Streifengnu - Connochaetes taurinus
© 2001 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Das «Gnu» - die «Kuhantilope»
mit drei Buchstaben - ist allen Kreuzworträtselfreunden
bestens bekannt. Zoologisch gesehen gibt es «das»
Gnu allerdings gar nicht, sondern es existieren deren zwei: das
Weissschwanzgnu (Connochaetes gnou), welches nur in Südafrika
vorkommt, und das Streifengnu (Connochaetes taurinus),
das über weite Bereiche des südlichen und östlichen
Afrikas verbreitet ist. Von letzterem soll auf diesen Seiten
die Rede sein.
Fünf geografische Unterarten
Das Streifengnu gehört innerhalb der Ordnung
der Paarhufer (Artiodactyla) zur Hornträgerfamilie (Bovidae),
welche die Ducker, Antilopen, Schafe, Ziegen und Rinder umfasst.
Erwachsene Männchen erreichen eine Schulterhöhe von
ungefähr 150 Zentimetern und wiegen um 250 Kilogramm. Die
Weibchen sind mit einer Schulterhöhe von etwa 135 Zentimetern
und einem Gewicht um 180 Kilogramm etwas kleiner und leichter.
Ansonsten sind die beiden Geschlechter einander recht
ähnlich. So tragen beide Geschlechter Hörner. Der Längenrekord
liegt bei 83 Zentimetern (entlang der Windung gemessen); üblich
sind aber bloss 30 bis 50 Zentimeter, wobei wiederum diejenigen
der Männchen im Durchschnitt etwas länger und robuster
sind als die der Weibchen. Die beiden Geschlechter lassen sich
ferner - mehr oder weniger zuverlässig - anhand der Färbung
ihrer Stirn unterscheiden: Bei den erwachsenen Männchen
ist diese gewöhnlich schwarz und weist höchstens einen
leichten Rostton auf; bei den Weibchen - und auch bei den jugendlichen
Tieren - ist die rostfarbene Tönung meistens recht deutlich.
Das Streifengnu weist zwei Hauptvorkommen auf. Das
eine liegt im östlichen, das andere im südlichen Afrika.
Im östlichen Afrika kommt die Art vom südlichen Kenia
durch weite Bereiche Tansanias bis ins nördliche Mosambik
vor. Im südlichen Afrika findet man sie im südwestlichen
Sambia, im nordwestlichen und südlichen Simbabwe, in weiten
Teilen Botsuanas, im nördlichen und nordöstlichen Namibia,
im zentralen und südöstlichen Angola und in der nordöstlichen
Hälfte Südafrikas. Isolierte Bestände leben ferner
im Luangwa-Tal im östlichen Sambia und im Gorongoza-Nationalpark
im südlichen Mosambik.
Fünf geografische Unterarten werden innerhalb
dieses weiten Verbreitungsgebiets unterschieden, nämlich
das Westliche Weissbartgnu (Connochaetes taurinus mearnsi)
in Kenia und Tansania, das Östliche Weissbartgnu (C.t.
albojubatus) ebenfalls in Kenia und Tansania, das Weissbindengnu
oder Niassa-Streifengnu (C.t. johnstoni) im südlichen
Tansania und im nördlichen Mosambik, das Cookson-Streifengnu
(C.t. cooksoni) im östlichen Sambia, und das Südliche
Streifengnu oder Blaue Gnu (C.t. taurinus) in Angola,
Botsuana, Namibia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland sowie
im südwestlichen Sambia und im südlichen Mosambik.
Die Unterschiede zwischen den fünf Rassen sind gering. Am
auffälligsten unterscheiden sich die beiden im Norden heimischen
Weissbartgnus durch ihren weissen Bart von ihren drei schwarzbärtigen
Vettern im Süden. Das Weissbindengnu weist auf seinem Nasenrücken
eine mehr oder weniger deutliche weisse Querbinde auf. Und das
Südliche Streifengnu hat keine graubraune, sondern eine
blaugraue Grundfärbung.
Donnergrollen weist den Weg
Ist von Gnus die Rede, sehen wir vor unserem geistigen
Auge unweigerlich jene riesigen Wanderherden, welche aus Zehntausenden
von Tieren bestehen und immerfort durch die endlosen afrikanischen
Savannen ziehen. Diese aus Zeitschriften sowie Film und Fernsehen
wohl bekannten Gnuverbände sind allerdings ein sehr lokales
und überdies saisonales Phänomen. Sie bilden sich einzig
im Serengeti-Ökosystem in der Grenzregion zwischen Kenia
und Tansania und - in weit bescheidenerem Ausmass - in Botsuana.
In allen anderen Bereichen des Artverbreitungsgebiets unternehmen
die Streifengnus keine jahreszeitlich gebundenen Wanderungen,
sondern sind recht sesshafte Tiere. Zudem bilden sie kaum je
grössere Herden. Und sie bewohnen meistenorts keine baumlosen
Grasländer, sondern halten sich in Waldsavannengebieten
auf, wo Bäume jederzeit reichlich Schatten spenden.
Die Streifengnus sind ausgeprägte Grasesser.
Als Weidegründe bevorzugen sie Gebiete, in denen kurzes,
frisches Gras aufkommt, wie dies nach einem Buschbrand oder nach
einem Regen der Fall ist. Höchst selten beweiden sie Gras,
das höher als zehn bis fünfzehn Zentimeter ist.
Bei der Nahrungssuche nehmen die Streifengnus zuverlässig
jeden lokalen Gewitterregen wahr, der innerhalb ihres Streifgebiets
niedergeht, und machen sich - mit der Aussicht auf frische Weide
- jeweils unverzüglich und zielsicher zu Gegenden auf, in
denen Regen fällt bzw. kürzlich gefallen ist. Man nimmt
an, dass sie zum Orten beregneter Landstriche ihren feinen Geruchssinn
einsetzen. Offensichtlich verfügen sie aber noch über
weitere «Orientierungshilfen», denn sie finden regenfeuchte
Gebiete durchaus auch dann, wenn der Wind den Regengeruch von
ihnen weg bläst. Zum einen scheinen sie sich optisch anhand
der Wolkenformationen zu orientieren; in Savannengebieten sind
Gewitterwolken viele Kilometer weit erkennbar. Zum anderen setzen
sie wahrscheinlich auch ihr Gehör ein; Donner sind in ihrer
Heimat Dutzende von Kilometern weit hörbar.
In gewissen Fällen können sich die Streifengnus
allerdings auch irren. So setzten sich einst - einem verbürgten
Bericht aus den 1960er-Jahren zufolge - in der Serengeti ganze
Gnuherden in Bewegung und suchten ein mehr als 45 Kilometer entferntes
Gebiet auf, wo es ein schweres Gewitter gegeben hatte. Der Regen
war allerdings sehr lokal in einem felsigen, unzugänglichen
Hügelgebiet niedergegangen und nicht im Flachland. In der
Ebene war das Gras weitherum dürr. Die Gnus blieben zwei
Tage lang in der vergeblich aufgesuchten Gegend, fanden kaum
Nahrung, und kehrten schliesslich in das Gebiet zurück,
aus dem sie gekommen waren.
In zwei Minuten auf den Beinen
Streifengnus sind - wie man weiss - gesellige Tiere.
Die meisten von ihnen leben in Weibchen-Jungen-Gruppen oder in
Junggesellentrupps. Nur die ausgewachsenen, kräftigen Männchen
leben einzelgängerisch. Die Weibchen-Jungen-Gruppen umfassen
üblicherweise ein bis zwei Dutzend Individuen und sind in
ihrer Zusammensetzung recht stabil. Wo die Gnubestände regelmässige
saisonale Wanderungen unternehmen, können sich allerdings
mehrere Weibchen-Jungen-Gruppen zu grossen Verbänden von
vielen hundert bis tausend Individuen zusammenschliessen.
In den Regionen, in denen die Streifengnus eine sesshafte
Lebensweise führen, bemessen sich die Wohngebiete der Weibchen-Jungen-Gruppen
im Allgemeinen auf zwei bis drei Quadratkilometer. Jedes Wohngebiet
umschliesst mehrere Territorien einzelgängerischer Männchen.
Vielfach handelt es sich hierbei um permanente Einrichtungen:
Die Männchen halten ihr jeweiliges Territorium wenn möglich
jahrelang besetzt und verbleiben auch dann an Ort, wenn die Weibchen-Jungen-Gruppen
auf der Suche nach besserer Weide vorübergehend in einen
entfernten Winkel des Streifgebiets ziehen. In anderen Regionen,
wo die Gnus zu saisonalen Wanderungen gezwungen sind, stellen
die Männchenterritorien temporäre Einrichtungen dar:
Das territoriale Mosaik wird von den Männchen nur während
der Paarungszeit, wenn die Weibchen verhältnismässig
sesshaft sind, aufgebaut. Die Abstände zwischen den territorialen
Männchen betragen gewöhnlich zwischen 100 und 400 Metern,
in Gebieten mit magerer Weide sogar bis zu 1500 Meter.
Die territorialen Männchen verwenden viel Energie
auf das Fernhalten von Rivalen - und sie verwenden viel Zeit
auf das «Hüten» von Weibchen, die das Territorium
betreten. Jedes Weibchen wird zunächst mit tief gehaltenem
Kopf und Schwanzwedeln begrüsst. Dann wird es in die zentralen
Bereiche des Territoriums gelenkt, indem sich ihm das Männchen
immer wieder von der peripheren Seite her nähert. Zwischendurch
buhlt das Männchen um die Gunst des Weibchens, indem es
sich auf seinen Hinterbeinen hoch aufrichtet und sekundenlang
in dieser Stellung verweilt. Es zeigt dem Weibchen so seine Kraft
und Ausdauer - und dass es fit genug ist, um gesunden Nachwuchs
zu zeugen.
Das Fortpflanzungsgeschehen ist innerhalb jedes regionalen
Streifengnubestands stark synchronisiert: Stets bringen alle
Weibchen einer Gruppe ihre Jungen praktisch zur gleichen Zeit
zur Welt. Die Neugeborenen wiegen 14 bis 18 Kilogramm und sind
bemerkenswert weit entwickelt: Schon nach etwa zwei Minuten vermögen
sie auf ihren Beinchen zu stehen, und nach ungefähr fünf
Minuten können sie bereits ihrer Mutter hinterherrennen.
Im Alter von zwei Wochen beginnen sie, Gras zu sich zu nehmen,
doch werden sie noch bis zum Alter von vier oder fünf Monaten
gesäugt.
Die jungen Weibchen verbleiben gewöhnlich nach
der Geschlechtsreife in der mütterlichen Gruppe und pflanzen
sich im Alter von gut zwei Jahren erstmals selbst fort. Hingegen
werden die jungen Männchen im Alter von etwa zwei Jahren
aus ihrer Geburtsgruppe vertrieben. Sie schliessen sich dann
einem der örtlichen Junggesellentrupps an. Letztere bewegen
sich gewöhnlich am Rand der Streifgebiete der Weibchen-Jungen-Gruppen
umher. Erst wenn die jungen Männchen im Alter von ungefähr
vier Jahren ausgewachsen sind, kehren sie dem Junggesellenleben
den Rücken und versuchen, ein eigenes Territorium zu errichten.
Das Höchstalter von Streifengnus in Menschenobhut liegt
bei 20 Jahren.
In Mosambik beinahe ausgerottet
Insgesamt ist das Streifengnu ein recht häufiges
Tier. Tatsächlich dürfte es mit einer Gesamtpopulation
von ungefähr einer Million Individuen weltweit zu den häufigsten
wild lebenden Grosssäugern gehören. Also ist das Streifengnu
weit davon entfernt, zu den gefährdeten Tierarten gerechnet
werden zu müssen? Leider nein, meinen die Experten, denn
es gilt zweierlei zu bedenken: Erstens leben rund neunzig Prozent
der Gesamtpopulation in einem einzigen Gebiet: dem Serengeti-Ökosystem.
Die dortige Population hat im Verlauf der letzten Jahrzehnte
starke Bestandsschwankungen erlebt. Bis 1960 gab es nur rund
250.000 Streifengnus in der Serengeti. Dank der erfolgreichen
Bekämpfung der Rinderpest (mittels eines Rinder-Impfprogramms
im Umfeld der Serengeti) wuchs der Bestand in den Sechziger-
und Siebzigerjahren auf rund 1.250.000 Individuen an und hielt
sich auf diesem Niveau bis etwa 1985. Die massive Zunahme der
Wilderei und der Verlust von Lebensraum im Westen und Nordwesten
der Serengeti führten jedoch gegen Ende der Achtzigerjahre
wieder zu einem erheblichen Bestandsschwund. Heute wird die Populationsgrösse
in der Serengeti auf rund 900.000 Individuen geschätzt.
Zu bedenken gilt es zweitens, dass auch grosse Populationen
vor Bestandszusammenbrüchen - durch natürliche oder
menschgemachte Einwirkungen - keineswegs gefeit sind. Am Beispiel
der Streifengnus in Botsuana ist dies unschwer zu erkennen: In
den späten 1970er-Jahren umfasste die dortige Population
mindestens 260.000 Individuen und bildete den grössten Streifengnubestand
ausserhalb der Serengeti. In Dürrejahren wanderten die botsuanischen
Streifengnus von alters her auf traditionellen Routen weit in
den Norden des Landes, weil sie nur dort noch genügend Nahrung
und Wasser fanden. Das Anbringen kilometerlanger Rinderzäune
nebst der Ausweitung der menschlichen Siedlungen während
der Achtzigerjahre schnitt diese Wanderrouten jedoch meistenorts
entzwei. Nach Dürren zu Beginn der 1980er-Jahre brach die
botsuanische Streifengnupopulation deshalb abrupt zusammen. 1986
zählte sie weniger als 15.000 Individuen. Immerhin vermochte
sie sich seither etwa auf diesem Niveau zu halten.
In Mosambik, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken,
war das Streifengnu wahrscheinlich zu keiner Zeit so zahlreich
wie in Botsuana. Aber auch hier hat die Art herbe Bestandseinbussen
erlitten. Die Ursache sind in diesem Fall die Befreiungs- und
später Bürgerkriegswirren, die von 1964 bis 1992 im
Land herrschten. Waffen waren damals weit verbreitet, den Naturschutz-
und Jagdgesetzen wurde kaum Beachtung geschenkt, und die Streitkräfte
beider Seiten verpflegten sich grossenteils mit «Bushmeat»,
also dem Fleisch selbst geschossener Wildtiere. Die Wildtierbestände
gingen landesweit Besorgnis erregend zurück.
So auch derjenige der Streifengnus. Schon um 1980
war die Art in praktisch allen Landesteilen massiv zurückgedrängt,
teils gar ausgerottet. Eine Ausnahme bildete der grossflächige
Gorongoza-Nationalpark im südlichen Mosambik, wo noch 1980
eine gesunde Streifengnu-Population von rund 14.000 Individuen
überlebte. 1990 war allerdings auch diese Population beinahe
ausgerottet: Es überlebten nur noch 30 Individuen.
Seit dem Friedensabkommen zwischen Regierung und Rebellen
im Jahr 1992, der anschliessenden Entwaffnung der Rebellengruppen
durch die UN-Blauhelme und dem Einsetzen internationaler Hilfe
für den Wiederaufbau der Infrastruktur sieht die Situation
nicht nur für die Not leidende menschliche Bevölkerung,
sondern auch für die arg bedrängten Wildtiere Mosambiks
erheblich besser aus. Unter anderem wird der Gorongoza-Nationalpark
wieder instand gesetzt. Und dasselbe gilt für das Niassa-Wildschutzgebiet
ganz im Norden Mosambiks, wo ein zweiter kleiner Streifengnubestand
die schwere Zeit überlebt hat.
Legenden
Das Streifengnu (Connochaetes taurinus) gehört
zu den gross gewachsenen afrikanischen Antilopen: Erwachsene
Männchen erreichen eine Schulterhöhe von etwa 150 Zentimetern
und wiegen um 250 Kilogramm. Die Weibchen sind mit einer Schulterhöhe
von ungefähr 135 Zentimetern und einem Gewicht um 180 Kilogramm
etwas kleiner und leichter.
Das Verbreitungsgebiet des Streifengnus erstreckt
sich über weite Bereiche des südlichen und östlichen
Afrikas. Nicht überall sehen die Tiere gleich aus: Im Norden
haben sie eine graubraune Grundfärbung und einen weissen
Bart (oben; Serengeti, Tansania), im Süden eine blaugraue
Grundfärbung ist einen schwarzen Bart (links; Etoscha, Namibia).
Streifengnus sind gesellige Tiere. Die meisten
von ihnen leben in Weibchen-Jungen-Gruppen (Bild) oder in Junggesellentrupps.
Nur die ausgewachsenen Männchen leben einzelgängerisch.
Die Weibchen-Jungen-Gruppen umfassen üblicherweise ein bis
zwei Dutzend Individuen. Wo die Gnubestände saisonale Wanderungen
unternehmen, können sich allerdings mehrere Weibchen-Jungen-Gruppen
zeitweilig zu kopfstarken Herden zusammenschliessen.
Die ausgewachsenen männlichen Streifengnus
leben territorial: Sie besetzen ein Stück Lebensraum und
dulden in ihrem Eigenbezirk keine anderen fortpflanzungsfähigen
Männchen. Die Grundstückbesitzer verwenden viel Energie
auf das Fernhalten von Rivalen - und sie verwenden viel Zeit
auf das «Hüten» von Weibchen, die ihr Territorium
betreten.
Die jungen Streifengnus kommen nach einer Tragzeit
von etwa 250 Tagen als Einzelkinder auf die Welt. Bei der Geburt
sind sie bemerkenswert weit entwickelt: Schon nach etwa zwei
Minuten vermögen sie auf ihren Beinchen zu stehen, und nach
ungefähr fünf Minuten können sie bereits im mütterlichen
Verband mitrennen.
Streifengnus sind ausgeprägte Grasesser. Als
Weidegründe bevorzugen sie Gebiete, in denen kurzes, frisches
Gras spriesst, wie dies nach einem Buschbrand oder nach einem
Regen der Fall ist. Höchst selten beweiden sie Gras, das
höher als zehn bis fünfzehn Zentimeter ist. Im Übrigen
benötigen Streifengnus täglich Zugang zu Trinkwasser.
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