Segelfalter - Iphiclides podalirius
Postillion - Colias crocea
Trauermantel - Nymphalis antiopa
Gemeiner Scheckenfalter - Melitaea cinxia


© 1993 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Die Schmetterlinge (Lepidoptera) wurden früher in Kleinschmetterlinge («Motten») und Grossschmetterlinge eingeteilt, und letztere gemäss ihrer Lebensweise in Tagfalter und Nachtfalter. Diese Einteilung erscheint heute ungerechtfertigt, da sie nichts über die tatsächlichen verwandtschaftlichen Beziehungen der Schmetterlinge untereinander aussagt. Auch gibt es unter den Kleinschmetterlingen ausgesprochen grosse Arten und unter den Grossschmetterlingen sehr kleine. Zudem erscheint die Einteilung in Tagfalter und Nachtfalter wenig sinnvoll, da manche «Tagfalter» erst in der Dämmerung aktiv werden, während zahlreiche «Nachtfalter» nur tagsüber umherfliegen.

Dennoch wird selbst in modernen Schmetterlingsbüchern diese veraltete Gliederung weiterhin verwendet - ganz einfach, weil die genannten Schmetterlingskategorien sowohl dem Fachmann als auch dem Laien vertraute Begriffe sind. Daran wollen wir hier nicht rütteln und im folgenden vier Arten «echter», das heisst tagsüber reger Tagfalter vorstellen: den Segelfalter (Iphiclides podalirius), den Postillion (Colias crocea), den Trauermantel (Nymphalis antiopa) und den Gemeinen Scheckenfalter (Melitaea cinxia).

 

Vom Fressen und Gefressenwerden

Kriechtier-, Vogel- und Säugetierjunge gleichen ihren Eltern im allgemeinen sehr. Bei den Schmetterlingen ist das nicht der Fall: Sie beginnen ihr Leben als kriechende Raupe und machen dann später eine wundersame Verwandlung zum flugfähigen Falter durch. «Metamorphose» nennt der Fachmann den faszinierenden Gestaltwechsel, der sich im Verlauf des Schmetterlingslebens abspielt.

Als Raupen wie als Falter ernähren sich die Tagschmetterlinge (mit wenigen Ausnahmen) von pflanzlicher Kost. Die Raupen essen im allgemeinen Blätter, Blüten und Früchte von Blütenpflanzen. Dabei sind manche Raupenarten keineswegs heikle Kostgänger: Sie akzeptieren eine grosse Vielfalt verschiedener Pflanzenarten. Andere hingegen sind auf eine ganz bestimmte Pflanzenart angewiesen und verhungern eher, als dass sie sich von einer anderen Art ernähren würden. Die Falter nehmen dagegen flüssige Nahrung zu sich. In der Regel saugen sie Nektar aus Blütenkelchen, wobei die einzelnen Falterarten ebenfalls Vorlieben für bestimmte Blütenarten zeigen. Manche nehmen aber auch gern die ausfliessenden Säfte verletzter Bäume und gärender Früchte zu sich.

Die Schmetterlinge ihrerseits dienen einem ganzen Heer von Feinden als Nahrung. Es gibt kein Stadium in ihrer Entwicklung, welches nicht mehr oder weniger spezialisierten Fressfeinden, Parasiten und Krankheitserregern zum Opfer fällt. Zu den schlimmsten Feinden der Schmetterlinge gehören die Vögel. Meisen beispielsweise sind eifrige Schmetterlingsjäger, vor denen auch das winzigste Ei, die bestgetarnte Raupe und der «flatterhafteste» Falter nicht sicher sind. Als weitere Hauptfeinde der Schmetterlinge sind die Schlupfwespen und die Raupenfliegen zu nennen. Ihre Larven leben als Schmarotzer in Raupen und töten diese schliesslich ab. Daneben machen aber auch Spitzmäuse und Eidechsen, Frösche und Kröten, Spinnen und Ameisen in grosser Zahl unentwegt Jagd auf Schmetterlingseier, Raupen und Falter. Und zu allem Überfluss benützen auch noch allerlei Pilze, Viren und Bakterien die Tiere als Basis für ihre Entwicklung.

Eigentlich erstaunlich, dass angesichts dieses Heers von Feinden die Schmetterlinge überhaupt fortzubestehen vermögen. Dass dem so ist, dafür sorgen vielfältige Strategien, welche die Schmetterlinge im Laufe ihrer Stammesgeschichte als Antwort auf den steten Druck feindlicher Einflüsse entwickelt haben. Da sind zum einen die enormen Fortpflanzungsraten der Schmetterlinge zu nennen: Die Weibchen der meisten Tagfalter legen nach der Begattung mehrere hundert Eier. Zum anderen verfolgen die Schmetterlinge mancherlei Feindvermeidungs-Strategien: Die Eier und Puppen sind durch ihre Färbung und Gestalt dermassen gut ihrer Umgebung angepasst, dass sie vom ungeübten Auge überhaupt nicht wahrgenommen werden. Auch bei den Raupen besteht die einfachste Schutzmassnahme darin, sich nicht blicken zu lassen. So verstecken sich viele Raupen tagsüber und kommen nur nachts zum Essen hervor. Die meisten Raupen sind ferner durch ihre Färbung und Zeichnung in ihrer Umgebung bestens getarnt: Sie weisen dasselbe Grün auf wie die Blätter, von denen sie sich ernähren, oder sie sind braun gesprenkelt wie die Rinde, auf der sie sich aufhalten. Einige Arten besitzen auch ganz besondere Schutzeinrichtungen: Die Raupe des Segelfalters zum Beispiel stülpt bei Gefahr eine gelbe Nackengabel aus, die einen widerlichen Duft verbreitet.

Eine grosse Vielfalt von Feindvermeidungs-Methoden finden sich auch bei den ausgewachsenen Faltern. Sie schützen sich ebenfalls mit allerlei Tarn-, Warn- und Schrecktrachten. Und auch bei ihnen gibt es mancherlei Spezialerfindungen. So besitzt etwa der Segelfalter an seinen Hinterflügeln auffällige Punkte und Zipfel, welche an Augen und Fühler erinnern. Etwaige Angreifer vermuten den Kopf am falschen Ende und sind überrascht, wenn der Falter scheinbar rückwärts davonfliegt.

So kommt es, dass sich unter natürlichen Verhältnissen Nachkommenschaft und Verluste zahlenmässig die Waage halten: Von jeder Schmetterlingsart kommen so viele Tiere mit dem Leben davon, wie für die Erhaltung der Art notwendig sind. Gerade durch dieses «Fressen und Gefressenwerden» aber erfüllen die Schmetterlinge eine wichtige Aufgabe im Haushalt der Natur: Sie bilden wesentliche Glieder zahlreicher Nahrungsketten. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge werden jährlich weltweit mehrere Milliarden Tonnen pflanzlicher Biomasse von Schmetterlingsraupen verzehrt und auf diese Weise ins globale Nahrungsnetz eingebracht! Im übrigen gehören die Schmetterlinge neben den Bienen zu den wichtigsten Blütenbestäubern auf unserem Planeten.

 

Vier Porträts

Der Segelfalter aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) ist ein grosser, auffälliger Schmetterling: Er erreicht eine Spannweite um 7,5 Zentimeter und ist anhand seiner zebraartigen Bänderzeichnung leicht erkennbar.

Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas und Asiens, ostwärts bis nach China, und reicht südwärts bis ins nördliche Afrika. Innerhalb dieses weiten Areals bewohnt der Segelfalter hauptsächlich warmes, trockenes, naturnahes Wiesland mit eingestreuten Hecken, denn die Hauptfutterpflanzen der Raupe sind Schwarzdorn, Weissdorn, Vogelbeere und andere Heckengehölze, während der Falter ein vielfältiges Angebot von Wiesenblumen für seine Ernährung braucht.

Leider verschwinden naturnahe Blumenwiesen und Hecken mehr und mehr aus unserer Welt, da überall die traditionelle Land- und Viehwirtschaft zugunsten ertragreicherer Landnutzungsformen aufgegeben wird. Vielerorts hat der Bestand des Segelfalters deshalb stark abgenommen.

Der oberseits leuchtendorange, unterseits sattgelb gefärbte Postillion aus der Familie der Weisslinge (Pieridae) erreicht eine Spannweite von 5 Zentimetern. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die meisten Bereiche Europas und das westliche Asien, ostwärts bis in den Iran und südwärts bis nach Nordafrika.

Der Postillion ist ein ausgeprägter Wanderfalter. Jedes Frühjahr überqueren ungezählte Postillions, aus den Mittelmeerländern kommend, die Alpen und dringen bis weit nach Nordeuropa vor. In raschem, geradlinigem Flug ziehen die Falter einzeln oder in kleinen Gruppen dahin. Irgendwo lassen sie sich dann nieder und pflanzen sich fort. Doch wenn der Winter kommt, gehen die Tiere mitsamt ihren Nachkommen zugrunde. Nördlich der Alpen ist der Postillion also nicht «bodenständig». Warum es zu solchen, für die Arterhaltung scheinbar widersinnigen Wanderungen kommt, ist noch wenig bekannt. Man nimmt aber an, dass dadurch unter günstigen Umständen das Verbreitungsgebiet der Art vergrössert werden kann.

Der Postillion ist ein Schmetterling der offenen Kulturlandschaft, wo sich die Raupe auf krautigen und strauchigen Hülsenfrüchtlern (Luzerne, Klee usw.) ernährt und der Falter hauptsächlich die Blüten der Klee- und Luzernefelder besucht. An Nahrung fehlt es dem Postillion in unserer modernen Kulturlandschaft zwar nicht, doch machen ihm vielfach Pestizide zu schaffen. Mit grosszügigen Pestizidbehandlungen wird in der heutigen Landwirtschaft versucht, die Kulturpflanzen vor «Un-Geziefer» zu schützen - ungeachtet der Tatsache, dass die Breitbandwirkung dieser Chemikalien sowohl Freund wie Feind trifft. Die Bestände des Postillions sind deshalb vielerorts deutlich zurückgegangen.

Der Trauermantel aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) weist eine Spannweite von 6,5 Zentimetern auf. Seinen Namen verdankt er der für einen Tagfalter ungewöhnlich düsteren Färbung.

Das Verbreitungsgebiet des Trauermantels umfasst sozusagen die gesamte gemässigte Klimazone auf der nördlichen Erdhalbkugel. Als Lebensraum bevorzugt er lichte, ungepflegte Wälder mit eingestreuten Salweiden- und Birkenbeständen, denn deren Blätter bilden das Hauptfutter der Raupen, während die erwachsenen Falter an offenen Stellen im Waldinnern und an den Waldrändern ausfliessende Baumsäfte und den Saft faulender Früchte zu sich nehmen.

Es scheint, dass die Umwandlung naturnaher Laubwälder in monotone «Holzäcker» - ohne Lichtungen und mit geradlinigen, ausgeräumten Waldrändern - die Lebensgrundlage der Art wesentlich geschmälert hat. Auch der Trauermantel ist deshalb in seinem Bestand zurückgegangen.

Der Gemeine Scheckenfalter aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) weist eine Spannweite um 4 Zentimeter auf. Er ist im westlichen Europa weit verbreitet und kommt ostwärts durch Russland bis nach Sibirien vor. Man findet ihn hauptsächlich in Hügel- und Berggebieten, wo er sich vorzugsweise auf naturnahen, mit Büschen durchsetzten Wiesen und Weiden in warmen Lagen aufhält. Die Raupe ernährt sich hauptsächlich von Wegerichblättern, während der Falter zumeist an niedrigen Blüten saugt.

«Gemein» ist die Art wohl nirgends mehr, wie der deutsche Name vermuten lässt, denn auch sie leidet unter dem steten Schwund der von ihr bewohnten landwirtschaftlichen «Grenzertragsflächen». Vielerorts ist der Gemeine Scheckenfalter inzwischen selten geworden.

 

Agrar- und Forstpolitik sind entscheidend

Es zeigt sich aus den vier knappen Schmetterlingsporträts, dass es vor allem die Zerstörung der angestammten Lebensräume ist, die zum überall zu beobachtenden Rückgang der Schmetterlinge führt. Kräuterreiche Heuwiesen, natürliche Bachläufe, ungenutzte Wegborde, abwechslungsreiche Waldränder, Hecken und Feldgehölze - alle diese Landschaftselemente (und Schmetterlings-Lebensräume) verschwinden in erschreckendem Tempo. Sie weichen einer Zivilisations-Einöde, die sich im wesentlichen aus Wohnsiedlungen, Industrieanlagen und Verkehrswegen einerseits sowie maschinengerechten landwirtschaftlichen Produktionsflächen und Wirtschaftswäldern andererseits zusammensetzt.

Weniger offensichtlich, aber darum nicht minder umweltverändernd wirken sich heute die unüberblickbaren Mengen chemischer Stoffe aus, die der Mensch an die Umwelt abgibt. Dazu zählen in erster Linie die hochgiftigen Pestizide, die in der Intensivlandwirtschaft eingesetzt werden. Ihre verheerende Wirkung nicht nur auf die Schmetterlinge ist zur Genüge bekannt.

Gegenüber den genannten Umweltveränderungen spielt die direkte Verfolgung der Schmetterlinge durch Sammler eine untergeordnete Rolle. Sie kann höchstens für seltene und daher begehrte Arten eine zusätzliche Belastung darstellen.

Für den Fortbestand vieler Schmetterlingsarten ist deshalb entscheidend, ob es uns gelingt, die herkömmliche, verhältnismässig extensive und umweltschonende Land- und Forstwirtschaft auf grösseren Flächen beizubehalten. Eine deutliche Kurskorrektur der heutigen Agrarpolitik ist dazu in den meisten Ländern unabdingbar. So darf die Subventionierungspraxis zukünftig nicht mehr rein ertragsorientiert sein, sondern muss die Umweltverträglichkeit der Anbaumethoden mit berücksichtigen. Und in der Forstwirtschaft muss dringend ein naturnaher Waldbau mit standortgerechten, sich natürlich verjüngenden Laubmischwäldern gefördert werden.

Dies gilt auch für San Marino, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken. Jahrhundertelange land- und forstwirtschaftliche Aktivitäten der ansässigen Bevölkerung haben in der nur 61 Quadratkilometer kleinen Republik im nördlichen Italien ein reiches Mosaik von Lebensräumen geschaffen, welches einer überraschenden Vielfalt von Wildpflanzen und Wildtieren eine Lebensgrundlage bietet. Seit den fünfziger Jahren wird allerdings auch in San Marino die Land- und Forstwirtschaft durch den Einsatz von Maschinen, Düngern und Pestiziden ständig intensiviert - mit den bereits erwähnten negativen Begleiterscheinungen für die Natur. Zwar ist die «Industrialisierung» der Landnutzung noch nicht so weit voran geschritten wie in weiten Teilen Mitteleuropas, und deshalb sind beispielsweise der Segelfalter und der Trauermantel hier noch weniger stark gefährdet als etwa in Deutschland oder in der Schweiz. Dies darf die sanmarinesischen Behörden jedoch nicht zur Selbstzufriedenheit verleiten: Soll die noch immer reichhaltige Natur San Marinos bewahrt werden, so muss auch hier die Entwicklung der land- und forstwirtschaftlichen Aktivitäten dringend in die richtigen Bahnen gelenkt werden.




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