Schnee-Eule

Nyctea scandiaca


© 1989 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Eulen»)



Länge: 53 - 66 cm
Gewicht: 1,5 - 2,4 kg
Flügelspannweite: 150 - 160 cm

Die Schnee-Eule ist fast so gross wie der Uhu und gehört damit zu den Riesen der Eulenfamilie. Im Gegensatz zu den übrigen Eulenarten sehen bei ihr Männchen und Weibchen recht verschieden aus: Während der Schnee-Eulenmann ein fast reinweisses Federkleid trägt, ist das seiner Frau dunkel gesprenkelt.

Man findet die Schnee-Eule sowohl in Europa als auch in Asien und Amerika. Auf allen drei Kontinenten zeigt sie dieselbe Vorliebe für «Kühlschrankverhältnisse»: Am liebsten bewohnt sie nämlich die arktischen Tundren, jene hochnordischen, baumlosen Landschaften, wo während der meisten Zeit des Jahres eine dicke Schneedecke liegt.

An das rauhe Klima in ihrer frostigen Heimat ist die Schnee-Eule hervorragend angepasst: Ihr weisses beziehungsweise schwarz-weisses Gefieder wirkt in Schnee und Fels als regelrechter Tarnanzug. Sie wird darin nicht nur von ihren Feinden übersehen, sondern kann auch unbemerkt ihren Beutetieren auflauern. Zudem ist ihr Gefieder das längste und dichteste aller Eulen. In dieser warmen Verpackung vermag sie auch der bittersten Kälte zu trotzen - um so mehr, als ihr Hakenschnabel noch zusätzlich von einem «Schnurrbart» aus Federborsten eingehüllt ist und ihre Füsse bis zu den Zehenspitzen in wärmenden «Federsocken» stecken. Im übrigen hat die Schnee Eule als einzige Eulenart die Fähigkeit, Körperfett zu speichern. Bis zu 800 Gramm Speck lagert sie im Lauf des Sommers ein. Darunter leidet zwar ihre Beweglichkeit ein bisschen. Dafür kann sie mit diesem Vorrat dann aber mühelos die harte Winterzeit überstehen, wenn dichter Nebel und Schneestürme den Beutefang oftmals unmöglich machen.

Die Schnee-Eule ist imstande, fast jedes Tier in ihrer polaren Heimat zu überwältigen: Nicht weniger als fünfzig verschiedene Säugetierarten (von der Spitzmaus bis zum Eisfuchs) und neunzig verschiedene Vogelarten (vom Spatz bis zur Graugans) stehen auf ihrer Beutetierliste! Davon darf man sich allerdings nicht täuschen lassen: Im allgemeinen bestehen nämlich über drei Viertel der Schnee-Eulennahrung aus Lemmingen, das sind recht häufige Wühlmäuse des Hohen Nordens.

Tatsächlich ist das Leben der Schnee-Eule sehr eng mit demjenigen dieser Pelztierchen verbunden. So brüten zum Beispiel keine Schnee-Eulen auf Spitzbergen, wo keine Lemminge vorkommen, obwohl der grossen Eule das Klima dort sicherlich gefallen würde. Und wenn es gebietsweise zu einem Massensterben der Lemminge kommt (was ganz natürlich ist und alle paar Jahre einmal vorkommt), so müssen viele Schnee-Eulen aus ihrer Heimat auswandern, um dem Hungertod zu entgehen. Besonders die weniger jagderfahrenen Jungeulen flüchten sich dann mit hungrigen Bäuchen in den Süden und gelangen dabei manchmal in Europa bis nach Österreich, in Asien bis nach Indien und in Amerika bis nach Texas. Schliesslich hängt auch die Grösse des Schnee-Eulengeleges weitgehend vom «Lemming-Angebot» ab: In guten Mäusejahren legt das Eulenweibchen bis zu elf Eier, in schlechten Jahren hingegen nur drei bis vier. Ja, in besonders miesen Mäusejahren verzichten die Schnee-Eulen sogar überhaupt aufs Brüten.




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