Queen-Alexandra-Vogelfalter

Ornithoptera alexandrae


© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)



Wahre Schmuckstücke der Natur sind die südostasiatischen Vogelfalter aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae). Der grösste unter ihnen und damit der grösste Tagfalter der Welt ist der Queen-Alexandra-Vogelfalter (Ornithoptera alexandrae), der eine Flügelspannweite von bis über 25 Zentimeter erreichen kann. Wie bei den meisten Vogelfaltern unterscheiden sich die männlichen und die weiblichen Queen-Alexandra-Vogelfalter stark in ihrer Färbung: Während die Flügel der Männchen auf schwarzem Grund blaugrün schillern, sind diejenigen der Weibchen gelbschwarz gefärbt.

Die Heimat des Queen-Alexandra-Vogelfalters ist Neuguinea. Der mächtige Schmetterling ist allerdings bei weitem nicht über alle Bereiche dieser grossflächigen Tropeninsel verbreitet, sondern kommt lediglich in einem ungefähr 30 mal 40 Kilometer grossen Gebiet im - politisch zu Papua-Neuguinea gehörenden - Südosten der Insel vor. Es handelt sich um eine ziemlich flache Küstenregion, welche mit üppig wucherndem Regenwald bedeckt ist und als «Popondetta-Ebene» bezeichnet wird.

Über die Lebensweise der grossgewachsenen Insekten wissen wir erst wenig. Die erwachsenen Falter segeln zumeist über dem Regenwalddach umher und saugen dort Blütensaft von verschiedenen Baum- und Kletterpflanzenarten. Die Raupen erweisen sich demgegenüber als recht heikle Kostgänger, denn sie ernähren sich ausschliesslich von den Blättern von Aristolochia dielsiana, einer zu den Pfeifenwinden gehörenden Kletterpflanze. Diese wird über vierzig Meter lang und entfaltet ihre grossen, ovalen Blätter ausschliesslich im sonnenbeschienenen oberen Bereich des Kronendachs. Wie alle Schmetterlinge sind die Queen-Alexandra-Vogelfalter im übrigen verhältnismässig kurzlebige Tiere: Die gesamte Entwicklungszeit vom Ei über die Raupe und Puppe bis zum Falter dauert ungefähr vier Monate, und die Lebensspanne der erwachsenen Falter beträgt nur etwa drei Monate.

Eier, Raupen und Puppen des Queen-Alexandra-Vogelfalters besitzen mancherlei natürliche Feinde, so vor allem Ameisen, Wespen, Spinnen, kleine Beuteltiere und Vögel. Alle diese Fressfeinde haben die Art allerdings nie ernsthaft in ihrem Fortbestand gefährden können, denn stets sind so viele Individuen mit dem Leben davongekommen, wie für die Erhaltung der Art notwendig waren. Brenzlig wurde es erst, als der Mensch in die natürlichen Lebensabläufe eingriff. Auf breiter Front begann er die Tropenwälder in der Popondetta-Ebene abzuholzen - zwecks Gewinnung von Brenn-, Bau- und Exportholz einerseits und zwecks Anlage von Ölpalmplantagen (wofür sich die lokalen Böden speziell gut eignen) andererseits. Auf diese Weise verlor der Queen-Alexandra-Vogelfalter unwiederbringlich Stück für Stück seines ursprünglichen Lebensraums - und noch immer ist ein Ende dieser unheilvollen Entwicklung nicht in Sicht.

Im Vergleich zur Lebensraumvernichtung stellt der Fang der prächtigen Schmetterlinge für den internationalen Sammlermarkt keine nennenswerte Gefahr dar. Auf nationaler Ebene ist der Queen-Alexandra-Vogelfalter nämlich durch die Artenschutzverordnung von 1966 vollständig geschützt. Ausserdem ist er 1979 in den Kreis der absolut schützenswerten Nationaltiere Papua-Neuguineas aufgenommen worden. Und auf internationaler Ebene ist der Queen-Alexandra-Vogelfalter zudem durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) geschützt, das ihm höchste Schutzwürdigkeit zubilligt.

Leider nützen alle diese Artenschutzgesetze wenig, solange der Lebensraum des Queen-Alexandra-Vogelfalters weiter schrumpft. Zentrales Anliegen der gegenwärtigen Bemühungen zum Schutz dieser einmaligen Insektenart ist darum die hinreichende Sicherung ihres Lebensraums.

Bislang besteht im Bereich von Popondetta erst ein etwa 100 Quadratkilometer grosses Wildschutzgebiet. Mit fachlicher und finanzieller Unterstützung des Welt Natur Fonds (WWF) will die Regierung von Papua-Neuguinea nun weitere Schutzgebiete schaffen und durch die Pflanzung von Aristolochia dielsiana-Stecklingen zu eigentlichen Queen-Alexandra-Vogelfalter-Reservaten aufwerten. Es wird ferner geprüft, inwieweit sich der weltgrösste Tagschmetterling als Touristenattraktion nutzen lässt. «Safaris» zu den Vogelfalter-Reservaten würden zweifellos diverse Verdienstmöglichkeiten und damit wichtige Anreize für die Erhaltung dieser einzigartigen Schmetterlingsart schaffen.




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