Wanderfalke
Falco peregrinus
© 1993 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Der Wanderfalke (Falco peregrinus) gehört
zu den am weitesten verbreiteten Vogelarten der Erde. Es gibt
ihn in Europa, in Nord- und Südamerika, in fast ganz Asien
sowie in den meisten Teilen Afrikas und Australiens. Der Name
«Wanderfalke» trifft allerdings nur auf die in hochnordischen
Regionen heimischen Vögel zu, denn nur sie wandern allherbstlich
von ihren frostigen Brutgebieten in tropische Winterquartiere
- manchmal mehr als 10 000 Kilometer weit. Die in gemässigten
und subtropischen Breiten lebenden Wanderfalken sind hingegen
mehr oder weniger «Standfalken».
Männchen und Weibchen des Wanderfalken sind fast
gleich gefärbt. Das Weibchen ist jedoch erheblich grösser
und schwerer als das Männchen. Letzteres wird deshalb auch
«Terzel» («Drittel»; von lateinisch tertium)
genannt, denn es ist rund ein Drittel kleiner als das Weibchen.
Dieser Grössenunterschied der Geschlechter spiegelt die
Aufgabenverteilung bei der Brut und der Jungenaufzucht wider:
Der Terzel vermag nämlich dank seiner grösseren Wendigkeit
allein für die Ernährung der ganzen Familie zu sorgen,
während das kräftigere Weibchen die Bewachung des Geleges
und später der Nestlinge übernimmt.
Als Brutplatz wählt das Wanderfalkenpaar vorzugsweise
Nischen in steilen, unzugänglichen Felswänden. Dort
baut es jedoch keinen eigentlichen Horst, denn ihm fehlt der
Nestbautrieb vollständig. Das Weibchen scharrt lediglich
im lockeren Bodenmaterial eine flache Mulde aus, in die es dann
seine zumeist drei his vier rotbraun gewölkten Eier legt.
Der Wanderfalke ist ein ausgesprochener Vogeljäger,
der in erster Linie fliegenden Vögeln nachstellt. In Mitteleuropa
sind seine häufigsten Beutetiere Tauben, gefolgt von Staren,
Drosseln, Krähen, Lerchen, Buchfinken und anderen.
Anhand seiner schlanken, sichelförmigen Schwingen
lässt sich gut erkennen, dass der Wanderfalke kein gemächlicher
Segler, sondern ein rasanter Sprinter ist. Im normalen Streckenflug
beträgt seine Geschwindigkeit zwar «nur» ungefähr
50 bis 60 Stundenkilometer, doch schon beim in grösserer
Höhe durchgeführten Spähflug erreicht er mühelos
100 Stundenkilometer. Und stösst er dann beinahe senkrecht
auf einen Beutevogel nieder, so beschleunigt er mit ein paar
zackigen Flügelschlägen seinen stromlinienförmigen
Körper auf ein geradezu atemberaubendes Tempo. Bei einem
Wanderfalken, der einst auf dem Kölner Dom überwinterte
und von dort aus Tauben jagte, konnte man die Geschwindigkeiten
beim Steilstoss genau messen: Es waren siebzig bis neunzig Meter
in der Sekunde; das entspricht 250 bis 320 Kilometern in der
Stunde. Damit gilt der Wanderfalke als das schnellste Lebewesen
unseres Planeten.
Zu trauriger Berühmtheit gelangte der Wanderfalke
in den fünfziger und sechziger Jahren unseres Jahrhunderts,
als seine Bestände plötzlich weltweit drastisch zurückgingen.
Zum einen waren es die ausserordentlichen jagdlichen
Leistungen, die dem Wanderfalken zum Verhängnis wurden.
Von alters her galt er nämlich unter den Falknern als besonders
edler und wertvoller «Beizvogel». Für einen
gut trainierten Wanderfalken wurden unter Umständen so viele
Scheine hingeblättert wie für eine Luxuslimousine.
Das Aushorsten der Jungfalken zu diesem Zweck hatte verheerende
Formen angenommen.
Zum anderen machten dem Wanderfalken DDT und verwandte
Stoffe zu schaffen. Diese damals in der Landwirtschaft massenhaft
eingesetzten Schädlingsbekämpfungsmittel wurden von
den schnellen Vögeln über insektenverzehrende Beutetiere
aufgenommen und verseuchten ihren Körper massiv. Dies hatte
- unter anderem wegen zu dünner, beim Bebrüten zerbrechender
Eischalen - einen miserablen Bruterfolg der Wanderfalken-Paare
zur Folge.
Keiner anderen Vogelart wurde hierauf von den Wissenschaftlern,
Naturschützern und der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit
zuteil als dem Wanderfalken. Zuerst wurde die Anwendung von DDT
und einigen anderen verhängnisvollen Pestiziden weltweit
massiv eingeschränkt. In Mitteleuropa und Nordamerika wurden
sodann alljährlich die Wanderfalkennester während der
Brutzeit Tag und Nacht gegen Nestplünderer bewacht. Und
mit Hilfe der CITES-Konvention wurde ferner dem internationalen
Handel ein Riegel vorgeschoben.
Dank dieser breit abgestützten Schutzanstrengungen
ist inzwischen vielerorts eine Erholung der Bestände erkennbar.
So leben heute allein in Deutschland wieder über 300 Wanderfalken-Paare.
Die Hoffnung ist deshalb berechtigt, dass es uns auch in Zukunft
noch vergönnt sein wird, diesen herrlichen Greifvogel bei
seiner pfeilschnellen Luftakrobatik bewundern zu können.
Wanderfalke
Falco peregrinus
Systematik
Klasse: Vögel
Ordnung: Greifvögel
Familie: Falken
Körpermasse
Gesamtlänge: 38-48 cm
Spannweite: 94-112 cm
Gewicht: 600-900 g
Fortpflanzung
Gelegegrösse: 3-4 Eier
Brutdauer: 30 Tage
Nestlingsdauer: 5-6 Wochen
Bestandssituation
Bestand: nicht erfasst
Rote Liste: nicht aufgeführt
CITES: Anhang I
Zur Hauptseite
|