Schimpanse
Pan troglodytes
© 1993 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion,
Groth AG, Unterägeri)
© 1994 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Vom Schimpansen (Pan troglodytes), der im westlichen
und zentralen Afrika zu Hause ist, können wir viel über
die Naturgeschichte unserer Urahnen lernen. Das hat zwei Gründe:
Zum einen ist der Schimpanse anatomisch, biochemisch und physiologisch
gesehen von allen Affen und somit von sämtlichen Tieren
am nächsten mit dem Menschen verwandt. Zum anderen ist er
ein ökologisch besonders vielseitiger Affe: Er kommt in
Regenwäldern ebenso vor wie in offenen Savannengebieten.
Vermutlich lebten auch unsere frühesten Vorfahren in den
Savannen Afrikas. Darum wohl zeigt das Verhalten der Schimpansen
viele, zum Teil verblüffende Parallelen zu menschlichen
Verhaltensweisen, so zum Beispiel den Gebrauch von «Werkzeugen»
beim Nahrungserwerb und die kriegerischen Auseinandersetzungen
zwischen benachbarten Männchentrupps.
In ihrer Heimat leben die Schimpansen in lockeren
Gemeinschaften von zumeist 20 bis 60 Tieren beiderlei Geschlechts
und aller Altersklassen. Selten oder nie halten sich jedoch alle
Mitglieder einer Gemeinschaft beisammen auf. Zumeist streifen
sie einzeln oder in kleinen Trupps, deren Zusammensetzung immer
wieder ändert, im zehn bis fünfzig Quadratkilometer
grossen Revier ihres «Clans» umher.
Enge Familienbande halten die Schimpansengemeinschaften
zusammen: Männchen wie Weibchen pflegen nämlich auch
noch als Erwachsene Kontakt mit ihrer Mutter sowie ihren Brüdern,
Schwestern und Tanten. Normalerweise geht es deshalb in einer
Schimpansengemeinschaft sehr friedlich zu. Die Weibchen verstehen
einander überaus gut und hüten sich oft gegenseitig
ihre Jungen. Und selbst die ranghohen Männchen haben ein
ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis untereinander.
Mit Gesten und Bewegungen verständigen sich die
Schimpansen untereinander oft auf eine Weise, die uns Menschen
sehr vertraut vorkommt. Ausserdem verfügen sie über
eine «Sprache» mit einem breiten Spektrum unterschiedlichster
Laute.
Erwachsene Schimpansenmännchen sind deutlich
grösser als erwachsene Weibchen: Sie können aufgerichtet
bis 170 Zentimeter hoch werden und wiegen in freier Wildbahn
ungefähr 50 Kilogramm, während erwachsene Weibchen
höchstens 130 Zentimeter messen und um 40 Kilogramm wiegen.
Ältere Männchen tragen oft einen weissen Bart und haben
eine kahle Stirn, die ein bisschen an eine menschliche Glatze
erinnert. Sehr junge Tiere besitzen hingegen richtige «Lausbubengesichter»,
mit heller Gesichtshaut, die später nachdunkelt.
Hauptsächlich ernähren sich die Schimpansen
von reifen Früchten. Daneben verzehren sie junge Blätter,
Knospen, Samen, Blüten, Rinde und andere Pflanzenteile,
die sie in ihrem Lebensgebiet finden. Ausserdem nehmen sie regelmässig
Termiten, Raupen und andere Insekten zu sich, und hin und wieder
gelingt es den erwachsenen Männchen auch, kleinere Säugetiere
wie Affen, Schweine und Ducker zu erlegen, von denen dann alle
Mitglieder der Gemeinschaft etwas abbekommen.
Schimpansen fand man ursprünglich in weiten Teilen
Afrikas - von Senegal im Westen bis Tansania im Osten. Heute
ist die Art in mehreren afrikanischen Ländern vollständig
ausgestorben; der Gesamtbestand hat massiv abgenommen und ist
weiterhin rückläufig.
Jagd und Fang durch den Menschen sind ein Hauptgrund
für diese beunruhigende Situation. Erfreulicherweise haben
aber wirksame Handelsbeschränkungen auf internationaler
Ebene, gute Zuchtergebnisse in den zoologischen Gärten sowie
eine verbesserte Durchsetzung von Naturschutz- und Jagdgesetzen
in den Ursprungsländern dazu geführt, dass den Schimpansen
heute keine übermässige Gefahr mehr hierdurch droht.
Dafür macht ihnen mehr und mehr die rasch voranschreitende
Zerstörung ihrer Lebensräume zu schaffen. Überall
in Afrika wächst die menschliche Bevölkerung schnell,
was zu einem enormen Erschliessungsdruck auf die letzten Wälder
und Savannen führt. Zusätzlich beschleunigt wird dieser
fatale Prozess durch die Nachfrage der westlichen Welt nach Edelhölzern
für alle möglichen und unmöglichen Verwendungszwecke.
Soll der nächste Verwandte des Menschen überleben,
so gilt es, möglichst grosse Teile der noch verbleibenden
intakten Regenwälder und unberührten Savannen als Reservate
und Nationalparks auszuweisen und so vor der Zerstörung
durch den Menschen zu retten. Schimpansen findet man heute immerhin
schon in über zehn grossräumigen Schutzgebieten. Weitere
müssen unbedingt hinzukommen.
Schimpanse
Pan troglodytes
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Herrentiere
Familie: Menschenaffen
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 65-95 cm
Erwachsenengewicht: 35-55 kg
Geburtsgewicht: 1,5-2 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 (selten 2) je Geburt
Tragdauer: 7 Monate
Höchstalter: ca. 50 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 150 000
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I
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