Ozelot

Felis (Leopardus) pardalis


© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)



Der Ozelot (Felis pardalis), ein verhältnismässig grosser Vertreter der Kleinkatzen, ist in der Neuen Welt zu Hause. Sein weites Verbreitungsgebiet erstreckt sich über fast das gesamte Lateinamerika - von den Südstaaten der USA und Mexiko im Norden bis nach Argentinien und Paraguay im Süden.

Der Ozelot ist eine sehr anpassungsfähige Katze und fühlt sich in vielen verschiedenen Lebensräumen wohl: im feuchtwarmen Dschungel ebenso wie im nebelverhangenen Bergwald, im überfluteten Mangrovendickicht genauso wie in der halbtrockenen Dornbuschsavanne. Nur das offene Feld betritt der Ozelot niemals, denn für seinen Jagderfolg ist ausreichend Deckung von entscheidender Bedeutung.

Auf die Jagd geht der Ozelot hauptsächlich nachts. Den Tag verschläft er zumeist in einer Baumhöhle, in dichtem Gebüsch oder auf einem tiefliegenden Ast. Obschon er ein gewandter Kletterer ist, geht er im übrigen zumeist am Boden auf Beutefang. Drei bis sechs Kilometer legt er auf seinen nächtlichen Pirschgängen durchschnittlich zurück und macht sich dabei über Tiere unterschiedlichster Grösse her - von Mäusen und Fröschen über Schildkröten und Vögel bis hin zu kleinen Hirschen und Neuweltschweinen. Es wird sogar von einem Ozelot berichtet, der eine zweieinhalb Meter lange Boa-Schlange überwältigte.

Die erwachsenen Ozelote leben nicht paarweise, wie man früher dachte, sondern es besitzt jedes Männchen und jedes Weibchen sein eigenes Territorium. Bei den Männchen sind diese Eigenbezirke etwa fünf bis sieben Quadratkilometer gross und überlappen gewöhnlich mit mehreren Weibchenterritorien.

Sowohl die Männchen als auch die Weibchen setzen auf ihren Streifzügen durchs Revier immer wieder optische und geruchliche Marken: Sie bespritzen auffällige Gegenstände «am Wegesrand» mit ihrem Harn, bringen an umgestürzten Bäumen Kratzspuren an oder setzen an gut sichtbaren Stellen ihren Kot ab. Mit diesen Marken können die verschiedenen Individuen eines bestimmten Waldstücks Fühlung untereinander halten.

Die Ozelotweibchen bringen nach einer Tragzeit von etwa 80 Tagen im allgemeinen ein bis zwei Junge zur Welt. Diese wiegen bei der Geburt ungefähr 100 Gramm und werden in den ersten Wochen ihres Lebens von der Mutter an einem sicheren Ort, etwa zwischen Felsblöcken, versteckt gehalten. Schon im Alter von sechs bis neun Monaten machen sich die jungen Ozelots dann selbständig.

Das wunderschön gefleckte Ozelotfell, das der Tarnung des tüchtigen Jägers im Unterholz dient, gilt als eines der prächtigsten Raubkatzenfelle der Welt. So nützlich sich der «Tarnanzug» des Ozelots aber am Ruheplatz und auf der Jagd erweist, so schädlich hat er sich für seinen Träger ausgewirkt, als in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts Pelzmäntel aus Katzenfellen in Mode kamen. Die Nachfrage nach Ozelotfellen war riesig: Im Jahr 1969 importierte beispielsweise allein die USA sage und schreibe 133 069 Ozelotfelle aus Südamerika! Kein Wunder war die hübsche Katze schon bald in manchen Regionen ihres Verbreitungsgebiets vollständig ausgerottet und vielerorts äusserst selten geworden.

Glücklicherweise hat sich die Situation in jüngerer Zeit etwas gebessert. Internationale Handelsbeschränkungen, ausgelöst vor allem durch die «Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten» (CITES), haben zu einem Rückgang der Nachfrage im internationalen Pelzhandel geführt. Gleichzeitig haben die Tier-, Natur- und Umweltschutzorganisationen in den wohlhabenden Staaten mittels aufwendiger Informationskampagnen erreicht, dass das Tragen von Pelzmänteln gesellschaftlich kaum mehr akzeptiert wird. Dies hat die Nachfrage nach Pelzen weiter gesenkt.

Was der hübschen Kleinkatze jedoch zunehmend zu schaffen macht, ist die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums durch den immer weiter vordringenden Menschen. Zwar vermag der Ozelot als anpassungsfähiger, bodenlebender Jäger Veränderungen seines Lebensraums in einem gewissen Mass zu ertragen. Wo aber die Pflanzendecke vollständig vernichtet wird und seine Beutetiere allesamt verdrängt werden, da hat auch er keine Überlebenschance. Für den Ozelot ist darum die Erhaltung grossflächiger Naturlandschaften in Form von Reservaten und Nationalparks von grösster Bedeutung.




Ozelot
Felis pardalis


Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Katzen

Körpermasse
Kopfrumpflänge: 70-100 cm
Schwanzlänge: 27-45 cm
Gewicht: 11-16 kg

Fortpflanzung
Tragdauer: ca. 80 Tage
Jungenzahl: meist 1-2 je Wurf
Höchstalter: um 20 Jahre

Bestandssituation
Bestand: nicht bekannt
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I




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