einen guten Überblick über die Vielfalt der auf Montserrat reifenden Gemüse- und Obstsorten verschaffen kann. Dank des fruchtbaren vulkanischen Bodens sowie der fischreichen Küstengewässer kann sich die Bevölkerung Montserrats mit pflanzlichen und tierlichen Nahrungsmitteln weitgehend selbst versorgen.

In der Architektur der Wohngebäude auf Montserrat (Bild oben und rechte Seite) kommt noch heute die Zweiklassengesellschaft zum Ausdruck, die einst für Montserrat typisch war: Im 17., 18. und frühen 19. Jahrhundert herrschte eine Handvoll weisser Kolonialisten über eine Vielzahl schwarzer Sklaven. Ein weiterer Gebäudetyp kommt in jüngerer Zeit mit den komfortablen Villen hinzu, die sich reiche amerikanische und europäische Pensionäre auf Montserrat bauen, um hier ihren Lebensabend zu verbringen.

«Ich hatte ein paar Kartoffeln bei mir, und die legte ich in die heissen Teiche, wo sie schon nach wenigen Minuten gar gekocht waren.» Dies hielt Olauda Equiano, ein im 18. Jahrhundert auf Montserrat lebender Sklave in seinem Tagebuchfest, nachdem er Galway's Soufriere, eine vulkanisch aktive Stelle im Inselsüden, besucht hatte. Das Experiment lässt sich auch in unserer Zeit noch wiederholen, denn heute wie damals sprudelt hier heisses Wasser talwärts, überziehen gelbe und rostrote mineralische Krusten das Gestein und liegen schwere Schwefeldämpfe in der Luft.

Unweit von Galway's Soufriere, ebenfalls im Süden Montserrats, befindet sich ein weiteres Naturschauspiel: der «Great Alps Waterfall», ein über eine 22 Meter hohe Felskante stürzender Wasserfall. Er ist zwar nur über einen beschwerlichen, steil bergauf führenden Waldpfad zu erreichen. Beim Eintauchen in den malerischen Teich am Fuss des Wasserfalls sind die Strapazen des Hinwegs jedoch rasch vergessen.




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