Tuvalu


© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Ein Staat namens «Tuvalu» dürfte den meisten von uns unbekannt sein. Und doch gibt es ihn - mitten in den Weiten des Pazifiks. Mit einer Landfläche, die sechsmal kleiner ist als die des Fürstentums Liechtenstein, gehört er allerdings zu den kleinsten eigenständigen Staatsgebilden der Welt und macht kaum je von sich reden. Ausserdem existiert er unter diesem Namen erst seit der Unabhängigkeit im Jahr 1978. Zuvor, als er noch britische Kolonie war, trug er den Namen «Ellice-Inseln». Diese Bezeichnung steht noch heute in manchem Atlas und etwelchem Lexikon.

Das Wort «Tuvalu» bedeutet in der polynesischen Sprache «Gruppe von acht» (Atollen), obschon der Zwergstaat deren neun umfasst. Die Unstimmigkeit beruht darauf, dass früher nur acht der neun tuvaluischen Atolle ständig bewohnt waren. Niulakita, das südlichste und kleinste von ihnen, wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg besiedelt. Richtigerweise sind es denn auch neun Sterne, welche auf Tuvalus Nationalflagge die zum Territorium gehörenden Atolle symbolisieren.

 

26 km2 Land, 1300 000 km2 Wasser

Tuvalu befindet sich im westlichen Bereich des Südpazifiks, etwa 1200 Kilometer nördlich von Fidschi und etwa ebensoweit südlich von Kiribati. Tuvalus Atolle bilden eine ungefähr 570 Kilometer lange, von Nordwest nach Südost verlaufende Kette. Ihre gesamte Landfläche beträgt lediglich 26 Quadratkilometer, doch gehören zum Staatsgebiet noch 1,3 Millionen Quadratkilometer Ozean. Keines der Atolle ragt mehr als 4,5 Meter aus dem Meer auf.

Tuvalus Hauptatoll ist das 2,5 Quadratkilometer grosse Funafuti, auf dessen langgestrecktem Riffinselchen gleichen Namens das Verwaltungszentrum Fongafale liegt. Hier leben mit gut 2000 Personen etwa ein Viertel der tuvaluischen Staatsbürger. Hier findet sich auch der einzige Flugplatz des kleinen Staats, das einzige Krankenhaus, die einzige Bank, das einzige Hotel, das einzige Restaurant und der einzige Lebensmittelladen, der diesen Namen verdient. Auch der einzige Bus Tuvalus verkehrt auf Funafuti und pendelt regelmässig von einem Zipfel der Insel zum anderen.

Tuvalu liegt in der feuchtwarmen Äquatorialzone und verfügt das ganze Jahr hindurch über ein gleichmässiges tropisches Klima. Die durchschnittliche Tagestemperatur schwankt zwischen 26 und 32 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit zwischen 74 und 81 Prozent. Zwischen März und Oktober sorgt der stete Südostpassat für ziemlich trockene Verhältnisse. Im übrigen Teil des Jahres fällt bei Westwind der Grossteil der Jahresniederschläge, die mit etwa 3000 Millimetern nicht unbeträchtlich sind. Taifune sind selten, aber nicht unbekannt, und kommen meistens aus südlicher Richtung.

Trotz der hohen Niederschläge gibt es auf den tuvaluischen Atollen keine Trinkwasserquellen. Sämtliche Niederschläge versickern sofort im porösen korallinen Untergrund. Alle Häuser auf Tuvalu verfügen deshalb über Auffangbecken, in denen das Regenwasser gesammelt wird. Die Trinkwasserversorgung kann dennoch bei länger anhaltender Trockenzeit zu erheblichen Problemen führen. Die Tuvaluer sind dann gezwungen, auf Meerwasser einerseits und Kokosnuss-Fruchtwasser andererseits zurückzugreifen.

Die Wasserarmut an der Oberfläche hat - zusammen mit der Nährstoffarmut des korallinen Bodens - auch schwerwiegende Auswirkungen auf den Pflanzenwuchs. Nur wenigen, besonders anspruchslosen Pflanzen vermag der Boden als Lebensgrundlage zu genügen. Die natürliche Vegetation der Tuvalu-Atolle ist deshalb sehr artenarm und besteht hauptsächlich aus Kokospalmen und Schraubenbäumen sowie einigen wenigen anderen Gewächsen. Gartenpflanzen gedeihen nur mit grösserem Aufwand.

 

Walfänger, Sklavenjäger, Missionare

Tuvalus Atolle scheinen ungefähr zu Beginn unserer Zeitrechnung von Polynesiern entdeckt und besiedelt worden zu sein. Die Herkunft der frühen Inselsiedler ist nicht genau geklärt. Sitten und Gebräuche sowie die Sprache der Tuvaluer lassen jedoch darauf schliessen, dass Samoaner seinerzeit die südlichen, Tongaer die nördlichen Atolle erreicht hatten. Eine Ausnahme stellt Nui dar: Nuis Bewohner sprechen eine mikronesische Sprache, was darauf schliessen lässt, dass ihre Vorfahren von Norden her, aus dem Bereich des heutigen Kiribati, kamen.

Nui war die erste Tuvalu-Insel gewesen, die von Europäern entdeckt worden war, und zwar 1568 vom spanischen Seefahrer Alvaro Mendana de Neira, der später auch als erster auf Niulakita landete. Zu regelmässigen Kontakten mit Europäern kam es aber erst im 19. Jahrhundert. Es waren hauptsächlich Walfänger, welche im frühen 19. Jahrhundert auf der Suche nach ihrer schwergewichtigen Beute in den südwest pazifischen Gewässern kreuz und quer umhersegelten und dabei die restlichen Tuvalu-Atolle entdeckten. Zu ihnen zählte auch der amerikanische Kapitän Arent de Peyster. 1819 stiess er auf Funafuti und nannte es zu Ehren des Schiffseigners «Ellice-Insel». Der Name ging später auf den ganzen Archipel über.

Nun liessen sich hier und dort auf den Tuvalu-Atollen desertierende Matrosen nieder, denen das unbeschwerte Leben der einheimischen Bevölkerung besser gefiel als die undankbare Arbeit an Deck. Einige von ihnen wurden später zu Handelsvertretern für ausländische Firmen und verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit dem Export von Kopra und Schildpatt.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kreuzten dann auch die berüchtigten «Blackbirders» in den Gewässern Tuvalus auf - Weisse, die sich als Sklavenjäger und Menschenhändler betätigten. Mit falschen Versprechungen und massivem Druck verschleppten sie die gutgläubigen Insulaner anfänglich nach Peru, wo sie bei der Guanogewinnung auf den vorgelagerten Inseln arbeiten mussten, später auch nach Fidschi und Hawaii. So wurden zwischen 1860 und 1875 mehr als 1500 der kräftigsten tuvaluischen Männer ihren Familien entrissen, und keiner kehrte je zurück. Dies hatte - zusammen mit den Krankheiten, welche die Europäer mitgebracht hatten und gegen welche die Tuvaluer keine Abwehrkräfte besassen - schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung des Archipels: Diese schrumpfte von ursprünglich geschätzten 10 000 Personen auf etwa 3000 im Jahr 1875.

Vielleicht war es ein Glück, dass ab 1865 die Londoner Missionsgesellschaft auch auf Tuvalu die Christianisierung der «heidnischen» Insulaner einleitete. Jedenfalls verfügten die Tuvaluer nun in Gestalt der Missionare über Berater und Fürsprecher, die sie vor den Machenschaften betrügerischer Weisser gut schützten. Ob es den Preis wert war, den die Inselbewohner dafür bezahlen mussten - Aufgabe der eigenen kulturellen Identität und Eintausch des unbeschwerten Lebens gegen ein solches voller Regeln, Pflichten und Verbote - sei dahingestellt.

 

Seit dem 1. Oktober 1978 unabhängig

Bereits durch die Arbeit der britischen Missionare hatten sich engere Beziehungen Tuvalus zu Grossbritannien ergeben. Hauptsächlich um amerikanische Händler fernzuhalten, legten die Briten dann auch politisch ihre Hand auf Tuvalu: 1892 fassten sie es administrativ mit den Gilbert-Inseln (heutiges Kiribati) zum britischen Protektorat der «Gilbert- und Ellice-Inseln» zusammen. Und 1916 wandelten sie das Protektorat zu einer Kolonie um.

Die Kolonialzeit verlief ohne nennenswerte Ereignisse. Da auf den Ellice-Inseln keine verwertbaren Rohstoffe lagerten und sie zudem weitab der wichtigen Schiffahrtswege lagen, blieb der britische Einfluss gering. Der Zweite Weltkrieg verschonte dann aber selbst diesen entlegenen Archipel nicht. Um die expansionsfreudigen Japaner bremsen zu können, wurden auf Funafuti, Nukufetau und Nanumea amerikanische Militärstützpunkte errichtet, was den Inselbewohnern ungewohnte Betriebsamkeit brachte. Dadurch erhielten sie jedoch eine Landepiste für Flugzeuge (auf Funafuti), die noch heute benutzt wird. Und es blieb ihnen eine japanische Invasion erspart. Die Japaner kamen lediglich dazu, ein paar Bomben über den Ellice-Inseln abzuwerfen. An eine dieser Bombardierungen erinnert noch heute der «Bomb Day», ein lokaler Feiertag auf Funafuti, der am 23. April begangen wird. An diesem Datum des Jahres 1943 traf eine japanische Bombe exakt die Kirche Funafutis: Sie fiel mitten durch das Kirchendach und zerstörte das Kircheninnere vollständig. Wie durch ein Wunder kamen aber keine Personen zu Schaden. Ein geistesgegenwärtiger amerikanischer Korporal hatte wenige Minuten vor dem japanischen Luftangriff 680 Dorfbewohner aus der Kirche gejagt und damit eine grössere Katastrophe gerade noch verhindern können.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg existierte die Kolonie der «Gilbert- und Ellice-Inseln» weiter. Als zu Beginn der siebziger Jahre die von der UNO forcierten Entkolonisierungsbestrebungen voranschritten, da wurde jedoch der Wunsch der Bewohner der Ellice-Inseln immer drängender, sich aus der Union mit den Gilbert-Inseln zu lösen und ihren eigenen Weg in die Unabhängigkeit zu gehen. Der Grund für diesen Wunsch lag in der rassischen Verschiedenheit der beiden Nachbarn: Während die Bewohner der Ellice-Inseln (von Nui abgesehen) Polynesier sind, handelt es sich bei den Gilbertesen um Mikronesier. Die Bewohner der Ellice-Inseln befürchteten, bei der Erlangung der Unabhängigkeit als Union gegenüber den wirtschaftlich fortgeschritteneren und erheblich zahlreicheren Gilbertesen benachteiligt zu sein, ja möglicherweise von ihnen unterdrückt zu werden.

Bei einer Volksabstimmung im Jahr 1974 sprachen sich die Ellice-Inselbewohner dann tatsächlich mit überwältigender Mehrheit von 92 Prozent dafür aus, ein eigenständiger Staat zu werden. Grossbritannien erfüllte diesen Wunsch umgehend: Am 1. Oktober 1975 vollzog es die administrative Trennung der beiden Inselgruppen, und am 1. Oktober 1978 wurden die Ellice-Inseln separat als «Tuvalu» in die Unabhängigkeit entlassen. Mit einer Parade auf dem Flugplatz von Funafuti sowie Tänzen, Gesängen und Festessen auf allen Tuvalu-Atollen wird heute an jedem 1. Oktober der Unabhängigkeitstag gebührend gefeiert.

Ganz aufgegeben hat Grossbritannien seine Beziehungen zu Tuvalu allerdings nicht. Als Staatsform für die kleine Inselgruppe wurde nämlich die bewährte parlamentarische Monarchie nach britischem Muster gewählt - mit Königin Elizabeth II. als formellem Staatsoberhaupt. Sie lässt sich vor Ort durch einen Generalgouverneur vertreten, der aber nicht aus Grossbritannien stammt: Gemäss Verfassung muss er Staatsbürger Tuvalus sein und wird auf Vorschlag des tuvaluischen Premierministers ernannt, der seinerseits vom Parlament gewählt wird. Das Parlament Tuvalus, das in Fongafale tagt, umfasst zwölf Abgeordnete, welche in allgemeinenen Wahlen für jeweils vier Jahre von den erwachsenen Bürgern Tuvalus bestimmt werden. Auf jedem Atoll gibt es ferner einen gewählten sechsköpfigen Inselrat, der für die lokalen Verwaltungsangelegenheiten zuständig ist.

 

Wichtigster Arbeitgeber: das philatelistische Büro

Tuvalu zählt zu den wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Inselgruppen des Pazifiks. Grundlage der Inselökonomie bilden die Landwirtschaft und die Fischerei, welche überwiegend der Selbstversorgung der Bevölkerung dienen. Über drei Viertel der tuvaluischen Inselbewohner leben von den wenigen Erzeugnissen, die der karge koralline Boden hergibt, und vom Fischfang. Rinderhaltung ist mangels geeigneten Weidelands nicht möglich, doch werden Schweine und Hühner als «Abfallverwerter» gehalten.

Wichtigste Agrarprodukte sind Kokosnüsse, Bananen, Brotfrüchte, Papayas und Taroknollen. Zwar können einige hundert Tonnen Kopra jährlich exportiert werden; dennoch vermag die Landwirtschaft den Nahrungsmittelbedarf der Inselbevölkerung nicht zu decken. Grundnahrungsmittel wie Reis und Mehl müssen ebenso importiert werden wie Zucker, Kaffee und andere «Luxuslebensmittel».

Kopra bildete früher praktisch das einzige Exporterzeugnis Tuvalus. Seit der Mitte der achtziger Jahre stellen Briefmarken das wichtigste Exportgut und die grösste Deviseneinnahmequelle des Kleinstaats dar. Woche für Woche werden Hunderte von Sendungen mit den hübschen tuvaluischen Briefmarken in alle Himmelsrichtungen verschickt. Von den insgesamt etwa 1000 abhängig Beschäftigten Tuvalus ist rund die Hälfte im Staatsdienst tätig, wovon allein rund 100 im philatelistischen Büro, das somit grösster Arbeitgeber Tuvalus ist.

Nennenswerte Einnahmen bringt neuerdings auch die Vergabe von Fischereilizenzen, welche vornehmlich an asiatische Fischereischiffe für den Fang von Thunfischen in den tuvaluischen Gewässern ausgehändigt werden. Ins Gewicht fallen ferner die Beträge, welche von ausgewanderten Tuvaluern an ihre Familienangehörigen überwiesen werden. Rund 2000 Tuvaluer arbeiten im Ausland, so besonders in den Phosphatminen auf Nauru und als Matrosen auf ausländischen Schiffen, und schicken regelmässig einen Teil ihrer Löhne heim.

Trotz alledem ist die Handelsbilanz des Kleinstaats stark defizitär. Ohne massive Auslandhilfe, die vor allem seitens Grossbritanniens, Australiens und Neuseelands erbracht wird, wäre Tuvalu nicht lebensfähig. Auf keinen Fall will Tuvalu aber deshalb den Tourismus fördern, der die abgeschiedene Inselgruppe bislang noch nicht entdeckt hat. Nur etwa hundert Touristen «verirren» sich im Jahr hierher, obschon die Atolle unserer Vorstellung von tropischen Inselparadiesen exakt entsprechen. Das hat verschiedene Gründe:

Zum einen hat sich die Inselregierung klar gegen die Öffnung ihres Lands für den Massentourismus ausgesprochen, denn sie befürchtet von ihm negative Auswirkungen auf die traditionelle Lebensweise der Bevölkerung. Dies hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun; der Einzelreisende wird auf Tuvalu stets freundlich empfangen.

Zum anderen mangelt es an Transportmöglichkeiten: Tuvalu liegt sozusagen in einer «Sackgasse» des Luftverkehrs im pazifischen Raum. Nur Air Marshall fliegt regelmässig (zweimal in der Woche) mit Kleinflugzeugen die Strecke von Majuro (Marshall-Inseln) über Tarawa (Kiribati) und Funafuti (Tuvalu) nach Nadi (Fidschi) und zurück. Die Verbindung zu den restlichen Tuvalu-Atollen erfolgt ausschliesslich per Schiff. Alle zwei Monate legt das kombinierte Passagier-Fracht-Schiff «Nivanga» zu einer Rundreise zu allen Inseln ab. An jedem Atoll legt es für längstens eine Stunde an. Wer auf einer der Inseln bleiben möchte, muss also damit rechnen, erst nach zwei Monaten wieder abgeholt zu werden.

Nicht zuletzt fehlt es auf Tuvalu auch an Unterkunftsmöglichkeiten. Bislang gibt es nur das Vaiaku Lagi Hotel auf Funafuti mit sieben Doppelzimmern so wie drei kleine Gästehäuser mit ein paar wenigen Zimmern. Und auf den übrigen Atollen gibt es lediglich je ein kleines Gästehaus, das vom lokalen Inselrat unterhalten wird.

Es hat ganz den Anschein, als wolle Tuvalu gemächlichen Schrittes den Weg in das 21. Jahrhundert gehen. «Fortschritt ja, aber nicht um jeden Preis», heisst die Devise der Tuvaluer. Es ist dieser weisen Einstellung zu verdanken, dass sich die alte polynesische Kultur und Lebensweise auf Tuvalu weit besser gehalten hat als auf den meisten übrigen Südseeinseln. Wer an fremden Kulturen interessiert ist, der ist auf Tuvalu von der modernen Welt so weit weg, wie es weiter kaum möglich ist.

 

Festfreudige Insulaner

Aufgrund des unfruchtbaren und trockenen Korallenkalkbodens, auf dem die Tuvaluer leben, und aufgrund der recht hohen Bevölkerungsdichte, die der Zwergstaat aufweist (rund 315 Einwohner je Quadratkilometer), ist das Leben der tuvaluischen Bevölkerung besonders auf den Aussenatollen keineswegs einfach. Doch wenn man bescheiden lebt und einander gegenseitig aushilft, geben Land und Meer für jedermann und jedefrau stets genügend her.

Der Lebensstandard mag auf Tuvalu zwar niedrig sein. Dafür ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung vortrefflich. Das Krankenhaus auf Funafuti hat 36 Betten, einen Operationsraum, eine Zahnklinik und ein Informationszentrum für Geburtenregelung. Und jedes Aussenatoll verfügt über eine diplomierte Krankenschwester und eine Apotheke. Auch der Bildungsstand ist mit nur 4 Prozent Analphabeten überraschend hoch. Vom winzigen Niulakita abgesehen gibt es auf jedem Atoll eine öffentliche Grundschule, die von allen Kindern zwischen 6 und 13 Jahren besucht wird. Vaitupu hat zudem eine weiterführende Schule, ein Gymnasium, das von der Kirche geleitet wird. Und schliesslich gibt es auf Amatuku im Funafuti-Atoll noch eine Seefahrtsschule, in der sich die jungen Männer zu Seeleuten ausbilden lassen können.

Die Tuvaluer sind denn auch mit ihrem Schicksal durchaus zufrieden. Das äussert sich unter anderem dadurch, dass sie stets zu Spässen und Scherzen aufgelegt sind und dass das soziale Leben stark von Festen bestimmt wird. Wann immer sich ein Anlass bietet, versammelt man sich zum Schmaus mit nachfolgenden Tanzvorführungen und Gesängen. Dazu werden farbenfrohe Gras-, Palmblatt- oder Stoffröcke und auf dem Kopf der obligate Blumenkranz getragen. Für Besucher von Rang finden diese Veranstaltungen in der «Maneapa», einer Art Gemeindehaus, statt. Aber auch bei anderen Gelegenheiten wie der Einweihung eines Hauses, der Geburt eines Kindes und selbstverständlich an den vielen Feiertagen tanzen die Bewohner von Tuvalu gerne ihren lebhaften traditionellen Tanz, den «Fatele», und versammeln sich zwanglos um die auf Bananenblättern servierten Speisen - Fisch, Huhn, Schweinefleisch, Reis, Brotfrucht, Süsskartoffeln und Bananen. Kein Anlass ist auf Tuvalu zu nichtig, um nicht gebührend gefeiert zu werden!


 

Legenden

Gesellschaftliches Zentrum Funafutis bildet das beim Flugplatz gelegene, allseitig offenstehende Gemeindehaus, «Maneapa» genannt. Es ist eine Mehrzweckhalle, in der fast jeden Tag und jeden Abend irgendwelche Veranstaltungen stattfinden - von allerlei zwanglosen Treffen über Tanzfeste und Filmvorführungen bis hin zu den Zusammenkünften des Inselparlaments.

Etwa ab 1865 bekehrten Abgesandte der protestantischen Londoner Missionsgesellschaft die Tuvaluer zum Christentum. Mit gutem Erfolg: Heute bekennen sich über 95 Prozent der Bevölkerung zur damals gegründeten «Church of Tuvalu». Die Gottesgläubigkeit äussert sich nicht allein im sonntäglichen Kirchgang (hier auf Funafuti); auch das tägliche Leben wird in vielerlei Hinsicht stark von der Kirche geprägt.

Vom winzigen Niulakita abgesehen gibt es auf jedem Atoll Tuvalus eine öffentliche Grundschule, die von allen Kindern zwischen 6 und 13 Jahren besucht wird. Neben Rechnen, Lesen und Schreiben will auch das richtige Zähneputzen gelernt sein!

Tuvalus Atolle verfügen nur über wenige Erdstrassen, und vierrädrige Motorfahrzeuge - ungefähr zwei Dutzend an der Zahl - verkehren nur auf Funafuti und Vaitupu. Grosser Beliebtheit erfreuen sich jedoch Motorräder, Mopeds und Fahrräder.

Besondere Sehenswürdigkeiten gibt es auf Tuvalus Hauptinsel Funafuti nicht. Ein Rundgang bzw. (angesichts der langgezogenen Form der Insel) ein Hin- und Hergang gibt aber einen faszinierenden Einblick in das ruhige Alltagsleben der Insulaner. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich auf Funafuti wenig Aufregendes ereignet, ist im übrigen die Tatsache, dass sich bei jeder Ankunft eines Flugzeugs die halbe Inselbevölkerung beim Flugplatz einfindet, um dem «Spektakel» beizuwohnen.

Tuvalus neun Korallenatolle, symbolisiert durch neun Sterne in der Nationalflagge, sind von sehr fischreichen Gewässern umgeben. Fisch kommt deshalb täglich auf den Tisch, während Schweine- oder Geflügelfleisch nur bei besonderen Anlässen serviert wird.




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