Säbelantilope

Oryx dammah


© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Mit einer Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern und einem Gewicht von 180 bis 200 Kilogramm hat die Säbelantilope (Oryx dammah) ungefähr Rothirschgrösse. Ihre in einem flachen Bogen - säbelartig - nach hinten gekrümmten Hörner erreichen bei den Männchen eine Länge von bis zu 150 Zentimetern.

Die Heimat der Säbelantilope sind die halbwüstenartigen Randzonen der Sahara. In solch unwirtlichen Gegenden kann nur überleben, wer besondere Fähigkeiten zum Ertragen der dort herrschenden aussergewöhnlichen Wasserknappheit besitzt. Die Säbelantilope verfügt in der Tat über eine ganze Reihe körperlicher Anpassungen, die es ihr erlauben, allein mit dem in der Nahrung enthaltenen Wasser auszukommen. Dazu gehört ein spezieller Magen-Darm-Trakt, welcher dem gefressenen Pflanzenmaterial sämtliche Zellflüssigkeit entzieht und die unverdaulichen Pflanzenteile als staubtrockenen Kot ausscheidet. Dazu zählen aber auch besonders ausgebildete Nieren, welche den Harn ausserordentlich stark konzentrieren, damit auch auf diesem Weg kein überflüssiger Tropfen Wasser verloren geht. Die Säbelantilope ist deshalb vom regelmässigen Zugang zu einer Tränke unabhängig.

Ein weiteres Problem - neben der enormen Trockenheit - bilden für jeden Wüsten- und Halbwüstenbewohner die hohen Tagestemperaturen, welche deutlich über 40°C im Schatten erreichen können. Schwitzen, als «normales» Mittel zur Körperkühlung, kommt für die Säbelantilope wegen des damit verbundenen Wasserverlusts nicht in Frage. Und das Aufsuchen von Erdhöhlen, in denen sich kleinere Wirbeltiere tagsüber vor der sengenden Hitze verbergen, fällt wegen ihrer Grösse ausser Betracht. Ihr bleibt nur, jeglichen Schatten zu nutzen, den sie in ihrem öden Lebensraum findet. Ausserdem ruht sie tagsüber viel und ist hauptsächlich nachts rege. Und vor allem verfügt sie über eine erstaunliche Toleranz gegenüber erhöhten Körpertemperaturen: Bis zu 45°C verträgt sie problemlos, während andere Wirbeltiere bei derart hohen Körpertemperaturen im allgemeinen Hirnschäden erleiden.

Der «Trick» der Säbelantilope besteht darin, dass sie ihr Gehirn um bis zu 3° C kühler hält als den restlichen Körper. Bevor das arterielle Blut vom Herz zum Hirn gelangt, wird es nämlich über ein spezielles Blutgefäss-Netz geleitet, das sich in der Nasenschleimhaut befindet. Da diese beim Atmen stets etwas Flüssigkeit verdunstet und daher immer verhältnismässig kühl ist, wird so das Blut auf seinem Weg zum Gehirn etwas abgekühlt.

Die Säbelantilope war noch vor hundert Jahren über die gesamte Südsahara zwischen dem Atlantik im Westen und dem Nil im Osten verbreitet. Heute kommt der schöne Hornträger nur noch in Mali, Niger und Tschad vor und gehört mit einem Restbestand von wenigen hundert Individuen zu den seltensten wie auch gefährdetsten Antilopen der Welt. Einmal mehr - wie bei so vielen anderen Tierarten - ist der Mensch die Ursache der bedrohlichen Situation.

Der Niedergang der Säbelantilope begann, als der Mensch um die Mitte unseres Jahrhunderts die Wirksamkeit der modernen Schusswaffen mit der Schnelligkeit geländegängiger Motorfahrzeuge vereinte und dadurch mühelos selbst in die entlegensten Lebensgebiete der Säbelantilope vordringen konnte. Innerhalb von nur dreissig Jahren war die Antilopenart aus neunzig Prozent ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets für immer verschwunden. Übrig blieb schliesslich - neben ein paar winzigen, weit verstreuten und langfristig wohl kaum überlebensfähigen Restbeständen - eine einzige grössere Population im 1969 geschaffenen Wadi-Rime/Wadi Achim-Reservat in der Republik Tschad. Leider sank aber auch dort infolge der anhaltenden Bürgerkriegs-Wirren die Zahl der Saebelantilopen von etwa 5000 Individuen zu Beginn der achtziger Jahre auf die heutigen paar hundert Tiere.

Ob es gelingen wird, das Überleben der Säbelantilope in freier Wildbahn zu gewährleisten, ist im Moment leider sehr fraglich. Als schwacher Trost mag gelten, dass es mehrere gute Zuchtgruppen in Gefangenschaft gibt, mit deren Hilfe immerhin das vollständige Aussterben dieser widerstandsfähigen «Halbwüstenantilope» verhindert werden kann und welche später vielleicht die Wiedereinbürgerung der Art in gut bewachten Schutzgebieten erlauben. Auf keinen Fall dürfen aber deshalb die Anstrengungen zum Schutz der noch existierenden Säbelantilopen-Bestände in freier Wildbahn vernachlässigt werden.




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