Rohrkatze

Felis chaus


© 1988 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Kleinkatzen»)



Kopfrumpflänge: 56 - 76 cm
Schwanzlänge: 20 - 31 cm
Gewicht: 5 - 12 kg

Die Rohrkatze ist von Ägypten über ganz Südasien bis nach Indochina verbreitet. Gewöhnlich hält sie sich im Bereich von Flüssen und Seen auf und bewohnt hier die unzugänglichen Schilfdickichte, die sumpfigen Ufergehölze und die angrenzenden Hochgrasflächen. Ihrer Vorliebe für Röhrichte aller Art verdankt sie denn auch ihren Namen.

Die Ohren der Rohrkatze tragen an ihrer Spitze schwärzliche, bis 1,5 Zentimeter lange Haarpinsel. Wegen dieses Körpermerkmals, das eigentlich für die Luchse typisch ist, und ihrem Leben in oftmals sumpfigem Gelände wird die Rohrkatze manchmal auch «Sumpfluchs» genannt. Sie ist aber kein echter Luchs; deshalb sollte man die Bezeichnung besser vermeiden.

Die Rohrkatze ist eine geschickte Vogelfängerin. Wasservögel aller Art sowie Fasanen, Rebhühner und Pfauen fallen ihr häufig zum Opfer. Da sie die Nähe menschlicher Siedlungen keineswegs scheut, kommt es auch immer wieder vor, dass sie in ein Hühnergehege einfällt. Damit macht sie sich natürlich nicht besonders beliebt.

Ein eher lustiges Erlebnis mit einer «diebischen» Rohrkatze hatte hingegen im letzten Jahrhundert der Naturforscher T. C. Jerdon in Indien. Er schreibt darüber: «Als ich kürzlich am Rande eines Zuckerrohrfelds einen Pfau schoss, sprang völlig unangemeldet eine dieser Katzen heraus, schnappte sich den toten Pfau und verschwand ohne Dankeschön zu sagen - wieder im Dickicht.»

Auf altägyptischen Wandzeichnungen ist neben der afrikanischen Wildkatze («Falbkatze») und dem Löwen zuweilen auch die Rohrkatze abgebildet. Das hat seinen guten Grund: Die alten Ägypter schätzten die mittelgrosse Raubkatze sehr als treue und hilfreiche Jagdbegleiterin. Fiel bei der Vogeljagd ein geschossener Vogel ins unwegsame Schilfdickicht, so konnte er von der gezähmten und abgerichteten Rohrkatze jeweils im Nu herbeigeschafft werden.




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