Wolf
Canis lupus
© 1993 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung
«Gefährdete Tierarten», Groth AG, Unterägeri)
Das Verbreitungsgebiet des Wolfs, des Stammvaters
all unserer Haushunde, umfasste einst nahezu ganz Europa und
Asien - vom Nordpolarmeer bis nach Portugal, Arabien, Indien
und Japan - und reichte in Nordamerika von Alaska bis nach Mexiko.
Im Laufe der letzten drei Jahrhunderte ist der kräftige
Wildhund aber aus vielen Gebieten verschwunden. Neben der gnadenlosen
Bejagung des als «böse» eingestuften Wolfs durch
den Menschen spielte dabei auch die grossflächige Umwandlung
seines Lebensraums in Kulturland und die massive Verminderung
der Bestände seiner Beutetiere eine wichtige Rolle. Heute
findet man gesunde, umfangreiche Wolfsbestände nur noch
in Russland sowie in Kanada und Alaska.
Innerhalb ihres weiten Verbreitungsgebiets sehen natürlich
nicht alle Wölfe genau gleich aus. So kann zum Beispiel
der Tundrawolf Sibiriens bis 80 Kilogramm schwer werden, während
der Indische Wolf oft nur 15 bis 20 Kilogramm wiegt. Und während
die Wölfe Osteuropas vorwiegend grau gefärbt sind (und
darum «Grauwölfe» heissen), können die
«Timberwölfe» der nordamerikanischen Wälder
ganz schwarz und die «Polarwölfe» im Bereich
des arktischen Eismeers weiss sein.
Wölfe leben in Rudeln von zumeist etwa fünf
bis zehn Tieren zusammen. Innerhalb jedes Rudels herrscht eine
strenge Rangordnung sowohl unter den Männchen als auch unter
den Weibchen. Rangkämpfe gehören aber keineswegs zur
Tagesordnung, im Gegenteil: Das «Familienleben» der
Wölfe ist ausgesprochen freundlich. Eine vielfältige
«Sprache», bei der neben Knurren, Winseln, Bellen,
Fiepen und anderen Lauten auch die Haltung des Schwanzes, die
Stellung der Ohren und der Ausdruck des Gesichts eine Rolle spielen,
sorgt dafür, dass es nicht ständig zu unnötigen
Raufereien kommt.
Das Wolfsrudel ist eine «eingeschworene Bande»,
welche in jeder Situation fest zusammenhält. Dem wird immer
wieder durch das berühmte «Wolfsgeheul» Ausdruck
gegeben. Fast wie der Schlachtruf eines Sportvereins fördert
dieses gemeinschaftliche Heulen das Zusammengehörigkeitsgefühl
der Rudelmitglieder ausserordentlich. Gleichzeitig verkündet
das Rudel mit dem Geheul lauthals, dass es sein Jagdrevier erbittert
gegen alle Eindringlinge verteidigen wird. Nachbarrudel wie auch
durchziehende Fremdlinge können so den «Grundstückbesitzern»
rechtzeitig aus dem Weg gehen.
Nur das ranghöchste Weibchen eines jeden Wolfsrudels
pflanzt sich fort. Es bringt jeweils im Frühjahr seine gewöhnlich
drei bis zehn Jungen in einem unterirdischen Bau zur Welt. Die
Welpen wiegen bei der Geburt nur 300 bis 500 Gramm und sind typische
«Nesthocker» mit verschlossenen Augen und Ohren.
Erst um den zehnten Tag herum öffnen sich die Augenlider
und Ohrverschlüsse der Kleinen. Nach drei Wochen dürfen
sie dann erstmals für kurze Zeit auf ihren wackligen Beinchen
das warme Nest verlassen. Jetzt beginnt die Zeit, in der sie
neugierig die nähere Umgebung erkunden und ausgiebig miteinander
spielen.
Die Jungwölfe wachsen in der Folge rasch heran.
Bereits im Herbst begleiten sie als «Lehrlinge» das
elterliche Rudel auf der gemeinschaftlichen Jagd. Ihre Lebenserwartung
liegt in freier Wildbahn gewöhnlich bei etwa zehn bis zwölf
Jahren.
In vielen Teilen seines Verbreitungsgebiets betätigt
sich der Wolf als Grosswildjäger. Gemeinsam mit seinen Rudelgenossen
ist er stark und kann grosse Huftiere wie Rothirsch, Ren und
Elch erlegen, welche oft das Zehnfache seines eigenen Körpergewichts
aufweisen.
Hat der Wolf bei der Grosswildjagd kein Glück,
so begnügt er sich durchaus auch mit kleineren Säugetieren
wie Hasen und Bibern und verspeist mitunter selbst Frösche
und Aas. Zur Not vermag er sogar mehrere Tage lang ohne jegliche
Nahrung auszukommen. In solch mageren Zeiten kann es dann geschehen,
dass sich der Wolf, der normalerweise die Nähe menschlicher
Siedlungen meidet an Haustieren wie zum Beispiel Schafen oder
Gänsen vergreift. Das hat ihm vielerorts den verhängnisvollen
Ruf eines «Viehräubers» eingetragen. Geschichten
über Angriffe der «blutrünstigen Bestie»
auf Menschen sind jedoch Schauermärchen. Seit vielen Jahrzehnten
gibt es keinen einzigen verbürgten Bericht über die
Tötung eines Menschen durch Wölfe!
Die neuere wissenschaftliche Forschung gibt ohnehin
ein weit freundlicheres Bild des Wolfs, als es gemeinhin von
ihm entworfen wird. Sie zeigt klar auf, welch wichtige Rolle
der kräftige Wildhund im Haushalt der Natur spielt: Obschon
Wölfe ohne Mühe gesunde, kräftige Beutetiere zu
erlegen vermögen, so fallen ihnen doch vorwiegend ältere,
kranke, missgebildete und gebrechliche Tiere zum Opfer. Sie tragen
durch diese natürliche Auslese wesentlich zur Gesunderhaltung
ihrer Beutetierbestände bei. Viele Länder setzen deshalb
heute alles daran, den Wolf als Teil der einheimischen Tierwelt
zu erhalten.
Wolf
Canis lupus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hunde
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 100-160 cm
Schulterhöhe: 60-100 cm
Gewicht: 15-80 kg
Fortpflanzung
Wurfgrösse: 3-10 Junge
Tragdauer: 2 Monate
Höchstalter: 15 Jahre
Bestandssituation
Bestand: nicht erfasst
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhänge I und II
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