Schakale

Canis spp.


© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)



Kopfrumpflänge: 65 - 105 cm
Schulterhöhe: 40 - 50 cm
Gewicht: 7 - 15 kg

Schakale sind schlanke, hochbeinige Wildhunde mit zierlichem Kopf und buschigem Schwanz. Man unterscheidet vier Arten, welche alle in den wärmeren Gebieten der Alten Welt beheimatet sind.

Der Streifenschakal (Canis adustus) ist über weite Teile Afrikas südlich der Sahara verbreitet. Er weist auf jeder Körperseite einen weiss-schwarzen Streifen auf, der vom Ellbogen schräg aufwärts bis zur Hüfte reicht.

Der Schabrackenschakal (Canis mesomelas) kommt im östlichen und im südlichen Afrika vor. Seinen Namen verdankt er der dunkelgrauen Färbung seines Rückenfells. Diese erinnert ein wenig an eine Pferdesatteldecke, die man auch «Schabracke» nennt.

Der Goldschakal (Canis aureus) mit seinem ungemusterten Fell von gelblicher bis blassgoldener Farbe ist von allen vier Schakalarten am weitesten verbreitet. Man findet ihn nicht nur in Afrika, sondern auch in Südosteuropa, Vorderasien, Südasien und auf der Arabischen Halbinsel.

Der Abessinische Schakal (Canis simensis) wird zwar oft «Abessinischer Fuchs» genannt, ist aber ein echter Schakal. Seine Heimat sind die Gebirgsgegenden Äthiopiens in über 3000 Metern Höhe. Da er von der ansässigen Bevölkerung als vermeintlicher Haustierräuber und auch seines Fells wegen übermässig verfolgt wurde, gehört er heute - mit weniger als 500 Tieren in freier Wildbahn - zu den bedrohtesten Hundearten der Welt.

Bei uns Europäern stehen die Schakale im Ruf, feige Aasfresser zu sein. Höchste Zeit, dass wir mit diesem Vorurteil aufräumen! Schakale sind nämlich tüchtige Jäger und emsige Sammler, die sich Tag für Tag mit grossem Geschick eine sehr abwechslungsreiche Kost zusammenstellen. Auf ihren Pirschgängen fangen sie Nagetiere aller Art, verzehren Eier und Küken von am Boden nistenden Vögeln, erhaschen Heuschrecken und andere Insekten, überfallen Giftschlangen und Skorpione und verschmähen auch Knollen, Beeren und andere Pflanzenteile nicht. In Ostafrika erbeuten die Schakale sogar regelmässig Springhasen und junge Gazellen. Aas macht hingegen nur einen geringen Teil ihrer Nahrung aus.

Woher kommt dann aber unsere Voreingenommenheit? Ein Fachmann meinte einmal mit einem Augenzwinkern: «Der Tourist in Ostafrika, der bis um neun Uhr frühstückt, hat halt wenig Aussicht, diesen flinken Jägern bei ihrer faszinierenden «Arbeit» in den kühlen Morgenstunden zuzusehen. Später ist es aber den Schakalen für die Jagd zu heiss. Dann trifft er sie höchstens noch dabei, wie sie sich an der Mahlzeit eines Löwenrudels beteiligen. Und schon denkt er sich, es wären Aasfresser, was aber völlig falsch ist.»

Schakale sind auch keinesfalls feige. Im Gegenteil: Das «Stehlen» von Beuteresten vom Tisch der grossen Raubkatzen erfordert reichlich Mut, und im Streit um Beutereste legen sich die wendigen Wildhunde auch unverfroren mit ihren vielen hungrigen «Mitbewerbern», den Hyänen, Geiern und Marabus, an.

Bewundernswert ist ferner, wie die Schakaleltern ihre Kinderstuben entschlossen und trickreich gegen Störenfriede verteidigen, bis sich diese schliesslich verziehen. Den Afrikanern ist das alles längst bekannt: In ihren Märchen wird der Schakal als sehr schlaues und listiges Tier geschildert und spielt dort die gleiche Rolle wie in unseren Fabeln Reineke Fuchs.




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