Wasserbock
Kobus ellipsiprymnus
© 1984 Markus Kappeler / WWF Schweiz
(erschienen im WWF-Kalender 1985, WWF Schweiz, Zürich)
Innerhalb der Ordnung der Paarhufer gehört der Wasserbock
zur Unterordnung der Wiederkäuer und da wiederum zur Familie
der Hornträger. Ausgewachsene Männchen erreichen eine
Schulterhöhe von 130 Zentimetern und ein Gewicht von 250
Kilogramm. Die geschwungenen, am Ende leicht nach vorn gebogenen
Hörner des Bocks können über 80 Zentimeter lang
werden. Die Weibchen sind kleiner und leichter als die Männchen
und tragen keine Stirnwaffen.
Die Heimat des Wasserbocks ist der afrikanische Kontinent
südlich der Sahara. Sein riesiges Verbreitungsgebiet erstreckt
sich von Senegal im Westen bis nach Somalia im Osten und Simbabwe
im Süden. Innerhalb dieses weiten Areals werden - aufgrund
der unterschiedlichen Zeichnung auf den Hinterkeulen - zwei Rassen
unterschieden, die früher sogar als selbständige Arten
galten: Der Ellipsen-Wasserbock im östlichen Teil
des Verbreitungsgebiets weist einen kräftigen weissen Ellipsenring
rund um den Schwanzansatz auf. Der Defassa-Wasserbock
im restlichen Verbreitungsgebiet besitzt einen weissen Spiegel.
Das Vorkommen des verhältnismässig langhaarigen
Wasserbocks ist - wie sein Name sagt - eng ans Wasser gebunden.
Man findet ihn an Flüssen und Seen, deren Ufersäume
er selten verlässt. Hier ernährt er sich vorwiegend
vom saftigen Gras, das in diesen Niederungen wächst.
Wasserböcke sind standorttreue Tiere mit einem
hochentwickelten Sozialgefüge: Ausgewachsene Böcke
sind territorial und beanspruchen Reviere von 15 bis 200 Hektaren,
je nach Qualität der Weide. Der Kampf um diese Territorien
ist hart, und nur die stärksten Männchen können
ein Revier behaupten.
Die Weibchen formen Trupps von 10 bis 20 Tieren und
bewegen sich frei zwischen den Territorien der Männchen.
Dabei bevorzugen sie natürlich die Gebiete mit dem besten
Nahrungsangebot. Die Besitzer dieser hart umkämpften Parzellen
haben somit die grösste Chance, ihr Erbgut weiterzugeben.
Nach einer Tragzeit von sieben bis acht Monaten bringen
die Weibchen in der Regel ein einzelnes Junges zur Welt. Dieses
bleibt acht bis zehn Monate in Begleitung seiner Mutter. Dann
erst - kurz bevor das nächste Junge zur Welt kommt - setzt
es sich von ihr ab. Während sich die jungen Weibchen in
ein Weibchenrudel eingliedern, schliessen sich die jungen Männchen
einem Junggesellenrudel an. Dort bleibt der junge Bock in der
Gesellschaft anderer Jungböcke, bis er im Alter von fünf
bis sechs Jahren unter dem Drang des Fortpflanzungstriebs versucht,
ein Territorium zu erobern. Wahrscheinlich sieht er sich anfangs
- wie der Jungbock auf diesem Bild - gezwungen, mit einem für
Weibchen wenig attraktiven Randgebiet vorliebzunehmen. Erst zwei
bis drei Jahre später wird es ihm vielleicht gelingen, einen
älteren Bock aus dessen Territorium zu vertreiben und sich
so einen der begehrten, von den Weibchen geschätzten Plätze
zu sichern.
Der Wasserbock hat sich in seinem Bestand recht gut
erhalten. Zwar hat der Landhunger der ständig wachsenden
afrikanischen Bevölkerung seinen Lebensraum stetig kleiner
werden lassen. Dank seiner weiten Verbreitung profitiert er aber
in vielen Fällen von den zahlreichen grossflächigen
und gut geführten afrikanischen Nationalparks und Reservaten.
Der World Wildlife Fund hat zum Aufbau und Unterhalt vieler dieser
Naturschutzgebiete wesentlich beigetragen - und damit zur Erhaltung
des Wasserbocks und vieler anderer Wildtiere.
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