Smaragdeidechse

Lacerta viridis


© 1983 Markus Kappeler
(erschienen im WWF-Kalender 1984)



Die Smaragdeidechse (Lacerta viridis) zählt zu den «Riesen» unter den Eidechsen (Familie Lacertidae). Mit einer Körperlänge von bis zu fünfzig Zentimetern - wovon allerdings zwei Drittel auf den Schwanz entfallen - wird sie nur von drei der über zweihundert verschiedenen Eidechsenarten an Grösse noch übertroffen.

Die eigentliche Heimat des leuchtendgrünen Reptils, dessen Männchen zur Paarungszeit ein prächtig blaues Haupt zur Schau tragen, sind die im Norden ans Mittelmeer angrenzenden Länder zwischen Portugal im Westen und Israel im Osten. Nördlich der Alpen, in Mitteleuropa, ist die Art nur ganz lückenhaft verbreitet. Hier findet sie sich lediglich an ein paar wenigen, klimatisch begünstigten Stellen wie etwa beim Kaiserstuhl am Mittelrhein oder an der Donau bei Passau.

Innerhalb ihres weiten Verbreitungsgebiets bewohnt die wärmeliebende Smaragdeidechse gut besonntes, trockenes Gelände buschbestandene Wiesen, Wegborde, Geröllhalden, lichte Hecken oder Felshänge. Hier jagt das flinke Tier am Tag nach Insekten, Spinnen, Würmern und Schnecken. Hie und da packt es auch kleinere Eidechsen, und zwar «ohne Bedenken», wie Alfred Brehm in seiner Enzyklopädie von 1876 meint.

In besonders gefährlichen Situationen verliert die Smaragdeidechse nicht den Kopf, sondern ihren Schwanz. Wie alle Eidechsen (und übrigens auch die Geckos) vermag sie den Verlust des Schwanzes aktiv herbeizuführen, wenn sie von einem Angreifer unmittelbar bedroht wird. Als solche kommen neben Marder und Wiesel vor allem Greifvögel in Frage. Vom sechsten Wirbel an weist jeder Schwanzwirbel der Smaragdeidechse eine vorgebildete Bruchstelle auf. Durch ein kräftiges, abruptes Zusammenziehen der Ringmuskeln der einen oder anderen Schwanzpartie kann sie darum je nach Bedarf einen kleineren oder grösseren Teil des Schwanzes abwerfen. Das autonome Nervensystem des Schwanzfragments lässt den abgetrennten Körperteil noch bis zu zwanzig Minuten lang heftig zappeln. Während dieser die Aufmerksamkeit des Verfolgers auf sich zieht, kann das nunmehr schwanzlose Reptil die Flucht ergreifen. In den meisten Fällen gelingt es ihm so - unter Opferung eines nicht lebenswichtigen Körperteils - sein Leben zu retten. Der behenden Eidechse wächst nach einem solchen Vorfall bald ein neuer Schwanz. Anstelle der ehemaligen Wirbelsäule wird allerdings ein ungegliederter Knorpelstab als Stützelement aufgebaut, von dem fortan kein Teil mehr abgetrennt werden kann.

Der Mensch bedrängt die Smaragdeidechse im allgemeinen nicht direkt. Die von ihm verursachten Landschaftsveränderungen, der Strassenverkehr, umherstreunende Katzen und nicht zuletzt auch Schädlingsbekämpfungsmittel kosten jedoch alljährlich unzähligen der Kriechtiere das Leben. Dies hat bereits dazu geführt, dass die Art aus vielen der dichter vom Menschen besiedelten Regionen innerhalb ihres Verbreitungsgebiets verschwunden ist. So zum Beispiel aus der Umgebung von Basel, wo sie noch 1940 am Rheinufer anzutreffen war.

Die hübschen Tiere stehen zwar in Österreich, Deutschland und der Schweiz seit vielen Jahren unter gesetzlichem Schutz. So lange aber die Überkultivierung der Landschaft weiter voranschreitet, so lange werden die Lebensräume der Eidechse weiter zerstört. Und so lange werden diese eleganten Reptilien immer mehr zurückgedrängt.




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