Waldohreule

Asio otus


© 1986 Markus Kappeler
(erschienen im WWF-Kalender 1987)



Mit einem Gewicht von 300 Gramm und einer Flügelspannweite von 95 Zentimetern gehört die Waldohreule (Asio otus) zu den kleineren Eulenarten. Sie ist im gemässigten Eurasien, in Nordafrika und in Nordamerika beheimatet und bewohnt innerhalb dieses riesigen Areals Waldungen aller Art. Auch in offenem Gelände mit Hecken und Feldgehölzen fühlt sie sich wohl. Entgegen der landläufigen Meinung haben die auffälligen Ohrpinsel, denen die Waldohreule ihren Namen verdankt, nichts mit dem Gehör zu tun, sondern sind reines «Schmuckwerk».

Die Waldohreule ist hauptsächlich nachts rege und jagt sowohl vom Ansitz aus wie auch im langsamen, schaukelnden Pirschflug. Wie bei allen Eulen verhindern samtweiche Federn mit biegsamen Härchen an den Rändern die Bildung von Luftwirbeln und machen so den Flügelschlag des nächtlichen Räubers für die Opfer unhörbar. Die Hauptbeutetiere der Waldohreule - 91 Prozent der aufgenommenen Nahrungsmenge - sind kleine Wühlmäuse, in Mitteleuropa vor allem Feldmäuse. Rund 1000 der kleinen Nagetiere verzehrt eine einzige Waldohreule im Jahr, wobei nicht berücksichtigt ist, dass sie auch ihre Jungen fast ausschliesslich mit Mäusen grosszieht. Daneben erbeutet sie andere kleine Wirbeltiere und Insekten. Bei Nahrungsknappheit kann die Waldohreule durchaus auch tagsüber jagen und widerlegt dadurch augenfällig den alten Aberglauben, dass Eulen bei Tageslicht nicht sehen können.

Aufgrund ihres riesigen Verbreitungsgebiets und ihrer Anpassungsfähigkeit an lokale Wald- und Beutetierverhältnisse gilt die Waldohreule allgemein nicht als bedroht. Vielerorts, besonders in den industrialisierten Ländern, sind aber ihre Bestände im Lauf der letzten Jahrzehnte massiv zurückgegangen. Zwei Hauptursachen sind dafür zu nennen: Einerseits werden der schlanken Eule durch das Zurückdrängen naturnaher Landschaftselemente - besonders der Feldgehölze, Hecken und alten Obstbaumbestände - zur Förderung der Intensivlandwirtschaft die Schlaf-, Ansitz- und Nistplätze genommen. Andererseits erweist sich die zunehmende Vergiftung der Umwelt mit Schädlingsbekämpfungsmitteln aus Forst- und Landwirtschaft sowie anderen Schadstoffen aus Haushalt, Industrie und Verkehr als sehr gefährlich für die Vögel. Denn wie bei allen Raubtieren - den Menschen inbegriffen - reichern sich in der Waldohreule, welche am Ende zahlreicher Nahrungsketten steht, die nicht abbaubaren Umweltgifte an und wirken sich unter anderem negativ auf ihren Bruterfolg aus. Dadurch gehen die Bestände allmählich zurück.

Durch sein Engagement für die Erhaltung naturnaher Lebensräume und für den zurückhaltenden Umgang mit Pestiziden und anderen Schadstoffen kämpft der WWF seit vielen Jahren nicht zuletzt für eine Verbesserung der Situation der Waldohreule.




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