Afrikanischer Löwe

Panthera leo massaica et al.


© 2005 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)




Artwork © Owen Bell

Der Löwe (Panthera leo) gehört innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur vier Arten umfassenden Gattung der Grosskatzen (Panthera). Bei den anderen drei Arten handelt es sich um den Jaguar (Panthera onca), den Leoparden (Panthera pardus) und den Tiger (Panthera tigris). Überraschenderweise ist der «majestätische» Löwe nicht die grösste der Grosskatzen und somit nicht die grösste Katze der Welt. Diese Ehre kommt dem Sibirischen Tiger (Panthera tigris altaica) zu, bei welchem die Männchen eine Kopfrumpflänge von 290 Zentimetern und ein Gewicht von 320 Kilogramm erreichen können. Die männlichen Löwen werden hingegen maximal 225 Zentimeter lang und 250 Kilogramm schwer. Die Löwenweibchen sind sogar noch deutlich kleiner und leichter als die Löwenmännchen: Sie wiegen durchschnittlich um 125 und selten mehr als 150 Kilogramm.

Das Verbreitungsgebiet des Löwen erstreckte sich einst in Eurasien von der Balkanhalbinsel über Kleinasien sowie den gesamten Nahen und Mittleren Osten bis nach Indien, und in Afrika von Marokko und Ägypten bis nach Südafrika. Heute kann man ihm in Eurasien nur noch in einem kleinen Waldgebiet an Indiens Westküste und in Afrika nur noch südlich der Sahara in weit verstreuten Restvorkommen begegnen.

Das riesenhafte Areal, über das der Löwe einst verbreitet war, zeugt von der bemerkenswerten ökologischen Anpassungsfähigkeit dieser grossen Katzenart. Optimale Lebensräume bilden Steppen sowie Busch- und Waldsavannen - Grasländer also, welche von Schatten spendenden Einzelbäumen und Deckung bietenden Strauchdickichten durchsetzt sind und die ein breit gefächertes und reichliches Angebot von Beutetieren aufweisen. Die Art kann aber auch in vielen anderen Lebensräumen ein Auskommen finden, und zwar von Meereshöhe bis in Lagen von mehr als 4000 Metern ü.M. Einzig in den dichten äquatorialen Regenwäldern und in den zentralen Bereichen der Sahara kam der Löwe zu keiner Zeit vor.

Ein Teil des «Erfolgsrezepts» des Löwen ist seine Fähigkeit, den gesamten Flüssigkeitsbedarf mittels seiner Nahrung zu decken. Zwar trinkt er regelmässig, wenn Wasserstellen in seinem Lebensraum vorhanden sind. Er vermag aber auch Landstriche zu besiedeln, in denen - saisonal oder ganzjährig - kaum oder überhaupt kein Trinkwasser auffindbar ist.

 

Die Männchen sind bloss Gäste

Der Löwe unterscheidet sich von allen anderen Mitgliedern der Katzenfamilie dadurch, dass er nicht als Einzelgänger, sondern gesellig in Rudeln lebt. Diese setzen sich gewöhnlich aus zwei bis drei Männchen, fünf bis zehn Weibchen und ein paar Jungtieren in verschiedenen Altersklassen zusammen.

Den «harten Kern» der Löwenrudel bilden stets die ausgewachsenen Weibchen. Sie sind eng miteinander verwandt, denn sie leben von Geburt an in ihrem Rudel und bleiben ihm in der Regel bis zu ihrem Tod treu. Diese Schwestern und Kusinen, Mütter und Töchter, Tanten und Nichten halten ein festes, zumeist seit Generationen unverändertes Revier besetzt. Fremde Löwinnen, welche in das Revier eindringen, werden daraus vertrieben, manchmal sogar getötet.

Die Rudelgrösse hängt stark vom lokalen Beutetierangebot ab. Sehr grosse Löwenrudel finden sich in Gebieten wie dem Ngorongoro-Krater in Ostafrika, wo grosse Huftiere das ganze Jahr über häufig vorkommen, während in dürren Gegenden, beispielsweise in der Sahelzone, die Rudel klein sind und oftmals nur zwei oder drei erwachsene Weibchen umfassen. Auch die Grösse des Reviers hängt mit der Rudelgrösse und dem örtlichen Beutetierangebot zusammen. Normalerweise bemisst sie sich auf 25 bis 400 Quadratkilometer, kann aber auch erheblich grösser sein. Ein gut erforschtes Löwenrudel, das im Etoscha-Nationalpark in Namibia lebt, streift beispielsweise in einem Gebiet von mehr als 2000 Quadratkilometern umher.

Die erwachsenen Männchen sind mit den Weibchen im selben Rudel gewöhnlich nicht verwandt, und sie sind auch kein fester Teil des Löwenrudels. Sie sind gewissermassen Gäste im «Hoheitsgebiet» der Weibchen - und als solche führen sie sich auch auf: Weder beteiligen sie sich an der Nahrungsbeschaffung, noch kümmern sie sich um die Aufzucht des Nachwuchses. Ihr einziger Beitrag zum Wohlergehen des Rudels ist die Begattung der brünstigen Weibchen und somit die Zeugung von Nachwuchs.

Dieses schöne Leben ist allerdings meist von kurzer Dauer: Ständig müssen die Löwenmännchen nämlich die Angriffe herumstreunender Rivalen abwehren, welche auch gern über einen «Harem» verfügen würden. Früher oder später - meistens schon nach zwei bis drei Jahren - gelingt es einer «Bande» junger, kräftiger Männchen, die ansässigen «Herren» zu verjagen. Für die Vertriebenen fängt dann der Ernst des Lebens wieder an. Den Neuankömmlingen ergeht es aber nach ein paar Jahren nicht anders. So lösen sich die männlichen Löwen, die sich an der Seite einer etablierten Löwinnengruppe aufhalten, immer wieder ab. Und das ist ausgesprochen sinnvoll: Denn zum einen können sich auf diese Weise immer nur die stärksten Löwenmännchen fortpflanzen. Zum anderen erfolgt eine starke Durchmischung des regionalen Erbguts. Beides ist für die Überlebensfähigkeit der Art von grosser Bedeutung.

Im Allgemeinen bestehen die Männchenbanden schon geraume Zeit, bevor sie sich ein Rudel anzueignen vermögen, und sie haben gewöhnlich auch nach ihrer Vertreibung durch eine andere Männchenbande Bestand. Umfasst eine Bande mehr als vier Männchen, so handelt es sich fast immer um Brüder, Halbbrüder und Vettern. Besteht eine Bande aber aus bloss zwei Männchen, so handelt es sich oftmals um nicht verwandte Tiere, die nach dem Verlassen ihrer Geburtsrudel zusammengefunden haben. Ob verwandt oder nicht: Die Männchen innerhalb einer Bande verhalten sich sehr kollegial zueinander: Sie kämpfen stets gemeinsam gegen Rivalen, und sie streiten sich untereinander nicht um das Vorrecht zur Paarung mit den brünstigen Weibchen.

 

Gut eingespielte Treibjagden

Die Löwen sind wie alle Katzen tüchtige Beutegreifer. Vorzugsweise machen sie Jagd auf Tiere, welche zwischen fünfzig und fünfhundert Kilogramm wiegen, und deshalb bilden Antilopen aller Art sowie Zebras ihre häufigsten Beutetiere. Wie die meisten Raubtiere sind sie aber keineswegs wählerisch und ernähren sich auch von weit kleineren Beutetieren wie Nagern, Vögeln oder Kriechtieren, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet oder wenn es die Not gebietet.

Zwar können Löwen kraftvoll beschleunigen und kurzfristig eine Geschwindigkeit von bis zu sechzig Kilometern je Stunde erreichen. Die meisten ihrer Beutetiere sind jedoch die besseren - schnelleren und ausdauernderen - Läufer. Die Löwen bedürfen deshalb des Überraschungsmoments: Sie müssen sich zunächst ihren Beutetieren unbemerkt auf ungefähr dreissig Meter nähern können, um diese anschliessend in einem Blitzangriff mit wenigen Sprüngen zu erreichen, noch bevor sie wirklich zur Flucht ansetzen konnten. Tatsächlich sind die Löwen, ihrer Grösse zum Trotz, bewundernswerte Anschleichjäger: Geduldig pirschen sie sich an ihre Beutetiere an und nutzen dabei geschickt jede kleinste Deckung, die sich ihnen bietet.

Interessanterweise scheinen sie bei der Jagd der Windrichtung kaum Beachtung zu schenken, obschon Jagden gegen den Wind deutlich erfolgreicher sind als solche mit dem Wind. Insgesamt ist etwa jeder vierte Angriff erfolgreich. Die Beutetiere werden mit den Pranken gepackt und umgeworfen. Kleinere Tiere werden sogleich mit einem Biss in das Genick getötet, während grössere oftmals durch einen Biss in die Kehle oder in die Schnauze erstickt werden.

Obschon die erwachsenen Löwen durchaus auch einzeln erfolgreich zu jagen vermögen, tun sie es nach Möglichkeit gemeinschaftlich. In offenen Gebieten, wo es wenig Deckungsmöglichkeiten gibt, erfolgen die Jagden meistens nachts; in Gebieten mit üppiger Pflanzendecke finden sie vielfach auch am Tag statt. Sind mehrere Weibchen an einer Jagd beteiligt, so wenden sie oftmals eine List an: Während sich ein paar von ihnen im hohen Gras oder hinter Büschen versteckt auf die Lauer legen, schleichen sich die übrigen in einem weiten Bogen um die Beutetiere herum, greifen sie dann von der entgegengesetzten Seite her an und treiben sie so auf die wartenden Rudelangehörigen zu.

Ist ein Beutetier erlegt, so gesellen sich sofort alle Rudelmitglieder, die sich in der Nähe befinden, hinzu. Insbesondere gilt dies für die Männchen, die den Ausgang der Jagd ruhig abgewartet haben. So liebenswürdig der Umgang der Rudellöwen untereinander im «Alltag» ist, so rücksichtslos wird jeweils am Beutetier die eigene Stärke ausgespielt. Jeder versucht, seinen Anteil an der Beute mit Knurren, Fauchen und Tatzenschlagen zu ergattern. Wenn schliesslich alle gesättigt sind, kehrt wieder Ruhe und Frieden im Rudel ein. In mageren Zeiten kann es allerdings geschehen, dass sich die kleinsten und schwächsten Rudelmitglieder - normalerweise die frisch entwöhnten Jungtiere - nicht ausreichend zu ernähren vermögen und verhungern. Was uns hart erscheint, macht biologisch gesehen wiederum Sinn: In Zeiten des Nahrungsmangels ist es weit wichtiger, dass mindestens ein paar Rudelmitglieder bei Kräften bleiben und gute Überlebenschancen haben, als dass sie alle kümmern und dabei anfällig auf Krankheiten und Übergriffe anderer Raubtiere werden. Das egoistische Verhalten an der erlegten Beute ist also eine Strategie, welche bei schlechten Umweltbedingungen den Fortbestand des Rudels sichern hilft.

 

Babys mit geflecktem Kleid

Die Fortpflanzung ist bei den Löwen nicht an eine Jahreszeit gebunden. Die Weibchen bringen nach einer verhältnismässig kurzen Tragzeit von rund dreieinhalb Monaten ein bis vier, ausnahmsweise auch bis sechs, Junge zur Welt. Aufgrund der kurzen Tragzeit sind die Neugeborenen im Vergleich zu den erwachsenen Tieren sehr klein. Sie wiegen nur 1200 bis 1500 Gramm und machen in den ersten Wochen einen ziemlich unbeholfenen Eindruck. Ihr Fell weist anfänglich ein Fleckenmuster auf. So sind sie im Gebüsch gut getarnt, wenn ihre Mutter auf die Jagd geht und sie vorübergehend allein lässt.

Die Jungtiere werden gesäugt, bis sie etwa ein halbes Jahr alt sind. Allerdings beginnen sie schon im Alter von ungefähr drei Monaten, auch Fleisch zu sich zu nehmen, denn ab diesem Alter begleiten sie das Rudel auf der Jagd und erlernen allmählich das Handwerk des Beutegreifens. Erst im Alter von zwei Jahren - später als jede andere Katze - sind sie vollwertige Jäger. Die Löwenweibchen bringen deshalb nur ungefähr alle zwei Jahre einen Wurf Junge zur Welt.

Während die jungen Weibchen in aller Regel im Rudel bleiben, in dem sie geboren wurden, müssen die jungen Männchen ihre Heimat stets verlassen. Sie werden spätestens im Alter von etwa dreieinhalb Jahren, wenn ihre Mähne zu spriessen beginnt, von den erwachsenen Männchen im Rudel verjagt. Oftmals gehen sie gemeinsam mit Brüdern und Vettern weg und bilden von Anfang an eine Bande. Manchmal lösen sie sich aber auch einzeln und gehen erst später mit Leidensgenossen eine Koalition ein. So oder so streifen sie weit umher. Im Alter von etwa fünf Jahren beginnen diese Junggesellen, die männlichen Tiere fremder Rudel anzugreifen und übernehmen schliesslich - mit etwas Glück und nach manchem erfolglosen Anlauf - eine Löwinnengruppe.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männchen liegt in der freien Wildbahn bei ungefähr zwölf Jahren, während die Weibchen im Allgemeinen etwa sechzehn Jahre alt werden. In Menschenobhut beträgt der Altersrekord 34 Jahre.

 

Vielleicht noch 30 Löwen in Ghana

Grosskatzen besitzen für den Menschen von jeher eine geradezu magische Ausstrahlung. Der Grund hierfür liegt wohl in einer Mischung aus der Furcht vor diesen gefährlichen Tieren einerseits und der Bewunderung ihrer Jagdkünste andererseits. Seit Jahrtausenden spielen Grosskatzen darum in den Sagen, Tänzen und Bräuchen unzähliger Völker auf der ganzen Welt eine wichtige Rolle. Allen voran natürlich der Löwe, der «König der Tiere». Überall ist er zum Sinnbild für Macht und Würde geworden. Unter anderem ziert er das Wappen verschiedener europäischer Königshäuser.

Dem Löwen hat dies leider wenig gebracht, denn es ändert nichts an der Tatsache, dass Menschen und Löwen nicht friedvoll nebeneinander existieren können. Wo immer der Mensch sich niederlässt, da bilden die ansässigen Löwen eine beträchtliche Gefahr für ihn selbst wie auch für seine Nutztiere. Je weiter sich die menschliche Bevölkerung im Verbreitungsgebiet des Löwen ausdehnte, desto mehr wurden darum die Löwenbestände zurückgedrängt. So kommt es, dass der Löwe heute in Eurasien fast vollständig ausgerottet ist und in Afrika südlich der Sahara bloss noch in kleinen, inselartigen Beständen vorkommt. Einigermassen gesichert sind diese afrikanischen Restbestände ausschliesslich in grossen Schutzgebieten; überall sonst sind sie stark bedroht.

Detaillierte Informationen zur Situation des Löwen in Afrika liegen leider keine vor. Gemäss einer groben Bestandsschätzung gibt es aber in der freien Wildbahn insgesamt nur noch zwischen 15 000 und 30 000 Individuen. Davon leben die meisten im Osten des Kontinents, zwischen Äthiopien im Norden und Sambia/Simbabwe im Süden, während in Westafrika nur noch wenige von ihnen vorkommen.

In Ghana, dem in Westafrika gelegenen Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, sind bloss noch zwei sehr kleine Löwenvorkommen bekannt, die sich beide im Norden des Landes befinden. Das eine wird auf ungefähr zehn Individuen geschätzt und lebt im Gbele-Reservat; das andere ist vielleicht doppelt so gross und bewohnt den Mole-Nationalpark. Bestände dieser Grössenordnung sind überaus verletzlich und haben darum mittelfristig nur sehr geringe Überlebenschancen. Soll der Löwe in Ghana wie auch in den übrigen Bereichen Westafrikas erhalten bleiben, so braucht es dringende und umfassende Schutzanstrengungen. Manche Fachleute befürchten allerdings, dass es hierfür meistenorts bereits zu spät sein könnte.

 

 

 

 

Legenden

Der Afrikanische Löwe (Panthera leo massaica et al.) ist - nach dem Sibirischen Tiger (Panthera tigris altaica) - die zweitgrösste Katze der Welt. Die ausgewachsenen Männchen (links) erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 225 Zentimetern und wiegen bis zu 250 Kilogramm. Die Weibchen (rechts) werden bis zu 175 Zentimeter lang und bringen durchschnittlich 125 Kilogramm auf die Waage. Von allen Mitgliedern der Katzenfamilie (Felidae) tragen einzig die Löwenmännchen eine Mähne.

Der Löwe unterscheidet sich von allen anderen Katzenarten dadurch, dass er nicht als Einzelgänger, sondern gesellig in Rudeln lebt. Diese setzen sich in Afrika gewöhnlich aus zwei bis drei Männchen, fünf bis zehn Weibchen und ein paar Jungtieren in verschiedenen Altersstufen zusammen. Das Bild wurde im Moremi-Nationalpark in Botsuana aufgenommen.

Löwen sind tüchtige Beutegreifer. Vorzugsweise machen sie Jagd auf Huftiere, welche zwischen fünfzig und fünfhundert Kilogramm wiegen. Deshalb bilden Antilopen wie das Impala (Aepyceros melampus; links) und Zebras ihre häufigsten Beutetiere. Giraffen (unten) bilden hingegen keine übliche, weil wehrhafte Beute: Augenzeugenberichten zufolge haben Giraffen wiederholt angreifende Löwen durch Tritte ihrer Hinterhufe getötet.

Die Löwenweibchen bringen nach einer Tragzeit von dreieinhalb Monaten gewöhnlich zwei bis drei Junge zur Welt. Diese werden gesäugt, bis sie ungefähr ein halbes Jahr alt sind. Allerdings beginnen sie schon im Alter von ungefähr drei Monaten, auch Fleisch zu sich zu nehmen, denn ab diesem Alter begleiten sie das Rudel auf der Jagd. Das Junge auf dem Bild ist etwa acht Wochen alt.

In ganz Afrika gibt es heute nur noch zwischen 15 000 und 30 000 Löwen, und zwar in weit verstreuten, inselartigen Beständen. Einigermassen sicher sind diese Bestände ausschliesslich in grossen Schutzgebieten wie dem Etoscha-Nationalpark in Namibia, wo dieses Jungtier (auf einem Termitenhaufen) aufgenommen wurde.




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