Schabrackenhyäne

Hyaena brunnea


© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora) umfasst neben drei Meeresraubtierfamilien - den Ohrenrobben (Otariidae), den Seehunden (Phocidae) und den Walrossen (Odobenidae) - sieben verschiedene Landraubtierfamilien, nämlich die Katzen (Felidae), die Hunde (Canidae), die Grossbären (Ursidae), die Kleinbären (Procyonidae), die Marder (Mustelidae), die Schleichkatzen (Viverridae) und die Hyänen (Hyaenidae).

Die Familie der Hyänen gilt nicht nur als eine der ursprünglichsten Raubtierfamilien, sondern sie ist auch eine der artenärmsten: Insgesamt gibt es nur vier verschiedene Arten: 1. den Erdwolf (Proteles cristatus), 2. die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta), 3. die Streifenhyäne (Hyaena hyaena) und 4. die Schabrackenhyäne (Hyaena brunnea), die aufgrund ihres wissenschaftlichen Namens oft auch «Braune Hyäne» genannt wird und von der auf diesen Seiten die Rede sein soll.

Von den vier Hyänenarten weist die Streifenhyäne das grösste Verbreitungsgebiet auf: Man findet sie rund um die Sahara herum und in Ostafrika, ferner auf der Arabischen Halbinsel und von Vorderasien bis Indien. Die anderen drei Hyänenarten kommen ausschliesslich in Afrika südlich der Sahara vor. Die Tüpfelhyäne ist dort überaus weitverbreitet und sowohl im Westen als auch im Osten und im Süden anzutreffen. Der Erdwolf hat zwei getrennte Vorkommen im östlichen Afrika einerseits und im südlichen Afrika andererseits. Die Schabrackenhyäne schliesslich ist einzig im südlichen Afrika heimisch: Das «Herz» ihres Verbreitungsgebiets bildet Botswana. Dort kommt sie in allen ausser den nördlichsten Landesteilen vor. Westlich hiervon findet man sie im südwestlichen Angola sowie im zentralen Namibia, nordwärts bis zur Etoscha-Pfanne und westwärts bis zur Namib-Küstenwüste. Östlich von Botswana kommt sie im westlichen und im südlichen Simbabwe vor und ziemlich sicher auch im südwestlichen Mosambik. In Südafrika schliesslich kann man ihr in den Provinzen Transvaal und Oranjefreistaat sowie in den nördlichen Bereichen der Kapprovinz begegnen.

 

Hinten «tiefergelegt»

Die Schabrackenhyäne hat wie alle Hyänen längere Vorder- als Hinterbeine, so dass beim Stehen und Gehen der Rücken schräg nach hinten unten abfällt. Die Männchen weisen dementsprechend eine Schulterhöhe um 80 Zentimeter, jedoch eine Kreuzhöhe von lediglich 74 Zentimetern auf. Die Weibchen sind kaum kleiner als die Männchen und mit einem mittleren Gewicht von 42 Kilogramm auch nur wenig leichter als die Männchen mit durchschnittlich 47 Kilogramm.

Hinsichtlich der Gestalt der Schabrackenhyäne fällt ferner auf, dass die vordere Körperpartie besonders kräftig entwickelt ist, so dass die hintere, tieferliegende Körperpartie beinahe etwas verkümmert ausschaut. Dies hat vor allem mit dem massiven Kopf sowie der gut ausgebildeten Nacken- und Kiefermuskulatur zu tun - jener «Ausrüstung» also, welche die Schabrackenhyäne - im Zusammenspiel mit einem überaus kräftigen Gebiss und einem speziellen Magendarmtrakt - dazu befähigt, Knochen als Nahrung zu verwerten. Selbst die Beinknochen mittelgrosser Huftiere vermag sie aufzubrechen, um sie in mundgerechte Bissen zu zerkleinern und an das Knochenmark zu gelangen. So kann sie beispielsweise das Skelett eines Impalas (Aepyceros melampus) oder eines Springbocks (Antidorcas marsupialis) restlos verzehren.

Kennzeichnend für die Schabrackenhyäne sind im übrigen die verlängerten, teilweise bis 22 Zentimeter langen Nacken- und Rückenhaare, die bei entspannter Gemütslage des Tiers wie eine zottlige Satteldecke («Schabracke») auf den Seiten herabhängen und die sie je nach Stimmung mehr oder weniger stark aufrichtet.

 

Geordnetes Leben im Familienverband

Als Lebensraum bevorzugt die Schabrackenhyäne trockene Regionen, bewohnt also innerhalb ihres südafrikanischen Verbreitungsgebiets hauptsächlich Halbwüsten, Trockenbuschländer und Trockenwaldsavannen. Sie ist ein ausgesprochen nachtaktives Tier: Tagsüber ruht sie an einem schattigen, kühlen Ort, oft zwischen Felsen oder in einem Erdbau, und kommt gewöhnlich erst nach Sonnenuntergang in der Abenddämmerung hervor.

Im Gegensatz zur früheren «Lehrmeinung» führt die Schabrackenhyäne keineswegs ein einzelgängerisches Leben, sondern lebt in Familienverbänden, welche über viele Jahre hinweg zusammenbleiben. Jeder Verband verfügt über ein festes Territorium, welches gewöhnlich eine Fläche zwischen 200 und 500 Quadratkilometern aufweist.

Ein Familienverband besteht typischerweise aus einem hochrangigen Männchen, drei oder vier niederrangigen Männchen, vier bis sechs erwachsenen Weibchen und einer schwankenden Anzahl Jungtiere. Die Mitglieder eines Familienverbands bewegen sich zwar die meiste Zeit einzeln umher, haben aber regelmässig Kontakt untereinander. Hierfür dienen ihnen verschiedenartige Verständigungsmittel: Zum einen setzen sie auf ihren Streifzügen im weiträumigen Territorium immer wieder geruchliche Signale, indem sie auffällige Gegenstände mit dem Sekret ihrer Analdrüsen betupfen. Auf kürzere Distanz verständigen sie sich akustisch mit verschiedenartigen Lauten sowie mit optischen Signalen. Vor allem die Ohrenstellung, Schwanzhaltung und die Art, wie die Mähnenhaare aufgerichtet werden, spielen hierbei eine Rolle. Bei direkten Begegnungen zeigen die Schabrackenhyänen im übrigen vielfältiges Begrüssungs- und Beschwichtigungsverhalten.

Letzteres ist im allgemeinen für die Aufrechterhaltung der Rangordnung ausreichend. Gelegentlich bedarf es dazu aber auch ritualisierter Droh- und Imponierhandlungen. Dazu zählen vor allem Bisse in den Nacken, wo die Haut besonders derb und ausserdem durch die dicke Mähne geschützt ist. Nur in seltenen Fällen arten solche Rangordnungskonflikte in echte Kämpfe aus, und selbst bei diesen fliesst zwar oftmals Blut, wird aber in der Regel keines der Tiere ernstlich verletzt oder gar getötet.

Wie bei den meisten gesellig lebenden Raubtierarten ermöglicht die Rangordnung ein überraschend friedliches Zusammenleben der Gemeinschaft und beugt ständigen Reibereien im Alltag vor. Beispielsweise ist stets klar, wer zuerst Zugang zum Futter hat oder wer den besten Tagesschlafplatz benützen darf. In erster Linie gewährleistet die Hierarchie jedoch, dass sich nur die kräftigsten Männchen mit den Weibchen des Verbands paaren dürfen und somit ihr Erbgut weiterzugeben vermögen. Sie dient also hauptsächlich der Erhaltung einer gesunden, starken Art.

 

Sammler und Kleintierjäger

Obschon die Schabrackenhyänen in Familienverbänden leben, gehen sie gewöhnlich einzeln auf Fresswanderung. Sie legen dabei gewöhnlich in jeder Nacht Strecken von zehn bis fünfzig Kilometern zurück. Mit charakteristisch gesenktem Kopf suchen sie den Boden in einem Zickzackkurs ab. Nur von Zeit zu Zeit halten sie den Kopf kurz hoch, um Witterung in der Luft aufzunehmen. Im Westen Namibias patrouillieren sie dabei oft der Küste entlang, auf der Suche nach angeschwemmten Fischen und anderem essbarem Strandgut. Dies hat ihnen den früher im Deutschen häufig verwendeten, jedoch irreführenden Namen «Strandwolf» eingetragen.

Im Gegensatz zu den Tüpfelhyänen, welche sich hauptsächlich als Grosswildjäger betätigen, erweisen sich die Schabrackenhyänen als Sammler und Kleintierjäger. Ihr Speisezettel ist sehr abwechslungsreich: Alles, was sie auf ihren ausgedehnten Streifzügen finden und was irgendwie essbar ist, wird verspeist.

In erster Linie handelt es sich dabei um Aas, welches die Schabrackenhyänen dank ihres guten Geruchssinns oftmals über mehrere Kilometer hinweg wittern. Das können die Überreste einer Löwen-, Leoparden- oder Gepardenmahlzeit sein; das können aber auch Leichen von Tieren sein, die verunfallt oder altershalber gestorben sind.

Nebst Aas verspeisen die Schabrackenhyänen gern Vogeleier. Selbst die hartschaligen Eier der Strausse (Struthio camelus) vermögen sie zu knacken. Ferner essen sie gern allerlei Früchte und andere pflanzliche Stoffe. Diese können zu gewissen Zeiten mehr als die Hälfte ihrer Kost ausmachen. Wilde Melonen und Kürbisse spielen eine besonders wichtige Rolle, und zwar weniger wegen ihres Nährstoff-, sondern wegen ihres Wassergehalts. Schabrackenhyänen können ihren Flüssigkeitsbedarf auf diese Weise weitgehend decken und brauchen deshalb oft wochenlang keinen Zugang zu einer Tränke.

In grösserer Menge fängt die Schabrackenhyäne im übrigen Insekten und Echsen, die ihr über den Weg laufen. Und mitunter erlegt sie mit etwas Jagdglück sogar einen Löffelhund (Otocyon megalotis), einen Springhasen (Pedestes capensis) oder ein anderes kleines Säugetier.

 

Fürsorgliche «Tanten» und «Vettern»

Das Fortpflanzungsverhalten der Schabrackenhyänen ist nicht jahreszeitlich gebunden; Jungtiere können in allen Monaten zur Welt kommen. Meistens sind es zwei oder drei Junge je Wurf. Sie kommen nach einer Tragzeit von etwas über drei Monaten zur Welt, wiegen dann etwa 700 Gramm und tragen ein kurzes, schwarzbraunes Fell.

Das Weibchen bringt seine Kinder in einem geschützten Erdbau zur Welt. Oft handelt es sich um einen leerstehenden Bau eines Erdferkels (Orycteropus afer), den es nach seinen Bedürfnissen erweitert. Manchmal gräbt es aber die Wurfhöhle auch selbst. Während der ersten zwei bis drei Monate halten sich die Jungen praktisch die ganze Zeit tief im Innern des sicheren Baus auf. Zum Säugen werden sie regelmässig von der Mutter besucht, die sie mit einem sanften Brummlaut hervorlockt. Gelegentlich kommt es vor, dass gleichzeitig die Jungen von zwei Weibchen im selben Bau untergebracht sind. Dann kriechen stets die Jungen beider Würfe hervor, wenn sie die erwähnten Locktöne hören - und in der Tat lassen beide Weibchen jeweils die ganze Kinderschar bei sich trinken.

Im Alter von zwei bis drei Monaten beginnen die jungen Schabrackenhyänen, neben der Muttermilch auch feste Nahrung zu sich zu nehmen. Solche wird nicht nur von der Mutter, sondern auch von anderen Mitgliedern des Familienverbands herbeigetragen. Manchmal transportieren die erwachsenen Tiere die Futterstücke über beträchtliche Distanzen. So konnte einmal beobachtet werden, wie ein junges Männchen ein 7,5 Kilogramm schweres Stück Fleisch über eine Distanz von 15 Kilometern zu den im Bau wartenden Jungen schleppte.

Im Alter von drei bis vier Monaten wagen sich die jungen Schabrackenhyänen allmählich aus dem Bau heraus und unternehmen anfangs kurze, dann zunehmend längere Ausflüge in die Umgebung. Im Alter von etwa fünfzehn Monaten können sie sich selbständig ernähren und sind nicht mehr auf die Versorgung durch die anderen Mitglieder des Familienverbands angewiesen. Erst jetzt verlassen sie ihre Geburtshöhle endgültig.

Die jungen Weibchen bringen gewöhnlich in ihrem dritten Lebensjahr erstmals eigene Junge zur Welt und pflanzen sich dann etwa alle anderthalb Jahre fort. Die Männchen müssen sich etwas länger gedulden: Zuerst muss es ihnen nämlich gelingen, sich in der Rangordnung nach oben zu «arbeiten».

Schabrackenhyänen sind übrigens recht langlebige Tiere: In Menschenobhut sind einzelne Tiere schon über zwanzig Jahre alt geworden.

 

Zu Unrecht als Viehdiebin verfehmt

Die Schabrackenhyäne scheint zu keiner Zeit besonders häufig gewesen zu sein. Aufgrund der kargen Lebensbedingungen in den von ihr bewohnten Trockengebieten dürften ihre Bestände von Natur aus schon immer eine ziemlich geringe Dichte gehabt haben. Heute ist die Art jedoch dermassen selten, dass ihr Fortbestand als gefährdet betrachtet werden muss. Schuld daran hat der Mensch: Seit Jahrhunderten schiesst er die zottelige Hyäne als vermeintliche «Viehdiebin» ab, wo und wann immer sie sich zeigt. Das hat zu einer starken Ausdünnung der Bestände und einer beträchtlichen Schrumpfung des Artverbreitungsgebiets geführt.

Studien, die in Südafrika durchgeführt wurden, belegen allerdings zweifelsfrei, dass die Schabrackenhyäne ihren schlechten Ruf als Viehdiebin zu Unrecht hat. Zwar trifft es zu, dass hie und da ein einzelnes Individuum die schlechte Gewohnheit entwickelt, seinen Speisezettel mit Ziegen, Schafen oder Kälbern anzureichern. Dies sind aber Ausnahmefälle. Wird das betreffende Exemplar abgeschossen, so ist das «Problem» in aller Regel wieder für lange Zeit gelöst.

Leider ist es sehr schwer, die Viehzüchter im südlichen Afrika von ihrem alten und falschen Vorurteil gegenüber der Schabrackenhyäne abzubringen. Weiterhin lasten sie ihr praktisch jeden Verlust an ihren Tieren an, nur weil sie hin und wieder einer Hyäne begegnen, die sich an einer Tierleiche gütlich tut. Dabei war mit grösster Wahrscheinlichkeit das betreffende Nutztier längst tot (aus welchem Grund auch immer), bevor die auf Aas spezialisierte Hyäne des Weges kam.

Zwei Faktoren sind für das längerfristige Überleben der Schabrackenhyaene von Bedeutung: Zum einen gilt es, weiträumige Schutzgebiete einzurichten, in denen grössere Bestände dieser interessanten Raubtiere ein unbeschwertes Leben führen können. Zum anderen ist es sehr wichtig, eine Gesinnungsänderung unter den Viehzüchtern zu erreichen, damit die Schabrackenhyäne auch ausserhalb der Reservate, in bewohnten Gegenden, Lebensmöglichkeiten findet.

Botswana, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, hat bereits einen signifikanten Beitrag zur Erhaltung der Schabrackenhyäne geleistet, hat es doch zwei riesenhafte Schutzgebiete eingerichtet, in welchen gesunde Populationen der Schabrackenhyäne leben: 1961 wurde das 51 800 Quadratkilometer grosse Central-Kalahari-Wildschutzgebiet im Zentrum Botswanas ausgewiesen, 1971 der nahezu 25 000 Quadratkilometer grosse Gemsbok-Nationalpark im Südwesten des Landes. Werden diese beiden Gebiete auch zukünftig gewissenhaft betreut, so hat die Schabrackenhyäne - wenigstens hier - eine gute Überlebenschance.




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