Waldohreule

Asio otus


© 1989 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Eulen»)



Länge: 35 - 37 cm
Gewicht: 270 - 350 g
Flügelspannweite: 90 - 100 cm

Weite Teile Europas, Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas sind die Heimat der Waldohreule. Am liebsten bewohnt sie die Randgebiete dichter Nadelwälder. Tagsüber sitzt sie meist an einem dunklen Platz auf einer Tanne. Dort ist sie ungestört und kann in aller Ruhe ein Schläfchen halten. Nachts geht sie dann in den nahen Feldern und Wiesen auf Beutefang. Im Gegensatz zu vielen anderen Eulenarten hat die Waldohreule einen ausgesprochen eintönigen Speisezettel: 80 bis 100 Prozent ihrer Nahrung bestehen aus Wühlmäusen. Rund 1000 kleine Nager verzehrt sie im Jahr und gehört damit zu den eifrigsten Mäusejägern in der Tierwelt.

Wie die Schreieule, die Büscheleule, der Uhu und noch viele andere Eulenarten hat die Waldohreule ausgeprägte Federohren. Diese Büschel sind ein grosses Rätsel: Wozu sie gut sind, haben die Eulenforscher bis heute nicht herausgefunden. Viele Fachleute behaupten, sie hätten mit dem Hören überhaupt nichts zu tun. Sie seien entweder reines «Schmuckwerk» oder würden die Eule allenfalls vor Feinden schützen, indem sie ihrem Gesicht ein gefährliches Raubkatzen-Aussehen verleihen. Andere glauben, dass die Federohren sehr wohl etwas mit dem Hören zu tun haben. Schliesslich gehen sie direkt aus dem schallfangenden Gesichtsschleier hervor und sind ausserdem sehr beweglich und hochempfindlich. Dies zeigt unter anderem der folgende Bericht eines Eulenliebhabers, der eine zahme Waldohreule besass: «Sie liess sich sehr gerne von mir das Köpfchen kraulen. Dabei hielt sie den Kopf ganz schief und schloss geniesserisch die Augen. Nur an die Federohren durfte ich nicht rühren. Tat ich das, dann packte sie meinen Finger mit den Krallen und drückte sie mir - quasi zur Strafe - ganz tief in die Haut.»

Zur selben Gattung (Asio) gehören die Styxeule, die Madagaskar-Waldohreule, die Sumpfohreule und die Kapohreule.




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