Zwergohreule

Otus scops


© 1989 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Eulen»)



Länge: 19 - 20 cm
Gewicht: 80 - 95 g
Flügelspannweite: 50 - 60 cm

Die Zwergohreule hat zwar - wie ihr Name sagt - kleine Federohren. Häufig liegen diese aber so eng am Kopf an, dass man sie gar nicht sieht. Gut erkennen kann man die «Hörnchen» nur, wenn die kleine Eule ängstlich ist und sie steil aufrichtet.

Als grosse Ausnahme unter den Nachtgreifvögeln ist die Zwergohreule ein Zugvogel: Im Sommerhalbjahr bewohnt sie die Gebiete rings ums Mittelmeer sowie Mittelasien. Hier brütet sie und zieht ihre Jungen gross. Im Herbst fliegt sie dann nach Süden und verbringt den Winter in den afrikanischen Savannen südlich der Sahara. Den weitesten Weg legen die Zwergohreulen Sibiriens zurück: Sie sind rund zwei Monate unterwegs und bewältigen eine Strecke von etwa 8000 Kilometern. Eine gewaltige Leistung für diese zierlichen Eulchen!

Das Wanderverhalten der Zwergohreule hängt mit ihrer Ernährungsweise zusammen: Sie macht überwiegend Jagd auf grössere Insekten. Vor allem Heuschrecken fallen ihr zum Opfer: Sie sind nämlich während ihres nächtlichen Zirpens im Gras leicht aufzuspüren und zu erhaschen. Im Brutgebiet der Zwergohreule gibt es aber nur während der warmen Jahreszeit genügend Insekten. Im Herbst nimmt ihre Zahl wegen des kühler werdenden Wetters rasch ab. Dies zwingt die Zwergohreule schliesslich dazu, in wärmere Regionen mit besserem Futterangebot auszuweichen.

Leider ist die weite Reise für die Zwergohreule nicht ganz ungefährlich. Auf ihrem Zug nach Afrika werden nämlich viele der Eulenwichte in Südeuropa, auf den Mittelmeerinseln und in Nordafrika in Netzen gefangen oder abgeschossen und auf den Märkten als Leckerbissen angeboten...

 

Zur selben Gattung (Otus) gehören 39 weitere Eulenarten, darunter die Kuba-Eule, die Cholibaeule, die Kreischeule, die Wallace-Eule, die Rotohreule, die Inseleule, die Halsbandeule, die Fuchseule und die Gelbschnabeleule.




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