Moorente - Aythya nyroca
© 2001 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Aserbaidschan, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken,
ist ganz im Südosten Europas im östlichen Bereich
des Kaukasus, am Westufer des Kaspischen Meers gelegen.
Mit einer Fläche von 86 600 Quadratkilometern (Schweiz:
41 285 km2) gehört es zu den kleinsten Ländern, welche
aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangen sind. Innerhalb
seines verhältnismässig kleinen Territoriums weist
Aserbaidschan allerdings eine bemerkenswerte Vielfalt von Landschaften
auf. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Höhenunterschiede
im Land enorm sind: Der tiefste Punkt liegt 28 Meter unter dem
Meeresspiegel am Kaspischen Meer (das eigentlich der weltweit
grösste See ist), der höchste auf 3724 Meter ü.M.
im Kaukasusgebirge. Das landschaftliche Spektrum reicht von sandigen
Küstenstrichen über steppenartige Ebenen, tief eingeschnittene
Flusstäler und Wälder aller Art bis hin zu ewigen Schneefeldern.
Auch verschiedenartige Feuchtgebiete und Gewässer beherbergt
das Land, darunter sumpfige Überschwemmungsebenen, breite
Flussdeltas, seichte Seen und rasch fliessende Bergbäche.
Angesichts dieser Vielfalt an Landschaften, Klimas
und Vegetationsformen überrascht es nicht, dass in Aserbaidschan
eine artenreiche Vogelfauna heimisch ist. Die internationale
Vogelschutzorganisation BirdLife International verzeichnet innerhalb
der Grenzen Aserbaidschans mehr als fünfzig Gebiete, welche
aus ornithologischer Sicht von grosser Bedeutung sind. Rund 120
Vogelarten, deren Bestandssituation auf gesamteuropäischer
Ebene als besorgniserregend gilt, brüten regelmässig
im Bereich dieser Gebiete und weitere 50 nutzen sie als Winterquartiere
oder als Raststätten auf ihren saisonalen Wanderungen.
Von den Brutvögeln Aserbaidschans werden acht
Arten als in ihrem Fortbestand «gefährdet» oder
«potenziell gefährdet» eingestuft. Eine davon
ist die Moorente (Aythya nyroca), von der hier berichtet
werden soll.
Von Spanien bis China verbreitet
Die Moorente ist eines der kleineren Mitglieder der
rund 150 Arten umfassenden Familie der Entenvögel (Anatidae).
Erwachsene Individuen weisen eine Gesamtlänge von ungefähr
40 Zentimetern und eine Flügelspannweite um 65 Zentimeter
auf. Männchen und Weibchen sind gleich gross, unterscheiden
sich aber in der Färbung ihres Gefieders sowie in der Färbung
ihrer Iris. Letztere ist bei den Männchen leuchtend weiss,
bei den Weibchen dunkelbraun.
Die Moorente ist eine Charakterart der Feuchtgebiete
und Gewässer im Bereich der osteuropäischen und der
westasiatischen Steppen. Der weit überwiegende Teil der
Gesamtpopulation brütet in dieser Region. Das Artverbreitungsgebiet
ist allerdings erheblich grösser und erstreckt sich von
Spanien ostwärts bis nach China. In den Randbereichen dieses
enormen Areals kommt die Moorente allerdings nur in geringen
Beständen vor und brütet dort nur sporadisch.
Meistenorts ist die Moorente ein Zugvogel: Sie fliegt
im Herbst nach Süden, um den unwirtlichen Lebensbedingungen
in ihrem Brutgebiet auszuweichen. Die meisten Bestände haben
ihr Winterquartier in den südlichen Bereichen des Kaspischen,
Schwarzen und Asowschen Meers sowie des Mittelmeers. Manche überwintern
jedoch auch im tropischen Afrika, insbesondere in den Ländern
Mali, Tschad, Nigeria und Sudan.
Untiefe Stillgewässer, welche einerseits reich
an Wasserpflanzen sind und andererseits von einem dichten Schilfgürtel
sowie Gehölzen umsäumt sind, bilden den bevorzugten
Lebensraum der Moorente. Wo geeignete Süssgewässer
fehlen, nimmt sie aber auch mit salzhaltigen Seen, brackigen
Flussdeltas und anderen Stillgewässern in Meeresküstennähe
vorlieb.
Obschon die Moorente durch ihre Lebensweise an offene
Gewässer gebunden ist, bevorzugt sie im Gegensatz
zu den anderen Mitgliedern der Gattung Aythya verhältnismässig
kleinflächige Seen und meidet grössere und tiefgründige.
Vielfach bewohnt sie sogar kleine künstliche Gewässer
wie Fischteiche, Wasserrückhaltebecken und Reisfelder.
In Aserbaidschan brütet die Moorente regelmässig
an mehreren Stellen im Tiefland. Zu nennen sind der Lake Akzybir,
ein etwa 40 Quadratkilometer grosser, jedoch nur 0,5 bis 1,2
Meter tiefer See mit riesigen Schilfgebieten im Norden des Landes;
der Lake Sarysu, ein leicht salzhaltiges, um 200 Quadratkilometer
grosses Seensystem mit ebenfalls ausgedehnten Schilfbeständen
im südlich-zentralen Aserbaidschan; ferner der Lake Mahmud-chala
und der Lake Ych-chala im Süden der Republik.
Eine heimliche Schilfbewohnerin
Die Moorente führt im allgemeinen ein verborgenes
Leben im dichten Schilfgürtel ihres Heimatgewässers.
Sie ist nicht sehr schreckhaft und zögert bei einer sich
anbahnenden Gefahr lange, bis sie auffliegt. Tut sie es schliesslich
notgedrungen, so hebt sie allerdings mit Leichtigkeit vom Wasser
ab: Sie nimmt förmlich einen Satz in die Luft und fliegt
sogleich geschwind davon. Sie läuft und flattert also nicht
wie viele andere Wasservögel zunächst eine
kurze Strecke über die Wasseroberfläche, bis sie schliesslich
abhebt.
Innerhalb der Familie der Entenvögel gehört
die Moorente zur Gattungsgruppe der Tauchenten (Aythyini), welche
ungefähr fünfzehn Arten umfasst. Tatsächlich ist
sie eine ausgezeichnete Taucherin, welche mehr als eine halbe
Minute lang unter der Wasseroberfläche zu schwimmen vermag.
In Anpassung an die Fortbewegung unter Wasser setzen ihre Beine
weit am Körperende an. Ausserdem sind ihre Schwimmfüsse
besonders gross, und sie trägt auch an ihrer Hinterzehe
einen Hautlappen.
Im Unterschied zu manchen anderen Entenvögeln
ist die Moorente nicht sonderlich gesellig. Zwar bilden sich
in den Winterquartieren mitunter Verbände von mehreren Dutzend
Individuen. Im allgemeinen begegnet man der zierlichen Ente jedoch
während der Fortpflanzungszeit paarweise und während
des restlichen Jahrs einzeln oder in kleinen Trupps von zwei
bis fünf Individuen. Sie verhält sich ferner zumeist
still. Nur selten lässt das Männchen einen merkwürdigen
keuchenden Laut hören, und auch das Weibchen, das wie die
Weibchen der anderen Tauchentenarten eine leise, knarrende Stimme
hat, ist selten zu vernehmen.
Ihre Nahrung findet die Moorente fast ausschliesslich
auf und im Wasser. Sie nimmt vor allem pflanzliche Stoffe zu
sich, wobei sie eine besondere Vorliebe für die Samen und
die jungen Triebe von Laichkraut (Potamogeton), Seggen
(Carex), Seerosen (Nymphaea), Wasserlinsen (Lemna)
und ähnlichen Gewächsen zeigt. Gern verspeist sie aber
auch Tierliches wie Jungfische, Fischlaich, Kaulquappen, Jungfrösche,
aquatische Würmer, Wasserschnecken, Krebstiere und Insekten,
darunter Libellenlarven, Wasserwanzen und Wasserkäfer. Die
Form der Nahrungsaufnahme ist ebenso abwechslungsreich wie die
Kost: Teils sucht die Moorente an der Wasseroberfläche nach
Nahrungsdingen, teils schwimmt sie mit untergetauchtem Kopf umher,
teils gründelt sie, teils unternimmt sie richtige Tauchgänge.
Balz im Winterquartier
Moorenten gehen keinen Paarbund auf Lebenszeit ein,
wie wir es von anderen Entenvögeln her kennen, sondern binden
sich jeweils nur für die Dauer einer Brutsaison an einen
Partner. Die «Brautschau» findet stets im Winterquartier
statt. Die Männchen zeigen dann auffälliges Balzverhalten,
um die Aufmerksamkeit der anwesenden Weibchen auf sich zu lenken
und eines davon für sich zu gewinnen. Dazu gehören
ganz verschiedene Haltungen und Bewegungen wie «den Kopf
nach hinten werfen und das Halsgefieder sträuben»,
«die Schwanzfedern sträuben und auf die Wasseroberfläche
senken» oder «langsames Umherschwimmen mit weit nach
vorn gestrecktem Hals». Fühlt sich ein Weibchen zu
einem der balzenden Männchen hingezogen, so antwortet es
auf diese ritualisierten Verhaltensweisen mit ähnlichen,
wenn auch weniger ausgeprägten Bewegungen und Haltungen.
Spätestens im Januar oder Februar haben sich die Moorenten-Paare
jeweils formiert, so dass sich die Vögel schliesslich paarweise
auf die Reise in den Norden, zu ihren Brutplätzen, machen,
wo sie im allgemeinen im Laufe des Aprils eintreffen.
In Gebieten, wo sie noch häufig vorkommen, brüten
die Moorenten zumeist in lockeren Kolonien. Anderenorts tun sie
dies einzeln und recht weit über den vorhandenen Lebensraum
verstreut. Das Nest wird am Boden in unmittelbarer Wassernähe
oder sogar im untiefen Wasser angelegt, und zwar gut versteckt
in dichter Vegetation. Es besteht aus Schilf- und anderen Pflanzenteilen,
misst im Durchmesser etwa zwanzig Zentimeter und ist ungefähr
zehn Zentimeter hoch. Die Nestmulde wird mit Flaumfedern ausgepolstert.
Mitte Mai ist üblicherweise das Nest gebaut und
sind die Eier gelegt. Wie bei den meisten Entenarten ist das
Gelege bei der Moorente recht umfangreich: Es zählt gewöhnlich
acht bis zehn, selten sogar bis vierzehn Eier. Das Weibchen beginnt
erst zu brüten, wenn das Gelege vollzählig ist, und
erreicht damit, dass nach einer 25- bis 27-tägigen Brutzeit
alle Jungen gleichzeitig schlüpfen. Das Brutgeschäft
wird vom Weibchen allein besorgt. Verlässt es sein Nest
für eine Weile, um sich der Nahrungsaufnahme zu widmen,
so deckt es die Eier vorher sorgfältig mit Flaumfedern zu,
um sie erstens vor Auskühlung und zweitens vor feindlichen
Blicken zu bewahren. Das Männchen hält sich während
der ersten ein bis zwei Wochen ständig in der Nähe
des Nests auf und begleitet jeweils sein Weibchen, wenn dieses
auf Nahrungssuche geht. Noch ehe die Jungen aus den Eiern schlüpfen,
löst er sich jedoch von seiner Familie und entzieht sich
damit aller väterlichen Pflichten.
Die jungen Moorenten sind beim Verlassen der Eier
schon weit entwickelt. Sie tragen ein dichtes Daunenkleid und
können sofort laufen und schwimmen und alsbald auch tauchen.
Von Anfang an nehmen sie selbstständig Nahrung zu sich,
ohne auf die Anleitung oder Hilfe der Mutter angewiesen zu sein.
Deren Aufgabe ist es einzig, die muntere Schar vor Feinden zu
behüten und sie während der ersten Nächte zu hudern.
Im Alter von etwa zwei Monaten ist den Jungen bereits das vollständige
Jugendkleid gewachsen, so dass sie fortan auch fliegen können.
Zu diesem Zeitpunkt lösen sie sich von ihrer Mutter. Sie
schreiten ihrerseits bereits im folgenden Jahr zur Fortpflanzung.
Massiver Bestandsschwund
Die Moorente war einst ein recht häufiger Vogel,
hat jedoch in den vergangenen Jahrzehnten massive Bestandseinbussen
erlitten. Noch in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts
lebten im europäischen Teil der damaligen Sowjetunion (inkl.
Aserbaidschan) etwa 75 000 Brutpaare. Zu Beginn der Achtzigerjahre
waren es nurmehr 12 000 bis 14 000 Paare. Und anfangs der Neunzigerjahre
brüteten lediglich noch etwa 6000 Paare in dieser Region.
Die Hauptursache hierfür ist zweifellos die Entwässerung
von seichten Seen und von Feuchtgebieten aller Art, welche zwecks
Gewinnung von Ackerland oder zwecks Bewässerung von Pflanzungen
im Verlauf des 20. Jahrhunderts auf breiter Front stattgefunden
hat. Ferner scheint gebietsweise die übermässige Bejagung
der Moorente für den Verzehr zum Bestandsrückgang beigetragen
zu haben. Obschon die Art in vielen Ländern seit geraumer
Zeit unter gesetzlichem Jagdschutz steht, wird sie weiterhin
des öfteren abgeschossen teils, weil sie mit anderen,
jagdbaren Enten verwechselt wird, teils aber auch, weil der Vollzug
der Jagdgesetze mangelhaft ist und diese deshalb schlicht ignoriert
werden.
Der Schwund der Moorenten-Bestände scheint sich
in jüngerer Zeit etwas verlangsamt zu haben. Die Art wird
deshalb von BirdLife International neuerdings nicht mehr als
«verletzlich», sondern lediglich noch als «potenziell
gefährdet» eingestuft. Wirklich aus dem Schneider
ist die kleine Tauchente aber keineswegs. Es gilt, ihre Bestandsentwicklung
im Auge zu behalten und nötigenfalls zu handeln.
Schätzungen zufolge umfasst der Moorenten-Brutbestand
in Aserbaidschan höchstens ein paar hundert Paare. Gleichwohl
handelt es sich um einen wesentlichen Teil der Gesamtpopulation
des heute recht seltenen Wasservogels. Noch sind aber erst wenige
Heimatgewässer der Moorente in Aserbaidschan als Naturschutzgebiete
ausgewiesen. Diesbezüglich besteht dringender Handlungsbedarf.
Immerhin stehen ein paar der besagten Gewässer unter staatlicher
Aufsicht, um eine geordnete Wasservogeljagd seitens der lizenzierten
Jäger zu gewährleisten Dies bietet der Moorente zumindest
einen gewissen örtlichen Schutz vor Wilderei.
Legenden
Die Moorente (Aythya nyroca) ist eines der kleineren
Mitglieder der Entenfamilie: Erwachsene Individuen weisen eine
Gesamtlänge von ungefähr 40 Zentimetern auf, wovon
etwa 27 Zentimeter auf den Leib entfallen. Männchen (oben)
und Weibchen (unten) sind gleich gross, unterschieden sich aber
in der Färbung ihres Gefieders und besonders auffällig
in der Färbung ihrer Iris.
Die Moorente ist eine Charakterart der Gewässer
im Bereich der osteuropäischen und der westasiatischen Steppen.
Sie bevorzugt kleinere, untiefe Stillgewässer, welche von
einem dichten Schilfgürtel umsäumt sind, und ernährt
sich von allerlei pflanzlichen und tierlichen Stoffen, die sie
im und auf dem Wasser findet.
Innerhalb der Entenfamilie gehört die Moorente
zur Gattungsgruppe der Tauchenten. Tatsächlich ist sie eine
ausgezeichnete Taucherin, welche über eine halb Minute lang
unter der Wasseroberfläche zu schwimmen vermag. In Anpassung
an die Fortbewegung unter Wasser verfügt sie über besonders
grosse Schwimmfüsse.
Das Nest der Moorente befindet sich stets in unmittelbarer
Wassernähe, und zwar gut versteckt in dichter Ufervegetation
(also nicht wie auf diesem in einem Zoo aufgenommenen Bild).
Das Weibchen ist allein für das Ausbrüten des zumeist
acht bis zehn Eier umfassenden Geleges zuständig.
Moorenten gehen keinen Paarbund auf Lebenszeit
ein, wie wir es von anderen Entenvögeln her kennen, und
sie sind im Gegensatz zu vielen ihrer Verwandten auch wenig gesellig.
Im allgemeinen begegnet man dem zierlichen Wasservogel deshalb
ausserhalb der Fortpflanzungszeit einzeln oder in kleinen Trupps
von zwei bis fünf Individuen.
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