Weissschwanz-Tropikvogel

Phaeton lepturus


© 2001 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Die Familie der Tropikvögel (Phaethontidae) gehört zusammen mit den Familien der Pelikane (Pele-canidae), der Kormorane (Phalacrocoracidae), der Schlangenhalsvögel (Anhingidae), der Tölpel (Sulidae) und der Fregattvögel (Fregatidae) zur Ordnung der Ruderfüsser (Pelecaniformes). Weltweit gibt es nur drei Tropikvogel-Arten: den Rotschnabel-Tropikvogel (Phaeton aethereus), den Rotschwanz-Tropikvogel (Phaeton rubricauda) und den Weissschwanz-Tropikvogel (Phaeton lepturus).

Der Weissschwanz-Tropikvogel ist zwar der kleinste der drei, mit einer Flügelspannweite von einem knappen Meter und einem Gewicht von durchschnittlich 300 Gramm aber dennoch ein stattlicher Vogel. Für unser Auge gehört er zweifellos zu den elegantesten Meeresvögeln. Zu diesem Eindruck tragen neben dem durchscheinenden schneeweissen Gefieder die beiden stark verlängerten mittleren Schwanzfedern bei. Diese sind sehr biegsam und spielen beim akrobatischen Balzflug der Vögel eine wichtige Rolle.

Der Weissschwanz-Tropikvogel ist über die tropischen und subtropischen Bereiche des Pazifischen, des Indischen und des Atlantischen Ozeans weit verbreitet. Seine Brutplätze befinden sich zur Hauptsache auf entlegenen ozeanischen Inseln. Wie seine beiden Vettern streift der elegante Meeresvogel ausserhalb der Brutsaison weit umher. Oft begegnet man ihm fern jeglicher Küste in äquatorialen Gewässern, wo sich andere Meeresvögel selten aufhalten.

Im Allgemeinen trifft man die Weissschwanz-Tropikvögel einzeln oder paarweise an. Meistens fliegen sie zehn bis zwanzig Meter über der Meeresoberfläche dahin und halten nach Nahrung Ausschau. Letztere setzt sich zur Hauptsache aus kleinen Fischen (oftmals Fliegenden Fischen), kleinen Tintenfischen und gewissen Krebstieren zusammen. Die Vögel fangen ihre Beute, indem sie aus dem Spähflug heraus zielgerichtet nach unten stossen und mit halb geschlossenen Flügeln ins Wasser eintauchen. Meistens überfallen sie ihre Beutetiere unmittelbar unter der Wasseroberfläche, doch tauchen sie mitunter auch metertief ins Meerwasser ein.

Die Weissschwanz-Tropikvögel scheinen im Allgemeinen ein monogames Leben zu führen: Jahr für Jahr finden dieselben Partner in derselben Brutkolonie zusammen. Zwischen den verschiedenen Paaren kommt es vielfach zu erbittertem Streit um die günstigen Nistplätze, und auch andere Meeresvögel werden nach Möglichkeit von solchen Plätzen vertrieben. Viele erwachsene Tropikvögel weisen Narben auf, die sie sich bei solchen Zwisten zugezogen haben.

Ist der Nistplatz in Besitz genommen, legt das Weibchen ein einzelnes Ei und bebrütet dieses im Wechsel mit dem Männchen während rund 40 Tagen. Nach dem Schlüpfen wird das Junge anfangs ständig vom einen oder anderen Altvogel gehudert, dann wird es während zunehmend längeren Zeitabschnitten allein gelassen. Während 70 bis 90 Tagen tragen die beiden Altvögel dem Nestling Futter zu, dann überlassen sie ihn - gewöhnlich bevor er voll flugfähig ist - seinem Schicksal. Er zehrt dann vorübergehend von seinen Fettreserven. Sobald der Jungvogel fliegen kann, entfernt er sich vom Nest und macht sich auf zu seinem ersten Streifzug über das Meer. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von ungefähr drei Jahren ein; die natürliche Lebenserwartung dürfte bei über dreissig Jahren liegen.

Der Weissschwanz-Tropikvogel wird derzeit nicht als in seinem Fortbestand gefährdet eingestuft. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er noch immer weit verbreitet ist und auf zahlreichen Eilanden zur Brut schreitet, welche weder vom Menschen noch von eingeschleppten, nestplündernden Ratten, Katzen oder Hunden besiedelt sind. Global gesehen ist er jedoch keineswegs ein häufiger Meeresvogel, denn wie viele andere Meeresvögel hat er in den vergangenen Jahrhunderten aufgrund der Machenschaften des Menschen zahlreiche wichtige Brutstützpunkte verloren. Und leider sieht auch seine Zukunft keineswegs rosig aus: Die zunehmende Verschmutzung der Meere mit Schadstoffen, die masslose Übernutzung der Fischbestände und das durch die Erderwärmung hervorgerufene Ansteigen des Meeresspiegels dürften ihm zukünftig erheblich zu schaffen machen.




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