«Hilfe! Eine Siebenschläfer-Familie tanzt den Hochzeitstanz
auf dem Dachboden!»
Vier Zuschriften:
20. Mai 2000
Hallo Herr Kappeler,
Vielleicht können Sie uns einen Tipp geben: Unser
Schlafzimmer ist unter dem Dachboden, und derzeit tanzt - nach
dem Krach zu urteilen - eine ganze Siebenschläfer-Familie
jede Nacht den Hochzeitstanz auf dem Dachboden.
Was sollen wir tun? Man darf ja laut Gesetz den possierlichen
Tierchen kein Haar krümmen. Aber andererseits stehen wir
jede Nacht senkrecht im Bett, können nicht mehr schlafen
und sind am nächsten Tag wie gerädert.
Ich wollte schon Lautsprecher auf dem Dachboden aufstellen.
Ob das etwas nützt? Und immer dann Musik machen, wen das
Spektakel wieder losgeht. Vielleicht haben Sie einen besseren
Tipp für uns?
Wo kann man eine Falle kaufen, welche die Tierchen
unverletzt lässt, damit man sie weit weg von zu Hause aussetzen
kann?
Viele Grüsse
Gabi und Jürgen Fries, FJFRIES@aol.com
6. Juli 2000
Hallo Markus,
Wir wohnen seit ca. fünf Jahren in einem Haus
direkt am Wald. Schon vor unserem Einzug hat sich in unserem
Dach ein Siebenschläfer eingerichtet. Naja, wieso eigentlich
nicht? Inzwischen ist aber die Dachdämmung ziemlich zerfressen,
und in unserer Garage ist nichts mehr vor ihnen sicher. Denn
mittlerweile sind es sehr viele!
Jetzt habe ich angefangen, sie einzufangen und in
einem nahegelegenen Vogelschutzgebiet auszusetzen. Aber jeden
Morgen ist wieder einer in der Falle! Von Dir hätte ich
jetzt gerne gewusst, ob diese hübschen kleinen Kerle immer
wieder zurückkommem können? Das Vogelschutzgebiet ist
etwa vier Kilometer von uns entfernt. Ob es wirklich so viele
Tiere in unserer Umgebung geben kann? Hilfe!
Beste Grüsse und danke im voraus!
Iris Mayer, ammi-mayer@t-online.de
26. Juli 2000
Sehr geehrter Herr Kappeler,
Vielleicht können Sie mir bei meinem Problem
helfen: In unserem Haus haben sich seit etwa zwei Jahren Siebenschläfer
eingenistet. Da die Tiere überall herumnagen, hätten
wir gerne ein Siebenschläfer-freies Haus. Frage: Wie kann
man die Tiere (es sind mehrere) am besten lebend einfangen (Lebendfalle
wurde aufgestellt, jedoch ohne Erfolg; als Köder wurde Apfel,
Traube und Pfirsich versucht)? Und wo sollte man diese Tiere
anschliessend freilassen?
Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüssen
Andres Koch, bob.koch@t-online.de
7. August 2001
Hallo Herr Kappeler,
Auch bei uns haben sich Siebenschläfer eingenistet.
Leider zerfressen sie alles, vor allem alles, was essbar ist.
Ich möchte sie einfangen und weiter weg aussetzen. Ich habe
die an Sie gerichteten Zuschriften gelesen und weiss nun, wie
ich die kleinen Nager fangen kann, ohne sie zu verletzen.
Nun habe ich noch eine Frage: Wie weit entfernt kann
ich sie wieder frei lassen? Sind 5 Kilometer Entfernung genug,
oder sollten es 50 sein? Ich habe ja gelesen, dass sie immer
wieder zurück finden können...
Hier noch ein Foto. Ich hatte das Glück, einem
der Siebenschläfer ganz nah zu sein.
Viele Grüsse aus Österreich,
Nicole Pijawetz, arni.np@wpbruck.at
Foto: © Nicole Pijawetz
Zwei Antworten:
3. August 2000
Hallo Thomas!
Ich erhalte immer wieder Anfragen wegen des Siebenschläfer-Problems.
Wenn Du Erfahrungen aus erster Hand haben möchtest, wende
Dich doch an Gabi und Jürgen Fries, Iris Mayer oder Andreas
Koch (siehe obige Zuschriften). Sie fangen bereits eifrig Siebenschläfer...
Hier die Infos, die ich Dir als (bisher von Siebenschläfern
verschonter) Zoologe geben kann: Siebenschläfer sind in
der Schweiz wie in Deutschland eine gefährdete und deshalb
geschützte Tierart. Vergiften oder so wäre also nicht
nur unschön, sondern auch ungesetzlich. Selbst wenn sie
Schaden anrichten oder durch ihr nächtliches Treiben empfindlich
die Nachtruhe stören, dürfen wir sie nicht töten.
Einfangen in einer Lebendfalle und irgendwo aussetzen ist die
einzige legale Methode, die Kobolde loszuwerden. Versuche, Siebenschläfer
mit lauter Musik, durchdringenden Tönen oder penetrantem
Duft (Parfum, Hunde-Urin usw.) zu vertreiben, sind zwar gemacht
worden, waren jedoch nicht unbedingt Erfolg versprechend. Vielleicht
würde ein "Automarder-Schutzgerät" etwas
nützen; darüber liegen mir keine Erfahrungswerte vor.
Zum Fang: Lebendfallen oder «Kastenfallen»
kannst Du in einer Zoohandlung, im Laden einer Landwirtschaftlichen
Genossenschaft («Landi») oder in Geschäften
für den Jagdbedarf kaufen. Viele Jäger, Wildhüter
und Tierärzte besitzen solche Utensilien; vielleicht kannst
Du Dir also auch eine ausleihen. Bei Naturschutz- und Jagdämtern
können unter Umständen ebenfalls Kastenfallen ausgeliehen
werden. (Letztere Stellen können Dir meistens auch erfahrene
Fänger benennen, falls Du den Fang nicht selbst versuchen
willst.) Als Lockmittel verwenden Forscher eine "wohlriechende
Mischung von Erdnussbutter, Rosinen und Haferflocken".
Unterschätze im Übrigen das Heimfindevermögen
der Tierchen nicht. Obige Iris Mayer hatte vermutlich wiederholt
dieselben Individuen in ihrer Falle. Ich habe auch schon gelesen,
dass jemand mit schöner Wohnlage direkt am Wald innerhalb
von drei Monaten über 60 Siebenschläfer gefangen hat!
Auch da vermute ich, dass das Heimfindevermögen der Tiere
unterschätzt wurde. Die Siebenschläfer laufen sicher
gern ein paar Kilometer, wenn sie dann wieder ihr Paradies haben
- und dass viele Tiere ein enormes Orientierungs- und Heimfindevermögen
haben, ist ja bekannt.
Möchtest Du noch etwas «Forschung»
betreiben? Falls Du nach drei bis fünf Individuen noch keine
Ruhe im Chalet hast, so markiere die gefangenen Siebenschläfer
doch mit etwas ungiftiger (lösungsmittelfreier) Farbe auf
dem Kopf (wo sie mit der Zunge nicht hinkommen) oder schnippsle
ihnen, sofern das möglich ist, als Markierung irgendwo etwas
Fell weg - und schau dann, ob es immer wieder dieselben Individuen
sind, die Dir in die Falle gehen, oder ob tatsächlich so
viele bei Dir in Untermiete wohnen bzw. gewohnt haben. Das wäre
sehr wissenswert und gegebenenfalls einen Bericht in einer Tierzeitschrift
wert.
Letztlich müsstest Du natürlich auch versuchen,
den Siebenschläfern den Zugang zum Chalet zu verwehren,
denn sonst hast Du über kurz oder lang wieder dasselbe Problem.
Hierfür empfehle ich Dir Rat und Hilfe durch Baufachleute.
Schreib mir mal über Deine Erfahrungen!
Viel Erfolg wünscht Dir
Markus
7. August 2001
Liebe Frau Pijawetz,
Meines Wissens hat noch nie jemand untersucht, über
wieviele Kilometer hinweg die Siebenschläfer zurückfinden.
Ich kann also auch nur mutmassen: 5 Kilometer würde ich
als zu wenig einstufen, wenn dazwischen kein Berg, keine Stadt,
kein Fluss liegt. Ich persönlich würde, um die Kobolde
wirklich loszuwerden, etwa 20 Kilometer weit fahren und möglichst
noch ein "Hindernis" in Form z.B. eines Bergs einplanen.
Aber dass das genügt, kann ich Ihnen nicht garantieren.
Schreiben Sie mir doch gelegentlich von Ihren Erfahrungen!
Mit besten Grüssen
Markus Kappeler
Drei Erfahrungsberichte
8. August 2001
Hallo Herr Kappeler,
Auf der Suche nach allgemeinen Infos über Siebenschläfer
entdeckte ich auch Ihre Homepage und möchte Ihnen meine
Erfahrungen mit diesen Tieren mitteilen.
Ich bin in einer Gastronomie tätig, welche ihren Sitz in
weit über 800 Jahre alten Gemäuern hat. Auch wir sind
nicht verschont worden von diesen süssen kleinen, unter
Naturschutz stehenden Tierchen. In den letzten 8 bis 10 Wochen
habe ich ca. 30(!) Siebenschläfer gefangen.
- Ich fange generell alle Siebenschläfer mit Lebendfallen.
- Als Köder benutze ich nur Äpfel, und das
funktionierte bis heute sehr gut.
- Erfahrungsgemäss (Angaben von Geschäftsleitung
und Mitarbeitern) wurden früher schon öfter Siebenschläfer
gefangen, welche ca. 10 ! Kilometer weiter markiert ausgesetzt
wurden - alle fanden sie den Weg nach Hause !!!!!
- Meine Siebenschläfer setze ich jetzt immer
auf dem Nachhauseweg aus. Keines fand bis heute den Weg zurück,
da ich die Tierchen auf der rechten Rheinseite fange und auf
der linken Rheinseite freilasse - der Fluss ermöglicht keine
Rückkehr.
Vielleicht kann ich mit diesen kleinen Hinweisen anderen
bei der Bekämpfung helfen?
Gruss,
Ruediger Wolf, r.wolf@t-online.de
4. August 2003
Sehr geehrter Herr Kappeler,
Wir liessen 1995 ein Blockhaus in Klamm am Semmering
(Ostalpen, Niederösterreich) aufstellen, welches wir anfänglich
nur in der warmen Jahreszeit am Wochenende bewohnten.
Schon im zweiten Sommer stellte sich heraus: Wir hatten
Untermieter, welche vom Geräteschuppen (Marke "1-Stern-Hotel")
in unser Haus (Marke "5-Stern-Hotel") übersiedelt
waren. Anfangs fanden wir diese pelzigen Tierchen ja so herzig,
dass wir sie abends auch noch mit Birnen und Melonen, mundgerecht
in Häppchen geschnitten, verwöhnten. Der Nachwuchs
war fast handzahm, kam schon den Kamin heruntergeklettert, wenn
wir nur den Teller auf den Boden stellten.
Da sich dieser "All inclusive Club" scheinbar
schnell in der Umgebung herumsprach, hatten wir es schon wenige
Sommer später (1999) mit einer wahren Plage zu tun. Der
Lärm störte uns nicht so sehr, da wir nahe der Südbahnstrecke
wohnen und intensive Lärmbelästigung gewöhnt sind.
Was vielmehr zum Problem wurde, waren die baulichen Schäden,
die uns bisher einige tausend Euro gekostet haben:
Beschädigung der Wärmedämmung: Die
Wärmedämmung in den Dachschrägen (Glaswolle) eignet
sich hervorragend zum Unterminieren und Nestbau. Konsequenzen
für uns: runter mit den Wandverkleidungen, Erneuerung der
Dämmmasse, Einbau von Stahlgittern zwecks Durchgangssperre.
Holz-Biss-Spuren: Um sich ins Haus und wieder raus
zu beissen, ist keine Holzschicht zu dick, ob Wandpaneel oder
Fussbodenbrett. Faustgrosse Löcher sind keine Seltenheit.
Die Dachpappe ist an vielen Stellen durchnagt.
Verschmutzung des Dachraums: Wir haben sicher schon
einige -zig Kilo "Bemmerl" aufgesaugt (Gott sei Dank
verfügen wir über einen Industriesauger). Überall
liegen Glaswollefusseln herum.
Unsere Recherchen ergaben viele gute Tipps, die sich
bei Anwendung leider mehrheitlich als Flops herausstellten:
Das erste Gegenmittel, das wir einsetzten, war Lärm.
Der Pop-Sender Ö3, der bei anderen angeblich gute Wirkung
gezeigt hatte, half gar nichts. Wir versuchten es ferner mit
den Zillertaler Schürzenjägern, ebenso ohne Erfolg.
CDs, sorgfältig ausgewählt nach dröhnenden Bässen,
brachten zeitweilig Ruhe, aber gewiss keine Flucht für immer.
Kurzum, die Musik half nicht.
Hunde- und Katzenfellballen wurden freudig zum Nestbau
verwendet.
Ein Wühlmauspiepser wurde genauestens untersucht
und markiert.
Eine Lebendfalle wurde ignoriert bzw. zunehmend als
Futterspender benutzt! Insofern kann man wohl annehmen, dass
Siebenschläfer unheimlich lernfähig sind.
Die Fichtenhecke hinter dem Haus, die viele Jahre
als Sprungschanze vom und zum Haus diente, wurde gefällt.
Seither dient der Blitzableiter als Kletterhilfe (was uns sehr
erstaunt, da wir in mehreren Berichten über Siebenschläfer
gelesen haben, dass sie nicht auf den Boden steigen).
Als letztes schweres Geschütz haben wir uns im
Herbst zwei Katzen zugelegt, eine kampferprobte fünfjährige
Katze und einen halbjährigen jungen Kater. Seitdem sinkt
die Mäusepopulation ums Haus, aber einen buschigen Schwanz
haben wir noch nicht vorgelegt bekommen. Allerdings hat sich
zu bestimmten Uhrzeiten der Lärmpegel (entrüstetes
heiseres Gekreische "iiii, iiii") gehoben.
Uns bleibt vorerst als einzige Hoffnung, dass die
neue Lebendfalle Marke Eigenbau (ein leerer Dispersionsfarbkübel
mit einem Loch im Deckel, in dem ein etwa 20 cm langes Abflussrohr
steckt) weiterhin von den jungen, unerfahrenen Siebenschläfern
bevölkert wird, die wir etwa 20 km und drei Gebirgstäler
weiter aussetzen (die Leute dort werden es uns danken...).
Und wir können nur versuchen, bei den neuerlichen
Renovierungsarbeiten wirklich alles abzudichten, was nur geht,
und die Siebenschläfer so systematisch aus allen Bereichen
im Haus auszusperren.
Letztes Jahr hat das österreichische Fernsehen
einen Bericht gebracht, wonach die Moderatorin Regina Preloznik
im Turnschuh ihres Mannes ein Siebenschläferkind fand, welches
sie aufzog und das nun handzahm in einem Hasenkäfig wohnt.
Kommentar am Schluss des Berichts: Sie würde jetzt nach
einem Männchen suchen, damit sie herzige kleine Siebenschläferkinder
bekomme! Ein Siebenschläfer mag vielleicht als ein niedliches
Haustier erscheinen und domestizierbar sein, in erster Linie
ist es aber ein Wildtier, das heute - ähnlich dem Marder
- in den menschlichen Bereich zurückdrängt, nachdem
der Mensch in seinen Bereich vorgedrungen ist. Insofern kann
ich heute nicht mehr in Entzücken ausbrechen, wenn ich Fotos
von niedlichen Siebenschläfern sehe, die auch ich übrigens
früher gerne gemacht habe.
Ich hoffe, mein Bericht gibt einen Einblick in das
Leben mit Siebenschläfern am Rand der Ostalpen und spendet
jedem anderen Leidensgenossen zumindest den Trost, dass er mit
seinen Problemen nicht allein ist.
Mit herzlichen Grüssen
Karin Zoubek
Siebenschläferhaus (Nr. 280)
2641 Klamm/Semmering, Österreich
E-Mail: rainer.zoubek@medix.at
8. Januar 2004
Lieber Herr Kappeler,
Hier noch ein Nachtrag zu meinen Zeilen vom vergangenen August,
denn in der Zwischenzeit habe ich einen neuen, guten Hinweis
erhalten, wie man die Siebenschläfer austreiben kann: Weihrauch!!!
Wir haben den Tipp beim Stammtisch von einem "Einheimischen"
erhalten, der schon jahrelang sämtliche Holzvillen am Semmering
auf diese Art und Weise ausräuchert. Wichtig sei, dass es
regelmässig gemacht werde, denn spätestens in der nächsten
Saison seien die Bilche jeweils wieder da.
Wir haben im Herbst regelmässig eine Weihrauchpfanne
auf den Dachboden gestellt - und die Siebenschläfer richtig
in die Flucht geschlagen. Bei den ersten Versuchen stellten wir
fest, dass die Tiere nervös wurden und das Haus fluchtartig
verliessen (sie tänzelten nervös auf der Dachrinne
auf und ab), jedoch wiederkehrten, wenn der ärgste Geruch
weg war. Die besten Erfolge haben wir schliesslich mit Petersdom-Atmosphäre
erzielt, d.h. dreimal in der Woche räuchern. Da wie erwähnt
zu befürchten ist, dass sie im Frühjahr wieder kommen
(zumindest die hartnäckigen), werden wir rechtzeitig - ab
den ersten regelmässig wiederkehrenden wärmeren Nächten
(5-10°C) im März/April - neuerliche Räucherorgien
veranstalten.
Weihrauch gibt es im Klerikalbedarf und in altmodischen
Reformhäusern zu kaufen, sowie (jetzt wäre es günstig
gewesen) auf den Weihnachtsmärkten. Neben den klassischen
Weihrauchpfannen kann man auch jede beliebige Eisenpfanne (massiv)
verwenden. Bei uns ist z.B. eine Gusspfanne im Einsatz, die schon
ausgedient hat. Entweder verwendet man glühende Kohlen aus
dem Zusatzherd (wenn vorhanden) oder man besorgt sich ebenfalls
in der Drogerie (eventuell auch im Lagerhaus) Kohletabletten
für Räucherpfannen. Diese sind etwa so gross wie eine
grössere Brausetablette und haben eine Vertiefung auf einer
Seite. Sie lassen sich leicht anzünden und glosen dann vor
sich hin. Weihrauch in die Vertiefung streuen und zentral aufstellen.
Ist der Dachboden gross und hoch, empfiehlt sich eine weitere
Pfanne - oder das Herumgehen wie in den Raunächten...
Ich hoffe, das hilft auch anderen Betroffenen. Zumindestens wäre
es einmal einen Feldversuch auf weiter Ebene wert!
Liebe Grüsse
Karin Zoubek
Siebenschläferhaus (Nr. 280)
2641 Klamm/Semmering, Österreich
E-Mail: rainer.zoubek@medix.at
Zwei Zitate
Siebenschläfer sorgen für schlaflose
Nächte
«Siebenschläfer lieben offenbar Dachböden,
auf denen sie nachts mit Begeisterung umhertoben - sehr zum Ärger
der menschlichen Bewohner, die darunter Schlaf zu finden versuchen.
Einer der Geschädigten meinte sogar, sie klängen «wie
Miniatur-Fussballmannschaften mit Stollenstiefeln»...
Vom Dachgeschoss erreichen sie leicht - etwa über
hölzerne Wandverkleidungen - ihren zweiten Lieblingsplatz:
die Küche mit ihrem reichen Nahrungsangebot. Einige Häuser
sind offenbar bei den Siebenschläfern besonders beliebt.
So eines an einem Waldrand, dessen heutige Besitzer bei ihrem
Einzug vor ein paar Jahren innerhalb weniger Wochen 66 der Tiere
fingen.
Eines Nachts hörte die Dame des Hauses seltsame
Geräusche aus der Toilette und fand darin einen halb ertrunkenen
Nager - den sie schnell rettete und mit dem Fön trocknete.
Ein andermal wurde ihr Mann von einem Siebenschläfer auf
seiner Bettdecke geweckt. Und in einem anderen Haus rennen Siebenschläfer
gern die Wohnzimmerwände hoch, während die Bewohner
dort fernsehen.
Wahrscheinlich lieben die Schlafmäuse die Dachböden
wegen der Wärme und ungestörten Dunkelheit, aber auch
wegen der Isoliermasse als Nestbaumaterial.
Meistens sind die «häuslichen Aktivitäten»
der Siebenschläfer erheiternd oder allenfalls ein wenig
ärgerlich. Doch manchmal können die Nager auch grösseren
Schaden anrichten, z.B. wenn sie Kunststoff-Wasserrohre durchnagen,
elektrische Leitungen durchbeissen oder (wie Steinmarder in einigen
Gegenden Mitteleuropas) Kabel in Autos beschädigen.»
Auszug aus einem Bericht von Pat Morris
in «Das Tier», Oktober 1990
Von wegen Schlafmützen!
«Unsere Schläferfamilie haust mitten im
Siedlungsgebiet in einem Schrebergarten. Kein ungewöhnliches
Ausweichrevier für die grossen Bilche. In den unterholzreichen
Wäldern, in denen sie eigentlich zu Hause sein müssten,
herrscht Wohnungsnot: Ausgefaulte Astlöcher, Risse und Spalten
in Bäumen, Spechthöhlen oder hohle Baumstümpfe
sind zunehmend seltener geworden. Fehlen solche Unterkünfte,
wandern die Tiere aus und nehmen beispielsweise - wie in unserem
Fall - dankbar eine Gartenhütte an.
Seinen Winterschlaf verbringt der Siebenschläfer
vielfach in einer Erdhöhle oder in einer Felsspalte, wo
es zwar kalt ist, die Temperaturschwankungen aber gering sind.
Gern macht er es sich aber auch in einem kühlen Keller oder
auf einem kühlen Dachboden bequem. (...) Jetzt im Spätsommer
sind die Bilche aber noch putzmunter und quicklebendig. Oder
besser «quieck-lebendig». Schnalzend, brummend und
murrend unterhält sich die Schläferfamilie. Gibt es
Streit, summen die kleinen Kerle zuweilen wie gereizte Wespen
oder klappern bedrohlich mit den Zähnen.
Besonders stürmisch und laut geht es bei ihnen
im Frühsommer zu. Dann ist Balzzeit. Da kann es in manch
einem Dachboden am Waldrand ganz schön geräuschvoll
werden. Denn die Siebenschläfer kennen kein sanftes Liebesgeflüster.
Sie bevorzugen lautes Quietschen und Quengeln. Manch ein Hausbesitzer
braucht ein dickes (Trommel-)Fell, wenn sich die Frischverliebten
ausgerechnet über seinem Schlafzimmer näherzukommen
versuchen. Zwar sind die Siebenschläfer am Tag echte Schlafmützen.
Bei Dunkelheit sind sie aber umso grössere Nachtschwärmer.»
Auszug aus einem Bericht von Marc Tschudin
in «Das Tier», September 1995
Vier Links
Der Siebenschläfer-Fangdienst: eine ganz besondere
Dienstleistung
"Die meisten kennen den Begriff Siebenschläfer
nur von einer alten Bauernregel, die besagt, dass das Wetter
am 27. Juni ausschlaggebend sei für die nächsten sieben
Wochen. Aber der Siebenschläfer - wissenschaftlich Glis
glis - existiert wirklich. Er ist ein süsses kleines Kuscheltier
und gehört der Familie der Bilche an. Als Dauerpenner liegt
der Siebenschläfer sieben Monate im Jahr im Winterschlaf
unter der Erde (er ist nur 13 Prozent seines Lebens richtig wach),
was ihm auch seinen Namen eingebracht hat (nicht das Wetter und
auch nicht der Siebenschläfertag, 27. Juni). Allerdings:
Wenn er wach ist, dann ist er auch aktiv - nachtaktiv! Und so
kommt es vor, dass sich der Siebenschläfer schon mal mit
seiner Sippschaft in kuschelig warmen Speichern einnistet und
mit seinen Kumpanen des Nächtens dort herumtobt und -springt,
als ob eine ganze Minifussballmannschaft da oben mit Stollenstiefeln
trainiert. Und so mutieren kleine niedliche Kuscheltiere zu nagenden
Nervensägen. Da die lieben Tierchen unter Naturschutz stehen,
darf keiner ihnen was antun. Insofern ist für manchen geplagten
Mitbürger guter Rat teuer...
Die Tatsache, dass ich selber zu einem dieser genervten
Mitbürger wurde, brachte bei meinem Bruder und mir einen
gewissen Aktivismus zu Tage, um die Tierchen (so süss sie
auch sein mögen) auf legale Weise los zu werden. Nach einigen
vergeblichen Versuchen hatten wir dann eine Lebendfalle entwickelt,
mit der man tatsächlich der Plage Herr werden konnte. Und
so fing man binnen kürzester Zeit 30 kleine Nager und setzte
sie wohl behalten in sicherer Entfernung (mindestens 10 Kilometer,
sonst finden sie zurück) im Forstenrieder Park aus. Da diese
Vorgehensweise nach Auskunft des Forstamtes absolut legal war,
liess sich das Problem schliesslich lösen. Für mich...
Dass viele andere immer noch vor dem selben Problem
standen, merkte ich, als kurze Zeit später das Decker'sche
Telefon klingelte und das Landratsamt Starnberg anfragte, ob
man nicht auch in anderen Haushalten auf Siebenschläferjagd
gehen könnte. Daraufhin wurde ein Gewerbe angemeldet (offizieller
Titel: Fa. Alexander Decker, Fangen von Bilchen mittels selbstgebauter
Fallen). Seitdem konnte der Siebenschläfer- Fangdienst im
Zeitraum von 1986 bis 1994 eine Vielzahl von Kunden im Grossraum
München von insgesamt über hundert Siebenschläfern
befreien. Seit 1994 muss diese Tätigkeit leider aufgrund
anderer beruflicher Verpflichtungen ruhen. Alle, die aber noch
heute von Siebenschläfern heimgesucht werden, können
sich gerne an mich wenden. Hier ist guter Rat eben nicht teuer..."
Alexander «Sascha» Decker, sascha@haendlerzufriedenheit.de
http://www.ku-eichstaett.de/wwf/ABWLDLM/Personal/ Decker/deutsch/siebens.htm
(Die Seite wurde leider im März 2001 aus dem Web genommen.)
Die Supra-Kleintierfalle
"Die Idee: Aus uralten Zeiten hat jeder Mann
mit ein bisschen Talent zum Basteln einen unerklärlichen,
inneren Trieb die eigene Idee für eine Tierfalle zu verwirklichen.
In mir reifte im Februar 1993 der Gedanke eine Lebendfalle mit
berührungslosem Auslöser zu bauen. Mit der Lizenz zum
Löten hatte ich die richtige Basis um eine Kleintierfalle
mit Lichtschranke zu bauen.
Die Durchführung: Nun, eine Kleintierfalle soll
ja möglichst wenig Geld kosten. Aus diesem Grund suchte
ich diverse Materialen aus dem Keller zusammen und bestellte
noch ein paar billige Elektronikkomponenten. Das Ergebnis der
Ausführung meiner Idee für eine Kleintierfalle zeigt
das folgende Bild. Die Falle ist sowohl für Mäuse,
als auch für etwas grössere Tiere wie Marder oder Siebenschläfer
geeignet. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man links vorne mehrere
Kerben im Holz (auf dem Bild nur schwer zu erkennen), die Aufschluss
darüber geben, wieviel Tiere schon mit der Falle gefangen
wurden. Zur Zeit sind es 11 Kerben. Keine falschen Schlüsse
bitte, ich habe keine Mäuseplage in der Wohnung. Die Falle
ersetzte auch das ein oder andere Mal bei meinen Freunden und
Bekannten den Kammerjäger.
Die Technik: Das Tier läuft unter dem Falltor
in die Falle hinein und unterbricht den Lichtstrahl der Lichtschranke.
(Natürlich liegt der Köder hinter der Lichtschranke!)
Eine Elektronik in Verbindung mit etwas Mechanik lässt das
Falltor herunterfallen und das Tier ist gefangen. Ursprünglich
sollte durch die Elektronik ein Hubmagnat betätigt werden,
der den Bolzen unter dem Falltor herauszieht. Der Hubmagnet kann
aber nur ein Newton und das ist zu wenig um den Bolzen zu bewegen,
wenn das Falltor darauf liegt. Ich benötigte also ein Kraftverstärkung.
Ich habe das Problem folgendermassen gelöst: Die Elektronik
betätigt den Hubmagnet (den ich ja bereits angeschafft hatte)
und dieser löst eine konventionelle Mäusefalle aus.
An den Bügel der Mäusefalle, der normalerweise die
Maus tot schlägt, habe ich eine Schnur befestigt, die den
Bolzen unter dem Falltor herauszieht. Das nächste Bild zeigt
diese Konstruktion von oben bei gespannter Mäusefalle. In
dem silbernen Rohr oben befindet sich die Lampe von der Lichtschranke.
In dem schwarzen Rohr unten befindet sich der Phototransistor.
Ganz rechts ist der Hubmagnet zu sehen, der bei Unterbrechung
des Lichtstrahls die Mäusefalle betätigt. Die rote
Schnur ist rechts am Bügel der Mäusefalle befestigt
und links am Bolzen, der das Falltor hält. Die Supra-Kleintierfalle
kann mit 230V Netzspannung oder mit 12V DC betrieben werden.
Dies ermöglicht einen universellen Einsatz."
Tips zum Nachbau: Bei der Lichtschranke handelt es
sich um einen einfachen, billigen Lichtschranken-Bausatz von
Conrad electronic. Bastler können sich hier den (von Hand
gezeichneten) Schaltplan als JPG-Datei downloaden (165KByte).
Weitere Unterlagen zur Kleintierfalle habe ich leider nicht."
Hubert Zitt, http://www.mst.fh-kl.de/~zitt/falle.htm
In unserem Haus wohnen Bilche, die wir loswerden
wollen. Was tun?
"Es ist nicht ganz einfach, Bilche zu vertreiben.
Man darf sie nicht umbringen, da sie geschützte Arten sind
und es ausserdem schlecht fürs Karma ist. Will man sie fangen,
braucht man eine spezielle, grosse Lebendfalle von mindestens
10 x 10 x 25 cm. Zu kaufen gibt es sowas beispielsweise bei www.bruja.de/shop/fallenfangkoerbe.htm
oder www.tierfalle.de. Oder man bastelt sich eine Valvasor'sche
Bilchfalle, die den Vorteil hat, dass man damit unter Umständen
alle Bilche des Hauses auf einen Schlag fangen und gemeinsam
umsiedeln kann. Was sich als Köder am besten eignet, muss
man ausprobieren - unterschiedliche Bilche haben unterschiedliche
Vorlieben. Damit beim Fangen der Schwanz nicht beschädigt
wird, ist es gut, wenn die Falltür nicht ganz bis zum Boden
reicht; man sollte sie ein Stück kürzen oder hochbiegen.
Niemals darf man den gefangenen Bilch am Schwanz festhalten.
Man muss ihn mindestens zehn Kilometer weit wegbringen, sonst
steht er am nächsten Tag wieder vor der Tür. Danach
empfiehlt es sich, alle Einstiegsmöglichkeiten ins Haus
bilchdicht zu machen.
Allerdings sollte man sich darüber im klaren
sein, dass es der Bilch im neuen Lebensraum nicht leicht haben
wird und sein Überleben ungewiss ist. Bilche sind extrem
ortstreu und bewegen sich während ihrer ganzen Lebenszeit
in einem Radius von wenigen hundert Metern. Man weiss nichts
darüber, wie gut sie sich an einem neuen Ort einfügen,
ob die Gegend überhaupt für Bilche geeignet ist und
ob es dort nicht bereits andere Bilche gibt, die den Zugezogenen
wieder vertreiben. Wenn es irgendwie machbar ist, sollte man
den Krach vielleicht einfach geduldig ertragen.
Ausserdem gibt es noch den "TP-Marderschocker",
einen Ultraschallsender, der Marder und Siebenschläfer angeblich
vertreiben kann. Hat jemand Erfahrungen damit?"
http://www.glirarium.de/bilch/faq.html
Siebenschläfer als höchst unterhaltsame
Heimtiere
Foto: © Monika Schneider
26.1.2003
Hallo Herr Kappeler,
Ich habe eine kleine, private Website über Siebenschläfer
und habe in meiner Linksammlung Ihre Adresse mit reingenommen.
Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen. Anzuschauen unter:
http://Monika.Klinkebiel.bei.t-online.de
Mit freundlichen Grüssen
Monika Schneider
26.1.2003
Liebe Frau Schneider,
Ich freue mich, dass Sie mich bei Ihnen "verlinkt"
haben - und ich werde gerne meinerseits auf Ihre höchst
interessante Siebenschläfer-Website hinweisen. Denn Sie
zeigen, was unter positivem Denken zu verstehen ist und wie spannend
die Begegnung mit diesen munteren kleinen Geschöpfen sein
kann. Die meisten Leute wollen die Siebenschläfer nur möglichst
rasch los werden - und verpassen so eine einzigartige Chance.
Ich hoffe, Ihre Website wird gut besucht und Ihre bemerkenswerte
Idee findet viele Anhängerinnen und Anhänger!
Mit den besten Grüssen
Markus Kappeler
Auch Gartenschläfer rumoren!
26.9.2002
Hallo Herr Kappeler,
Ich habe so in letzter Zeit einige Erfahrungen mit
Schläfern gemacht. Diesen Spätsommer habe ich bereits
sechs Stück gefangen und weit - sehr weit! - wieder ausgesetzt,
die vorher in meinem Rolladenkasten mit angrenzender Zwischendecke
herumgetobt haben.
Eigentlich entspricht fast alles, was meine «Gefangenen»
betrifft, Ihren Beschreibungen des Siebenschläfers. Lediglich
der buschige Schwanz ist bei meinen Schläfern immer recht
dünn. Auch in einem kürzlich gesehenen TV-Bericht hatten
die Siebenschläfer einen buschigen Schwanz.
Im Anhang sehen Sie zwei Fotos von einem meiner Besucher.
Vielleicht können Sie mir ja sagen, ob es Siebenschläfer
sind. Und wenn nicht, wer sind sie dann?
Vielen Dank und einen schönen Gruss
Hartmut Rupp, hartmut.rupp@trelleborg.com
26.9.2002
Lieber Herr Rupp,
Gratulation! Sie haben den im Vergleich zum (grauen)
Siebenschläfer viel hübscher gefärbten Gartenschläfer
(Eliomys quercinus) in ihrer Falle. Typisch die schwarze
Gesichtsmaske, die weisse Schwanzspitze, und die - wie Sie sagen
- weniger buschige Behaarung des Schwanzes. Er ist im Übrigen
etwas kleiner als der Siebenschläfer. Die Biologie ist in
der Tat sehr ähnlich wie beim Siebenschläfer, doch
kommt der Gartenschläfer häufiger auf den Boden, und
er nimmt mehr tierliche Nahrung (Insekten, Gehäuseschnecken)
zu sich als sein Vetter.
Herzlichen Dank für die Information. Ich würde
sehr gern einen Bericht über Ihre Erlebnisse in meine Website
aufnehmen, denn von Gartenschläfern im Haus habe ich noch
nie gehört. Möglicherweise werden Gartenschläfer
im Haus häufig für Siebenschläfer gehalten?
Mit freundlichen Grüssen
Markus Kappeler
PS. Hier finden Sie einen Kurztext von mir über
den Gartenschläfer:
http://www.markuskappeler.ch/tex/texs/ziesel.html
27.9.2002
Hallo Herr Kappeler
Selbstverständlich können Sie meine Erlebnisse
mit den Gartenschläfern gern für Ihre Webseite verwenden.
Erst gestern sass übrigens wieder ein Gartenschläfer
in der Falle. Nr. 7 für dieses Jahr....
Wir wohnen in einem alten Fachwerkhaus am Stadtrand
von Koblenz/Rhein. Im Hintergrund ist ein etwa fünf Fussballfelder
grosses, ziemlich verwildertes Garten- und Waldstück und
dann kommt eine Schnellstrasse ausser Sichtweite. Wir haben das
Haus vor fünf Jahren gekauft und grund-renoviert. Dabei
sind uns schon die Spuren von «Mäusen» in der
Zwischendecke und im Rolladenkasten in den zum Garten liegenden
Fenstern aufgefallen. Zum ersten Mal hat sich unser Gast aber
erst zwei Jahre später bemerkbar gemacht.
Seinen ersten Sommer hat er sich recht ruhig verhalten,
und wir haben ihn geduldet. Im zweiten wurde es aber dann zu
viel. Besonders abends, wenn der Fernseher lief, fing er an zu
tanzen. Action-Filme waren ihm ein Graus, und er begann zu toben.
Als er dann auch noch nach Mitternacht keine Ruhe gab (das ganze
war im Frühsommer), habe ich die Rolladenkästen geöffnet
und alle Löcher nach aussen hin (so glaubte ich) geschlossen.
Danach war zwei Wochen Ruhe - und dann ging es wieder los. Eine
Falle musste her!
In jenem Sommer haben wir dann zwei Gartenschläfer
gefangen und mindestens dreissig Kilometer weiter - mit zwei
Flussüberquerungen auf der Strecke - ausgesetzt. Winterpause.
Ja und dieses Jahr gings dann wieder los. Bis der
erste im Frühsommer in der Falle war, hats lange gedauert.
Seit die Falle aber nach Gartenschläfer riecht, geht einer
nach dem anderen rein. Als Köder hat sich Dörrfleisch
am besten bewährt. Die Falle steht immer auf dem Garagendach,
welches halbhoch an das Dach der Terasse angrenzt, und dieses
wiederum endet an den Rolladenkästen unterhalb eines freien
Balkons. Hier muss es nachts zugehen, wie auf der Autobahn für
Gartenschläfer!
Ein Loch in der Wand ist nicht zu entdecken. Also
vermute ich, die Kerle kommen durch den Ladenschlitz. Ich habe
allerdings noch nie Spuren an der Wand entdeckt. Anscheinend
putzen sie sich vorher die Füsse gründlich ab. Jetzt
warten wir, dass mit dem Oktober endlich Ruhe eintritt - und
dass sich die Spuren zu uns auf unserem Garagendach verwaschen...
Über neue Erlebnisse im nächsten Jahr werde
ich gerne wieder berichten.
Mit freundlichen Grüssen
Hartmut Rupp
Ein Rätsel
4. Oktober 2003
Betreff: Siebenschläfer-Massenselbstmord
Lieber Herr Kappeler,
Eine seltsame Begebenheit auf der Schwäbischen Alb bewog
mich, Ihnen dieses Mail zu schreiben.
Wir haben auf der Schwäbischen Alb bei Geislingen/
Steige ein Ferienhaus im Wald. Dort leben schon immer viele Siebenschläfer,
die sich bisher offenbar auch sehr wohl fühlten. Gestern
kamen wir nach fünfwöchiger Abwesenheit wieder zu unserer
Hütte, um nach dem Rechten zu schauen. Dabei entdeckten
wir zu unserem Entsetzen, dass sich in unserer Regentonne, die
dort seit Jahren steht, mindestens 60 Siebenschläfer ertränkt
hatten! Nicht nur ältere waren dabei, sondern auch neugeborene,
die noch kein Fell hatten.
Für uns ist es ein grosses Rätsel, was die
Tiere dazu bewogen haben mag. Sicher ist es auch für Sie
eine interessante und sonderbare Geschichte. Uns hat sie an die
Geschichte der Lemminge erinnert, die sich in die Fluten stürzen,
dort umkommen und dadurch eine Überbevölkerung verhindern.
Könnte dies auch der Fall bei den Siebenschläfern sein?
Mit freundlichem Gruss
Monika Fischer-Langenbein
7. Oktober 2003
Liebe Frau Fischer-Langenbein,
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zeilen. Das
muss ja ein Schock für Sie gewesen sein!
Im Moment kannn ich mir keinen Reim auf diese seltsame
Begebenheit machen. An Massenselbstmord glaube ich (als Naturwissenschaftler...)
nicht. Die Lemminge stürzen sich ja auch nicht in die Fluten,
um sich umzubringen, sondern aus dem Trieb heraus, Neuland jenseits
des Wassers zu besiedeln. Ist das Wasser ein Fluss oder See,
dann hat das Vorhaben Erfolg; ist es das Meer, dann halt leider
nicht.
Solche "Expansionsbewegungen" von Tierbeständen,
zumal übervölkerten, sind nichts Aussergewöhnliches.
Auch die Wanderphase von Jungfüchsen und anderen jungerwachsenen
Tieren, welche das Territorium ihrer Eltern verlassen müssen
(und auf der Suche nach einem eigenen Grundstück - beim
Überqueren von Schnellstrassen usw. - oftmals umkommen),
gehören hierzu.
Was jedoch die Siebenschläfer in Ihre Regentonne
getrieben hat, ist mir wie gesagt im Moment völlig unklar.
Irgend einen Grund muss es meiner Meinung nach geben. Aber welchen?
Gerne baue ich Ihr Mail in meine Website ein - hoffentlich gibts
Reaktionen.
Mit besten Grüssen
Markus Kappeler
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