Spitzmaulnashorn

Diceros bicornis


© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)



Das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) ist mit einem Gewicht von bis zu anderthalb Tonnen eines der grössten Landsäugetiere der Erde. Beheimatet ist es in Afrika südlich der Sahara. Dort kann man ihm in der offenen Savanne ebenso wie im dichten Busch und im lichten Galeriewald ebenso wie in der dürren Halbwüste begegnen. Nur im Regenwald kommt es nicht vor.

Wie sein Name sagt, verfügt das Spitzmaulnashorn über ein zugespitztes Maul mit greiffähigen Lippen. Diese eignen sich vorzüglich zum gezielten «Pflücken» ausgewählter Blätter und Zweige von Büschen und Sträuchern, von denen es sich zur Hauptsache ernährt. Das Spitzmaulnashorn unterscheidet sich hierin deutlich vom ebenfalls in Afrika heimischen Breitmaulnashorn, welches sich auf das Beweiden von Grasflächen spezialisiert hat und zu diesem Zweck im Laufe seiner Stammesgeschichte ein breites, eckiges Maul herausgebildet hat.

Landläufig wird das Spitzmaulnashorn oft «Schwarzes Nashorn» genannt, während das Breitmaulnashorn als «Weisses Nashorn» bezeichnet wird. Das Schwarze Nashorn ist aber ebensowenig schwarz wie das Weisse Nashorn weiss ist. Bei beiden ist die Haut im Prinzip grau, zeigt aber gewöhnlich die Farbe der Suhle, in der sich die Tiere zuletzt gewälzt haben - und Wälzen im Schlamm ist den friedfertigen Kolossen ein tiefes Bedürfnis, einerseits um ihren Körper abzukühlen und andererseits um ihre Haut durch die später eintrocknende Lehmschicht vor lästigen Insekten zu schützen.

Erwachsene Spitzmaulnashörner verbringen die meiste Zeit ihres Lebens als Einzelgänger - «persönliche» Beziehungen bestehen jeweils nur temporär zwischen Männchen und Weibchen zum Zweck der Fortpflanzung und zwischen Weibchen und ihren Jungen während der Aufzuchtphase.

Die weiblichen Spitzmaulnashörner bringen erstmals im Alter von etwa acht Jahren ein einzelnes Junges zur Welt. Schon eine Stunde nach der Geburt vermag dieses auf seinen stämmigen Beinchen umherzugehen und das Gleichgewicht zu halten. Es bleibt bis kurz vor der Geburt seines nächstjüngeren Geschwisters - ungefähr drei Jahre später - mit seiner Mutter zusammen. Dann geht es eigene Wege.

Spitzmaulnashörner können etwa vierzig Jahre alt werden. In freier Wildbahn dürften aber die wenigsten von ihnen jemals ein solch hohes Alter erreichen, denn die grossen Säuger werden vom Menschen seit langer Zeit massiv bejagt - und zwar ausgerechnet wegen ihrer wirksamsten Waffen gegen Feinde: den Nasenhörnern. Diese sind hauptsächlich im Fernen Osten heiss begehrt, wo sie in der traditionellen Volksheilkunde gegen Fieber, Kopfweh, Rheumatismus und viele andere Leiden eingesetzt werden.

Der immense Bedarf der Asiaten nach Nasenhorn liess im Verlauf unseres Jahrhunderts zuerst die Bestände der drei asiatischen, dann auch die der beiden afrikanischen Nashornarten zusammenbrechen. Je seltener die Nashörner wurden, desto höher kletterte der Preis für Nasenhorn, und desto gnadenloser wurden sie verfolgt. Heute liegt der Kilopreis für Nasenhorn auf dem internationalen Schwarzmarkt weit über dem von Gold! Kein Wunder stehen die grauen Riesen - allen bisherigen Schutzmassnahmen zum Trotz - am Rand der Ausrottung: Schätzte man den Gesamtbestand der Spitzmaulnashörner in Afrika um die Jahrhundertwende noch auf über 400 000 Individuen, gab es 1970 nur noch etwa 65 000, 1980 noch rund 15 000 - und heute wohl keine 2000 mehr.

Trotzdem hält die Schlächterei an. Tag für Tag werden weitere Spitzmaulnashörner niedergeschossen. Immer mehr entwickelt sich der Nashornschutz im Feld zu einem paramilitärischen Buschkrieg zwischen Wildhütern und Wilderern. Vielerorts sieht man sich inzwischen dazu gezwungen, jedes einzelne der bedrängten Tiere in eingezäunten Reservaten rund um die Uhr zu bewachen.

Im verzweifelten Kampf um die Rettung der letzten Spitzmaulnashörner spielt im übrigen die «Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten» (CITES), welche seit 1977 jeglichen Handel mit Hörnern des Spitzmaulnashorns verbietet, eine wichtige Rolle. Mit ihrer Hilfe konnten früher wichtige Handelswege und Märkte im internationalen Nasenhorngeschäft - beispielsweise in Japan, Jemen und Hongkong - weitgehend getilgt werden. Andere - etwa in Südkorea, Taiwan und Thailand - florieren aber leider noch immer. Gelingt es uns nicht, diese endlich auch abzuriegeln, besteht für das Überleben des Spitzmaulnashorns in freier Wildbahn bald keine Hoffnung mehr.




Spitzmaulnashorn
Diceros bicornis


Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Unpaarhufer
Familie: Nashörner

Körpermasse
Kopfrumpflänge: ca. 300 cm
Schulterhöhe: ca. 150 cm
Gewicht: 1000-1500 kg

Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 je Geburt
Tragdauer: ca. 15 Monate
Höchstalter: ca. 40 Jahre

Bestandssituation
Bestand: um 2000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I




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