Zwergwal - Balaenoptera acutorostrata
Brydewal - Balaenoptera edeni
Zwergglattwal - Caperea marginata
Cuvier-Schnabelwal - Ziphius cavirostris
© 1998 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Nur zwei Gruppen von Säugetieren haben sich im
Laufe ihrer Stammesgeschichte dermassen perfekt an das Leben
im Wasser angepasst, dass sie heute das Land selbst für
die Geburt und Aufzucht ihres Nachwuchses nicht mehr betreten
müssen: die Seekühe (Ordnung Sirenia) und die Waltiere
(Ordnung Cetacea). Hinsichtlich ihrer Artenzahl und ihrer geografischen
Verbreitung sind die Waltiere - die Wale und die Delphine - eindeutig
die erfolgreicheren der beiden: Es gibt rund achtzig verschiedene
Waltierarten, welche sämtliche Meere von Pol zu Pol und
sogar ein paar Ströme besiedelt haben. Seekühe existieren
hingegen weltweit nur vier, und diese sind ausschliesslich in
Gewässern der Tropen beheimatet.
Auf diesen Seiten sollen vier Mitglieder der Waltierordnung
vorgestellt werden, nämlich der Zwergwal (Balaenoptera
acutorostrata), der Brydewal (Balaenoptera edeni)
und der Zwergglattwal (Caperea marginata) aus der Unterordnung
der Bartenwale (Mysticeti) sowie der Cuvier-Schnabelwal (Ziphius
cavirostris) aus der Unterordnung der Zahnwale (Odontoceti).
Alle vier Arten sind regelmässige Besucher der küstennahen
Gewässer Südafrikas - des Ausgabelands der vorliegenden
Briefmarken und eines Lands mit besonders vielgestaltiger Waltierfauna.
Der Zwergwal
Der Zwergwal ist ein Mitglied der Familie der Furchenwale
(Balaenopteridae), welcher insgesamt sechs Arten angehören,
darunter auch der mächtige Blauwal (Balaenoptera musculus).
Der Familienname weist auf die eigentümlichen, in Körperlängsrichtung
verlaufenden Kehlfurchen dieser Wale hin, welche, wie wir noch
sehen werden, im Zusammenhang mit dem Nahrungserwerb stehen.
Und der Artname deutet darauf hin, dass der Zwergwal der kleinste
seiner Sippe ist: Seine Länge bemisst sich auf maximal elf
Meter bei den Weibchen und zehn Meter bei den Männchen,
das Gewicht beträgt höchstens zehn Tonnen. Durchschnittlich
sind die ausgewachsenen Tiere sogar rund anderthalb Meter kürzer
und deutlich leichter.
Der Zwergwal ist praktisch weltweit verbreitet. Man
findet ihn in Gewässern der polaren, gemässigten und
tropischen Klimazonen sowohl der nördlichen als auch der
südlichen Erdhalbkugel. In den meisten Bereichen seines
riesenhaften Verbreitungsgebiets kann er das ganze Jahr über
angetroffen werden. Dennoch gibt es auch bei ihm Hinweise auf
saisonale Bewegungen: Grössere Teile der Weltpopulation
scheinen sich alljährlich zwischen ihren sommerlichen Nahrungsgründen
in den kalten polaren Meeren und ihren Winterquartieren in wärmeren
Gegenden hin und her zu verschieben. Im Unterschied zu anderen
Walarten scheinen sie dabei aber keinen festen Wanderrouten zu
folgen.
Von allen Grosswalen hält sich der Zwergwal wohl
am häufigsten in Küstennähe auf. Regelmässig
bewegt er sich wenige Dutzend Kilometer von Festland- und Inselküsten
entfernt umher, und nicht selten besucht er sogar grössere
Buchten. Da er sich überdies gern Schiffen nähert und
gelegentlich vollständig aus dem Wasser springt (um dann
mit lautem Getöse auf die Wasseroberfläche zurückzufallen),
gehört er zu den am häufigsten und leichtesten zu beobachtenden
Grosswalen.
Wie bei den anderen Furchenwalen besteht die Nahrung
des Zwergwals aus einem breiten Spektrum kleiner bis mittelgrosser
Fische nebst allerlei freischwimmenden Wirbellosen, insbesondere
Tintenfischen und Krebstieren. Und wie bei seinen Vettern bildet
in antarktischen Gewässern der Antarktische Krill (Euphausia
superba) - ein immens häufiges, freischwimmendes, mit
den Garnelen verwandtes Krebschen - den Hauptteil seiner Nahrung.
Wie alle Furchenwale erbeutet der Zwergwal im übrigen
seine Nahrung «schluckweise». Diese «Schlucke»
sind allerdings sehr ergiebig, denn die Kehlfurchen ermöglichen
es dem Zwergwal, seinen Mundraum ausserordentlich zu erweitern
und riesige Mengen beutehaltigen Wassers darin aufzunehmen. Wenn
er dann den Mund wieder fast geschlossen hat, drückt der
Wal seine Zunge nach oben gegen den Gaumen, worauf sich der elastische
Mundboden zusammenzieht und das Wasser seitlich zwischen den
Barten hindurch ausfliesst. Dabei bleiben die Nahrungstiere wie
bei einem Sieb an den ausgefransten Innenrändern der Barten
hängen und werden anschliessend verschluckt.
Zwergwale bewegen sich gewöhnlich einzeln, zu
zweit oder zu dritt umher, doch können sich im Sommer, beim
Aufenthalt in den polaren, nahrungsreichen Gewässern, vorübergehend
auch deutlich grössere Zwergwalverbände bilden. Die
Paarungen finden im Winterhalbjahr, während des Aufenthalts
in wärmeren Gewässern, statt. Auf der südlichen
Halbkugel fällt diese aufregende Zeit zur Hauptsache in
die Monate August und September.
Die Tragzeit dauert ungefähr zehn Monate, so
dass die meisten Geburten im Juni und Juli stattfinden, also
ebenfalls während des winterlichen Aufenthalts in wärmeren
Gewässern. In der Regel wird nur ein Junges geboren, welches
bei der Geburt eine Länge von etwa 2,7 Metern aufweist.
Es wird während vier bis fünf Monaten gesäugt,
und während dieser Stillzeit wird das Zwergwalweibchen in
der Regel nicht wieder begattet, so dass es also nur jedes zweite
Jahr ein Kind zur Welt bringen kann. Das Zwergwaljunge pflanzt
sich seinerseits im Alter von sieben oder acht Jahren zum ersten
Mal fort. Es nimmt allerdings noch mehrere Jahre lang an Grösse
zu und ist erst im Alter von etwa zwanzig Jahren ganz ausgewachsen.
Zwergwale sind, sofern ihnen kein Unglück widerfährt,
recht langlebige Geschöpfe, welche ein Alter von fünfzig
und mehr Jahren erreichen können.
Der Brydewal
Wie der Zwergwal gehört auch der Brydewal zur
Familie der Furchenwale. Mit einer Länge von bis zu 15,5
Metern ist er aber beträchtlich grösser als dieser.
Als einziger Bartenwal ist der Brydewal in seiner
Verbreitung auf die tropischen, subtropischen und warmen gemässigten
Gewässer der Erde beschränkt. Er kommt einzig zwischen
dem 40. Grad nördlicher und dem 40. Grad südlicher
Breite vor, wo die Wassertemperaturen ganzjährig nicht unter
20° Celsius sinken. Verhältnismässig oft können
Brydewale vor den Küsten Südafrikas beobachtet werden.
Die Nahrung der Brydewale scheint hauptsächlich
aus Schwarmfischen zu bestehen, darunter Sardellen, Sardinen
und Heringen. Verlässlichen Berichten zufolge sind im Magen
erlegter Brydewale aber auch schon so ungewöhnliche Beutetiere
wie Pinguine und Haie gefunden worden. Es ist allerdings nicht
anzunehmen, dass diese von den Walen aktiv bejagt, sondern wohl
eher versehentlich verschluckt worden waren, als sie gerade ihrerseits
Jagd auf Fische gemacht hatten.
In manchen Gebieten ist die Fortpflanzung der Brydewale
saisonal gebunden, in anderen - so auch in den Gewässern
um Südafrika - finden Paarungen und Geburten das ganze Jahr
über statt. Die Tragzeit dauert bei dieser Art rund zwölf
Monate, und es werden in der Regel Einzelkinder geboren, welche
bei der Geburt knapp 3,5 Meter gross sind. Die jungen Brydewale
pflanzen sich gewöhnlich im Alter von zehn bis zwölf
Jahren erstmals fort. Wie die jungen Zwergwale sind sie zu diesem
Zeitpunkt noch «halbwüchsig» und erreichen erst
im Alter von achtzehn bis zwanzig Jahren ihre volle Grösse.
Soweit wir wissen, können Brydewale in freier Wildbahn bis
über siebzig Jahre alt werden.
Der Zwergglattwal
Im Unterschied zum Zwergwal und zum Brydewal gehört
der Zwergglattwal nicht zur Familie der Furchenwale, sondern
wird in eine eigene Familie namens Zwergglattwale (Neobalaenidae)
gestellt, welche der Familie der Glattwale (Balaenidae) nahesteht.
Zu letzteren gehören verhältnismässig plump gebaute
Bartenwale wie der Grönlandwal (Balaena mysticetus)
und der Nordkaper (Eubalaena glacialis), und tatsächlich
ist auch der glattkehlige Zwergglattwal nicht ganz so «schnittig»
gebaut wie seine gefurchtkehligen Vettern.
Von allen elf Bartenwalen ist der Zwergglattwal der
kleinste, kleiner noch als der Zwergwal. Verglichen mit den Landsäugetieren
ist aber selbst er noch ein Riese: Mit einer Länge von bis
zu sechs Metern ist er länger als jeder Landsäuger,
und mit einem Gewicht um drei Tonnen wiegt er immerhin ebensoviel
wie ein weiblicher Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana).
Unser Wissen über die Lebensweise des Zwergglattwals
ist äusserst spärlich, denn er konnte bislang nur selten
beobachtet werden. Fast alle Informationen, die uns vorliegen,
stammen von gestrandeten Individuen. Einigermassen sicher ist,
dass der Zwergglattwal nur die Meere der Südhalbkugel bewohnt.
Man kennt ihn bisher aus den Gewässern rund um Südafrika,
Südaustralien, Neuseeland, die Falklandinseln und das südliche
Südamerika - ungefähr zwischen dem 30. und 50. Grad
südlicher Breite. Aus den wenigen Sichtungen lebender Zwergglattwale
zu schliessen, bewegen sich die Tiere gewöhnlich einzeln
oder zu zweit umher, doch wurden auch schon Gruppen von bis zu
acht Individuen beobachtet.
Ein häufiger Meeresbewohner ist der Zwergglattwal
zweifellos nicht. Die Seltenheit, mit der er gesichtet wird,
muss aber nicht bedeuten, dass er extrem selten ist. Es scheint
vielmehr, dass dieser kleine Bartenwal eine sehr heimliche Lebensweise
führt und vom Menschen im allgemeinen schlicht übersehen
wird - oder aber mit dem Zwergwal verwechselt wird, denn aus
grösserer Entfernung sehen sich die beiden «Walzwerge»
recht ähnlich.
Der Cuvier-Schnabelwal
Der Cuvier-Schnabelwal gehört innerhalb der Unterordnung
der Zahnwale zur Familie der Schnabelwale (Ziphiidae), welche
ungefähr zwanzig Arten umfasst. Er ist eines der grösseren
Mitglieder seiner Sippe: Ausgewachsene Individuen messen im Durchschnitt
knapp sechs Meter, wobei Männchen und Weibchen etwa gleich
gross sind.
Wie alle Schnabelwale weist der Cuvier-Schnabelwal
eine entenschnabelartige Schnauze auf, welche ansatzlos in die
«fliehende» Stirn übergeht. Und wie bei den
meisten Schnabelwalen ist sein Gebiss stark zurückgebildet:
Er besitzt nur gerade ein Paar wohlausgebildeter Zähne vorn
im Unterkiefer.
Man kennt den Cuvier-Schnabelwal aus allen Weltmeeren,
wobei er in warmen Gewässern häufiger vorzukommen scheint
als in kalten. Er wird gewöhnlich einzeln, zu zweit oder
in Kleingruppen von bis zu sieben Tieren angetroffen. Mühelos
kann er bis zu dreissig Minuten unter Wasser schwimmen, bevor
er wieder zum Atmen an die Oberfläche auftauchen muss. Man
nimmt an, dass er wie andere Schnabelwale ein Tieftaucher ist,
der Tintenfischen und Fischen in mehreren hundert Metern Wassertiefe
nachstellt.
Wie der Zwergglattwal führt der Cuvier-Schnabelwal
eine sehr unauffällige Lebensweise, und es scheint sogar,
dass er Schiffen aktiv ausweicht, indem er in die Tiefe abtaucht.
Sichtungen von Vertretern dieser Walart erfolgen deshalb höchst
selten, obwohl die Art wahrscheinlich gar nicht allzu rar ist.
Über das Fortpflanzungsverhalten des Cuvier-Schnabelwals
ist bis jetzt nichts bekannt.
Die marinen Ökosysteme sind in Gefahr
Von den vier vorgestellten Walarten hatte früher
einzig der häufige und leicht zu entdeckende Zwergwal wirtschaftliche
Bedeutung. Er wurde von verschiedenen Nationen intensiv bejagt,
so dass seine Bestände stark zusammenschmolzen. Ohne Zweifel
sind auch die anderen drei Walarten in der Vergangenheit Opfer
von Walfängern geworden. Da sie aber selten anzutreffen
sind, dürften die Auswirkungen auf ihre Bestände weniger
schwerwiegend gewesen sein.
Die üblen Zeiten der weltweiten Walschlächterei
sind glücklicherweise vorbei. Heute stehen die vier vorgestellten
wie auch alle anderen Walarten unter vollständigem Schutz
- und zwar aufgrund des sogenannten «Walfang-Moratoriums»,
welches 1986 durch die Internationale Walfangkommission (IWC)
erlassen worden ist. Gemäss diesem Moratorium darf weder
innerhalb noch ausserhalb der Hoheitsgewässer sämtlicher
Staaten der Erde Jagd auf Wale gemacht werden. Einzig ein paar
Küstenvölker wie die Inuit auf Grönland, für
die der Walfang von alters her fest in ihrer Kultur verankert
ist, dürfen auch weiterhin - in klar geregeltem Umfang -
Jagd auf Wale machen.
Die direkte Verfolgung der Wale durch den Menschen
stellt also heute keine wesentliche Gefahr mehr für diese
eindrucksvollen Meeressäuger dar. Tatsächlich gibt
es inzwischen Anzeichen dafür, dass sich die einstmals erheblich
ausgedünnten Populationen verschiedener Walarten - so auch
die des Zwergwals - allmählich etwas erholen.
Und dennoch ist die Zukunft der Wale leider keineswegs
gesichert. Ihr langfristiger Fortbestand wird durch diverse Faktoren
gefährdet. Zu nennen sind vor allem die Schädigung
ihrer Nahrungsgrundlagen infolge der weltweiten Übernutzung
der Krebs-, Tintenfisch- und Fischbestände, ferner die verheerende
Belastung der Meere mit Schadstoffen aller Art. Letztere beeinträchtigen
nicht nur die Beutetiere der Wale, sondern sammeln sich auch
via die Nahrungskette im Körper der mächtigen Tiere
an und können ihre Gesundheit gefährden.
Der verantwortungsvolle Umgang mit den marinen Ökosystemen
im allgemeinen und die schonende Nutzung der marinen Ressourcen
im speziellen stellen wichtige globale Aufgaben dar, denn vom
Wohlbefinden der Ozeane hängt letztlich alles Leben auf
unserem Planeten ab. Zielstrebige internationale Zusammenarbeit
zur Lösung dieser drängenden und für die Menschheit
existenziellen Fragen ist unumgänglich - doch leider sind
diesbezüglich noch immer kaum Fortschritte zu verzeichnen.
Immerhin bemühen sich verschiedene einsichtige
Regierungen im Rahmen ihrer Einflussmöglichkeiten um die
vernünftige Nutzung und die Gesunderhaltung der marinen
Vielfalt. Zu ihnen zählt auch die Regierung Südafrikas.
Sie hat unter anderem mehrere marine Schutzgebiete entlang der
südafrikanischen Küste eingerichtet, welche einem breiten
Spektrum von Meereslebewesen als sichere Rückzugsgebiete
dienen. Das grösste hiervon ist das 900 Quadratkilometer
grosse St. Lucia/Maputaland-Meeresschutzgebiet, das sich als
etwa fünf Kilometer breiter Streifen der Küste der
Provinz Natal entlangzieht. Bemerkenswerterweise konnten alle
vier vorgestellten Walarten schon als Besucher innerhalb dieses
Reservats beobachtet werden.
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