Namibia
© 1991 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Namibia verdankt seinen Namen der Wüste Namib,
die sich als 60 bis 160 Kilometer breites und 2000 Kilometer
langes Band der südwestafrikanischen Atlantikküste
entlang über die gesamte nordsüdliche Ausdehnung Namibias
und sogar noch darüber hinaus erstreckt.
Als der schwedische Entdeckungsreisende Charles Andersson
im Jahr 1850 die Wüste Namib erreichte und sein Auge über
diese teils sandige, teils steinige Einöde schweifen liess,
da war er überzeugt, dass sie keinerlei tierlichen Geschöpfen
eine Lebensgrundlage bieten würde. «Sie kann in Unfruchtbarkeit
und Eintönigkeit wahrlich mit der Grossen Sahara wetteifern»,
hielt er wenig begeistert in seinem Tagebuch fest.
Doch der Schein trügt. Obschon die Temperaturen
am Tag über 40° Celsius und die messbaren Niederschläge
im Jahr keine 50 Millimeter erreichen, bietet die Namib einer
breiten Palette von Tierarten eine Heimat. Käfer, Skorpione,
Geckos, Schlangen, Springmäuse, Maulwürfe und Eulen
befinden sich unter den Wüstenbewohnern, dann aber auch
einige Grosssäuger wie Springböcke, Oryxantilopen und
Bergzebras. Sie alle haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte vielfältige
Strategien entwickelt, um in diesem öden Lebensraum ein
Auskommen zu finden.
Wie überleben nun beispielsweise die Bergzebras,
welche keineswegs nur die peripheren Bereiche der Namib besuchen,
sondern durchaus auch in deren zentrale Teile vordringen - und
dies, ob schon sie mindestens einmal täglich trinken müssen?
Um das scheinbare Rätsel zu verstehen, muss man sich im
klaren darüber sein, dass die Statistik, wonach die Namib
im Jahresdurchschnitt weniger als 50 Millimeter Niederschlag
erhält, irreführend ist. Nie fällt der Regen gleichmässig
über die ganze Fläche verteilt, sondern er ist immer
örtlich begrenzt. Darum kommt es häufig vor, dass an
einem bestimmten Ort während mehrerer Jahre kein Tropfen
Wasser fällt, dann aber innerhalb kurzer Zeit die drei-
oder vierfache Jahresdurchschnittsmenge niedergeht. So gibt es
stets einige - immer wieder wechselnde - Wüstengegenden,
welche verhältnismässig reichen Pflanzenwuchs und gefüllte
Wasserlöcher aufweisen. Die Bergzebras kennen diese Zusammenhänge.
Sie achten auf alle Wetterphänomene und legen oftmals bis
zu hundert Kilometer zurück, um Gebiete aufzusuchen, wo
kurz zuvor Regen niedergegangen ist. Dadurch können sie
in dieser vermeintlich lebensfeindlichen Einöde die ganze
Zeit über von frisch spriessenden Gräsern und neu entstandenen
Wasserstellen profitieren.
Bei ihrem nomadischen Wüstenleben können
sich die «Tigerpferde» nicht nur auf ihre ausgezeichneten
Augen und ihre hochempfindliche Nase verlassen, sondern auch
auf das von Generation zu Generation weitergereichte Wissen um
die in der Namib vorhandenen Wasserstellen. Besonders in den
granitenen «Inselbergen», welche hier und dort in
der Namib aufragen, sammelt sich das Regenwasser an schattigen,
oft tief im Fels verborgenen Stellen. Und genau dorthin führen
glatte, ins Gestein eingetretene Pfade - geschaffen von den Hufen
ungezählter Bergzebras, welche seit Urzeiten diese Wege
gehen, um sich am kühlen Wasser zu laben.
Fahlgelbe Ureinwohner, schwarze und weisse Eindringlinge
So perfekt wie die Bergzebras dem Leben in der Wüste
Namib angepasst sind, so vollkommen waren einst die Buschmänner
oder «San» dem Leben in den Trockensavannen des südlichen
Afrikas angepasst. Schon vor über 20 000 Jahren lebten diese
kleinwüchsigen, fahlgelben Menschen als nomadische Jäger
und Sammler unter den wilden Tieren. Auch mit unwirtlichen Bedingungen
kamen sie gut zurecht, denn sie hatten gelernt, mit ihren wachen
Sinnen auf die vielfältigen «Signale» ihrer
natürlichen Umwelt zu hören. Und zudem verfügten
sie über einen reichen Schatz an tradiertem Wissen. Sie
ernährten sich von Früchten und Knollen, die von den
Frauen und Kindern gesammelt wurden, während die Männer
mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gingen, um die Fleischversorgung
sicherzustellen.
Ihr Dasein im Einklang mit der Natur liess die Buschmänner
viele Jahrtausende lang überleben. Und es hätte ihnen
sicher noch ein langes Leben auf unserem Planeten garantiert.
Doch mit dem Eindringen anderer dunkelhäutiger Völker
aus dem östlichen Afrika und später der weissen Kolonisten
aus Europa wurde ihnen unbarmherzig und unwiederbringlich die
Lebensgrundlage entzogen. Nach und nach wurden sie aus den meisten
Bereichen des südlichen Afrikas verdrängt. Nur in der
Kalahari, jener halbwüstenartigen Beckenlandschaft im Grenzbereich
zwischen Namibia und Botsuana, welche seit jeher für Ackerbauern
und Hirtenvölker unattraktiv ist, vermögen heute noch
ein paar von ihnen ein Leben nach alter Väter Sitte zu führen.
Die übrigen sind im Strom der fremden Einwanderer untergegangen.
Oder sie haben sich «zivilisieren» lassen, das heisst
sie sind sesshaft geworden, gehen einer mehr oder weniger geregelten
Arbeit nach und schicken ihre Kinder zur Schule. Das mag zwar
eine gewisse Chance für den Fortbestand dieses urtümlichen
Volks bedeuten. Beobachtungen von weitverbreitetem Alkoholismus
und hohen Erkrankungsraten unter den «angepassten»
Buschmännern weisen aber unmissverständlich auf eine
tiefe menschliche Krise hin. Ob sie die Entwurzelung und den
Verlust ihrer Traditionen langfristig verkraften können,
ist fraglich.
In Bereich des heutigen Namibia zeichneten sich die
ersten ethnischen Veränderungen vor rund 400 Jahren ab:
Im Rahmen der weiträumigen Bantu-Völkerwanderungen
drangen die Herero nach Südwestafrika ein. Sie waren
Rinderzüchter und hatten auf der Suche nach gutem Weideland
für ihre kopfstarken Herden das südwestafrikanische
Binnenhochland entdeckt, wo sie sich niederliessen. Die ihnen
sprachverwandten Himba, ebenfalls Rinderzüchter,
liessen sich etwa gleichzeitig mit ihren kleineren Herden im
etwas kargeren, weiter nordwestlich gelegenen Kaokoland nieder.
Von Süden her wanderten später die Nama ein,
ein weiteres Hirtenvolk, das Ziegen und Schafe züchtete,
worauf zwischen den Herero und den Nama häufig Kämpfe
um die nur begrenzt vorhandenen Wasserstellen und Weideflächen
entbrannten. Im 19. Jahrhundert kamen dann vom Süden her
die viehzüchtenden Orlaam, welche bereits Gewehre
besassen und deshalb die Herero und die Nama aus den günstigsten
Weidegebieten zu verdrängen vermochten. Nahe der Grenze
zum heutigen Botswana siedelten sich ferner im Laufe des 19.
Jahrhunderts die Tswana an, ein aus Südafrika stammendes
Hirtenvolk. Und nicht zuletzt liessen sich im Norden, im fruchtbaren
Grenzbereich zum heutigen Angola, die Kavango nieder und
westlich davon die Ovambo, das heute weitaus grösste
und einflussreichste Volk Namibias. Beide Völker betätigten
sich als Ackerbauern und pflanzten in erster Linie ihr Grundnahrungsmittel
Hirse an.
Auf dieses komplexe Völkergemisch trafen die
ersten Europäer, welche Südwestafrika erreichten. Es
handelte sich um britische, französische, portugiesische
und spanische Seefahrer, welche ab dem 18. Jahrhundert an der
südwestafrikanischen Küste anlegten, um mit den Herero
und den Nama Tauschgeschäfte zu machen. Sie landeten zumeist
in der Walfischbucht und handelten für minderwertige Waffen
und für Alkohol bestes Schlachtvieh sowie erstklassige Felle
und Häute ein. Eine europäische Handelsniederlassung
gab es aber vorderhand nicht. Erst im Jahr 1842 siedelten sich
erstmals Europäer in Südwestafrika an: Es waren deutsche
Missionare aus dem Rheintal, die es sich zur Aufgabe machten,
die «heidnischen» Herero zum evangelischen Glauben
zu bekehren. Händler und Missionare fühlten sich allerdings
aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den
Herero und den Nama stets etwas unwohl in ihrer Haut und stellten
darum wiederholt Schutzgesuche an die ihnen nahestehenden Kolonialmächte.
Dies führte letztlich dazu, dass Grossbritannien 1878 das
Gebiet um die Walfischbai annektierte, während Deutschland
1884 den restlichen Küstenbereich und das Binnenland zu
seinem Protektorat «Deutsch-Südwestafrika» erklärte.
Die Deutschen gründeten nun verschiedene Siedlungen,
legten grossflächige Farmen an, bauten Strassen und errichteten
eine Eisenbahnlinie zwischen Swakopmund an der Küste und
Windhoek im Hochland. Mehr und mehr verdrängten sie die
ansässigen schwarzen Völker - was 1904 zu einem schweren
Zusammenstoss führte: Am 12. Januar jenes finsteren Jahres
wurden über hundert deutsche Farmer und Händler von
rebellierenden Herero umgebracht und ihre Häuser in Brand
gesteckt. Sie wollten die steten Expansionsabsichten der «Schutzmacht»
und die beständige Einschränkung ihrer traditionellen
Rechte nicht länger dulden. Doch die Deutschen reagierten
hart: Unter der Führung von General Lothar von Trotha unternahm
die deutsche Armee einen Vernichtungsfeldzug gegen die Herero,
dem über drei Viertel des aufständischen Hirtenvolks
zum Opfer fielen. Auch die anderen schwarzen Völker wurden
in der Folge bekämpft, entrechtet und zur Arbeit auf den
deutschen Farmen und in den Diamanten-, Kupfer- und Zinkminen
gezwungen. Hatten sie seinerzeit die Buschmänner aus deren
Heimat verdrängt, so mussten sie nun ihrerseits weichen.
1990: die Unabhängigkeit
Doch auch die Deutschen konnten sich nicht ewig halten.
1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurden sie von
Truppen der Südafrikanischen Union angegriffen und mussten
sich 1915 aus Südwestafrika zurückziehen. Nach Kriegsende
erteilte der Völkerbund (Vorgänger der UNO) Südafrika
den Auftrag, Südwestafrika als sogenanntes «Mandat»
zu verwalten, bis die einheimischen schwarzen Völker dazu
selber in der Lage wären. Südafrika erfüllte diesen
Auftrag gern, allerdings nach seinen eigenen Vorstellungen: Weisse
Südafrikaner niederländischer Abstammung («Buren»)
wanderten in grosser Zahl ein, bauten die Farmwirtschaft und
den Bergbau weiter aus und unterdrückten die Schwarzen mittels
ihrer Politik der Rassentrennung («Apartheid») ähnlich
wie es zuvor die Deutschen getan hatten.
Als Südafrika seine «Mandats-Kolonie»
auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht aus der Knechtschaft entlassen
wollte, begann sich in der schwarzen Bevölkerung allmählich
Widerstand zu regen: 1960 wurde - hauptsächlich von Angehörigen
der Ovambo - die South West African People's Organization («Organisation
des Volks von Südwestafrika; SWAPO) gegründet. Und
ab 1966 führte diese von Angola aus einen Guerillakrieg
gegen die unrechtmässigen Besatzer, welche ihrerseits mit
einer zeitweise bis 100 000 Mann starken Armee gegen die Befreiungstruppen
vorging. Weder der formelle Entzug des Mandats (1966) und die
offizielle Umbenennung Südwestafrikas in Namibia (1968)
durch die UNO noch das Urteil des Internationalen Gerichtshofs,
welcher die Präsenz Südafrikas in Namibia für
rechtswidrig erklärte (1971), konnten an der unbefriedigenden
Situation etwas ändern. Südafrika behielt Namibia hartnäckig
in seinem Griff.
Erst 1989, unter dem massiven Druck der Weltöffentlichkeit,
sah sich Südafrika endlich dazu veranlasst nachzugeben.
Unter der Aufsicht von UN-Truppen und vielen hundert ausländischen
Beobachtern wurden im November 1989 freie Wahlen durchgeführt.
Als Siegerin ging, kaum überraschend, die Befreiungsorganisation
SWAPO hervor: Sie erhielt bei einer Wahlbeteiligung von 97 Prozent
rund 57 Prozent aller Stimmen und damit die absolute Mehrheit
im Parlament. Im Februar 1990 ernannten die Mitglieder des Parlaments
SWAPO-Führer Sam Nujoma, Sohn einer Ovambo-Familie, der
dreissig Jahre im Exil gelebt hatte, zum ersten Präsidenten
Namibias. Und am 21. März 1990 erlangte Namibia schliesslich
die langersehnte Unabhängigkeit.
Naturmonumente als Wirtschaftskapital
Allzu leicht wird es die junge Nation allerdings in
der näheren Zukunft nicht haben, denn das koloniale Erbe,
das sie nach über hundertjähriger Ausbeutung und Unterjochung
angetreten hat, birgt vielfältigen wirtschaftlichen und
sozialen Konfliktstoff.
Da die neue Regierung versprach, die bei der Unabhängigkeit
vorhandenen Besitzverhältnisse nicht anzutasten, ist das
Wohlstandsgefälle zwischen den Schwarzen und den Weissen
noch immer sehr ausgeprägt. Den Weissen gehört der
allergrösste Teil der rund 6000 Farmen Namibias. Sie haben
somit die Viehwirtschaft, welche 98 Prozent der Agrarproduktion
ausmacht und zweitwichtigster Zweig der namibischen Wirtschaft
darstellt, fest in ihrer Hand. Der wichtigste Wirtschaftszweig
Namibias, der Abbau und Export von Diamanten, Uran, Silber, Kupfer,
Blei, Zink und anderen Bodenschätzen, an denen Namibia so
reich ist, bringt der jungen Nation zwar erhebliche Devisen,
doch beherrschen ausländische Unternehmen den Markt, was
zu einem raschen Abfliessen der Gewinne ins Ausland führt.
Und die Fischerei, ehemals drittwichtigster Wirtschaftsfaktor
Namibias, sieht sich vorläufig zur Untätigkeit gezwungen,
denn die Küstengewässer, die einst zu den reichsten
Fischgründen Afrikas gehörten, waren im Verlauf der
letzten Jahrzehnte durch ausländische Flotten regelrecht
leergefischt worden.
Ein beachtliches wirtschaftliches Potential Namibias,
das noch kaum ausgeschöpft ist, liegt hingegen im Tourismus,
denn Namibia besitzt einen enormen Reichtum an einzigartigen
Naturlandschaften - einen Reichtum, den die Kolonialmächte
überraschenderweise nicht zerstört haben. Im Gegenteil:
Der Schutz der Flora und Fauna sowie der Naturmonumente und Naturlandschaften
hat in Namibia eine lange Tradition. Bereits in den Jahren 1904
und 1907 wurden im damaligen Deutsch-Südwestafrika die ersten
Wildschutzgebiete geschaffen. Weitere folgten unter südafrikanischer
Verwaltung nach dem Zweiten Weltkrieg und verstärkt seit
den sechziger Jahren. Heute stehen rund 100 000 Quadratkilometer,
das entspricht gut 12 Prozent der Gesamtfläche Namibias,
unter Naturschutz.
Zu den landschaftlichen Höhepunkten Namibias
zählt zweifellos der Namib-Naukluft-Park, der mit
fast 50 000 Quadratkilometern Fläche weltweit eines der
grössten Naturschutzgebiete ist, grösser als die ganze
Schweiz. Er bietet faszinierende Halbwüsten- und Wüstenlandschaften
und umfasst neben gleissenden Kies-Geröllflächen und
300 Meter hohen Sanddünen auch inselartige Granitberge.
Hier kann man den Bergzebras begegnen, von denen eingangs die
Rede war. Und hier wachsen auch die wundersamen Welwitschien
- Wüstenpflanzen, welche zwar 500 bis 600, in Einzelfällen
sogar bis 2000 Jahre alt sind, jedoch nur zwei (lederartige und
vom Wüstenwind zerfranste) Blätter besitzen.
Ein Tierparadies ersten Ranges ist sodann der Etoscha-Nationalpark.
Er weist eine Fläche von rund 22 000 Quadratkilometern auf
und gehört anerkanntermassen zu den wildreichsten Naturschutzgebieten
Afrikas. Im Herzen des Parks befindet sich die rund 4000 Quadratkilometer
grosse Etoscha-Pfanne, ein Salzsee, der sich jeweils in der Regenzeit,
zwischen Dezember und April, mit Wasser füllt und danach
wieder bis auf kleine Wasserlöcher austrocknet. Auf Schritt
und Tritt begegnet man im Etoscha-Nationalpark Elefanten, Giraffen,
Steppenzebras, Nashörnern, Elen ntilopen, Gnus und Impalas.
Löwen und Geparden halten nach Beute Ausschau. Und am seichten
Wasser versammeln sich Flamingos, Löffler und Kraniche.
Ein überwältigendes Naturdenkmal ist ferner
der Fischfluss-Canyon im äussersten Süden Namibias.
Hier windet sich der im Naukluft-Massiv entspringende Fischfluss
auf einer Länge von 160 Kilometern durch eine streckenweise
über 500 Meter tiefe Schlucht, die hinsichtlich ihrer Dimensionen
weltweit nur noch vom nordamerikanischen Grand Canyon übertroffen
wird.
Zu den natürlichen Attraktionen Namibias gehören
des weiteren der versteinerte Wald bei Khorixas, das Kreuzkap
mit seiner Pelzrobbenkolonie, die prähistorischen
Felszeichnungen auf dem Brandberg und der Köcherbaumwald
bei Keetmanshoop.
Besonders für den Besucher aus Deutschland sind
im übrigen die namibische Hauptstadt Windhoek, das Seebad
Swakopmund und die einstige Diamantenhochburg Lüderitz mit
ihren vielen interessanten Baudenkmälern aus der deutschen
Kolonialzeit lohnenswerte Ziele. Die Pflege dieses architektonischen
Erbes wird heute - wohl nicht zuletzt im Hinblick auf die Förderung
des Fremdenverkehrs - als eine nationale Aufgabe verstanden.
Legenden
Die Wüste Namib, hier bei Sesriem im Osten des
Namib-Naukluft-Parks, wird von einer ganzen Reihe hochspezialisierter
Tiere und Pflanzen bewohnt. Unter ihnen befinden sich verschiedene
Gräser, welche innerhalb von nur zwei Wochen nach einem
der seltenen Regenschauer zu keimen, heranzuwachsen und Samen
zu produzieren vermögen. Schnell ist dann die Wüste
von einem zartgrünen Hauch von Leben überzogen.
Ein Wahrzeichen Namibias sind die bis zu zehn Meter
hohen Köcherbäume aus der Familie der Liliengewächse.
Einzelstehende Köcherbäume trifft man in ganz Namibia
an, doch nur bei Keetmanshoop findet sich in einer eindrucksvollen
Felstrümmerlandschaft ein dichterer, waldartiger Bestand.
Ihren Namen erhielten die urweltlich aussehenden Gewächse
vom Brauch der
Buschmänner, aus den ausgehöhlten Ästen Köcher
für ihre Jagdpfeile herzustellen.
Windhoek, die Hauptstadt Namibias, liegt im zentralen
Teil des südwestafrikanischen Hochlands in 1655 Metern Höhe.
Mit 200 000 Einwohnern (inkl. Agglomeration) gehört Windhoek
zwar zu den kleinsten Hauptstädten Afrikas. Für Namibia
ist es aber die mit Abstand grösste Ortschaft und in politischer,
wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht das unumstrittene Zentrum.
Einsehr selbstbewusstes und aufgeschlossenes Volk
Namibias sind die Herero. Die farbenfrohen Trachten der Frauen
gehen auf die viktorianische Kleidung der frühen Missionarsfrauen
zurück, welche stets darauf bedacht waren, dass ihre eingeborenen
«Schützlinge» den Körper nicht nur mit
Perlen und Lederstreifen schmückten, sondern möglichst
von Kopf bis Fuss verhüllten.
Höchstens 2000 Buschmänner streifen in Namibia
noch gemäss ihrer jahrtausendealten Wildbeuterkultur in
kleinen halbnomadischen Sippen umher, sammeln wildwachsende Pflanzen
und machen Jagd auf Wildtiere. Sie nennen nur wenige zivilisatorische
Habseligkeiten ihr eigen und schlafen an ihren temporären
Lagerplätzen in einfachen Hütten aus Ästen und
Gras.
Nur wenige Völker der Welt haben sich so trotzig
der westlichen Zivilisation widersetzt wie die Himba im Nordwesten
Namibias. Nach wie vor dreht sich das Leben dieser hervorragenden
Viehzüchter fast ausschliesslich um ihre Rinderherden. Und
weiterhin tragen die Frauen als einziges Kleidungsstück
einen um die Hüften gebundenen Schurz aus weichem Leder.
Zeugnissen aus der deutschen Kolonialzeit begegnet
man in Namibia auf Schritt und Tritt. Sei es in Form historischer
Gebäude wie diesem 1904 errichteten und vorzüglich
instand gehaltenen Haus in Swakopmund, das einst Sitz der bedeutendsten
Handelsgesellschaft Deutsch-Südwestafrikas war (Bild oben).
Oder sei es in Form deutscher Schriftzüge wie auf diesem
Wegweiser im Etoscha-Nationalpark, auf dem eine Grünscheitelracke
gerade Rast macht (Bild unten).
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