Schneeleopard

Panthera (Uncia) uncia


© 1988 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Grosskatzen»)



Gesamtlänge: 180 - 230 cm
Schwanzlänge: 85 - 110 cm
Schulterhöhe: ca. 60 cm
Gewicht: 35 - 65 kg
Tragzeit: 96 - 105 Tage
Wurfgrösse: 1 - 5, meist 2 - 3 Junge
Geburtslänge: nicht ermittelt
Geburtsgewicht: 300 - 700 g
Höchstalter: ca. 15 Jahre


Der Schneeleopard, der früher auch «Irbis» genannt wurde, ist eine richtige Hochgebirgskatze. Seine Heimat sind der Himalaja, der Pamir, der Hindukusch und weitere innerasiatische Gebirgszüge. Dort hält er sich vorzugsweise oberhalb der Baumgrenze in Höhen von 3000 bis 4000 Metern auf und steigt manchmal sogar bis 6000 Meter hinauf.

Der Schneeleopard ist kleiner als der «normale» Leopard. Er unterscheidet sich von ihm auch deutlich durch ein helles, aussergewöhnlich dickes Fell mit grossen, rauchgrauen Ringflecken, durch einen langen Schwanz und breite Pranken. Alle drei Kennzeichen sind Anpassungen an seine ungastliche Gebirgsheimat mit ihren Geröllhalden, Felswänden und Schneeflächen: Der dichte, helle Pelz schützt ihn gegen die bissige Kälte und ist zugleich im Fels ein vorzügliches Tarnkleid. Der lange Schwanz dient ihm als «Balancierstange» beim Wandern auf schmalen Felsgraten und «Steuerruder» beim Überspringen von Abgründen. Und mit seinen Riesenpfoten findet er auch in den steilsten Felswänden sicheren Tritt und sinkt im Schnee nicht tief ein.

Bis vor kurzem war über die Lebensweise des Schneeleoparden so gut wie nichts bekannt gewesen. Kein Wunder: Sein abgelegenes Zuhause, sein scheues Wesen und sein einzigartiges Tarnkleid bewirken, dass ihn selbst die innerasiatische Bergbevölkerung kaum je zu Gesicht bekommt. Nun hat aber eine Studie, die der Forscher Rodney Jackson von 1982 bis 1985 in Nepal durchgeführt hat, endlich Aufschluss über das Leben dieser geheimnisvollen Grosskatze gegeben.

Der Schneeleopard lebt als Einzelgänger. In der Nähe von Dörfern geht er ausschliesslich nachts auf die Pirsch. In abgelegenen Gegenden ist er aber oft auch mitten am Tag unterwegs. Gern benutzt er grosse Felsblöcke dazu, seine Umgebung nach Beute abzusuchen. Diese Ausgucke erklettert er im allgemeinen nicht, sondern springt mit einem mächtigen Satz hinauf. Überhaupt ist er ein phantastischer Springer, der Weiten bis 15 Meter überwinden kann - das ist Weltrekord im Tierreich! Früher galt der Schneeleopard als ein unermüdlicher Wanderer, der immerfort die unendliche Gebirgswelt Innerasiens durchstreift. Das ist aber falsch. Schneeleoparden besitzen, wie alle ihre Verwandten, feste Wohnbezirke. Im Langu Tal in Nepal beträgt deren Grösse etwa 20 bis 30 Quadratkilometer.

Das Jahr über vermeiden die Schneeleoparden nach Möglichkeit jede Begegnung mit Artgenossen. Geruchsmarken und Kratzspuren, die sie auf ihren Streifzügen immer wieder an auffälligen Stellen anbringen, leisten ihnen dabei wertvolle Dienste. Nur gegen Ende des Winters, im Februar oder März, kommen sie für kurze Zeit zusammen, um sich zu paaren. Im Frühsommer, nach einer Tragzeit von 96 bis 105 Tagen, bringt dann die Schneeleopardin in einem gut versteckten Lager unter Steinen oder in einer Felsnische zwei bis drei, manchmal sogar fünf Junge zur Welt. Diese bleiben während der ersten sechs bis acht Lebenswochen in ihrem sicheren Versteck. Danach begleiten sie ihre Mutter bei den Pirschgängen durchs Revier. Rund ein Jahr lang lernen sie von ihr alles, was sie für ihr späteres Leben wissen und können müssen. Dann ziehen sie auf eigene Faust los.

Der Schneeleopard bejagt so ziemlich alles, was ihm über den Weg läuft. Er kann selbst Tiere reissen, die dreimal so schwer sind wie er selbst. Huftiere aller Art bilden den Hauptteil seiner Kost. Zu nennen sind Blauschaf, Steinbock, Schraubenziege, Thar, Takin, Goral, Serau, Argali und wie sie noch alle heissen. Daneben fallen ihm aber auch Pfeifhasen, Murmeltiere, Fasane, Schneehühner und andere Vögel zum Opfer.

In früheren Zeiten war der Schneeleopard über ein Gebiet von ungefähr einer Million Quadratkilometern verbreitet gewesen - das entspricht etwa vier mal der Fläche der Bundesrepublik oder 25mal der Fläche der Schweiz. Heute ist er überall sehr selten geworden und mancherorts sogar vollständig verschwunden. Man schätzt, dass heute nur noch rund 1000 dieser prächtigen Katzen in freier Wildbahn leben. Der Hauptgrund für diese traurige Tatsache ist die übermässige Bejagung durch Felljäger und durch Hirten, die ihr Vieh schützen wollen. Immer mehr wird der Schneeleopard aber auch durch die Ausdehnung der Weideflächen und die Verminderung seiner Beutetiere zurückgedrängt.




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