Venda


© 1991 Markus Kappeler
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)



Afrikaans, die von den holländisch stämmigen Südafrikanern («Buren») gesprochene Sprache, ist international gewiss unbedeutend. Ein inhaltsschweres Wort Afrikaans ist uns allen dennoch geläufig: Apartheid. Wörtlich übersetzt bedeutet Apartheid schlicht «Trennung». Im Zusammenhang mit Südafrika bedeutet es jedoch die Politik der Rassentrennung oder, im Klartext, die Unterdrückung und Entwürdigung von 30 Millionen Schwarzen durch 5 Millionen Weisse. Nirgendwo sonst auf der Welt hat sich das rechtlich und moralisch verwerfliche Zweiklassensystem der Kolonialzeit so ausgeprägt in unsere moderne Zeit hinüberretten können wie in Südafrika. Kein Wunder bietet kaum ein Staat der Weltöffentlichkeit mehr Diskussionsstoff als die Republik Südafrika.

Die meisten von uns verstehen unter Apartheid in erster Linie jene Vielzahl gesetzlicher Bestimmungen, welche in den kleinen Dingen des Alltags die Rassentrennung in Südafrika durchsetzt und beispielsweise nur für Weisse reservierte Eingänge, Parkbänke, Bibliotheken und Strände bereitstellt. Neben dieser «Kleinen Apartheid» existiert aber noch die viel gewichtigere «Grosse Apartheid», die auch als «territoriale Apartheid» bezeichnet wird. Sie geht auf den 1913 verabschiedeten «Natives Land Act» zurück und legt fest, dass allen schwarzen Südafrikanern je nach ihrer Stammeszugehörigkeit im Norden und Osten des Landes sogenannte «Homelands» zugewiesen werden, in denen sie sich niederzulassen haben. Entsprechend den wichtigsten zehn Bantuvölkern, die bei der Ankunft der weissen Siedler an der Südspitze Afrikas heimisch gewesen waren, sind insgesamt zehn Homelands geschaffen worden: Bophuthatswana, Ciskei, Gazankulu, KaNgwane, KwaNdebele, KwaZulu, Lebowa, Qwaqwa, Transkei und Venda. In den vergangenen Jahrzehnten mussten mehrere Millionen Schwarze gegen ihren Willen aus anderen Landesteilen in die zumeist abgeschiedenen Homelands umsiedeln.

Zur Rechtfertigung ihrer Politik der territorialen Apartheid lässt die «weisse» Regierung Südafrikas verlauten, die jeweils anders gelagerten kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme der verschiedenen südafrikanischen Bevölkerungsgruppen liessen sich am besten lösen, wenn jede von ihnen ein separates Territorium besitzt, das politisch selbständig ist. «Politik der multinationalen Entwicklung» heisst das beschönigende Schlagwort. Dabei wird wohlweislich verschwiegen, dass alle zehn Homelands zusammen, also sämtliche, den Schwarzen zur Verfügung gestellten Ländereien, lediglich 13 Prozent der Gesamtfläche Südafrikas ausmachen, während der Anteil der Schwarzen an der Gesamtbevölkerung 76 Prozent beträgt. Die Weissen haben sich also auf diese Weise einfach den Löwenanteil gesichert.

Während die Grundrechte der Schwarzen, die sich auf «weissem» Territorium aufhalten, stark eingeschränkt sind, haben sie in ihren Homelands weitreichende Möglichkeiten der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Selbstentfaltung. Hier besitzen sie echte Bürgerrechte, denn alle Homelands verfügen mittlerweile über innere Selbstverwaltung. Vier Homelands, nämlich Bophuthatswana, Ciskei, Transkei und Venda, sind sogar von Südafrika zu völlig unabhängigen Republiken erklärt worden. Ihre Bewohner sind nicht mehr südafrikanische Staatsbürger und gelten im «weissen» Südafrika als Ausländer. Diese Unabhängigkeit wird je doch international nicht anerkannt, wie auch die 1984 in Kraft getretene neue Verfassung Südafrikas, welche den Schwarzen die politische Mitarbeit weiterhin vorenthält, von den Vereinten Nationen für «null und nichtig» erklärt wurde.

Sich in den Homelands, fern aller in dustriellen Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, eine Lebensgrundlage zu schaffen, ist für die meisten Schwarzen nicht einfach. Viele von ihnen zieht es deshalb in die Städte, und so drängt sich heute in einigen wenigen Zentren wie Johannesburg, Kapstadt und Pretoria rund die Hälfte der südafrikanischen Gesamtbevölkerung, während weite Bereiche des Landes immer leerer werden. Ein begrenzter Zustrom von Schwarzen aus den Homelands in die Städte wird von den Weissen durchaus begrüsst, da für die Industrie billige Arbeitskräfte benötigt werden. Die Apartheid sorgt aber dafür, dass die schwarzen Stadtbewohner auch hier getrennt von den Weissen leben: Sie haben sich in Sperrzonen, sogenannten «Townships», anzusiedeln, von denen die «schwarze» Vorstadt Johannesburgs, die South Western Township (abgekürzt «Soweto»), sicherlich die bekannteste ist.

Inzwischen knirscht es bekanntlich im Gebälk der weltweit letzten Kolonialisten-Hochburg. Viele der kränkenden Vorschriften der «Kleinen Apartheid», darunter die Rassentrennung in Krankenhäusern und Universitäten, sind in jüngster Zeit aufgehoben worden. Und auch bei der «Grossen Apartheid» soll es mit der in Aussicht gestellten neuen Verfassung zu tiefgreifenden Veränderungen kommen. Unter anderem soll die Wiedereingliederung der unabhängigen Homelands Bophuthatswana, Ciskei, Transkei und Venda in die Republik Südafrika angestrebt werden. Wann die menschenunwürdige Politik der Apartheid vollständig abgebaut sein wird, muss die Zeit weisen. Wir wollen uns hier damit begnügen, einen Blick auf die gegenwärtige Situation in der «Republik» Venda zu werfen.

 

Fruchtbares Hügelland

Mit einer Fläche von 6500 Quadratkilometern ist Venda gut sechsmal kleiner als die Schweiz und das kleinste der vier unabhängigen südafrikanischen Homelands. Es liegt im Nordosten Südafrikas, in der südafrikanischen Provinz Transvaal, von der es allseitig umschlossen wird. Im Osten grenzt Venda an den Krüger-Nationalpark, und im Norden reicht es fast bis zum Limpopo, dem Grenzfluss zwischen Südafrika und Simbabwe.

Obschon von geringer Grösse, ist Venda landschaftlich sehr abwechslungsreich. Wohin man schaut, bietet es ausgesprochen reizvolle Szenerien: eindrückliche Felslandschaften mit heissen Quellen, liebliche Täler mit zauberhaften Galeriewäldern, Trockenbuschgelände mit Büffelgras, Affenbrot- und Leberwurstbäumen, durch Schluchten sich zwängende Flüsse mit tosenden Wasserfällen, Höhlen und Grotten mit interessanten prähistorischen Wandmalereien, und nicht zuletzt den verschwiegenen heiligen Fundudzi-See. Manche Bereiche des Landes sind von der modernen Zeit noch kaum berührt und beherbergen eine subtropische Natur, die seit Jahrhunderten sich selbst überlassen scheint.

In westöstlicher Richtung wird Venda von den Soutpansberg Mountains durchzogen, einem vorwiegend aus Quarzgesteinen aufgebauten Gebirgszug, der Höhen von bis zu 1900 Metern ü.M. erreicht. Nach Norden, zum Limpopo hin, senkt sich das Bergland bis auf ungefähr 200 Meter ü.M.; im südlichen Hügelland liegt Venda durchschnittlich etwa 600 Meter ü.M. Hier befindet sich auch die Hauptstadt Thohoyandou.

Das Klima Vendas ist subtropisch: Die Temperaturen betragen im südlichen Sommer durchschnittlich 27, im Winter 14°C und fallen kaum je unter den Gefrierpunkt. Die Niederschläge sind im Berg- und Hügelland reichlich und messen mehr als 1500 Millimeter im Jahr. Venda verfügt denn auch über viele ganzjährig wasserführende Bäche und Flüsse und wird deshalb gelegentlich «das Land der hundert Flüsse» genannt. Im tiefliegenden Limpopo-Becken ist das Klima dagegen ziemlich trocken und heiss, und hin und wieder suchen Winterdürren diesen Landesteil heim.

Venda verfügt im zentralen Bergland über Kohle-, Graphit-, Kupfer- und sogar Goldvorkommen, von denen im Westen des Landes Steinkohle abgebaut und exportiert wird. Den eigentlichen Wohlstand des kleinen Homelands machen jedoch die nährstoffreichen Böden im Zusammenhang mit dem milden Klima aus. Venda ist ein überaus fruchtbares Land, in dem vielerlei Kulturpflanzen problemlos gedeihen. «Überall da, wo der Boden es gestattet, sind Kulturen angelegt, welche unter den besonders günstigen Klima- und Bodenverhältnissen auch ohne besondere Pflege an manchen Stellen derartig gedeihen, dass eine doppelte Ernte erzielt wird», berichtete ein deutscher Missionar schon im frühen 19. Jahrhundert, und fuhr fort: «Der Feldbau obliegt sowohl den Frauen als auch den Männern. Gemäss der Stammeszugehörigkeit ist man zur Zusammenarbeit und zu gegenseitiger Hilfeleistung bei der Bewirtschaftung der Felder verpflichtet. Hat jemand grössere Flächen zu bearbeiten, so kocht er einige Töpfe Bier, das sie alle sehr lieben. Dann kommen seine Nachbarn in Scharen herbei und helfen ihm, das Land zu hacken.»

Der Selbstversorgung der Bevölkerung dienen heute wie damals vor allem Mais, Hirse und Erdnüsse sowie verschiedenerlei Gemüse und Früchte. Neu hinzu gekommen sind in jüngerer Zeit grossflächige Tee-, Kaffee-, Bananen-, Papaya-, Avocado- und Mangoplantagen, deren Produkte vornehmlich zum Export (auch nach Europa) gelangen. Grössere Abschnitte der Soutpansberg Mountains sind im übrigen bewaldet, werden forstwirtschaftlich genutzt und versorgen Vendas Bevölkerung ausreichend mit Bau- und Brennholz.

 

Thoho ya Ndou - «Haupt des Elefanten»

Venda ist nach den VhaVenda benannt, einem von rund 200 verschiedenen Bantuvölkern, welche praktisch die ganze südliche Hälfte Afrikas bewohnen. Die VhaVenda sind keineswegs seit Urzeiten im Bereich der Soutpansberg Mountains heimisch, sondern stammen ursprünglich aus dem Gebiet der grossen Seen Ostafrikas. Etwa ab dem 12. Jahrhundert wanderten sie in mehreren Schüben südwärts, teils freiwillig, teils unter Zwang.

Aus den mündlichen Überlieferungen der VhaVenda, die von europäischen Missionaren im 19. Jahrhundert aufgezeichnet wurden, geht hervor, dass sie schliesslich, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, unter der Führung von Häuptling Thoho ya Ndou («Elefantenhaupt») den Limpopo überquerten, dem Nzhelele Fluss talaufwärts folgten und in den Soutpansberg Mountains ein neues, fruchtbares Siedlungsgebiet entdeckten. Sie liessen sich nieder und errichteten im Tal des Nzhelele ihren Häuptlingkral, den sie «Dzata» nannten. Die Ruinen dieses mit grossem handwerklichem Geschick aus Steinen gebauten «Regierungsgebäudes» und ersten Zentrums der VhaVenda in Südafrika existieren noch heute. Sie erinnern stark an die imposante Ruinenstadt «Great Simbabwe» im gleichnamigen nördlichen Nachbarland und gelten als Nationalheiligtum der VhaVenda.

Die Region der Soutpansberg Mountains war zu jener Zeit kein unbesiedeltes Land gewesen, wie man vielleicht annimmt. In prähistorischer Zeit waren hier ­ wie überall im südlichen Afrika Buschmänner als Jäger und Sammler umhergestreift. Ihr Vermächtnis sind die bereits erwähnten Felszeichnungen. Die Buschmänner waren jedoch im ganzen südlichen Afrika schon früh durch nomadisierende, viehzüchtende Hottentotten und später sesshafte, landbebauende Bantus verdrängt worden und sind heute nur noch in geringen Überresten in unwirtlichen Gegenden der Kalahari zu finden. Als die VhaVenda die Soutpansberg Mountains erreichten, fanden sie hauptsächlich Angehörige der Kwena, eines grösseren Bantuvolks, vor, die sich verständlicherweise gegen die Landnahme durch die Neuankömmlinge zur Wehr setzten. Den VhaVenda gelang es jedoch, die Kwena nach erbitterten Kämpfen zu vertreiben. Einige kleinere benachbarte Stämme, so etwa die nördlich des Limpopo ansässigen Bakhalanga, unterwarfen sie und machten sie tributpflichtig. Unter anderem mussten sie jene Steine liefern, die beim Bau von Dzata gebraucht wurden.

Unter der weisen und umsichtigen Führung Thohoyandous vermochten sich die VhaVenda in der Folge stark zu entfalten. Sie gewannen an Wohlstand und Einfluss, der weit über die Soutpansberg Mountains hinaus reichte - vom Olifants River im Süden bis zum Sambesi im Norden. Thohoyandou wird heute von den VhaVenda als «der Gründer» verehrt, und die Periode seiner Häuptlingsschaft gilt als «das goldene Zeitalter» des Volks.

Nach dem Hinschied Thohoyandous begann eine schwere Zeit für die VhaVenda und ihren neuen Häuptling Makhado, denn nun wurde ihre Heimat zum Ziel anderer Einwanderer. So drangen die Swazi ein, die aber erfolgreich zurückgeschlagen werden konnten. Die Buren kamen unter Paul Krüger. Aber auch gegen sie lehnten sich die VhaVenda erfolgreich auf. Ebenso gelang es den Bapedi und den Tsonga nicht, die VhaVenda aus den Soutpansberg Mountains zu verdrängen. Das tapfere Volk hielt allen Anstürmen stand. Die relativ günstigen Verteidigungsbedingungen in den unwegsamen Bergen und der stabile innere Zusammenhalt des Volks waren für die erfolgreiche Abwehr all dieser feindlichen Übergriffe von grosser Bedeutung. Erst nach der Aufstellung einer grossen Heeresmacht vermochten die Buren schliesslich im Jahr 1898 den heroischen Widerstand der VhaVenda mit brutaler Gewalt zu brechen. Der antikoloniale Widerstand der VhaVenda, mit deren Unterwerfung die Machtübernahme der Weissen in Südafrika ihren Abschluss fand, gehört zweifellos zu den ruhmreichsten Episoden in der Geschichte der eingeborenen afrikanischen Bevölkerung. Nach ihrer Unterjochung durch die europäischen Kolonisten wurde den VhaVenda ein Teil ihres ehemaligen Territoriums in den Soutpansberg Mountains als «Reservat» belassen, aus dem dann später das «Venda Homeland» und letztlich die «Republik Venda» wurde.

Häuptling Makhado hatte die Niederlage seines Volks nicht mehr miterleben müssen. Er war 1895 gestorben, und sein Sohn Mphephu hatte seine Nachfolge angetreten. Nach dessen Tod im Jahr 1924 übernahm Mbulaheni die Führung der VhaVenda, und, als dieser 1949 verstarb, Patrick Mphephu. Unter seiner Herrschaft erhielt Venda 1969 von den weissen Kolonialisten eine partielle innere Selbstbestimmung zugestanden. Und als am 13. September 1979 das kleine Homeland die Unabhängigkeit erlangte, da wurde er sogar noch zum ersten Staatsoberhaupt der «Parlamentarischen Republik Venda».

Die Exekutivgewalt liegt heute in Venda beim Staatspräsidenten (derzeit Gabriel Ramushwana), die gesetzgebende Gewalt bei der Nationalversammlung. Dieses Parlament zählt insgesamt 87 Mitglieder. 42 davon sind echte Volksvertreter und werden in allgemeinen Wahlen für jeweils fünf Jahre in ihr Amt eingesetzt; 3 werden vom Staatspräsidenten benannt; 14 repräsentieren die vier Distrikträte; und 28 sind die «Mahosi» des Landes - die Oberhäupter der 28 verschiedenen VhaVenda-Clans, deren Namen für unsere mitteleuropäischen Zungen teils kaum aussprechbar sind: Tshivhase, Mphaphuli, Lwamondo, Nethengwe, Mugivhi, Rasengane, Madzivandhila, Ngwekhulu, Khakhu, Tshimbupfe, Gewamazigo usw.

Das Landesparlament tagt in der neu errichteten, modernen und geschäftigen Hauptstadt Thohoyandou, deren geschichtsträchtiger Name den VhaVenda Glück bringen soll. Thohoyandou, das «Haupt des Elefanten», ziert im übrigen auch das Staatswappen.

 

Talentierte Kunsthandwerker

Die Bevölkerung Vendas besteht zum weit überwiegenden Teil aus VhaVenda. Weniger als fünf Prozent der Einwohnerschaft sind Angehörige anderer afrikanischer Stämme, und nur ungefähr tausend Weisse leben permanent in Venda.

Die VhaVenda sind ein ethnisch recht einheitliches Bantuvolk. Dies zeigt sich unter anderem an ihrer Sprache, dem CiVenda, welches keine Dialekte kennt, wie dies bei vielen anderen Bantusprachen der Fall ist. CiVenda wurde relativ spät, nämlich erst zu Beginn unseres Jahrhunderts, schriftlich aufgezeichnet, und zwar von Missionaren der Berliner Missionsgesellschaft.

Von alters her sind die VhaVenda Bauern und Hirten. Sie leben vielfach auch heute noch in traditionellen Dörfern und betreiben traditionelle Selbstversorger-Landnutzung. Die Grundlage der Wirtschaft Vendas bilden denn auch die Land- und die Forstwirtschaft: Über achtzig Prozent der erwerbstätigen Vendabevölkerung sind in irgend einer Form in diesen beiden Wirtschaftszweigen beschäftigt, und beim Aussenhandel fallen einzig landwirtschaftliche Erzeugnisse ins Gewicht. Zwar haben sich mittlerweile verschiedene Industrieunternehmen in Venda niedergelassen, doch insgesamt befindet sich der Industriesektor erst im Aufbau. Für die Ökonomie des Landes weit bedeutsamer ist der bereits erwähnte Abbau von Steinkohle. Und sehr wichtig sind ferner jene rund 100 000 Vendabürger, welche im umliegenden Südafrika einer Erwerbstätigkeit nachgehen und grossenteils ihre in Venda ansässigen Familienangehörigen finanziell unterstützen.

Die VhaVenda haben im übrigen viel von ihrem kulturellen Erbe bewahrt. Sie sind äusserst fähige Holzschnitzer, Korbflechter, Weber und Töpfer, deren Erzeugnisse zu den besten im ganzen südlichen Afrika zählen. Gegen 3500 Männer und Frauen sind mit der Herstellung kunsthandwerklicher Gegenstände beschäftigt, welche allesamt mit den traditionellen Mustern der VhaVenda-Kultur geschmückt werden und deshalb sowohl funktionell als auch dekorativ sind. Zu nennen sind etwa die verschiedenartigen Tonkrüge, Töpfe und Schalen, für deren Herstellung keine Töpferscheibe verwendet wird; ferner aus Sisal, Schilf, Rinde und Palmblättern gefertigte Körbe, Matten und Taschen; und natürlich die aus einheimischen Tropenhölzern geschnitzten Schüsseln, Löffel und Tabletts. Einen schönen Überblick über die kunsthandwerklichen Erzeugnisse des Landes erhält man im modernen Handwerkszentrum «Ditike» in Thohoyandou, welches auch für die Vermarktung der Vendaprodukte in Südafrika besorgt ist.

 

 

 

Legenden

Die Republik Venda, ganz im Nordosten Südafrikas gelegen, existiert seit dem 13. September 1979. Damals wurde das einstige Reservat und spätere Homeland von Südafrika in die Unabhängigkeit entlassen. Ausser von seinem «Mutterland», von dem es allseitig umgeben und wirtschaftlich stark abhängig ist, wird das kleine Staatsgebilde allerdings von niemandem völkerrechtlich anerkannt.

Obschon Venda eine Fläche von nur 6500 Quadratkilometern aufweist, ist es landschaftlich ausgesprochen abwechslungsreich und attraktiv. Vielerorts zwängen sich im «Land der hundert Flüsse» tosende Bäche durch enge Schluchten, stürzen grosse und kleine Wasserfälle von felsigen Höhen und sprudeln heisse Quellen aus dem Boden.

Von alters her sind die VhaVenda, wie die Angehörigen des Venda- Volks genannt werden, Bauern. Auch heute noch leben sie zum weit überwiegenden Teil in traditionellen Dörfern über weite Teile Vendas verstreut und führen ein einfaches Leben als landbebauende und kleinviehhaltende Selbstversorger. Von den «Segnungen» der modernen Welt sind sie bislang noch wenig berührt.

Die meisten VhaVenda gehören einer der zahlreichen protestantischen Kirchen oder Gemeinschaften Südafrikas an. Eine der grössten und einflussreichsten ist die Nederduitse Gereformeerde Kerk (Niederdeutsche Reformierte Kirche; NGK), deren sonntäglichem Gottesdienst diese beiden jungen Vendabürger, hübsch gekleidet, gerade beiwohnen.

Man schätzt, dass mehr als die Hälfte der männlichen VhaVenda im erwerbsfähigen Alter im «weissen» Südafrika einer Beschäftigung nachgehen. DerBevölkerungsanteil der Frauen ist in Venda dementsprechend hoch, und Frauenarbeit gehört (wie hier beim Bau des neuen Gemeindehauses in Shyandima) zum Alltag.

Venda ist insgesamt noch kaum industrialisiert. Vor allem in der Landeshauptstadt Thohoyandou sind aber in jüngerer Zeit einige Industrieunternehmen entstanden, darunter diese Fabrik, in welcher Mangofrüchte zu würzigem Chutney verarbeitet und für den Export bereitgestellt werden.

Ein sehr bemerkenswerter Aspekt der VhaVenda-Kultur sind die komplizierten Initiationsfeiern, bei denen die Jugendlichen in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen werden. Oft während Wochen oder sogar Monaten werden die Burschen und Mädchen von ihren Familien getrennt und, in nach Geschlecht getrennten Gruppen, von hoch angesehenen Lehrmeistern in die «Geheimnisse» des Erwachsenseins eingeweiht. Tänze und Gesänge spielen besonders bei den Mädchen eine wichtige Rolle, so der «Pythontanz», der als ein Fruchtbarkeitszauber gilt.

Der nördliche, tiefliegende Bereich Vendas hat ein ziemlich trockenes Klima mit gelegentlichen Winterdürren und ist darum vielerorts noch kaum vom Menschen verändert. Riesenhafte Baobabs («Affenbrotbäume») prägen diesen Landesteil. Wer sich in den Schatten eines dieser Baumriesen setzt, den soll ein tiefes Gefühl der Ruhe, Kraft und Weisheit durchdringen.




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