Rotfuchs

Vulpes vulpes


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)



Kopfrumpflänge: 50 - 90 cm
Schulterhöhe: 35 - 45 cm
Gewicht: 2,5 - 7,5 kg

In einer bekannten Fabel überlistet der Fuchs den Raben, der auf einem Ast sitzt und ein herrliches Stück Käse im Schnabel hat: Er lobt dessen schöne Stimme, worauf der eitle Rabe eine Probe seiner Sangeskunst geben will und dabei prompt den Käse fallen lässt, dem Fuchs - wie erhofft - direkt vor die Füsse.

Es gibt viele solche Geschichten, die von der Schlauheit des Fuchses handeln. Natürlich sind sie nicht wörtlich zu nehmen, aber ganz «aus der Luft gegriffen» sind sie auch nicht: Der Fuchs ist tatsächlich ein «gescheites» Tier, weil er ausgesprochen neugierig ist, eine rasche Auffassungsgabe hat und aus eigener Erfahrung lernen kann. Meisterhaft versteht er es, sich neuen Situationen anzupassen. So hat er es geschafft, fast die gesamte nördliche Erdhalbkugel zu erobern. Selbst in Australien hat er sich glänzend eingelebt, seitdem er vom Menschen dort eingeführt worden ist. Der Rotfuchs gilt als das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde.

Dass der Fuchs ein Überlebenskünstler ist, zeigt unter anderem sein mannigfaltiger Speisezettel. Auf seinen nächtlichen Fresstouren verschmäht er nichts, was die Natur an Essbarem bietet. Dazu zählt alles, was kreucht und fleucht. Aber auch pflanzliche Stoffe schmecken ihm. Besonders gegen den Herbst macht er oft regelrechte «Obstkuren» und schlägt sich den Bauch mit Brombeeren, Trauben und Pflaumen voll. Im übrigen schreckt der Rotfuchs keineswegs davor zurück, in Dörfer und sogar Städte vorzudringen, um dort die Misthaufen und Abfalleimer nach «Leckerbissen» zu untersuchen.

Rotfüchse leben paarweise in festen Wohngebieten, aus denen das Männchen alle männlichen Widersacher und das Weibchen alle Rivalinnen unnachgiebig verjagt. Besonders innig ist das Verhältnis der beiden Partner zueinander allerdings nicht: Sie gehen die meiste Zeit getrennte Wege, leben also fast wie Einzelgänger. Manchmal duldet das Paar auf seinem Grundstück noch weitere Weibchen. Zumeist sind es erwachsene Töchter, die im Revier der Eltern «Gastrecht» haben.

Jeweils im März oder April, nach einer Tragzeit von 50 bis 52 Tagen, bringt das Weibchen in einem geräumigen Erdbau seine vier bis sechs Jungen zur Welt. Die flaumig bepelzten Fuchsbabys messen bei der Geburt nur gerade zehn bis zwölf Zentimeter und wiegen 80 bis 120 Gramm. Sie sind anfangs blind und völlig hilflos. Erst mit etwa zwei Wochen öffnen sie ihre Augen.

Im Alter von etwa vier Wochen krabbeln die Jungfüchse erstmals zum Höhleneingang, und schon wenige Tage später spielen sie ausgelassen miteinander vor dem Bau. Die Mutter ist jetzt viel unterwegs, um die Mäuler der nimmersatten Kinderschar zu stopfen. Sie erlaubt sich nun auch Dinge, die sie sonst nie tun würde, zum Beispiel Hühner auf einem Bauernhof stehlen.

Unterstützt wird sie bei ihrer schweren Arbeit manchmal von ihren älteren Töchtern, die sich noch im Revier aufhalten. Diese haben zumeist noch keine eigenen Kinder und helfen darum als «Tanten» bei der Aufzucht ihrer jüngeren Geschwister. Und auch das Männchen nimmt seine Vaterpflichten sehr ernst und schafft nach Kräften Nahrung herbei.

Im Alter von etwa acht Wochen verlassen die Jungen ihre sichere Burg und halten sich nun irgendwo im Dickicht oder auch in einem Getreidefeld auf. Etwa im September löst sich die Familie auf. Die Jungfüchse können sich jetzt selbständig ernähren und wollen unabhängig sein. Eines schönen Tages wandern sie einfach los. Viele Kilometer geht es weg von zu Hause auf der Suche nach einem eigenen Wohngebiet. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens.




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