Projekt «Insel Siberut»
© 1983 Markus Kappeler / WWF Schweiz
(erschienen in der Reihe «WWF-Projektberichte»)
Die indonesische Insel Siberut vor der Westküste
Sumatras ist bedeckt mit üppigem tropischem Tiefland-Regenwald.
Hier hat sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt:
15 Prozent aller Pflanzen und 65 Prozent der Säuger (darunter
vier Affenarten) sind endemisch, d.h. sie kommen nur hier vor.
Aber auch ein Inselvolk lebt hier noch in vollkommener Harmonie
mit seiner Umwelt.
Durch die Studie des Etnologen Reimar Schefold wissen
wir besonders über das Leben der Sakuddei, einer kleinen
Sippe dieser Insulaner, Bescheid. Sie befolgen zahllose traditionelle
Gebote und religiöse Tabus, die die jagdliche und waldbauliche
Übernutzung ihres Lebensraums verhindern. Für die Sakuddei
hat jedes Ding in ihrer Umwelt eine Seele. Es ist somit nicht
Objekt, sondern Subjekt, das sich der Mensch nur zunutze machen
darf, wenn er dafür einen triftigen Grund - Hunger etwa
- hat. So entschuldigen sie sich denn beim Wildschwein, dass
es getötet werden muss. Und dem Baum erklären sie,
warum sie ihn fällen. Auf diese Weise haben sich die nach
unseren Normen primitiven Insulaner den ökologischen und
ökonomischen Bedingungen des tropischen Urwalds perfekt
angepasst. Sie haben damit einen Engpass längst hinter sich,
den wir erst noch passieren müssen.
Gerade ihre enge Verbundenheit mit dem Tropenwald
drohte aber den Sakuddei vor zehn Jahren plötzlich zum Verhängnis
zu werden: Damals vergab die indonesische Regierung Lizenzen
an ausländische Holzfäller-Firmen zur kommerziellen
Nutzung des Walds auf Siberut. Das hatte unweigerlich die Zerstörung
dieses einzigartigen Insel- Ökosystems in naher Zukunft
bedeutet.
Der WWF erarbeitete daraufhin gemeinsam mit Survival
International und der indonesischen Naturschutzbehörde einen
Plan zur Rettung Siberuts. Dieser Plan sieht eine Unterteilung
der ganzen Insel in drei Zonen vor: In einer zentralen Naturschutzzone
(500 km2) sollen Pflanzen und Tiere vor
jedem menschlichen Eingriff strikt geschützt sein. Eine
Pufferzone (1000 km2) soll für die
Ureinwohner reserviert bleiben. Hier sollen sie wie gewohnt weiterleben
können. Fremde haben nur mit spezieller Bewilligung Zutritt.
In einer Entwicklungszone (2500 km2) sollen
mit heutigen Techniken Ackerbau, Holzschlag und Jagd in ökologisch
vertretbarem Mass möglich sein. Hier sollen sich die Ureinwohner
- nach eigenem Gutdünken - die Lebensformen des 20. Jahrhunderts
aneignen können.
1979 wurde dieser Plan der indonesischen Regierung
unterbreitet, welche umgehend die ersten wichtigen Schritte zur
Rettung der Insel unternahm: Noch im selben Jahr wurde die vorgeschlagene
Naturschutzzone zum strikten Naturreservat erklärt. Ausserdem
wurden sämtliche Holzfäll-Konzessionen gekündigt;
im Herbst 1981 musste die letzte Firma die Insel verlassen. Auf
Anregung des WWF nahm dann im Dezember 1981 die UNESCO Siberut
als Reservat in ihr «Man and Biosphere Programme»
auf.
In den Jahren 1983 bis 1988 will nun der WWF erreichen,
dass auch die im Plan vorgesehene Pufferzone den Status eines
Schutzgebiets erhält. Daneben gilt es, ein effizientes Bewachungssystem
mit gut ausgerüstetem und geschultem Personal aufzubauen,
das die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zu garantieren
vermag.
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