Mexikanischer Präriehund
Cynomys mexicanus
© 1994 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Ihrem Namen zum Trotz sind die Präriehunde keine
Mitglieder der Hundefamilie, sondern pflanzenessende, gängegrabende
Nagetiere aus der Familie der Hörnchen - nahe verwandt mit
den Murmeltieren, jedoch etwas kleiner und schlanker. Wie das
Alarmpfeifen für die Murmeltiere ist für die Präriehunde
ein kläffendes Alarmbellen kennzeichnend. Deshalb tragen
sie ihren irreführenden Namen.
Von den fünf verschiedenen Präriehunden,
welche alle in Nordamerika zu Hause sind, ist der Mexikanische
Präriehund mit einer Kopfrumpflänge um 32 Zentimeter
und einem Gewicht von gut einem Kilogramm der grösste. Seine
Heimat sind die weitgehend baum- und buschfreien Kurzgrassteppen
(«Prärien») des nördlichen Mexiko. Hier
ist er gewöhnlich am Tag unterwegs und ernährt sich
als reiner Vegetarier hauptsächlich von Gräsern und
Kräutern aller Art.
Wie seine vier Vettern ist der Mexikanische Präriehund
ein sehr geselliges Tier: Er lebt in kopfstarken Kolonien, die
sich in einzelne Familiengruppen gliedern. Jede dieser Familien
besteht aus einem alten Männchen, drei bis vier Weibchen
und einer Anzahl Jungtiere, und jede verfügt über ein
eigenes Territorium. Dieses ist mit etwa einem Viertel Hektar
Grösse so bemessen, dass alle Familienmitglieder das ganze
Jahr über genügend Nahrung darin finden. Der Eigenbezirk
wird vom Familienoberhaupt energisch gegen die Männchen
der umliegenden Familiengruppen verteidigt. Besuche anderer Familienmitglieder
auf fremdem Boden sind hingegen an der Tagesordnung. In der Tat
kündet ein dichtes Netz festgetretener Pfade im kurzrasigen
Steppengelände vom regen Geselligkeitstrieb dieser lebhaften
Erdhörnchen.
Auf ihrem Grundstück besitzt jede Präriehundfamilie
einen ausgedehnten Bau. Dieser beginnt zunächst mit einer
drei bis fünf Meter langen, fast senkrecht in die Tiefe
führenden Einstiegsröhre. Am Ende dieses Schachts zweigen
rechtwinklig mehrere lange Seitenstollen ab, welche in rundlichen,
dick mit trockenem Gras und Laub ausgepolsterten Kammern enden
den Schlafräumen der Eigentümer.
Jeweils im Frühjahr dienen die Schlafkammern
den Mexikanischen Präriehunden auch als Wochenstuben. Dann
nämlich gebärt jedes Weibchen zumeist drei bis fünf,
manchmal auch bis acht Junge. Diese wiegen bei der Geburt nur
etwa fünfzehn Gramm, sind anfangs nackt, blind und taub
und werden ungefähr sieben Wochen lang gesäugt.
Die Geschlechtsreife erreichen die Jungtiere erst
in ihrem dritten Lebensjahr. Für Nagetiere, die nur selten
mehr als acht Jahre alt werden, ist das ausgesprochen spät.
Sie verlassen dann die elterliche Gruppe, um sich in der Nachbarschaft
nach einer leerstehenden «Wohnung» umzuschauen oder
sich am Rand der Kolonie einen eigenen Bau zu graben.
Die beim Anlegen des (stets erweiterungsbedürftigen)
Baus aus der Tiefe herausgescharrte Erde wird von den Mexikanischen
Präriehunden rund um den Haupteingang zu einem etwa fünfzig
Zentimeter hohen, kegelförmigen Hügel aufgeschüttet
und mit der Nase festgedrückt. Dieser Hügel dient zum
einen als «Runddamm», damit bei Wolkenbrüchen
nicht alles Wasser in den Bau hineinläuft. Zum anderen wird
er von den munteren Hörnchen als Ausguck und Warte benutzt.
In einer Kolonie stehen immer einige erwachsene Präriehunde
mit niederhängenden Vorderpfoten aufrecht auf ihren Erdkegeln
und beobachten mit ihren grossen, hochauflösenden Augen
den Himmel und die Umgebung. Bei Annäherung eines feindlichen
Wesens - etwa eines Kojoten, eines Pumas oder eines Steinadlers
- warnen sie mit ihren kurzen, bellenden Rufen, worauf alles
unverzüglich in das nächste Loch saust.
Nicht zuletzt dient der Erdhügel dem Familienoberhaupt
auch dazu, allen Nachbarmännchen seinen Besitzanspruch auf
den Familienbezirk kundzutun. Hierfür richtet er sich auf
dem Hügel auf, reckt Kopf und Vorderpfoten gen Himmel und
stösst einen durchdringenden, zweisilbigen Ruf aus, der
wie «ii-koo» tönt.
250 Präriehunde verspeisen etwa gleich viel Gras
wie ein Rind, bringen jedoch den Farmern nichts ein. Ausserdem
bricht sich mitunter ein unvorsichtiges Pferd ein Bein, wenn
es in einen Präriehundbau einbricht. Dies waren lange Zeit
Gründe genug für die mexikanische Landbevölkerung,
um den possierlichen Nagetieren mit Gewehren, Fallen und Gift
zu Leibe zu rücken - umsomehr, als ihr Fleisch gleich noch
einen schmackhaften Braten abgab.
So wurden die Mexikanischen Praeriehunde im Verlauf
unseres Jahrhunderts immer weiter zurückgedrängt. Heute
findet man sie nur noch in einigen isolierten «Prärieinseln»
im nordöstlichen Mexiko. Diese liegen verstreut auf dem
zwischen der östlichen und der westlichen Sierra Madre befindlichen
Zentralplateau - innerhalb eines Areals von weniger als 800 Quadratkilometern.
Über die Grösse der Gesamtpopulation ist
nichts Näheres bekannt, doch scheint sie weiterhin abzunehmen.
Denn noch immer verlieren die geselligen Erdhörnchen Jahr
für Jahr grössere Teile ihrer letzten Rückzugsgebiete
an die ansässigen Farmer, da diese ihre Ackerflächen
und Viehweiden ständig weiter ausdehnen.
Die Mexikanischen Präriehunde gelten heute als
unmittelbar von der Ausrottung bedroht, und werden nicht alsbald
gezielte Schutzmassnahmen zu ihren Gunsten getroffen, so sieht
ihre Zukunft leider sehr düster aus.
Mexikanischer Präriehund
Cynomys mexicanus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Hörnchen
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 28-35 cm
Schwanzlänge: 8-10 cm
Gewicht: 900-1400 g
Fortpflanzung
Jungenzahl: meist 3-5 je Wurf
Tragdauer: ca. 30 Tage
Höchstalter: ca. 8 Jahre
Bestandssituation
Bestand: nicht bekannt
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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