Südgeorgien
© 1992 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Auf den Namen des Monarchen getauft
Südgeorgien wurde im Januar 1775 vom legendären
britischen Kapitän James Cook entdeckt. Es geschah dies
anlässlich seiner zweiten Weltumsegelung, die er im Auftrag
der «Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften»
unternahm und die in erster Linie der Suche nach dem sagenumwobenen
«Südland» gewidmet war - jenem Kontinent im
Südmeer, der seit den alten Griechen in den Köpfen
der Geografen herumgeisterte, sich aber einfach nicht finden
liess. Cook umrundete zwar das gesamte Südpolargebiet und
überquerte auf seiner mehr als tausendtägigen Reise
mit seinem Schiff «Resolution» als erster Mensch
den südlichen Polarkreis, doch den geheimnisvollen Kontinent
bekam er nicht zu Gesicht. Die südlichsten «Länder»,
die er fand, waren Südgeorgien und die Südsandwich-Inseln.
Während er an den Südsandwich-Inseln lediglich vorübersegelte,
ging er auf Südgeorgien in der Possession Bay an Land und
nahm die Insel im Namen des damaligen britischen Monarchen König
George III. offiziell in Besitz. Hier - leicht gekürzt -
die entsprechenden Sequenzen aus dem Bericht des Naturforschers
Georg Forster, der zusammen mit seinem Vater Reinhold Forster
an der Weltumsegelung teilnahm:
«Zu Anfang des Jahres 1775 liefen wir nach Ostsüdost,
um auch während des dritten Sommers unserer Reise einen
neuen Versuch gegen Süden anzustellen. Am 3. Januar wurde
der Wind so heftig, dass eine grosse Bramstange brach. Weil er
aber für unseren Kurs günstig war, achteten wir des
Schadens nicht. Am 8. fiel ein starker Abendtau, ein sicheres
Zeichen dafür, dass in der Nähe Land sein müsse,
und die Matrosen hielten dies für desto glaubwürdiger,
als sich oft Sturmvögel, Albatrosse und Robben hatten sehen
lassen. Am 14. morgens meldete der wachhabende Offizier, dass
sich in der Ferne ein Eisberg zeige. Wir segelten den ganzen
Tag darauf zu und fanden am Abend, dass das, was wir für
Eis gehalten hatten, wirkliches Land war, und zwar von beträchtlicher
Höhe und mit Schnee bedeckt. Da der Hauptzweck unserer Reise
dahin ging, die See in hohen südlichen Breiten zu untersuchen,
schlug mein Vater dem Kapitän vor, dies Land müsse
den Namen des Monarchen tragen, auf dessen Befehl diese Reise
zum Nutzen der Wissenschaften unternommen worden sei. Dieser
Vorschlag fand Beifall, und das Land wurde «Süd-Georgien»
benannt.
Am 16. gegen neun Uhr liess der Kapitän ein Boot
in See setzen und fuhr mit einem Seekadetten, dem Wundarzt, meinem
Vater und mir nach einer Bai. An einer Landzunge stiegen wir
aus. Der Strand war sehr steinig und voller Robben. Wir fanden
auch etwa zwanzig Pinguine von ungewöhnlicher Grösse.
Die Robben waren viel grimmiger als auf den Neujahrsinseln. Statt
vor uns zu fliehen, bellten uns hier schon die kleinsten Jungen
an und liefen hinter uns her, um uns zu beissen. Es waren lauter
Seebären und nicht ein einziger Seelöwe darunter. Auf
einem kleinen Erdhügel liess Kapitän Cook die britische
Flagge wehen und nahm damit diese unfruchtbaren Felsen im Namen
Seiner Grossbritannischen Majestät in Besitz. Einige Flintenschüsse
bekräftigten die Zeremonie, dass die Felsen widerhallten
und Robben und Pinguine, die Einwohner dieses neuen Staates,
voll Angst und Bestürzung erbebten.»
Zu sechzig Prozent von ewigem Eis bedeckt
Bei einer Länge von 160 Kilometern und einer
maximalen Breite von 30 Kilometern weist Südgeorgien eine
Fläche von 3753 Quadratkilometern auf und ist damit die
grösste Insel des sogenannten «Südantillenrückens».
Dieses untermeerische Gebirge stellt gewissermassen die Verlängerung
der Anden dar und verläuft von Feuerland in einer grossen
Schleife zum antarktischen Kontinent. Grösstenteils befindet
es sich unter der Meeresoberfläche; an vier Stellen ragen
jedoch seine höchsten Gipfel aus dem Südatlantik auf
und bilden die Insel Südgeorgien sowie die Südsandwich-,
Südorkney- und Südshetland-Inseln.
Trotz ihrer relativ «nördlichen»
Breite von knapp 55 Grad - der Höhe etwa von Kiel auf der
Nordhalbkugel - ist das Klima der Insel überaus frostig.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur der Luft liegt bei +1,8
Grad Celsius. Selbst im Februar und März, den wärmsten
Monaten des Jahres, fällt die Temperatur nachts regelmässig
unter den Gefrierpunkt. Das kalte Klima Südgeorgiens - wo
es im übrigen oft und viel regnet bzw. schneit und wo fast
ständig stürmische Winde wehen - erklärt sich
daraus, dass die sogenannte «antarktische Konvergenz»
hier noch weiter nördlich verläuft. An dieser natürlichen
Wassergrenze sinken die kalten antarktischen Oberflächenwasser
erst in die Tiefe ab. Südgeorgien ist also während
des ganzen Jahres von Wassermassen umgeben, deren Temperatur
niemals weit über den Gefrierpunkt steigt. Die teils mächtigen
Eisberge, die im Bereich Südgeorgiens über den Ozean
treiben, zeugen hiervon.
1300 Kilometer liegt Südgeorgien von den Falklandinseln
entfernt, denen es als Verwaltungsbezirk angegliedert ist. Da
das abgeschiedene Eiland über keine Landepiste verfügt,
ist es nur mit dem Schiff zu erreichen. Drei bis vier Tage dauert
die Fahrt von den Falklandinseln durch die gewöhnlich stürmische
See des südlichen Atlantiks nach Südgeorgien. Die sicheren
Häfen sind an der zerklüfteten Nordseite, im Schutz
der Fjorde, angelegt. In einer riesenhaften Bucht, der Cumberland
Bay, befindet sich auch Grytviken, der Hauptort Südgeorgiens.
Schon unmittelbar hinter der Küstenregion beginnt
auf Südgeorgien alpines Bergland, das beim Gipfel des Mount
Paget bis auf 2934 Meter ansteigt. Mehr als hundert Gletscher
füllen die schroffen Täler aus und reichen oft bis
ins Meer. Zu rund sechzig Prozent ist Südgeorgien unter
ewigem Eis begraben, und auch das restliche Land ist fast das
ganze Jahr über von Schnee bedeckt. So verwundert es nicht,
dass sich die Vegetation ziemlich bescheiden ausnimmt und Tundrencharakter
hat. Immerhin haben annähernd 375 verschiedene Pflanzenarten
in der frostigen Landschaft eine magere Lebensgrundlage gefunden,
so vor allem Moose, Flechten, allerlei Zwergstauden und einige
Gräser, Binsen und Seggen. Die auffälligste Pflanze
der Insel ist das Tussock-Gras. Dieses widerstandsfähige,
bis zu zwei Meter hohe Gras wächst in einer Vielzahl überhängender
Büschel und bildet besonders in den tiefergelegenen, küstennahen
Gebieten der Insel dichte Bestände.
Südgeorgien hat zwar keine einheimische Bevölkerung,
aber völlig unbewohnt ist die südatlantische Insel
gleichwohl nicht, denn es leben hier permanent ein paar Mitarbeiter
des «British Antarctic Survey» - eines staatlichen
Forschungsprogramms, das für Meteorologen, Botaniker, Zoologen,
Geophysiker, Ozeanologen und viele andere Wissenschaftler seit
bald 25 Jahren zwei ständige Quartiere auf Bird Island und
in Grytviken unterhält. Während des Sommers sind es
meistens an die vierzig Männer und Frauen, die auf der Insel
ihre Studien betreiben. In den stürmischen und eisigen Wintermonaten,
wenn die Häfen zufrieren und Südgeorgien von der Aussenwelt
abgeschlossen ist, bleiben in der Regel allenfalls ein Dutzend
von ihnen in den beiden winterfesten Basislagern, während
die Sommerhütten leer stehen. Die Wissenschaftler sind im
Auftrag des britischen Kolonialbüros auch für die lokale
Administration zuständig.
Bis 1982 hatten diese paar Seelen in den britischen
Forschungsstationen die «Gesamtbevölkerung»
Südgeorgiens ausgemacht. Dann kam die Invasion Südgeorgiens
und der Falklandinseln durch die Argentinier, von der noch die
Rede sein wird. Seither beherbergt Grytviken zusätzlich
eine britische Garnison. Kriegsschiffe kontrollieren die Buchten,
Hubschrauber tauchen überraschend über Bergkämmen
auf, und eine «Hercules» patrouilliert regelmässig
in den Gewässern rund um die Insel.
Walfänger, Robbenjäger, Pinguinschlächter
Georg Forster war der Ansicht gewesen, dass zukünftig
«die Seefahrt nach dieser wüsten Gegend nicht allein
gefährlich, sondern dem Menschengeschlecht auch zu nichts
nütze» sei. Doch er irrte sich gründlich. Sein
Bericht - wie auch die Aufzeichnungen von Kapitän Cook -
waren schliesslich reich an Hinweisen auf die riesigen Seebären-Kolonien
Südgeorgiens gewesen, und da Robbenfelle im 18. Jahrhundert
eine begehrte Ware darstellten, suchten die Robbenjäger,
die ihr blutiges Geschäft bereits an den Küsten Patagoniens
und der Falklandinseln betrieben, alsbald auch Südgeorgien
heim. Mit dem Resultat, dass bis 1880 an den Stränden der
Insel über zehn Millionen Seebären getötet und
die arglosen Tiere damit praktisch ausgerottet wurden.
Die Schlächterei ging aber weiter: Die See-Elefanten
und Königspinguine waren die nächsten Opfer der menschlichen
Habgier. Aus dem Unterhautfett der Tiere liess sich ein erstklassiges
Öl für die verschiedensten Verwendungszwecke kochen.
Tag und Nacht brannten die Öfen, für welche tonnenweise
Kohle herangeschifft werden musste. Als jedoch gegen Ende des
19. Jahrhunderts preiswerte petrochemische Produkte die natürlich
gewonnenen Öle allmählich vom Markt verdrängten,
versiegte auch diese profitable Quelle. Die See-Elefanten und
Königspinguine konnten erleichtert aufatmen.
Nun brach die Zeit der Walfänger an - und damit
die Zeit der ersten wirklichen Besiedlung Südgeorgiens.
1864 war eine Harpune erfunden worden, die im Körper der
grossen Meeressäuger explodierte und sie sofort tötete.
Und etwa gleichzeitig waren die ersten dampfgetriebenen Walfangschiffe
entwickelt worden. Diese beiden technischen «Fortschritte»
setzten nun eine Tötungsindustrie in Gang, deren Ausmass
heute kaum mehr vorstellbar ist. 1904 wurde Grytviken gegründet,
der erste Walfänger-Stützpunkt auf Südgeorgien.
Acht Jahre später, 1912, gab es bereits sechs Stationen
und 62 Fangboote. Über 10 000 Wale wurden damals im Jahr
erlegt und verarbeitet. In den dreissiger Jahren betrug die Zahl
der geschlachteten Wale sogar um 40 000. Weit über 1000
Menschen aus vielen Nationen lebten und arbeiteten jeweils im
Sommer auf Südgeorgien. Grytviken blühte auf und wies
mit Läden, Bars, Kirche, Kino usw. bald eine umfassende
Infrastruktur für die Norweger, Engländer, Amerikaner,
Russen und Japaner auf, welche in diesem gnadenlosen Vernichtungsfeldzug
führend waren. Erst in den sechziger Jahren bremsten die
massiven Proteste der Naturschützer und vor allem ökonomische
Überlegungen den Walmord. Der Fangerfolg wurde nämlich
immer geringer, der Aufwand immer grösser. Dies führte
dazu, dass 1964 mit Grytviken die letzte der sechs Walfängerstationen
auf Südgeorgien geschlossen wurde.
Zurück blieb ein Schrotthaufen, der noch heute
jeden Besucher Südgeorgiens mit diesem dunklen Kapitel der
Inselgeschichte konfrontiert. Überall trifft man auf Gerümpel
- halbversunkene Schiffe vor der Küste, verrostende Öltanks
von gewaltigen Ausmassen, langsam zerfallende Trankochereien,
verwüstete Holz- und Wellblechhütten, in deren Fensterhöhlen
zerfetzte Gardinen flattern, Strände, die von verblichenen
Walknochen übersät sind. Man empfindet angesichts dieser
Zeugnisse menschlicher Profitgier unweigerlich Zorn über
das, was der Mensch der Natur mitunter antut. Andererseits kann
man sich auch freuen über die unbeugsame Lebenskraft der
Natur, die hier deutlich wird: So machen es sich im Windschatten
der rostigen Trankochereien junge See-Elefanten gemütlich,
als sei auf Südgeorgien nie etwas vorgefallen. In der Tat
haben sämtliche Tierarten, die zu Kapitän Cooks Zeiten
die Insel bevölkerten, die Machenschaften des Menschen überlebt.
Der Bestand der Seebären hat sich von den höchstens
100 Überlebenden auf sage und schreibe wieder etwa 1 Million
erholt. Der Bestand der Königspinguine, von denen es in
den dreissiger Jahren nur noch etwa 2000 Paare gab, schätzt
man auf weit über 100 000. Auch der Bestand der See-Elefanten
auf Südgeorgien umfasst heute wieder rund 350 000 Individuen.
Und daneben gibt es wie eh und je ungezählte Millionen von
Sturm- und anderen Meeresvögeln. Ob sich auch die Wale im
südlichen Atlantik wieder zu erholen vermögen, ist
im Moment noch nicht abzusehen. Dank des Walfangmoratoriums,
das seit 1986 weltweite Gültigkeit hat, stehen ihre Chancen
aber nicht schlecht.
Sprungbrett zur Antarktis
Südgeorgien gilt im allgemeinen als britische
Aussenbesitzung, seit Kapitän Cook 1775 die Insel für
die britische Krone reklamierte. Dieser Anspruch wird jedoch
von Argentinien nicht anerkannt. «San Pedro» (Südgeorgien),
so argumentiert die argentinische Regierung, sei unbestrittenermassen
eine Verwaltungsdependenz der «Islas Malvinas» (Falklandinseln),
und diese gehörten eindeutig unter die Oberhoheit Argentiniens.
Denn 1816, als Argentinien formell unabhängig wurde, da
habe es sämtliche Rechte auf die Inseln von den spanischen
Kolonialherren geerbt. Grossbritannien habe sich die Falklandinseln
seinerzeit (1832) widerrechtlich angeeignet. Natürlich will
Grossbritannien von dieser Argumentation nichts wissen, und nimmt
man die Ereignisse im Bereich der südatlantischen Inseln
im 18. und 19. Jahrhundert genauer unter die Lupe, so erweisen
sich die Besitzansprüche als ziemlich diffus. Wie dem auch
sei: 1982 machte Argentinien seinen Besitzanspruch auf die Falklandinseln
und auf Südgeorgien mit Waffengewalt geltend.
Ausgelöst wurde die Krise am 19. März 1982
durch ein paar argentinische Schrotthändler. Sie waren nach
Südgeorgien gekommen, um - mit dem Einverständnis der
Briten - die verlassene Walfängerstation bei Leith Harbour
abzuwracken. Doch als erstes hissten sie ihre blauweissblaue
Nationalflagge und verletzten damit vorsätzlich die Gebietshoheit
der Briten. So wurde Südgeorgien, bis anhin ein Ort friedlicher
internationaler Zusammenarbeit, von heute auf morgen zu einem
Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. Denn kurz
darauf verlieh die argentinische Militärjunta dem «Flaggenakt»
Nachdruck, indem sie zwei Korvetten und ein U-Boot zur praktisch
menschenleeren Insel entsandte. Sie trafen am 2. April 1982 dort
ein - am gleichen Tag, als die argentinische Kriegsflotte auch
vor den Falklandinseln aufkreuzte und diese im Handstreich einnahm.
Grossbritannien wollte sich das nicht gefallen lassen und schickte
sogleich ein kampfstarkes Geschwader der britischen Marine in
den Südatlantik. Im Morgengrauen des 25. April begann die
Rückeroberung Südgeorgiens mit der Zerstörung
des vor Grytviken liegenden argentinischen U-Boots durch einen
britischen Kampfhubschrauber. Völlig überrascht musste
sich die argentinische Truppe schon nach zweistündigem Kampf
dem etwa 150 Mann starken britischen Kommando ergeben. Etwas
langwieriger gestaltete sich die Rückgewinnung der Falklandinseln,
doch waren die Briten schliesslich auch dort erfolgreich. Am
14. Juni konnten sie die Argentinier zur Kapitulation zwingen.
Der für beide Seiten verlustreiche Falkland-Konflikt war
zugunsten der Briten entschieden; die südatlantischen Besitzungen
befanden sich wieder fest in ihrer Hand.
Was mag die Argentinier zu dieser scheinbar unsinnigen
militärischen Konfrontation mit den Briten veranlasst haben?
Vordergründig rechtfertigten sie ihre Tat mit ihren alten
Besitzansprüchen auf die Inseln. Hintergründig dürfte
sie jedoch die grosse geopolitische Bedeutung der Falklandinseln
und Südgeorgiens zu ihrem Schritt bewogen haben: Die beiden
Inselterritorien bilden Sprungbretter zur Erschliessung der in
der Antarktis lagernden Bodenschätze, von denen mehrere
den Bedarf der Menschheit für ein bis zwei Jahrhunderte
decken dürften. Und sie sind ideale militärische Stützpunkte
für den Fall, dass eines Tages ein Konflikt um die Antarktis
ausbrechen sollte.
Erfreulicherweise beschlossen 1991 die 26 stimmberechtigten
Konsultativstaaten des sogenannten «Antarktisvertrags»,
den Abbau von Rohstoffen aller Art in der Antarktis während
der kommenden 50 Jahre zu unterlassen und den frostigen Kontinent
einzig der wissenschaftlichen Forschung zu öffnen. Damit
dürften die Antarktis selber wie auch Südgeorgien und
die Falklandinseln vorerst aus dem Visier nimmersatter Machthaber
geraten sein.
Es ist wieder Ruhe eingekehrt auf Südgeorgien:
Zweimal im Jahr kommt heute ein Versorgungsschiff des «British
Antarctic Survey» zu der Insel. Gelegentlich taucht ein
britisches Kriegsschiff auf. Und dann und wann läuft ein
Fischtrawler den Hafen von Grytviken an, um Trinkwasser zu fassen.
Darüberhinaus gehört Südgeorgien neuerdings
zu den Destinationen jener luxuriösen Kreuzfahrtschiffe,
welche in den subantarktischen und südpolaren Gewässern
operieren. Etwa 1000 Touristen kommen jährlich auf diese
Weise nach Südgeorgien, zumeist im südlichen Sommer,
wenn die Robben und Seevögel in grossen Brutkolonien ihre
Jungen grossziehen. Doch auch sie stören die überragende
Stille im «Reich der Königspinguine» wenig.
Denn sie verlassen ihr Schiff jeweils nur für wenige Stunden
an zwei oder drei ausgewählten Stellen und ziehen schon
bald wieder weiter auf ihrer Expedition durch den Südatlantik.
Bildlegenden
Südgeorgien ist eine Insel von herber Schönheit:
Die bis annähernd 3000 Meteraufragenden Gipfel der Allardyce
Range, die dunklen Fjorde und die riesigen Gletscher lassen sie
abweisend und verlockend zugleich erscheinen. Zahllose Meeresvögel
haben auf Südgeorgien ihre Heimat. Die grössten unter
ihnen sind die Wanderalbatrosse: Sie erreichen eine Spannweite
von mehr als drei Metern.
Auf Südgeorgien finden sich in Gestalt von Königspinguin-Kolonien
einige der grössten Vogelbrutstätten der Welt. Hier
und dort erstrecken sie sich kilometerweit die Hänge hinauf
und umfassen mehrere zehntausend Brutpaare. Die grossen Pinguine
mit ihren «Teddybärjungen» bilden eine der Hauptattraktionen
für die rund 1000 Touristen, welche jährlich mit Kreuzfahrtschiffen
nach Südgeorgien kommen.
Die rostigen Ruinen der Walfängerbasis bei Prince
Olaf Harbour erinnern an ein dunkles Kapitel der Inselgeschichte:
Ab 1904 wurde Südgeorgien als Walfänger-Stützpunkt
genutzt. Nach sechs Jahrzehnten erbarmungloser Jagd waren die
grossen Meeressäuger im Umfeld der Insel nahezu ausgerottet,
und als das blutige Geschäft sich selbst die Grundlage entzogen
hatte, da überliessen die Walfanger alles dem Verfall. Zurück
blieb ein Schrotthaufen.
Südgeorgien hat keine einheimische Bevölkerung.
Seit bald 25 Jahren unterhält aber das Forschungsprogramm
«British Antarctic Survey» auf der Insel zwei winterfeste
Quartiere und mehrere «Sommerhütten», in denen
stets ein paar Wissenschaftler wohnen. Die britischen Zoologen
auf dem Bild führen eine sechsmonatige Studie über
die Seebären im nördlichen Bereich der Insel durch.
Mehr als hundert Gletscher gibt es auf Südgeorgien,
von denen manche - wie hier in der King Haakon Bay - bis ins
Meer reichen. Zu rund 60 Prozent ist Südgeorgien von ewigem
Eisbedeckt. Kapitän James Cook beschrieb die Insel l775
denn auch wenig begeistert als «ein von der Natur verdammtes
Stück Erde, das niemals die Wärme der Sonnenstrahlen
spürt, sondern begraben liegt unter ewigem Eis und Schnee».
Die starke Reduzierung des Blauwals und der anderen
grossen Bartenwale in den südatlantischen Gewässern
ist der wichtigste Grund dafür, dass es den Robben heute
so gut geht. Die Ernährung der Wale basiert nämlich
ebenso wie die der Robben auf Krill, jenen daumenlangen, schwarmbildenden
Krebsen, welche die wichtigste Gruppe der freischwebenden antarktischen
Planktontiere bilden. Durch den Rückgang der Wale haben
die Robben jetzt Nahrung im Überfluss. Das Bild zeigt einen
See-Elefanten.
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