Philippinenadler

Pithecophaga jefferyi


© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Der Philippinenadler (Pithecophaga jefferyi), der früher auch «Affenadler» genannt wurde, gehört mit einer Flügelspannweite von bis zu 220 Zentimetern zu den weltweit mächtigsten Adlerarten. Seine Heimat sind die vier philippinischen Inseln Luzon, Samar, Leyte und Mindanao. Dort bewohnt er den Kronenbereich des tropischen Regenwalds und macht Jagd auf allerlei baumlebende Säugetiere, Vögel und Reptilien. Über die Baumwipfel erhebt er sich nur, um im Segelflug, also mit möglichst geringem Kraftaufwand, grössere Ortsverschiebungen innerhalb seines weiten Reviers vorzunehmen.

Die dem Philippinenadler einst nachgesagten Affenessgewohnheiten, die ihm den Namen «Affenadler» eintrugen, haben sich als stark übertrieben herausgestellt. Der grosse Greifvogel ist hinsichtlich seiner Beutetiere wenig spezialisiert und erbeutet ein breites Spektrum unterschiedlichster baumlebender Tiere - von Eichhörnchen und Schleichkatzen über Flughunde und Nashornvögel bis hin zu Waranen und Pythons. Affen sind dagegen eher seltene Opfer des Philippinen-Adlers.

Wie die meisten Adler lebt der Philippinenadler monogam. Das fest verheiratete Paar hält sich ganzjährig in seinem Jagdrevier von ungefähr fünfzig Quadratkilometern auf und benutzt darin immer wieder denselben Horst zum Brüten. Dieser befindet sich gewöhnlich im Geäst eines besonders kräftigen Regenwaldbaums, oft dreissig und mehr Meter über dem Boden. An diesem «luftigen» Ort zieht das Adlerpaar etwa alle zwei Jahre ein einzelnes Junges auf.

Der Jungadler, der nach einer Brutzeit von etwa zwei Monaten aus dem Ei schlüpft, bleibt ungefähr fünf Monate lang im Nest. Nach dem Flüggewerden hält er sich noch ein weiteres Jahr im Wohngebiet seiner Eltern auf und lernt in diesem Lebensabschnitt die schwierigen Techniken des Jagens im Kronenbereich des Regenwalds. Erst wenn er sein Handwerk beherrscht, was etwa zwanzig Monate nach der Eiablage der Fall ist, verlässt er seine Eltern. Und erst dann sind die Altvögel zur nächsten Brut bereit.

Leider gehört der Philippinenadler heute zu den meistbedrohten Vogelarten unseres Planeten. Seine Gesamtpopulation wird auf weniger als 500 Individuen geschätzt. Aufgrund der massiven Gefährdung des Philippinenadlers in seiner Inselheimat sah sich die Internationale Union für Naturschutz (IUCN) 1988 dazu gezwungen, den beeindruckenden Greifvogel auf ihre unrühmliche Liste der zwölf meistbedrohten Tierarten unseres Planeten zu setzen.

Wichtige Faktoren für den erschreckenden Niedergang des Philippinenadlers waren lange Zeit die Bejagung und der Fang durch den Menschen. Nicht nur wurde er mit der Begründung niedergeschossen, er raube Schweine, Hühner, Hunde und andere Haustiere. Er war auch eine begehrte Trophäe für sogenannte «Sportschützen». Und ausserdem wurden immer wieder Jungadler aus ihrem Horst geholt, um in Zoos zur Schau gestellt zu werden. Angesichts der geringen Nachzuchtrate der Vögel führte diese Verfolgung zu einer raschen Ausdünnung der Bestände.

Zwar ist die direkte Bejagung deutlich zurückgegangen, nachdem 1970 der Philippinenadler selbst sowie seine Nistplätze unter strikten gesetzlichen Schutz gestellt wurden. Inzwischen bildet jedoch die Zerstörung der tropischen Regenwälder auf den Philippinen und damit der Entzug der Lebensgrundlage eine enorme Gefahr für den Fortbestand des prächtigen Adlers. Höchstens noch zwanzig Prozent des Archipels sind mit Tropenwald bedeckt, und die Vernichtung der Wälder schreitet rasant voran.

Seit geraumer Zeit wird von der philippinischen Regierung mit der Unterstützung des WWF und anderer internationaler Naturschutzorganisationen ein «Programm zur Rettung des Philippinenadlers» durchgeführt. Wichtigstes Ziel dieses Programm ist die Sicherung möglichst grossflächiger Regenwaldgebiete, in denen die Vögel noch vorkommen. Zudem wird versucht, die lokale Bevölkerung in die Naturschutzarbeit einzubeziehen und ihr Bewusstsein dafür zu wecken, dass die Erhaltung des Lebensraums des Philippinenadlers wesentlich zur Stabilisierung des lokalen ökologischen Gleichgewichts beiträgt, von dem ja auch das Wohlergehen der einheimischen Bevölkerung abhängt. Es ist zu hoffen, dass dem Programm Erfolg beschieden sein wird, denn damit würden - neben dem «Flaggschiff» Philippinenadler - auch all die anderen Vertreter der reichen philippinischen Regenwaldflora und -fauna eine echte Überlebenschance erhalten.




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