Projekt «Tai-Nationalpark»


© 1984 Markus Kappeler
(erschienen in der Reihe «WWF-Projektberichte»)



Im Südwesten der Elfenbeinküste liegt das letzte qrosse Regenwaldgebiet Westafrikas - der Tai-Wald. Er ist von erstrangiger Bedeutung für die überaus reiche Tier- und Pflanzenwelt Afrikas. Sowohl für jene rund 150 Pflanzenarten, die nur hier vorkommen, wie auch für etwa 80 typisch afrikanische Regenwaldsäugetiere - darunter so seltene Tiere wie das Zwergflusspferd, der Waldelefant und die Bongoantilope - ist der Tai-Wald überlebenswichtig. Die Expertenkommission des WWF für Tropenwälder hat dieses Gebiet deshalb unter die 11 kostbarsten und mit erster Priorität zu schützenden Regenwaldgebiete der Erde eingereiht.

Bis vor gut 25 Jahren war die Tai-Region nur spärlich von Menschen besiedelt. Die weit verstreut lebenden Leute des Bakwe-Volks pflegten traditionellen Wanderfeldbau. In kleinen Lichtungen, die sie nach ein bis zwei Jahren wieder sich selbst überliessen, pflanzten sie Maniok, Hirse und Bananen. Ihre Mahlzeiten ergänzten sie mit Sammelprodukten und Wild aus dem umliegenden Wald. Der Mensch lebte in der Tai-Reqion in Harmonie mit dem Wald. Seine Nutzung des Walds entsprach dessen natürlichen Reqenerationsfähigkeit.

Das änderte sich grundlegend, als 1965 die Regierung der Elfenbeinküste beschloss, diese abgelegene Ecke des Lands zu «fördern». Mit massiven Investitionen entstanden im Tai-Gebiet riesige agro-industrielle Komplexe - für die Gummi- und die Palmölproduktion etwa. Holzkonzessionen wurden vergeben. Der Bau von Städten, Häfen, Strassen, Stauwerken, Eisenbahnlinien wurde an die Hand genommen.

Mit dem Fortschritt kamen die Siedler. In wenigen Jahren vervielfachte sich die Bevölkerung im Tai-Gebiet. Die Neusiedler folgten den Holzgesellschaften in die bisher unberührten, unzugänglichen Wälder, sobald die ersten Breschen geschlagen waren. Sie zerstörten vollends, was diese von der ursprünglichen Vegetation noch übriggelassen hatten. Auf breiter Front und in enormem Tempo näherte sich die Zerstörung der Kernzone des Tai-Waldgebiets.

1972 wurde - dem dringenden Appell des WWF folgend - ein zentraler, 3000 km2 grosser Teil des Walds zum strikt geschützen Tai-Nationalpark erklärt. Die vom Staat konzessionierte Waldnutzung in den angrenzenden Waldzonen (mit nachfolgender Besiedlung durch Pflanzer) schritt jedoch ungehemmt weiter. Der Druck auf den Park selbst wurde zusehends grösser, die illegalen Übergriffe immer häufiger.

Im November 1982 traf sich schliesslich eine Delegation des WWF International mit dem Präsidenten der Elfenbeinküste, Houphouet Boigny. Sie setzte sich für den Schutz des gesamten noch verbliebenen Tai-Walds ein und bot hierfür langfristige finanzielle und fachliche Hilfe im Rahmen der WWF-Kampagne Tropenwald an. Dem Staatschef wurde ein umfassendes Schutzprogramm unterbreitet, welches im wesentlichen folgende Massnahmen vorsieht: Verbesserung der bestehenden Parkkontrolle, deutliche Kennzeichnung der Parkgrenzen und die Schaffung einer Pufferzone, die nur in ökologisch vertretbarem Ausmass genutzt werden darf.

Noch im Jahr 1982 hat Präsident Houphouet-Boigny sämtlichen Holzgesellschaften, die im Tai-Gebiet operierten, die Konzession entzogen. Damit hat der Präsident der Elfenbeinküste den politischen Willen unmissverständlich zum Ausdruck qebracht, das letzte grosse Regenwaldgebiet Westafrikas zu erhalten.




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