«Bios» & «Topos»

Zur Definition des Schulbiotops


© 1984 Markus Kappeler



Biotop, der (ugs. auch: das B.), bezeichnet einen Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten mit ähnlichen Umweltansprüchen; von grch. «bios» («Leben») und «topos» («Ort, Raum»).

Hecke, Weiher, Wiese - mannigfaltige Biotoptypen
«Biotop» wird oft gleichgesetzt mit «Weiher». «Biotop» bezeichnet aber ganz allgemein einen Landschaftsausschnitt, in dem bestimmte Umweltbedingungen (Bodenverhältnisse, Klima) herrschen und der deshalb eine charakteristische pflanzliche und tierliche Lebensgemeinschaft aufweist. Aus der enormen Vielfalt unterschiedlichster Biotoptypen ist der Weiher lediglich ein markantes Beispiel. Andere, ebenso charakteristische Lebensräume in obigem Sinne sind etwa bunte Magerwiesen, vielgestaltige Hecken und öde Kiesflächen. Aber auch vermodernde Asthaufen, ungefugte Steinmauern, brachliegende Aecker, moosbedeckte Holzstrünke, versumpfte Wiesen und feinkörnige Sandplätze sind einzigartige und hochinteressante Biotope. Und selbst begrünte Hausfassaden und biologische Nutzgärten samt Komposthaufen zählen dazu.

Diese längst nicht vollständige Auflistung möge einen Eindruck von der Mannigfaltirkeit einheimischer Biotope geben, die sich für die Anlage auf dem Schulareal eignen. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle auf die einzelnen Typen näher einzugehen. Wir fänden das auch wenig sinnvoll, existiert doch hierzu eine stattliche Zahl hervorragender - sowohl allgemein gehaltener als auch spezifischer - Schriften. Es sei darum auf die Literaturangaben in diesem Heft verwiesen.

Der Biotop im weiteren Sinne
Neben der exakten Verwendung des Begriffs «Biotop» existiert im heutigen Sprachgebrauch noch eine weitergefasste: Im Volksmund wird mit «Biotop» eine naturnahe Kleinlandschaft bezeichnet, die sich - in aller Regel - aus einer Kombination verschiedener Biotoptypen zusammensetzt. «Naturnah» (und nicht «natürlich») deshalb, weil es sich hierbei in den seltensten Fällen um einen ursprünglichen Flecken Natur handelt, sondern um ein vom Menschen an Stelle der üblichen sterilen Rasenflächen, Asphaltplätze, Betonmauern geschaffenes Stück Natur.

Diese weitgefasste Definition gilt denn auch für die naturnahe Anlage auf dem Gelände oder in der näheren Umgebung der Schule - für den Schulbiotop.

Der Schulbiotop ist kein Naturschutzgebiet
Bei den Aufgaben, die der Schulbiotop erfüllen soll, steht nicht der Schutz der lokalen Pflanzen- und Tierwelt im Vordergrund, sondern der pädagogische Nutzen für den Schulunterricht und die Umwelterziehung. Der Schulbiotop ist kein Naturschutz-, sondern ein Lehrgebiet! Zweck der Anlage ist einerseits eine lebendige und mitreissende Gestaltung des Naturkundeunterrichts, andererseits die Erziehung der Schüler zu einer selbstverstandenen - eigener Anschauung und Erkenntnis entsprungenen - Haltung der Natur gegenüber. Dass aber jeder Schulbiotop auch dazu beiträgt, die Gefährdung vieler bedrängter einheimischer Arten etwas zu mildern, ist unbestritten.

Anforderungen an den Schulbiotop
Für die Zweckmässigkeit des Schulbiotops sind die folgenden Punkte von massgebender Bedeutung:

Schulhausnähe. Je näher der Schulbiotop beim Schulhaus liegt, desto besser. Ideal für den Unterricht ist der Biotop unmittelbar vor der Haustür. Es entsteht kein Zeitverlust für Hin- und Rückweg; die Möglichkeit zur täglichen Beobachtung ist gegeben; Überwachung und Betreuung sind einfach.

Biotoptypus. Der Schulbiotop soll einen Ausschnitt aus der natürlichen Landschaft der engeren Heimat darstellen; er soll keine exotische Anlage sein. So kann einerseits eine natürliche Besiedlung mit wild vorkommenden Pflanzen und Tieren erfolgen. Andererseits kann der Schüler das im Schulbiotop Erfahrene in seiner Umgebung vergleichen, überprüfen, bestätigt finden. Art und Ausmass der Anlage spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Wertvolle Biotope lassen sich schon mit bescheidenen Mitteln und auf kleinem Raum realisieren.

Wege. Ein Schulbiotop wird (hoffentlich) intensiv besucht. Damit nicht kreuz und quer herumgegangen und dadurch das pflanzliche und tierliche Leben im Biotop allzusehr gestört wird, sollten Wege errichtet werden. Das müssen keine Strassen sein. Lockere Kieswege oder ein paar Steinplatten genügen durchaus. Auch spezielle Beobachtungsplätze sind von Vorteil.

Gemeinschaftswerk. Der Schulbiotop soll nicht die Anlage der Schule sein, sondern die der Schüler. Die Schüler sollen beim Anlegen sowie beim Betreuen einen wesentlichen Beitrag leisten. So können sie nicht nur erste praktische Erfahrungen im Umgang mit der Natur sammeln, sondern werden schliesslich auch Stolz sein auf «ihren» Biotop und damit Verantwortungsgefühl ihm gegenüber verspüren.

Zeit. Ein Biotop lässt sich nicht wie ein Haus errichten und bis ins letzte planen. Er wird sich über Jahre hinaus ständig verändern - oft unvorhersehbar. Ein Biotop ist deshalb nie fertig. Statt irgendwelche einmal gefassten Zielvorstellungen erzwingen zu wollen, sollte man der Anlage Zeit zur Entwicklung lassen und sich an dem freuen, was die Natur allmählich von selber schafft.




ZurHauptseite