Afrikanischer Waldelefant
Loxodonta africana cyclotis
© 1988 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Afrika ohne Elefanten kann man sich unmöglich
vorstellen. Diese mächtigen Landsäugetiere sind zum
lebenden Symbol für den «Schwarzen Kontinent»
mit seinen schier endlosen Savannen geworden. Und doch ist der
Elefant mancherorts bereits Legende: Aus ganzen Regionen wurde
er verdrängt durch die sich stark vermehrende und auf der
Suche nach Neuland immer weiter vorrückende menschliche
Bevölkerung. Und in weiten Landstrichen wurde er vernichtet
durch die Handlanger des zwar ungesetzlichen, aber trotzdem blühenden
Elfenbeinhandels.
Der Rüssel - Wahrzeichen der Elefanten
21 Gattungen mit 113 Arten hat die Familie der Elefanten
(Elephantidae) im Laufe ihrer Stammesgeschichte hervorgebracht.
Nach und nach starben aber - wahrscheinlich aufgrund massiver
Veränderungen des Weltklimas - ganze Entwicklungszweige
aus. Heute sind der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana)
und der Asiatische Elefant (Elephas maximus) die beiden
letzten Vertreter dieser einstmals blühenden Tiersippe.
Die beiden Arten sind für jedermann gut unterscheidbar.
Der Afrikanische Elefant ist der grössere und schwerere
der beiden. Er hat eine «fliehende» Stirn, viel grössere
Ohren als sein asiatischer Vetter, ist hagerer und hat im Gegensatz
zu jenem nicht nur einen, sondern zwei «Finger» an
seinem Rüsselende. Der Asiatische Elefant ist rundlicher
gebaut, er weist bedeutend kleinere Ohren sowie zwei auffällige
gewölbte Stirnbuckel auf, und die Weibchen tragen keine
Stosszähne.
Neben der ungewöhnlichen Körpergrösse
ist zweifellos der Rüssel das auffälligste Merkmal
der Elefanten. Dieses kräftige, ungemein bewegliche und
enorm feinfühlige «Mehrzweckinstrument» ist
ursprünglich aus Oberlippe und Nase hervorgegangen. Mit
zunehmender Körpergrösse und damit ständiger «Höherstellung»
der Mundöffnung über dem Boden war diese verlängerte
«Lippennase» gewiss eine günstige Erfindung,
um weiterhin mühelos Wasser und Nahrung vom Boden aufnehmen
zu können. Wer schon einer Giraffe beim Trinken zugesehen
hat, wird dem sicher zustimmen.
Die Nasenherkunft des Rüssels zeigt sich bei
den heutigen Elefanten noch immer in seiner Riech- und Atemfunktion.
Erstere ist besonders auffällig, wenn der Elefant im Freiland
«Witterung» einsaugt, also die Luft auf etwaige feindliche
Gerüche überprüft und dazu sein Rüsselende
mit den Nasenöffnungen hoch über sein Haupt in die
Luft streckt.
Das Tastvermögen des Oberlippenanteils andererseits
kann man unschwer an der überaus geschickten Art erkennen,
mit der ein Elefant zum Beispiel selbst winzige Früchte
einzeln vom Boden aufliest oder genüsslich einzelne Blätter
von einem Ast pflückt. Tatsächlich kann der Rüssel
praktisch alle feinmotorischen Aufgaben erfüllen, die beim
Menschen Arme und Hände übernehmen.
Viele Leute meinen, der Elefant würde auch durch
seinen Rüssel - wie durch einen riesenhaften Trinkhalm -
Wasser einsaugen. Das stimmt natürlich nicht, denn wie beim
Menschen würde das Wasser bei dieser Trinkweise durch die
Nase direkt in der Lunge landen, was wohl für den Elefanten
wenig bekömmlich wäre. Nein: Der Elefant saugt beim
Trinken jeweils etwa zehn Liter Wasser in seinen Rüssel
hinein, führt die Rüsselspitze dann zu seinem Mund
und spritzt sich das Wasser mit Druck in seinen Rachen.
Waldelefant und Steppenelefant
Der Afrikanische Elefant hat sich den verschiedensten
Lebenräumen angepasst. Man findet den grauen Riesen bis
an den Rücken im Wasser stehend an Gewässerrändern,
wo er Schilf- und Wasserpflanzen isst; er steigt manchmal bis
über 5000 Meter hoch ins Gebirge, wo der Planzenwuchs ausserordentlich
kümmerlich ist; er steckt sich in den weiten Ebenen fein
säuberlich gebündeltes Gras in den Mund; und er reisst
im dichten tropischen Urwald Lianen von den Bäumen, um an
deren schmackhafte Blätter zu gelangen.
Deswegen sehen die Afrikanischen Elefanten auch keineswegs
überall gleich aus. Im letzten Jahrhundert hat man Dutzende
von Elefantenrassen nach der Ohrform oder anderen Körpermerkmalen
unterschieden. Diese Rassenvielfalt erwies sich jedoch als nicht
haltbar. Die Fachleute haben sich inzwischen auf lediglich zwei
afrikanische Elefantenunterarten geeinigt: den Steppenelefanten
(Loxodonta africana africana) und den Waldelefanten (Loxodonta
africana cyclotis).
Der Steppenelefant bewohnt - wie sein Name sagt -
vorwiegend die Graslandschaften Afrikas. Ursprünglich reichte
sein Verbreitungsgebiet praktisch von Kairo am Mittelmeer bis
zum Kap an der Südspitze des Kontinents. Im Verlauf der
letzten 300 Jahre sind seine Bestände aber dramatisch zurückgegangen.
Im Gegensatz zu seinem Bruder bevorzugt der Waldelefant
als Lebensraum die Regenwälder Westafrikas und des Kongobeckens.
In Westafrika sind seine Bestände stark geschwunden; die
wenigen überlebenden Populationen bewohnen weit auseinanderliegende
Waldareale und sind allesamt stark gefährdet. In den verhältnismässig
unberührten Wäldern Zaires, Gabuns, Kameruns, der Republik
Kongo und der Zentralafrikanischen Republik scheinen hingegen
noch ziemlich umfangreiche und vorderhand kaum gefährdete
Waldelefanten-Populationen zu leben.
Der Waldelefant ist wesentlich kleiner als der Steppenelefant.
Auffälliges Unterscheidungsmerkmal der beiden Rassen ist
ferner die Form ihrer Stosszähne: Der Steppenelefant weist
recht dicke und stark gebogene Stosszähne auf, welche am
Rüssel vorbei nach vorn aussen gehen. Der Waldelefant besitzt
hingegen auffallend dünne, fast parallele und neben dem
Rüssel nach unten zur Erde zeigende Stosszähne. Bei
älteren Waldelefanten-Bullen können die Stosszähne
unter Umständen den Boden berühren; die Stosszähne
der Waldelefanten-Kühe sind schlanker gebaut und wesentlich
kürzer. Der Waldelefant hat ferner im Vergleich zum Steppenelefanten
verhältnismässig kleine, rundliche Ohren, deren obere
Ränder sich niemals berühren. Die Ohren des Steppenelefanten
werden grösser, sind dreieckig geformt und weisen nach unten
eine Spitze auf.
Allerdings sind die beiden Elefantentypen nur dann
so gut unterscheidbar, wenn man quasi einen Waldelefanten von
der Westküste neben einen Steppenelefanten von der Ostküste
stellt. Wo im zentralen Afrika die Verbreitungsgebiete der beiden
Elefantenunterarten zusammenkommen, gibt es alle Übergänge
zwischen ihnen, da sich die Tiere - unbekümmert um ihre
Rassenzugehörigkeit - miteinander kreuzen.
Die längste Tragzeit
Über die Dauer der Tragzeit beim Elefanten ist
schon in der Antike viel gerätselt worden. Aristoteles schätzte
sie auf etwa zwei Jahre. Plinius hingegen war der Ansicht, sie
betrage lediglich sechs Monate. Heute weiss man von manchen Geburten
in Gefangenschaft, dass die Tragzeit rund 22 Monate, also knapp
zwei Jahre, dauert. Der Elefant hat damit die längste Tragzeit
aller Tiere. (Den Rekord am anderen Ende der Skala halten die
australischen Kurznasenbeutler mit lediglich zwölf Tagen
und acht Stunden.)
Die Elefantenweibchen werden mit ungefähr zehn
Jahren geschlechtsreif und sind bis zum Alter von etwa 55 Jahren
fortpflanzungsfähig. Anfänglich bringen sie etwa alle
vier bis fünf Jahre ein einzelnes Junges zur Welt, wenn
sie über 40 Jahre alt sind etwas seltener. Alle diese Daten
unterliegen natürlich gewissen Schwankungen. So bringen
Elefantenweibchen beispielsweise an Orten, wo das Nahrungsangebot
reichlich ist, früher und häufiger Junge zur Welt als
an Orten mit kargem Nahrungsvorkommen.
Elefantengeburten erfolgen ziemlich abrupt. Gleich
nachdem das Elefantenbaby zur Welt geplumpst ist, befreit es
die Mutter mit Rüssel und Stosszähnen von der Embryonalhülle.
Schon nach 30 Minuten vermag es auf seinen Beinchen zu stehen,
und sogleich macht es sich auf die Suche nach den mütterlichen
Zitzen, welche sich zwischen den Vorderbeinen befinden. Das Junge
trinkt nicht mit dem Rüssel, sondern wie alle Säugerjungen
direkt mit dem Mund, also unter Benutzung von Unterlippe und
Rüsselbasis. Den Rüssel krümmt es derweil seitlich
nach oben. Mindestens zwei Jahre lang werden die jungen Elefäntchen
von ihrer Mutter gesäugt.
Beim Waldelefanten weisen die Neugeborenen eine Schulterhöhe
von etwa 85 Zentimetern auf und wiegen ungefähr 120 Kilogramm.
Nach einem Jahr messen sie ungefähr 110 bis 115 Zentimeter
und können damit gerade noch unter dem Bauch der Mutter
hindurchschlüpfen. Dies bietet im Freiland einen guten Hinweis
auf das Alter von Elefantenbabys. Bis etwa im dritten Altersjahr
wachsen Männchen und Weibchen ungefähr gleich schnell.
Dann aber nehmen die Männchen wesentlich rascher an Grösse
und Gewicht zu als die Weibchen. So kommt es, dass ältere
Waldelefanten-Kühe eine Schulterhöhe von «nur»
etwa 210 Zentimetern und ein Gewicht von 2000 Kilogramm erreichen,
während die Bullen bis 280 Zentimeter hoch und 4000 Kilogramm
schwer werden.
Wie beim Steppenelefanten ist das Geschlecht der jüngeren
Tiere in der Wildnis ausserordentlich schwierig anzusprechen,
da sich die Hoden beim Männchen in der Bauchhöhle befinden,
also äusserlich nicht sichtbar sind, und zudem auch das
Begattungsglied normalerweise in der Bauchhaut versteckt ist.
Bei älteren Individuen fällt die Geschlechtsbestimmung
etwas leichter, da die Männchen dann deutlich grösser
und massiger sind als die Weibchen und sichtlich längere
Stosszähne aufweisen.
Elefanten sind Herdentiere
Elefanten leben in Herden. Die Meinung früherer
Jäger, wonach die Herden von einem Leitbullen geführt
und verteidigt werden, ist allerdings widerlegt. Neuere Feldstudien
haben gezeigt, dass die Elefantengesellschaft aus sehr stabilen
Weibchengruppen einerseits und aus losen Junggesellentrupps und
einzelgängerischen Männchen andererseits besteht.
Die Weibchengruppen setzen sich oftmals aus zwei oder
drei Schwestern und ihren Jungen zusammen, vielfach auch aus
einer älteren Kuh mit einer oder zwei Töchtern und
deren Jungen. Die in der Gruppe aufgewachsenen Weibchen bleiben
nach der Geschlechtsreife im allgemeinen in der mütterlichen
Gruppe. Hat diese aber einmal eine gewisse Grösse erreicht,
so bilden sich allmählich Untergruppen junger Kühe,
die sich schliesslich vom Verband lösen. Aus diesem Grund
sind benachbarte Weibchengruppen häufig miteinander verwandt.
Im Gegensatz zu den Weibchen können die Jungbullen
nach Erreichen der Geschlechtsreife nicht in der Weibchengruppe
bleiben, in der sie geboren worden sind, denn sie werden von
den älteren Weibchen gezwungen, den Verband zu verlassen.
Sie schliessen sich dann Junggesellentrupps an, welche in ihrer
Zusammensetzung ziemlich veränderlich sind, da die Männchen
untereinander nur lose Beziehungen pflegen. Viele ältere
Bullen lösen sich sogar ganz von ihrem Trupp und leben fortan
als Einzelgänger.
Beim Steppenelefanten kommt es häufig zur Verbindung
von mehreren Weibchengruppen sowie Junggesellentrupps zu grossen
Herden von 100 und mehr Tieren. Dies ist beim Waldelefanten niemals
der Fall.
Die Zukunft der Elefanten
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass der Welt Natur Fonds
(WWF) Berichte über bestbewaffnete motorisierte Wilderer
erhält, welche illegale Elefantenabschüsse vorgenommen
haben. Die zumeist schlecht bezahlten und schlecht ausgerüsteten
Wildhüter sind gegen solch professionelle Wilderer völlig
machtlos. Und solange das Elfenbein auf dem Weltmarkt über
100 US-Dollar pro Kilogramm bringt, solange wird die Wilderei
ein einträgliches Geschäft bleiben und damit weiterbestehen.
Neben Wilderei und Elfenbeinhandel wirkt sich auch
das Vordringen des Menschen in bisher unberührtes Elefantenland
negativ auf die grauen Riesen aus. Die durchaus verständliche
Nachfrage der rasch anwachsenden afrikanischen Bevölkerung
nach landwirtschaftlicher Nutzfläche ist mit dem Vorhandensein
des grössten aller Landsäugetiere unvereinbar. Schliesslich
kann ein einziger Elefant eine ganze Jahresernte in weniger als
einer Stunde zerstören. Lässt sich der Mensch an einem
Ort nieder, an dem seit Jahrtausenden Elefanten nach Belieben
herumstreifen, so sind Konflikte unausweichlich - Konflikte wohlgemerkt,
bei denen der Elefant regelmässig den Kürzeren zieht.
Auch der Waldelefant bleibt leider von dieser Entwicklung nicht
verschont, denn infolge der Zerstörung der Regenwälder
durch Tropenholznutzung und Brandrodung nimmt auch sein Lebensraum
rasch ab.
Auf 750 000 Individuen wurde der Gesamtbestand des
Afrikanischen Elefanten im Jahr 1987 geschätzt. Von der
Grösse dieser Zahl darf man sich nicht täuschen lassen.
Bedenkt man nämlich, dass Afrika ein Viertel der gesamten
Landmasse unseres Planeten ausmacht und dass die Elefanten in
unzähligen kleinen und kleinsten Verbänden über
diesen Riesenkontinent verstreut leben, so muss man schon heute
von einem eher kümmerlichen Restbestand sprechen. Doch damit
nicht genug: Die Fachleute sind sich darüber einig, dass
die Zahl der freilebenden Elefanten auch zukünftig noch
stark sinken wird. Wieviele der heute existierenden Kolosse schliesslich
in den gut geschützten Nationalparks als touristische Attraktion
sowie massvoll genutzte Elfenbeinlieferanten übrigbleiben
werden, ist schwer abschätzbar.
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